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Abkommen stärkt Chemiegeschäft

Das Abkommen sichert deutschen Herstellern von Chemieprodukten Chancen im Wachstumsmarkt Brasilien. Durch die Dekarbonisierung ergeben sich neue Synergien. 

Von Gloria Rose, Fabian Nemitz | São Paulo, Bonn

Deutschland ist Brasiliens viertwichtigstes Lieferland für Chemiewaren und Kunststoffe, nach China, den USA und Russland. Die Importe aus der Bundesrepublik bezifferten sich 2025 auf knapp 3,4 Milliarden US-Dollar (US$).

Deutschland liefert ein breites Spektrum an Chemiewaren und Kunststoffen nach Brasilien. Die wichtigsten Produktgruppen sind:

  • Heterocyclische Verbindungen, nur mit Stickstoff als Heteroatom(e) (HS 2933)
  • Mineralische oder chemische Kalidüngemittel (HS 3104)
  • Insektizide, Rodentizide, Fungizide, Herbizide etc. (HS 3808)
  • Diagnostik- oder Laborreagenzien auf einem Träger und zubereitete Diagnostik-
    oder Laborreagenzien (HS 3822)
  • Andere Waren aus Kunststoffen und Waren aus anderen Stoffen der
    HS-Positionen 3901 bis 3914 (HS 3926)

Der Marktanteil Deutschlands bei Chemiewaren entwickelte sich in den vergangenen Jahren rückläufig. Von 2020 bis 2025 sank er von 6,8 auf 5,1 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil Chinas von 17,5 auf 26,8 Prozent. Gegen den Trend zulegen konnte Deutschland bei der Produktgruppe 3822 (Diagnostik- oder Laborreagenzien).

Chancenradar zeigt: 133 Produkte profitieren besonders

Das seit dem 1. Mai 2026 vorläufig angewendete Interimshandelsabkommen (iTA) umfasst insgesamt 2.501 Warenpositionen der NCM-Kapitel 28 bis 38 (chemische Erzeugnisse mit Ausnahme pharmazeutischer Produkte des Kapitels 30) sowie der Kapitel 39 und 40 (Kunststoffe und Kautschuk).

Für zahlreiche Chemikalien sieht das Abkommen einen Basiszollsatz von 2 Prozent vor, der innerhalb von vier Jahren vollständig entfällt. Ein erheblicher Teil dieser Produkte war jedoch bereits vor Inkrafttreten des iTA zollfrei, da der Meistbegünstigungszollsatz (MFN) bei null liegt.

Für andere chemische Erzeugnisse wurden Basiszollsätze von 10, 12 oder 14 Prozent vereinbart, die schrittweise über einen Zeitraum von zehn Jahren abgebaut werden. In vielen Fällen liegt der brasilianische MFN allerdings unter dem festgelegten Basiszollsatz. Maßgeblich ist dann der niedrigere MFN-Zollsatz, der zugleich als Ausgangspunkt für den vereinbarten Zollabbau dient.

Der Chancenradar von GTAI zeigt, dass insgesamt 133 Produkte besonders von dem iTA profitieren, darunter 29 von dem Wegfall der Zölle mit Inkrafttreten des Abkommens beziehungsweise einem hohen sofortigen Zollvorteil sowie 112 von einer Zollabbaugeschwindigkeit von mehr als 1,2 Prozentpunkten pro Jahr. Bei acht Produkten sind beide Chancenkategorien gleichzeitig erfüllt.

Die nachstehende Tabelle zeigt die Top-5-Produkte des Chancenradars, ausgehend von der Höhe der brasilianischen Importe.

Top-5 Chancen im Bereich ChemiewarenImporte in Millionen US-Dollar; Marktanteil in Prozent

NCM-Warengruppe

Produktbezeichnung

MFN-Zollsatz (Basiszollsatz) *)

Vollständiger Zollabbau für EU

durchschnittlicher jährlicher Import Brasiliens 2021 bis 2025

Importtrend

Marktanteil Deutschlands an Brasiliens durchschnittlichen Importen 2021 bis 2025

Hoher sofortiger ZollvorteilHohe Abbaugeschwindigkeit

28362010

Dinatriumcarbonat, wasserfrei

9 (0)

zollfrei seit Inkrafttreten des Handelsabkommens

403,0

steigend

0,0

ja 

40151900

Andere Handschuhe aus vulkanisiertem Weichkautschuk

14,4

1. Januar 2036

190,3

sinkend

0,0

 ja

35069190

Andere Klebstoffe auf der Grundlage von Polymeren

14,4

1. Januar 2036

111,1

steigend

10,4

 ja

29225099

Andere Aminoalkoholphenole, Aminophenole usw., mit Sauerstoff-Funktionen

10,8 (2,0)

1. Januar 2030

106,8

sinkend

3,6

ja 

29152100

Essigsäure

10,8 (2,0)

1. Januar 2036

100,3

sinkend

0,1

ja 
* Meistbegünstigungszollsatz (allg. WTO-Zollsatz); für EU-Ursprungswaren gelten seit 1.5.26 die im iTA vorgesehenen Basiszollsätze; maßgeblich ist der niedrigere Zollsatz; ist der MFN-Satz niedriger als der Basiszollsatz, gilt der MFN-Satz, und umgekehrt.Quelle: Interimshandelsabkommen EU-Mercosur 2026; Comex Stat 2026; Industrieverband des Bundesstaates São Paulo (FIESP) 2026; Berechnungen von Germany Trade & Invest 2026

Wachsender Markt mit hoher Importabhängigkeit

Brasilien ist der größte Chemiemarkt Lateinamerikas und importiert einen erheblichen Teil seines Bedarfs an Chemikalien. Die Nachfrage wächst vor allem durch das Agribusiness, die Bauwirtschaft und die verarbeitende Industrie. Deutsche Anbieter von Spezialchemikalien, Industriechemikalien und Vorprodukten profitieren von diesem strukturellen Nachfragewachstum.

Das EU-Mercosur-Abkommen verbessert die Wettbewerbsposition europäischer Lieferanten gegenüber Anbietern aus Drittstaaten. Mit dem schrittweisen Abbau der Zölle sinken die Kosten für den Marktzugang. Gleichzeitig schafft das Abkommen mehr Planungssicherheit. Neue Handelshemmnisse und Antidumping-Verfahren gegenüber Produkten mit EU-Ursprung werden erschwert.

Darüber hinaus eröffnen sich auch Chancen im Zuge der Dekarbonisierung. Brasilien verfügt über günstige Voraussetzungen für die Produktion von Biomethan, Biokraftstoffen und anderen biobasierten Rohstoffen. Dadurch entstehen neue Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette, etwa bei Spezialchemikalien, Katalysatoren und Verfahrenstechnologien. Die Kombination aus wachsender Nachfrage, hoher Importabhängigkeit und guten Voraussetzungen für grüne Chemie macht Brasilien zu einem strategisch wichtigen Markt für die deutsche Chemieindustrie.

Weitere Informationen zum Chemiesektor in Brasilien und dem Mercosur

Mehr Informationen zu den Auswirkungen des EU-Mercosur-Abkommens auf den Chemiesektor in den Mercosur-Staaten sowie eine Einordnung der wichtigsten Trends finden Sie in dieser weiterführenden Analyse.

Zu Marktdaten und -trends, dem Marktumfeld und regulatorischen Fragen lesen Sie die Brasilienausgabe unserer Reihe Branche kompakt Chemische Industrie.