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Chemie: Aussichten auf Handelsgewinne

Das Abkommen sichert deutschen Herstellern von Chemieprodukten Chancen in Wachstumsmärkten. Durch die Dekarbonisierung ergeben sich neue Synergien.

Gloria Rose

Von Gloria Rose | São Paulo

Nach Maschinen und Anlagen sind chemische Erzeugnisse das zweitwichtigste Exportgut der EU in die Länder des Mercosur. Im Jahr 2024 standen Chemikalien laut Eurostat für 14 Prozent der EU-Ausfuhren in die südamerikanische Staatengemeinschaft.

Die Nachfrage nach Chemiewaren in den Mercosur-Staaten steigt, getrieben vom Agribusiness, der verarbeitenden Industrie und der Bauwirtschaft. Bei der Deckung ihres Bedarfs sind die Länder in hohem Maße auf Importe angewiesen. Das wichtigste Lieferland ist China, gefolgt von den USA und der EU. Russland ist ein wichtiger Lieferant von Düngemitteln.

EU-Mercosur-Abkommen als geopolitischer Stabilitätsanker

Auf den Import von Chemieerzeugnissen erhebt der Mercosur Zölle von bis zu 18 Prozent. Aus Sicht des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) kann die handels- und geopolitische Bedeutung des Vertrages gerade in Zeiten eines sich zuspitzenden US-chinesischen Hegemonialkonflikts nicht überschätzt werden. Es würden nicht nur Zölle und nicht tarifäre Handelshemmnisse abgebaut. Auch mögliche Zollerhöhungen würden für den jeweiligen Partner verhindert, betont der VCI in einer öffentlichen Stellungnahme. 

Restriktive Maßnahmen für den Handel ergreift in der Region hauptsächlich Brasilien. Zum Schutz der lokalen Industrie setzte das Land in den vergangenen Jahren Antidumping-Zölle auf Dicarbonsäure, Ethylenglykolmonobutylether (EGBE) und Monoethanolamin (MEA) aus Deutschland in Kraft.

Südamerikas Markt für Chemieerzeugnisse wächst stark

Mit der wachsenden Weltbevölkerung wird die landwirtschaftliche Produktion in Südamerika in den kommenden Jahrzehnten weiter zulegen. Die Agrarriesen Brasilien und Argentinien spielen schon heute weltweit in der ersten Liga. Dabei gehören die Mercosur-Staaten auch zu den wichtigsten Agrarchemiemärkten weltweit und erweitern die Nachfrage von Jahr zu Jahr.

Die lokale Chemieindustrie kommt mit dem Wachstum schon lange nicht mehr mit und weist bei Düngemitteln eine hohe Importabhängigkeit auf. So deckte Brasilien 2024 rund 45 Prozent seines Bedarfs an Industriechemikalien aus Einfuhren. Um die Versorgung zu sichern, fördert das Land die Düngerproduktion über den 2022 verabschiedeten Plano Nacional de Fertilizantes.

Wettbewerbsvorteile bei Produktion grüner Chemieprodukte

Argentinien und Brasilien verfügen über große Vorkommen an Erdöl und Erdgas und erweitern die Förderung in den kommenden Jahren. Dies bietet Chancen für den Ausbau der Chemieindustrie. Noch größere Wettbewerbsvorteile kann Südamerika allerdings im Zuge der Dekarbonisierung ausspielen, dank der hervorragenden Bedingungen für erneuerbare Energien und die Produktion von grünem Wasserstoff sowie die großen Ressourcen an Biomasse.

Bereits jetzt steigen die Investitionen in Biomethan und Biokraftstoffe, darunter auch hochwertiges SAF (Sustainable Aviation Fuel). Evonik erwartet eine zunehmende Nachfrage nach Katalysatoren, die für die chemischen Prozesse benötigt werden. Der Spezialchemiekonzern aus Essen ist ein führender Anbieter im Katalysatorgeschäft.

“Das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen bietet der chemischen Industrie in beiden Regionen viele Vorteile. Europäische Spezialchemie-Unternehmen verbessern ihre Wettbewerbsfähigkeit im Mercosur, während Mercosur-Konzerne mit Fokus auf biobasierte Rohstoffe und grüne Energie leichter Zugang zum EU-Markt erhalten. Da beide Gruppen komplementäre Positionen in der Wertschöpfungskette einnehmen, schafft der Freihandel in der chemischen Industrie hauptsächlich Gewinner."

 

Hendrik Schönfelder Geschäftsführer Evonik Brasilien

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