Wirtschaftsumfeld | Bosnien und Herzegowina | Arbeitsmarkt, Lohn- und Lohnnebenkosten

Fachkräftemangel und Inflation lassen Löhne und Gehälter steigen

Steigende Preise machen Gehaltserhöhungen in Bosnien und Herzegowina nötig. Facharbeiter verdienen mehr als einfaches Personal. Die Löhne liegen deutlich unter dem EU-Schnitt.

Von Hans-Jürgen Wittmann | Belgrad

In Bosnien und Herzegowina steigen die Arbeitskosten. Der perspektivisch schrumpfende Pool an Arbeitskräften verknappt das Angebot und erhöht den Lohndruck. Zudem fordern Arbeitnehmer aufgrund der hohen Inflation mehr Geld. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar 2022 bis Ende 2025 legten die Verbraucherpreise im Land kumuliert um rund ein Viertel zu.

Steigender Mindestlohn soll hohe Inflation abmildern

Um die gewachsenen Lebenshaltungs- und Energiekosten zu kompensieren und die Kaufkraft zu erhalten, erhöhen die Entitäten Föderation Bosnien und Herzegowina (FBiH) und Republika Srpska (RS) schrittweise den Mindestlohn. Seit Januar 2026 beläuft sich die Lohnuntergrenze in der FBiH auf 1.027 Konvertible Mark (KM, rund 525 Euro). In der RS ist der Mindestlohn an das Qualifikationsniveau gekoppelt. Die Spanne liegt 2026 zwischen 510 Euro für ungelernte und gering qualifizierte Arbeitskräfte und bis zu 740 Euro für Hochschulabsolventen. Im Sonderverwaltungsgebiet Brčko gibt es keinen gesetzlichen Mindestlohn. Die Lohnverhandlungen orientieren sich an Richtwerten der beiden Entitäten.

Die Mindestlohnanhebung könnte Neueinstellungen in arbeitsintensiven Branchen erschweren, in denen Lohnkosten einen größeren Anteil an den Gesamtausgaben ausmachen. Dennoch dürfte sich der Mindestlohn in beiden Entitäten über 2026 hinaus am Lohnniveau orientieren und weiter zulegen.

Durchschnittslöhne steigen kontinuierlich an

Die Löhne und Gehälter steigen aufgrund des Arbeitskräftemangels, der starken Abwanderung und der Anhebung des Mindestlohns stetig. Der durchschnittliche monatliche Nettolohn lag im April 2026 bei 860 Euro, meldet die bosnische Statistik - ein reales Plus von 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) ein reales Lohnplus von 4,5 Prozent. Im Jahr 2027 dürften die Real-Nettolöhne um weitere 3 Prozent anziehen.

Dabei können die statistisch erfassten Gehälter von der Realität abweichen. In bestimmten Branchen wie der Landwirtschaft wird ein Teil des Gehalts per Briefumschlag ausbezahlt und damit außerhalb der regulären Lohnabrechnung.

Obwohl die Gehälter stark zulegen, bleibt das Lohngefüge Bosnien und Herzegowinas in der Region - und vor allem im Vergleich mit Deutschland - konkurrenzfähig. So liegen die Gehälter des zweitgrößten Westbalkanlandes knapp unter dem Niveau Bulgariens, dem Schlusslicht in der EU - und deutlich unter dem EU-Schnitt von rund 2.200 Euro netto.

Höchste Gehälter in Metropolen und Industriezentren

Das Lohngefüge variiert zwischen den Metropolen und Wirtschaftszentren und dem Rest des Landes teils stark. Vor allem in den Entitäts-Hauptstädten Sarajevo und Banja Luka sowie in wirtschaftlichen Zentren wie Tuzla, Zenica oder Mostar liegen die monatlichen Nettolöhne über dem Landesschnitt. Diese Regionen profitieren von einer höheren Wirtschaftskraft dank Produktion und Dienstleistungen und der Ansiedlung internationaler Firmen - Faktoren, die zu einem höheren Lohnniveau beitragen.

Sarajevo weist mit rund 900 Euro die höchsten Nettolöhne auf. Dies zeigen kantonale sowie Entitätsdaten und Angaben auf Jobportalen. In Banja Luka liegen die Einkommen bei bis zu 850 Euro, während Mostar, Tuzla und Zenica mit etwa 820 Euro etwas darunter rangieren. Insgesamt bewegen sich die Löhne in den urbanen Zentren damit über dem nationalen Durchschnitt von rund 800 Euro netto. Im Gegensatz dazu weisen ländliche und periphere Regionen tendenziell ein niedrigeres Lohnniveau auf, was auf eine geringere Produktivität, weniger hochwertige Industriezweige und weniger ausländische Investoren hindeutet.

Sektorale Einkommensunterschiede bleiben groß

Noch stärker variiert das Einkommen je nach Branche. Gerade Firmen, die starkem Wettbewerb unterliegen und in exportnahen Branchen aktiv sind, vergüten ihre Mitarbeitenden überdurchschnittlich gut. Die höchsten Gehälter werden in der IKT- und Telekommunikationsbranche, im Finanz- und Versicherungswesen sowie bei technischen Berufen bezahlt. Am unteren Ende der Lohnskala befindet sich Personal im Gastgewerbe und Tourismus, dem Einzelhandel und Dienstleistungssektor.

„Mittelfristig dürfte das Lohnwachstum im IKT-Sektor stärker qualifikationsgetrieben sein. Knapp bleiben vor allem Spezialisten mit technologischer Tiefe und internationaler Projekterfahrung,“

ergänzt Tarik Altumbabic, CEO von StoersenDigital.

Durchschnittliche Nettomonatslöhne für ausgewählte Branchen In Euro, 2025
Branche

Monatslohn

Durchschnittslohn

803

Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei

692

Bergbau

930

Verarbeitendes Gewerbe

673

Strom-, Gas-, Wärme- und Kälteversorgung

998

Wasserver- und entsorgung, Abfallwirtschaft

702

Baugewerbe

638

Groß- und Einzelhandel, Reparatur von Kfz

667

Transport und Lagerung

709

Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie

581

Informations- und Kommunikationsleistungen

1.103

Finanz- und Versicherungswesen

1.057

Immobilienbranche

691

Forschung und Wissenschaft

931

Administration

710

Öffentliche Verwaltung und Verteidigung

994

Bildungswesen

797

Gesundheitswesen

1.005

Kunst, Unterhaltung, Tourismus

692

Sonstige Dienstleistungen

817

Durchschnittliche monatliche Nettolöhne nach Wirtschaftszweigen (KD BiH 2010) im Jahresdurchschnitt 2025.Quelle: Agentur für Statistik von Bosnien und Herzegowina (BHAS) 2026

Auch vom Qualifikationsniveau hängt die Bezahlung ab. Führungskräfte sowie hochqualifizierte Beschäftigte gehen je nach Branche und Erfahrung mit bis zu 1.940 Euro netto oder mehr nach Hause. Einfaches Personal oder Hilfsarbeiter verdienen monatlich rund 560 Euro.

Durchschnittliche Nettomonatslöhne für ausgewählte Positionen In Euro, 2025
Position

Monatslohn

Durchschnittslohn

803

Führungskraft

715 bis 1.786

Personal mit akademischer Ausbildung

850 bis 1.450

Techniker

700 bis 1.250

Unterstützende Bürokraft

537 bis 1.359

Dienstleistungs- und Verkaufskraft

550 bis 900

Fachkraft in der Land-, Forst- und Fischwirtschaft

550 bis 850

Handwerker

650 bis 1.100

Anlagen- und Maschinenbediener, Montagekraft

600 bis 1.000

Hilfskraft

511 bis 800

Zur besseren Lesbarkeit wird in dieser Tabelle bei den Berufsbezeichnungen die jeweilige Begrifflichkeit sowohl für die männliche als auch die weibliche Form verwendet.Quelle: Plattform Plata.ba (Alma Career BH); Agentur für Statistik von Bosnien und Herzegowina (BHAS); Recherchen und Berechnungen von Germany Trade & Invest 2026

Bosnien und Herzegowina verfügt weiterhin über eine breite Präsenz internationaler Organisationen wie die Vereinten Nationen oder die Militärmission EUFOR. Da die Bezahlung für lokales Personal in der Regel deutlich über dem nationalen Durchschnitt liegt, zählen sie zu den attraktivsten Arbeitgebern und verstärken den Wettbewerb.

Lohnnebenkosten unterscheiden sich nach Entität

Bosnien und Herzegowina bevorzugt bei Lohnnebenkosten die Arbeitgeberseite. Das Sozialversicherungssystem unterscheidet sich je nach Entität. Die Gesamtbelastung für den Arbeitgeber liegt in der FBiH nur bei 5 Prozent des Bruttolohns. Hinzu kommen geringfügige Nebenkosten, wie Beiträge für den Katastrophenschutz. In Brčko betragen die Arbeitgeberbeiträge rund 6 Prozent. In der RS führen Arbeitgeber gar keine Beiträge an die Sozialversicherung ab. Der landesweit einheitliche Einkommensteuersatz beträgt 10 Prozent.

Sozialbeiträge 2026In Prozent der Bemessungsgrundlage
Sozialversicherungsbeitrag (Arbeitgeberanteil)Föderation Bosnien und HerzegowinaRepublika Srpska
Rentenversicherung

2,5

0

Krankenversicherung

2

0

Arbeitslosenversicherung

0,5

0

Sonstige Versicherungen

0,5 Naturkatastrophenfonds; 0,5 Wasserabgabe

0

Quelle: PwC Worldwide Tax Summaries 2026.

Unternehmen zahlen in der Regel zusätzliche freiwillige Leistungen, wie Zuschüsse für Essen, Nahverkehr oder Urlaub. Größere und international tätige Firmen bieten ihren Mitarbeitenden auch Fahrdienste, Leistungsprämien sowie Mietzuschüsse. Bestimmte Leistungen können steuerlich begünstigt werden.

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