Branche kompakt | Ägypten | Medizintechnik

Anschub durch Reformen im Gesundheitssektor

Ägypten führt eine allgemeine Krankenversicherung ein. Sie wird das Leistungsspektrum für viele Patienten erhöhen. Krankenhäuser müssen ihr Angebot dazu sukzessive ausbauen.

Marcus Knupp

Von Marcus Knupp | Kairo

Ausblick der Medizintechnik in Ägypten

Bewertung:

 

 

  • Einführung der staatlichen Krankenversicherung sorgt für Nachfrage nach Medizintechnik.
  • Aufbau der Gesundheitsinfrastruktur in Entlastungsstätten erhöht den Bedarf an Ausrüstung.
  • Regierung treibt die Digitalisierung des Gesundheitssystems voran.
  • Deutsche Hersteller sind gerne gesehen, aber der Markt ist preissensibel.

 

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Juli 2026

  • Die Einführung der allgemeinen Krankenversicherung und eine wachsende Bevölkerung führen zu steigenden Gesundheitsausgaben.

    Neue Städte und neue Versicherung treiben die Nachfrage

    Ein wichtiger Wachstumsfaktor für die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen in Ägypten ist die Zunahme der Bevölkerung um jährlich 1,5 Prozent. Zudem entstehen Entlastungstädte in verschiedenen Landesteilen, um Wohnraum für die zusätzlichen Einwohner zu schaffen. Die bekanntesten Entlastungsstädte sind New Cairo oder New El-Alamein. Aber auch mittelgroße Städte in den Provinzen erhalten Erweiterungen. Diese neuen Städte brauchen ihre eigene Gesundheitsinfrastruktur mit Arztpraxen, Krankenhäusern und Laboren. Daher plant das Ministerium für Gesundheit und Bevölkerung etliche mittelgroße Krankenhäuser mit etwa 200 Betten in den Provinzen.  

    Ein weiterer großer Triebfaktor für Investitionen im Gesundheitssektor ist die stufenweise Einführung einer Allgemeinen Krankenversicherung bis 2032. Ziel ist die Integration der gesamten rund 120 Millionen Einwohner in das Versicherungssystem. Im früheren System einer staatlichen Versicherung für den öffentlichen Dienst waren lediglich circa 6 Prozent der Ägypter versorgt. Der Rest musste private Versicherungen abschließen, Leistungen aus der eigenen Tasche bezahlen oder war auf soziale Hilfsdienste angewiesen. Mit der Einführung der "Universal Health Insurance" (UHI) erhalten nun sukzessive alle Einwohner Zugang zu normierten Gesundheitsleistungen. Dafür müssen die notwendigen institutionellen Strukturen geschaffen werden.

    Stärkere Beteiligung des Privatsektors

    Ein wichtiger Faktor in der Reform der Gesundheitswirtschaft in Ägypten ist die Beteiligung privater Anbieter. Sie sollen Teil des flächendeckenden Gesamtangebots werden. Die Versicherten der UHI können also standardisierte Gesundheitsleistungen in öffentlichen wie in privaten Einrichtungen in Anspruch nehmen. Private Versicherungen und spezialisierte Privatkliniken werden zukünftig als Ergänzung zur staatlichen Absicherung und Versorgung eine Rolle spielen.

    Zudem helfen private Einrichtungen mit ihrer Erfahrung und Expertise bei der Modernisierung der öffentlichen Anbieter. Dies geschieht zunächst in den für die Startphase ausgewählten Provinzen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang das Gesetz Nummer 87 von 2024, das privaten Betreibern erlaubt, öffentliche Krankenhäuser für einen Zeitraum von 3 bis 15 Jahren zu betreiben. Hinzu kommen neue Möglichkeiten für Labore, Dienstleister und Ausrüster, denn durch die Gesundheitsreform wird der Bedarf an Labordiagnostik steigen.

    4,5 %

    des BIP betragen die Gesundheitsausgaben in Ägypten im Durchschnitt der nächsten Jahre.

    Das Marktvolumen für Medizintechnik in Ägypten betrug 2025 circa 1,5 Milliarden US-Dollar (US$). Davon entfielen etwa 200 Millionen US$ auf die In-Vitro-Diagnostik (IVD). Die Angaben schwanken je nach Quelle erheblich, was vor allem an der uneinheitlichen Definition der Warengruppe Medizintechnik und abweichenden Erhebungsmethoden liegen dürfte. 

    In Anbetracht der zahlreichen Projekte an neuen Krankenhäusern und Krankenhauserweiterungen wird sich der Bedarf nach medizintechnischen Ausrüstungen in den kommenden Jahren weiter erhöhen. Etwa zwei Drittel der in Ägypten benötigten Medizintechnik werden aus dem Ausland bezogen.

    Ausgewählte Investitionsprojekte im Gesundheitssektor in Ägypten
    Akteur/Projekt

    Investitionssumme (in Mio. US$)

    ProjektstandAnmerkungen
    General Organization for Teaching Hospitals and Institutes (GOTHI)/ Medical City in New Administrative Capital

    1.000

    im BauInsgesamt 4.223 Betten in 298 Kliniken, 226 Operationsräume; Labore; Wohnquartiere; Kooperation mit China
    MIDAR/ Medical City in 6th of October City

    693

    Planung500 Betten; Ausbildungsstätten für bis zu 5.000 Studierende; MoU mit Gruppo GKSD (Italien); Ausschreibung für März 2027 angekündigt
    New Urban Communities Authority/ Nasser City Medical City

    100

    im Bau280 Betten; neue Stadt West Asyut, Provinz Asyut 
    Ministry of Defense/ Nasser Institute Hospital

    100

    Planung850 Betten; Ausschreibung angekündigt für Juli 2026
    Ministry of Health and Population/ New Hospital in Qus

    45

    Planung200 Betten; Provinz Qena; Ausschreibung angekündigt für Dezember 2026
    Ministry of Health and Population/ Monufia New Oncology Hospital

    41

    im Bau200 Betten
    Ministry of Defense/ International Stem Cell and Regenerative medicine Research and Therapeutic Centre

    25

    im BauBaubeginn war im Herbst 2025
    Quelle: MEED Projects 2026

    Die Einführung der allgemeinen Krankenversicherung bietet eine Gelegenheit zur Zusammenfassung und Vereinheitlichung digitaler Dienste im Gesundheitssektor. Gleichzeitig steigt der Druck zur Digitalisierung im Zuge der Integration staatlicher und privater Einrichtungen. Bisher ist die Ausstattung von Gesundheitseinrichtungen in Ägypten mit digitaler Technologie sehr ungleichmäßig. Viele kleinere öffentliche Kliniken und Einrichtungen in ländlichen Regionen arbeiten noch teilweise oder weitgehend auf Papierbasis.

    Regierungsstrategie bringt Bewegung im Bereich Digital Health

    Mit der Konzeption eines integrierten Systems hat das Ministerium für Gesundheit und Bevölkerung die lokale Firma eHealth betraut. Ziel ist die Erstellung einer Roadmap und deren koordinierte Umsetzung. Notwendig ist zunächst die Modernisierung der technischen Infrastruktur in vielen Krankenhäusern, Kliniken und bei Anbietern von Gesundheitsdiensten. Im Juni 2025 unterzeichnete eHealth eine Übereinkunft mit dem Ministerium zum Betrieb und Management eines National Digital Health Systems. Das Mutterunternehmen eFinance Group wurde 2021 durch einen Erlass des Ministerpräsidenten ins Leben gerufen, um die technischen Dienste des UHI-Systems zu betreiben.

    Im November 2025 stellte der ägyptische Gesundheitsminister Khaled Abdel Ghaffar die "National Digital Health Strategy 2025-2029" vor. Bis 2029 soll demnach ein integriertes digitales Gesundheitssystem im Land etabliert sein. Dazu gehört eine zentrale Patientendatenbank, sichere Zugänge zu den Netzwerken, der Aufbau digitaler Fertigkeiten bei den Beschäftigten des Gesundheitssektors und kontinuierliche Innovationen in der Erbringung der Dienste. Dazu zählen insbesondere Diagnoseverfahren, Telemedizin, KI-gestützte Analysen, Aufbereitung von Ergebnissen für Patienten und der Bereich Datensicherheit.

    Neben der heterogenen Ausgangsbasis und Datenqualität ist die Anpassung der Abläufe an die arabische Sprache ein wichtiges Kriterium. Durch die landesweite Anwendung ist es weiterhin wichtig, lokale Partner für die Implementierung zu finden. Danach muss außerdem der Support vor Ort gewährleistet sein. 

    Marcus Knupp

    Von Marcus Knupp | Kairo

  • Staatliche Krankenhäuser decken etwa drei Viertel des Bedarfs. Private Anbieter expandieren und übernehmen Spezialaufgaben. 

    Öffentlicher Sektor dominiert breite Versorgung

    Das ägyptische Gesundheitssystem basiert in wesentlichen Teilen auf staatlichen Einrichtungen. Hinzu kommen Universitätskrankenhäuser und eine wachsende Zahl von privaten Anbietern. Etwa 70 Prozent der verfügbaren Krankenhausbetten entfällt auf den öffentlichen Sektor, weitere 23 Prozent auf die Universitätskliniken. Institutionelle Kunden stellen also den Großteil der Nachfrage nach Medizintechnik in Ägypten. Das Niveau der technischen Ausstattung ist allerdings in den privaten Einrichtungen in der Regel weitaus besser. Dies spiegelt sich in den erheblich höheren Investitionen des Privatsektors pro Bett wider.

    Neben dem landesweiten Netz von Allgemeinkrankenhäusern gibt es im öffentlichen System auch eine Anzahl von Spezialkliniken, etwa zur Krebsbehandlung, für psychische Krankheiten oder ambulante Chirurgie. Lokale Krankenhäuser sind oft Anlaufstelle für Erstbehandlungen. In schwierigeren Fällen versuchen Patienten ohne private Krankenversicherung häufig, sich in den universitären Einrichtungen behandeln zu lassen. Die besser ausgestatteten Privatkliniken stehen im bisherigen System nur zahlungskräftigeren oder privat versicherten Patienten zur Verfügung.

    Rahmendaten zum Gesundheitssystem in Ägypten

    Indikator

    Wert

    Einwohnerzahl (2025 in Mio.)

    118,4

    Bevölkerungswachstum (2025 in % p.a.)

    1,5

    Altersstruktur der Bevölkerung (2025)

     

      Anteil der unter 14-Jährigen (in %)

    31,6

      Anteil der über 65-Jährigen (in %)

    5,3

    Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (2025 Frauen/Männer in Jahren)

    74,4 / 69,4

    Durchschnittseinkommen (BIP/Kopf 2025 in US$)

    3.191

    Gesundheitsausgaben pro Kopf (2024 in US$)

    144

    Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (2024 in %)

    4,4

    Ärzte/100.000 Einwohner (2024)

    145

    Zahnärzte/100.000 Einwohner (2024)

    43

    Krankenhausbetten/100.000 Einwohner (2024)

    113

     Anzahl öffentlicher Krankenhausbetten

    84.225

      Anzahl privater Krankenhausbetten

    36.014

    Quelle: Weltbank, Capmas, EIU 2026

    Die Gesamtzahl der Krankenhäuser betrug im Jahr 2024 nach Angaben des staatlichen ägyptischen Statistikamtes Capmas 1.830. Davon entfielen 677 auf den öffentlichen und 1.153 auf den privaten Sektor. Insgesamt standen 120.239 Betten zur Verfügung. 

    Pro 10.000 Einwohner waren das weniger als 12. Die in der National Health Strategy 2024-2030 formulierte Zielgröße sind 30 Betten pro 10.000 Einwohner im Jahr 2030. Soll dieser Wert realisiert werden, steht Ägypten vor einer enormen Expansion seines Bettenbestandes und damit der Zahl und Größe der Krankenhäuser.

    Die Unterschiede in der Versorgungsdichte zwischen städtischen und ländlichen Gebieten sind eklatant. Während der Großraum Kairo mit circa 26 Betten pro 10.000 Einwohner den Zielwert beinahe erreicht, liegen Provinzen in Oberägypten wie Beni Suef oder Qena bei unter 6 Betten pro 10.000 Einwohner. 

    Markt ist preissensibel

    Deutsche Medizintechnikprodukte erfreuen sich in Ägypten traditionell einer hohen Wertschätzung. Insbesondere technisch hochwertige Geräte werden zu einem erheblichen Anteil aus Deutschland bezogen. Der Markt ist allerdings preissensibel. Eine Herausforderung für deutsche Hersteller sind vor allem Anbieter aus China, Indien und Südkorea. Insbesondere für kleinere Geräte und Einwegartikel hat sich der Wettbewerb in den letzten Jahren erheblich verschärft. Einige Produkte werden von den Wettbewerbern für den halben Preis deutscher Anbieter oder weniger angeboten.

    Jährlich importiert Ägypten Medizintechnik im Wert von rund 200 Millionen Euro aus Deutschland. Zentraler Einkäufer für den Bedarf des öffentlichen Gesundheitssektors ist die Unified Procurement Authority (UPA). Am Aufbau eines gemeinsamen Beschaffungsmechanismus (African Pooled Procurement Mechanism, APPM) im Rahmen einer gesamtafrikanischen Kooperation ist die UPA maßgeblich beteiligt. Das Afrikanische Zentrum für Krankheitskontrolle und -prävention (Africa CDC) leitet die Zusammenarbeit und die Afrikanischen Union (AU) unterstützt sie. Ziel ist es, über den APPM kleineren Ländern den Zugang zu Medikamenten, Impfstoffen, Diagnostika und Medizintechnik zu erleichtern.

    Importe ausgewählter Medizinprodukte nach ÄgyptenIn Millionen US-Dollar, Anteile in Prozent
    SITCProduktgruppe

    2023

    2024

    2025

    Anteil Deutschland 2025

    774.1Elektrodiagnoseapparate und -geräte

    53,8

    50,7

    56,9

    36,8

    774.2Röntgenapparate etc.

    118,4

    101,6

    92,1

    27,8

    741.83 Sterilisierapparate

    7,3

    9,4

    10,6

    3,3

    872.1Zahnmedizinische Instrumente; a.n.g.

    14,4

    18,0

    19,2

    31,5

    872.21Spritzen, Nadeln, Katheter, Kanülen etc.

    40,1

    59,4

    47,7

    8,6

    872.25Ophthalmologische Instrumente

    11,3

    11,4

    10,7

    30,7

    872.29Andere Instrumente, Apparate und Geräte

    181,6

    207,8

    200,0

    16,6

    872.3Therapiegeräte, Atmungsgeräte etc.

    33,7

    31,8

    27,8

    10,6

    872.4Medizinmöbel etc.

    14,0

    12,0

    18,5

    14,2

    899.6Orthopädietechnik, Prothesen etc.

    132,8

    149,6

    151,7

    9,8

    Anteile Deutschlands wurden anhand der Angaben für Exporte aus Deutschland berechnet.Quelle: UN Comtrade, Statistisches Bundesamt

    Internationale Anbieter von Medizintechnik wie Siemens Healthineers, GE Healthcare oder Philips sind mit Vertriebsniederlassungen in Ägypten präsent. Ebenso sind Firmen wie B. Braun, Johnson & Johnson oder Stryker vor Ort. GE Healthcare baut zusammen mit dem Unternehmen Medinova (Al Safi Group) die Produktion von Ultraschallgeräten und Magnetresonanztomographen (MRI) vor Ort auf, wie das Informationsportal Enterprise meldet. Diese sollen in Ägypten und weiteren afrikanischen Märkten vertrieben werden.

    Lokale Produktion von Medizintechnik ist ausbaufähig

    Wie in anderen Industriesparten ist Ägypten auch bei Medizintechnik daran interessiert, den Anteil lokaler Produktion zu erhöhen. Ein Bereich, in dem dies bereits gelingt, sind beispielsweise Krankenhausmöbel. Das Unternehmen Ghalioungui etwa hat sich mit Start einer eigenen Produktion 2010 vom Händler zum Hersteller entwickelt. Weitere lokale Anbieter von Medizinmöbeln sind El-Manar oder der Laboreinrichtungshersteller Hoffen. 

    Gut etabliert im Bereich medizinischer Verbrauchsprodukte ist das 1992 gegründete Unternehmen Amecath oder die Firma Ultra for Medical Products. Die 2020 gegründete Arab African Company for Medical Industries (AACMI) fertigt verschiedene Verbrauchsmaterialen wie Fäden für die Chirurgie, Spritzen oder Schläuche sowie orthopädische und dentale Implantate. 

    Ein breites Portfolio von Laborgeräten bietet das Unternehmen Bio-Tec aus Alexandria an. Ein Teil davon stammt mittlerweile aus lokaler Fertigung. Der Elektrokonzern Elsewedy stattet mit seiner Healthcaresparte auch Krankenhäuser aus.

     

    Marcus Knupp

    Von Marcus Knupp | Kairo

  • Nur neue Geräte dürfen eingeführt werden. Zudem ist eine Registrierung bei der Arzneimittelbehörde Voraussetzung für den Marktzugang. Die Zulassung orientiert sich an EU-Standards.

    Großteil der Leistungen eigenfinanziert

    Die bislang geringe Abdeckung der ägyptischen Bevölkerung durch Krankenversicherungen führt dazu, dass rund 60 Prozent der Ausgaben im Gesundheitssektor von den privaten Haushalten getätigt werden ("out-of-pocket", OOP). Für circa ein Drittel der Kosten kommen staatliche Institutionen auf. Der Rest entfällt im Wesentlichen auf private Unternehmen und Wohlfahrtseinrichtungen.

    Mit der schrittweisen Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung wird sich der eigenfinanzierte Anteil in den kommenden Jahren deutlich verringern. Zudem werden potenziell Kosten für Leistungen übernommen, die sich bisher nicht versicherte Patienten aufgrund mangelnder Kaufkraft gespart haben. Die Verschiebung in der Finanzierung wird daher auch Auswirkungen auf die notwendige Ausstattung der Einrichtungen haben.

    Private Krankenhausbetreiber wie die Cleopatra Hospitals Group oder Saudi German Health haben einen größeren Anteil an den Investitionen in Medizintechnik als an den gesamten Behandlungen. Einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation WHO von 2023 zufolge liegt die Höhe der Leistungen pro Patient bei den privaten Krankenversicherungen etwa beim Fünfzehnfachen der staatliche Leistungen. Darin spiegelt sich nicht zuletzt die bessere Ausstattung der privaten Kliniken.

    Nur neue und registrierte Produkte

    Alle nach Ägypten eingeführten medizintechnischen Geräte müssen fabrikneu sein. Der Import gebrauchter Geräte ist nicht gestattet, auch dann nicht, wenn sie gespendet wurden. Alle medizinischen Produkte müssen bei der Egypt Drug Authority registriert werden. Ausländische Unternehmen ohne eigene Repräsentanz in Ägypten müssen für die Registrierung einen ägyptischen "Registration Licence Holder" benennen.

    Um an öffentlichen Ausschreibungen teilzunehmen, müssen Lieferanten bei der zentralen Beschaffungsstelle (Unified Procurement Authority, UPA) registriert und zugelassen sein. Über die UPA werden auch Ausschreibungen veröffentlicht.

    Zulassungsprozess ist komplex

    Zentrale Anlaufstelle für die Zulassung ist die EDA. Der gegebenenfalls zu benennende Lizenzhalter kann ein kommerzieller Vertriebspartner oder auch eine zugelassene wissenschaftliche Stelle sein. Dieser reicht den Registrierungsantrag bei der EDA ein. Das betreffende Produkt muss entsprechend den EU-Richtlinien für medizinische Geräte klassifiziert sein.

    Nach Einreichung des Antrags mit allen erforderlichen Unterlagen über eine elektronische Plattform (medevice.edaegypt.gov.eg) prüft die EDA das Dossier. Dieser Prozess kann zwischen vier und neun Monaten in Anspruch nehmen. Nach der Genehmigung ist die Registrierung für einen Zeitraum von zehn Jahren gültig. Eine Verlängerung muss in den ersten drei Monaten des letzten Gültigkeitsjahres beantragt werden.

    Im Februar hat die EDA einige Vereinfachungen im Genehmigungsverfahren angekündigt. Diese betreffen die Dokumentation der Stellung von Niederlassungen, die Gültigkeitsdauer eines Freiverkaufszertifikats sowie die Vergabe vorläufiger Importgenehmigungen.

    GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Marcus Knupp

    Von Marcus Knupp | Kairo

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK Ägypten

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Exportinitiative GesundheitswirtschaftDie Exportinitiative bündelt Unterstützungsangebote für die Internationalisierung der Gesundheitswirtschaft
    German Health AllianceNetzwerk für internationale Gesundheitsmärkte beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI)

    Ministerium für Gesundheit und Bevölkerung

    Zuständiges Ministerium in Ägypten

    Egyptian Drug Authority (EDA)

    Zulassungsbehörde für Arzneimittel und Medizintechnik

    Universal Health Insurance Authority (UHIA)

    Institution für die Abwicklung der Zahlungen im Rahmen der Allgemeinen Krankenversicherung (Universal Health Insurance, UHI)

    Egyptian Healthcare Authority (EHA)

    Behörde für die Verwaltung von Gesundheitsdiensten im Rahmen der UHI

    General Authority for Health Accreditation and Regulation (GAHAR)

    Behörde für Standards, Zulassungen und Verfahren im Gesundheitssektor
    Unified Procurement Authority (UPA)zentrale Beschaffungsstelle für den öffentlichen Gesundheitssektor