Fidschi, die Salomonen und Samoa investieren in Transport, Energie und Wasser. Chancen entstehen vor allem über öffentliche Programme und Ausschreibungen.
Fidschi, die Salomonen und Samoa zählen zu den kleinen, geografisch isolierten Pazifikstaaten mit begrenzten Binnenmärkten. Gleichzeitig könnten sie durch öffentliche Investitionsprogramme und internationale Finanzierung für deutsche Firmen interessant werden: In den kommenden Jahren fließen verstärkt Mittel in den Ausbau zentraler Infrastruktur – insbesondere in Transport, Energie, Wasser und digitale Konnektivität.
Fidschi: Wachsende Nachfrage nach resilienter Infrastruktur
Fidschi ist nach Papua-Neuguinea die zweitgrößte Volkswirtschaft der pazifischen Inselstaaten (PIC). Mit etwa 1 Million Einwohnern und einem BIP pro Kopf von 6.740 US-Dollar (US$) gehört das Land zu den einkommensstärkeren Volkswirtschaften im Südpazifik. Fidschi hat sich als Logistikdrehscheibe und Dienstleistungszentrum etabliert und ist stark vom Tourismus abhängig. Der Primärsektor, insbesondere Fischerei und Landwirtschaft, trägt mit etwa 15 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei.
In den aktuellen Haushaltsplänen steht der Infrastrukturausbau in den Bereichen Transport (Straßen, Brücken) sowie Wasser und Abwasser im Fokus. Im regionalen Vergleich gehört Fidschi zu den führenden Ländern bei der Reichweite der Stromversorgung. Nahezu alle Einwohner haben nach Angaben der Weltbank Zugang zu Elektrizität. Auch die Internetnutzung ist mit 75 Prozent im regionalen Vergleich hoch.
Gleichzeitig steigt der Bedarf an moderner und resilienter Infrastruktur, vor allem aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels. Extreme Wetterereignisse führen regelmäßig zu Schäden an Verkehrs- und Energieinfrastruktur. Straßen, Brücken und Hafeninfrastruktur, die Extremwetter standhalten, sind zunehmend gefragt. Die Nachfrage dürfte sich von Neubau hin zu Nachrüstung, Verbesserung und Sanierung verlagern.
Ebenso besteht Bedarf bei Überwachung und Früherkennung im Katastrophenschutz und bei Wetteranalysen sowie beim Schutz kritischer Infrastruktur. Deutsche Firmen finden auf der offiziellen E-Precurement-Website einen Überblick über Ausschreibungen.
Salomonen: Große Projektpipeline eröffnet Möglichkeiten
Die Salomonen zählen rund 820.000 Einwohner und gehören zu den größeren Inselstaaten im Pazifik. Mit etwa 2.000 US$ BIP pro Kopf zählen sie zu den wirtschaftlich schwächeren PICs. Ursachen sind unter anderem die geringe wirtschaftliche Diversifizierung sowie die starke Prägung durch Subsistenzlandwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei. Der Primärsektor erwirtschaftet etwa ein Drittel des BIP. Es gibt kaum industrielle Wertschöpfung und die Versorgung der rund 150 bewohnten Inseln ist logistisch aufwendig und kostenintensiv.
Zudem verzeichnen die Salomonen im regionalen Vergleich ein hohes Bevölkerungswachstum von 2 bis 3 Prozent pro Jahr. Die Bevölkerung wuchs in den vergangenen zehn Jahren teilweise schneller als die Wirtschaft.
Als kleiner, kapitalbedürftiger Staat sind die Salomonen stark von externer Finanzierung abhängig, etwa für Infrastrukturprojekte. Länder wie Australien, die USA, China und Neuseeland versuchen, über Kredite und Investitionsprojekte ihre jeweilige Einflusssphäre auszubauen.
So gerät der Inselstaat häufig in den strategischen Wettbewerb zwischen Australien und seinen Partnern (etwa den USA) sowie China. Gründe sind die geografische Nähe zu Australien sowie die Lage an wichtigen Luft- und Seewegen im Pazifik.
Der Investitionsbedarf auf den Salomonen ist projektgetrieben
Mit dem Solomon Islands National Infrastructure Investment Plan (SINIIP) 2026 wurde eine Projektpipeline von circa 2,5 Milliarden US$ vorgelegt. Laufende Vorhaben sind unter anderem das Wasserkraftprojekt Tina River, Solar- und Netzausbauprojekte sowie ein nahezu abgeschlossenes nationales Breitbandprogramm mit rund 98 Telekommunikationstürmen. Die Regierung priorisiert Transport, Energie, Telekommunikation sowie Wasser- und Abwasserinfrastruktur. Weitere Projekte sind für den Zeitraum 2026 bis 2028 vorgesehen.
Für deutsche Unternehmen ergeben sich Geschäftsmöglichkeiten, insbesondere bei erneuerbaren Energien, Netzstabilisierung, Batteriespeichern sowie in Telekommunikations- und Wassertechnik. Projekte erfolgen meist im Rahmen geberfinanzierter Ausschreibungen.
Informationen über Projekte und Ausschreibungen
Bei der Umsetzung von geberfinanzierten Vorhaben schreiben die Staaten die benötigten Bau-, Liefer- und Beratungsleistungen oft international aus.
GTAI informiert tagesaktuell mit Projektfrühinformationen und Hinweisen auf Ausschreibungen über die vielfältigen Geschäftschancen in der internationalen Zusammenarbeit. Die kostenfreie Datenbank ist nach Land, Branche und Geber filterbar.
Unser E-Mail-Service Tenders & Projects Daily liefert Ihnen täglich die neuesten öffentlichen Ausschreibungen und Projekte aus der ganzen Welt - direkt in Ihr Postfach.
Samoa: Nischenchancen in kleineren Infrastrukturprojekten
Samoa ist ein kleiner, vergleichsweise stabiler Markt. Mit etwa 220.000 Einwohnern, geringem Bevölkerungswachstum und einem BIP pro Kopf von 5.400 US$ gehört das Land zum oberen Mittelfeld der PICs.
Öffentliche Programme und externe Finanzierung stützen die wirtschaftliche Entwicklung. Die Wirtschaft wird vor allem vom Tourismus, von der Landwirtschaft sowie von Rücküberweisungen getragen.
Das Budget 2025/26 unterstreicht die zentrale Rolle staatlicher Investitionen, insbesondere in Straßeninfrastruktur, Wasser- und Sanitärversorgung sowie Energieprojekte mit Fokus auf netzgekoppelte Solarenergie. Für die kommenden Jahre zeichnen sich vor allem kleinere Projekte ab, etwa in den Bereichen Solar-IPP, Netzanbindung und Wassertechnik.
Für deutsche Firmen ergeben sich Einstiegsmöglichkeiten als Nischenanbieter, etwa bei Planung, Systemtechnik, Betrieb und Wartung sowie digitaler Betriebsführung.
Das EU-Pazifik Wirtschaftspartnerschaftsabkommen soll Investitionen fördern
Das EU-Pacific Interim Economic Partnership Agreement (iEPA) schafft für PNG, Fidschi, Samoa und die Salomonen einen Rahmen für den Warenhandel mit der EU. Es gewährt zoll- und quotenfreien Zugang zum EU-Binnenmarkt, während die Inselstaaten ihre Märkte schrittweise und selektiv öffnen.
Die Umsetzung erfolgt teilweise zögerlich, unter anderem wegen Sorgen um lokale Industrien und einseitige Handelsbeziehungen. Auch mögliche fiskalische Einnahmeverluste durch Zollsenkungen sowie begrenzte administrative Kapazitäten tragen zur Skepsis bei.
Für europäische Firmen ergeben sich dennoch Chancen. Das Abkommen verbessert Rechtssicherheit, Marktzugang sowie Zoll- und Ursprungsregeln. Dies kann den Einstieg in Projekte, Lieferketten und Investitionen in der Region erleichtern.
Von Daniel Lenkeit
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Sydney