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Australien führt neues Prioritätssystem für Fachkräftevisa ein

Australien ordnet die Bearbeitung von Fachkräftevisa neu. Die Änderungen haben spürbare Folgen für Bewerber:innen, Unternehmen und die internationale Fachkräftegewinnung.

Jan Sebisch

Von Jan Sebisch | Bonn

Mit der am 25. Juli 2026 in Kraft getretenen Ministerial Direction 119 (MD-119) hat das australische Department of Home Affairs ein neues Prioritätensystem für die Bearbeitung von Fachkräftevisa eingeführt. Die neuen Regelungen betreffen zahlreiche wichtige Visa für qualifizierte Arbeitskräfte wie zum Beispiel das temporäre Skills-in-Demand-Visa (Subclass 482) oder das Employer Nomination Scheme Visa (Subclass 186).

Fünf Prioritätsstufen

Die neue Regelung teilt entsprechende Visaanträge in fünf Kategorien ein: An erster Stelle stehen Visaanträge von Antragstellenden aus den Bereichen Polizei und Verteidigung, bei denen sich die Antragsteller:innen bereits in Australien befinden. Danach folgen Visaanträge aus den Bereichen Gesundheitswesen, Bildung und Bau, sofern sich die Antragstellenden bereits in Australien aufhalten. Die vierte Kategorie umfasst alle anderen beruflichen Visaanträge von Antragsteller:innen, die sich bereits in Australien befinden. Am Ende stehen schließlich sämtliche anderen Visaanträge von Antragsteller:innen aus dem Ausland.

Die Einstufung hat insbesondere Auswirkungen auf die Bearbeitungszeiten der Anträge.

Welche Berufe bevorzugt werden

Die Einstufung richtet sich nicht allein nach der Berufsbezeichnung, sondern nach der australischen Berufsklassifikation ANZSCO (Australian and New Zealand Standard Classification of Occupations).

Im Gesundheitsbereich werden unter anderem Ärzt:innen, Pflegekräfte, Psycholog:innen und Sozialarbeitende sowie bestimmte Pflegeberufe bevorzugt behandelt. Bei den Lehrberufen gehören unter anderem Lehrer:innen, Schulleitungen, Hochschuldozent:innen und Beschäftigte in der Kinderbetreuung zu den priorisierten Berufen.

Auch zahlreiche Bauberufe profitieren grundsätzlich von der dritten Prioritätsstufe. Dazu zählen unter anderem Bauleitende, Architekt:innen, Bauingenieur:innen, Elektriker:innen, Schweißer:innen und Kranführer:innen.

Konsequenzen für Unternehmen

Für australische Arbeitgeber, die internationale Fachkräfte einstellen möchten, verändert sich die Personalplanung erheblich. Visaanträge von Offshore-Antragstellenden, die nicht in den Bereichen Polizei oder Verteidigung tätig sind, müssen möglicherweise mit erheblichen Verzögerungen im Rahmen der Bearbeitung ihrer Anträge rechnen.

Ein weiteres Problem in diesem Zusammenhang stellt die Gültigkeit eingereichter Antragsunterlagen dar. Gesundheitsuntersuchungen oder polizeiliche Führungszeugnis sind teilweise nur zwölf Monate gültig. Auch Reisepässe, Sprachtests und Qualifikationsnachweise können während einer langen Bearbeitungszeit ihre Gültigkeit verlieren. Antragsteller und Arbeitgeber müssen daher darauf achten, dass ihre Unterlagen während des gesamten Antragsverfahrens aktuell bleiben.

Für australische Arbeitgeber bedeutet die Änderung der Priorisierung eine Verschiebung der bisherigen Strategie: Sofern es möglich ist, sollten sie prüfen, ob geeignete Jobkandidaten bereits in Australien leben und über entsprechende Arbeitsgenehmigungen verfügen. Gleichzeitig bleibt allerdings die internationale Rekrutierung für viele Unternehmen unverzichtbar, insbesondere im Hinblick auf hochspezialisierte Tätigkeiten, für die sich auf dem australischen Arbeitsmarkt nicht genügend Fachkräfte finden lassen. In diesen Fällen müssen sich Arbeitgeber jedoch auf längere Wartezeiten bei der Personaleinstellung und Verfügbarkeit einstellen.

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