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Personalsuche und Mitarbeiterbindung gewinnen höheren Stellenwert

Die Abwanderung macht die Suche nach qualifizierten Fachkräften aufwendiger. Firmen nutzen Jobportale und Netzwerke zur Personalsuche. Die Mitarbeiterbindung wird immer wichtiger.

Von Hans-Jürgen Wittmann | Belgrad

Die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften wird in Bosnien und Herzegowina immer aufwendiger. Konnten internationale Firmen früher aus einem breiten Pool an Bewerbern auswählen, steigt mittlerweile die Konkurrenz um geeignete Kandidaten. Bei der Personalsuche setzen lokale und ausländische Unternehmen auf eine Kombination aus digitalen Kanälen, privaten Jobvermittlern und informellen Netzwerken. Dies spiegelt sowohl die Modernisierung des Arbeitsmarktes als auch dessen traditionell beziehungsorientierten Charakter wider.

Onlineplattformen und Netzwerke dominieren bei Personalsuche

In den vergangenen Jahren entwickelten sich Online-Jobportale zum wichtigsten formalen Rekrutierungskanal. Sie bieten landesweite Sichtbarkeit für offene Stellen und werden von nationalen wie internationalen Arbeitgebern aktiv genutzt. Zu den relevantesten Plattformen gehören MojPosao, Bolji Posao, Poslovi oder Jooble BA

Klix Posao ist Teil einer der meistbesuchten Online-Medienplattformen des Landes und bietet eine Vielzahl von Stellenanzeigen und vernetzt ein breites Spektrum an Arbeitgebern und Kandidaten. Aggregatoren wie MojKonkurs bündeln Stellenanzeigen verschiedener Plattformen und erhöhen so die Transparenz und Zugänglichkeit für Jobsuchende.

Zu den wichtigsten internationalen Personaldienstleistern für einfache und mittlere Tätigkeiten zählen Manpower oder Candor International. Hinzu kommen lokale, auf Branchen spezialisierte Agenturen wie ClipCon Recruitment oder StoersenDigital. Für Führungspositionen bieten Executive Searcher und Headhunter wie Talentor oder InHunt ihre Dienste an. Die Kosten der Mitarbeitergewinnung hängen stark vom Rekrutierungskanal ab. Angefangen von wenigen hundert Euro für Stellenanzeigen auf Jobportalen, bis hin zu einem anteiligen Jahresgehalt als Vermittlungsgebühr für Führungskräfte.

Viele kleine und mittlere Unternehmen nutzen weiterhin informelle Kanäle. Dazu zählen Weiterempfehlungen, persönliche Netzwerke und Direktansprache. Dies gilt vor allem in Regionen mit stark angespanntem Arbeitsmarkt. Unternehmen sprechen potenzielle Kandidaten dort aktiv an.

Auch Messen wie Sajam poslova dienen der Rekrutierung von Personal. Regionale Jobbörsen, etwa in Banja Luka oder Tuzla, bringen Unternehmen und Jobsuchende zusammen. Für Hochschulabsolventen bietet sich die IUS Job Fair in Sarajevo an. Auch die AHK Bosnien und Herzegowina unterstützt deutsche Unternehmen bei der Personalsuche über ihr Netzwerk und Veranstaltungen.

Auswahlverfahren vergleichbar mit Deutschland

Rekrutierungsprozesse sind im Vergleich zu Mitteleuropa weniger umfangreich und standardisiert. Die Bewerbungsunterlagen beinhalten in der Regel nur einen Lebenslauf. Das Auswahlverfahren wird bei kleineren lokalen Firmen relativ unbürokratisch gehandhabt, Entscheidungen schnell und auf Basis weniger Gespräche getroffen. Persönliche Eignung und Vertrauen spielen dabei eine wichtige Rolle.

Größere und international tätige Unternehmen wenden hingegen eher strukturiertere Verfahren an. Diese umfassen üblicherweise eine erste Sichtung der Lebensläufe, ob sie den formellen Anforderungen entsprechen oder Inkonsistenzen aufweisen. Es folgen eine bis zwei Interviewrunden, um die fachliche Eignung zu prüfen. Immer beliebter bei Vorstellungsgesprächen werden auch praktische Tests.

Bei Gehaltsverhandlungen nennen Bewerber in Bosnien und Herzegowina in der Regel ihren gewünschten Nettolohn. Auf das Bruttogehalt fallen weitere Abgaben wie Lohnsteuern, Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung sowie freiwillige Leistungen wie Zuschüsse für Fahrtkosten oder Essen an.

Mitarbeiter in Bosnien und Herzegowina zeichnen sich durch eine hohe Motivation und Loyalität zum Arbeitgeber aus. Das Jobhopping, also das Wechseln des Arbeitgebers für ein etwas höheres Gehalt oder bessere Karrierechancen, nimmt in unsicheren Zeiten ab. Die Bereitschaft zum Pendeln oder zum Umzug in eine andere Stadt oder ein anderes Land ist nur gering ausgeprägt. Zeitarbeit ist wenig verbreitet und kommt meist zur Deckung von Auftragsspitzen zum Einsatz. Zum Auslagern der Personalverwaltung gibt es entsprechende Anbieter. Doch meist führen lokale Chefs eher traditionell und möchten ihre Mitarbeitenden im Blick haben.

Unternehmen verstärken Anstrengungen zur Mitarbeiterbindung

Angesichts der sinkenden Arbeitslosigkeit, steigender Beschäftigung und fortlaufend gemeldeten offenen Stellen gewinnt die Bindung langjähriger und verdienter Mitarbeiter immer mehr an Bedeutung. Obwohl das Gehalt weiterhin ein wichtiger Faktor ist, reicht es allein nicht mehr aus, um Angestellte langfristig zu binden. Lokale und internationale Arbeitgeber bieten daher vermehrt Zusatzleistungen an. Im Personalmanagement kommen verstärkt moderne HR-Praktiken zum Einsatz, darunter Homeoffice, leistungsbezogene Boni, Programme zur Aus- und Weiterbildung, private Krankenversicherung oder Möglichkeiten zur internationalen Erfahrung. Trotz dieser Bemühungen bleibt die Mitarbeiterbindung eine Herausforderung, vor allem aufgrund der Abwanderungsmöglichkeiten in die EU-Arbeitsmärkte, wo die Löhne meist deutlich höher sind.

Hohe Attraktivität deutscher Unternehmen

Deutsche und internationale Firmen genießen in Bosnien und Herzegowina einen guten Ruf. Dies gilt insbesondere bei jüngeren und höher qualifizierten Bewerbern. Sie gelten als stabile, zuverlässige und professionell geführte Arbeitgeber mit überdurchschnittlich guten Arbeitsbedingungen. Neben moderner Mitarbeiterführung, pünktlichen Gehaltszahlungen und der Einhaltung arbeitsrechtlicher Bestimmungen überzeugen deutsche Arbeitgeber mit Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung. Gleichzeitig gehen diese Vorteile mit höheren Anforderungen an die Mitarbeiter einher.

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