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Chiles Megareform

Weniger Steuern, mehr Investitionssicherheit und neue Umweltvorschriften: Chiles Wirtschaftsreform bringt wichtige Änderungen für deutsche Unternehmen.

Dr. Julio Pereira

Von Dr. Julio Pereira | Chile

Mit dem Gesetz Nr. 21.850 hat Chile im Oktober 2026 eine umfassende Wirtschaftsreform verabschiedet. Sie soll Wachstum fördern, Investitionen anziehen und die Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Die Reform senkt die Körperschaftsteuer bis 2029 schrittweise, ändert die Dividendenbesteuerung und schafft neue Steuervergünstigungen. Investoren können zudem bei Projekten ab 50 Millionen US-Dollar mit dem Staat Verträge über steuerliche Stabilität für bis zu 20 Jahre schließen. Im Umweltrecht werden Genehmigungsverfahren vereinfacht. Zugleich bleiben Umweltgenehmigungen gerichtlich überprüfbar.

Für deutsche Unternehmen eröffnet die Reform neue Chancen, erfordert aber eine genaue Prüfung von Voraussetzungen, Fristen und Durchführungsbestimmungen.

  • Die Megareform senkt die Körperschaftsteuer schrittweise bis 2029, ändert die Besteuerung von Dividenden und schafft neue Steuervergünstigungen für Unternehmen und Investoren.

    Am 17. Oktober 2026 wurde nach intensiven Debatten die lang erwartete Megareform Chiles im Amtsblatt veröffentlicht. Neben der schrittweisen Senkung der Körperschaftsteuer ändert die Reform die Regeln für die Besteuerung von Dividenden, führt neue Steuervergünstigungen ein und ermöglicht die befristete Bereinigung steuerlicher Altlasten. Für deutsche Unternehmen mit Geschäftstätigkeiten in Chile ist der Zeitplan besonders wichtig: Zahlreiche Bestimmungen treten bereits am 1. November 2026 in Kraft.

    Was sind die wichtigsten steuerlichen Änderungen?

    Die von Präsident José Antonio Kast verkündete Reform (Gesetz Nr. 21.850/2026, Ley para la Reconstrucción Nacional y el Desarrollo Económico y Social) zählt zu den umfassendsten Wirtschaftsreformen Chiles der vergangenen Jahre. Sie verbindet Maßnahmen zur Finanzierung des Wiederaufbaus von durch Waldbrände betroffenen Regionen mit Anreizen für Investitionen und Wirtschaftswachstum.

    Im Steuerrecht stehen vier Änderungen im Mittelpunkt:

    1. Senkung der Körperschaftsteuer: Der Steuersatz auf Unternehmensgewinne sinkt bis 2029 schrittweise von 27 auf 23 Prozent.
    2. Neue Regeln für Dividenden: Die Pflicht zur teilweisen Rückerstattung von Steuergutschriften bei der Besteuerung von Anteilseignern wird schrittweise abgeschafft.
    3. Steuerliche Anreize: Neue Vergünstigungen für den Export digitaler Dienstleistungen und bestimmte Aufwendungen für Beschäftigte sowie Steuerbefreiungen für Kapitalgewinne.
    4. Befristete Sonderregelungen: Erleichterungen bei der Nachdeklaration von Auslandsvermögen, der Besteuerung angesammelter Gewinne und der Begleichung von Steuerschulden sowie Anreize für den Immobiliensektor.

    Wie wird die Körperschaftsteuer gesenkt?

    Die Reform senkt den Steuersatz des Impuesto de Primera Categoría (IDPC), der wichtigsten chilenischen Steuer auf Unternehmensgewinne. Für Unternehmen im allgemeinen Besteuerungssystem beträgt der Steuersatz derzeit 27 Prozent. Er wird nach folgendem Zeitplan schrittweise gesenkt:

    GeschäftsjahrIDPC-Steuersatz (in Prozent)
    202627
    202725,5
    202824
    Ab 202923

    Die niedrigeren Steuersätze werden auch bei der Berechnung der monatlichen Steuervorauszahlungen berücksichtigt. Dadurch kann sich die Liquidität der Unternehmen verbessern.

    Für kleine und mittlere Unternehmen gelten teilweise besondere Besteuerungssysteme (Pro Pyme). Deren Steuersätze werden durch die Neuregelung nicht automatisch ersetzt.

    Was ändert sich bei der Besteuerung von Dividenden?

    Die Reform ändert auch die Besteuerung von Gewinnausschüttungen an Anteilseigner, einschließlich solcher im Ausland. Im chilenischen Steuersystem kann die vom Unternehmen gezahlte Körperschaftsteuer auf die Steuer angerechnet werden, die der Anteilseigner auf erhaltene Dividenden schuldet. Bisher mussten bei bestimmten Ausschüttungen 35 Prozent dieser Steuergutschrift zurückerstattet werden. Dies erhöhte die tatsächliche Steuerbelastung.

    Das neue Gesetz schafft diese Rückerstattungspflicht ab 2027 grundsätzlich ab. Für bereits entstandene und während der Übergangszeit entstehende Steuergutschriften gelten jedoch folgende Regeln:

    Entstehungszeitraum der SteuergutschriftenRückerstattungspflicht
    Bis 31. Dezember 202635 % (bisherige Regelung, soweit anwendbar)
    Gewinne aus 202730 %
    Gewinne aus 202820 %
    Gewinne ab 20290 %

    Für deutsche Unternehmen mit chilenischen Tochtergesellschaften könnte die Änderung die Steuerbelastung bei Dividendenzahlungen an die Muttergesellschaft verringern. Die tatsächlichen Auswirkungen hängen jedoch davon ab, wann die Steuergutschriften entstanden sind, welche Übergangsregeln gelten und wie die ausländischen Anteilseigner steuerlich behandelt werden.

    Welche neuen Steuervergünstigungen gibt es?

    Die Reform schafft einen besonders interessanten Anreiz für Unternehmen, die Technologie-, Ingenieur-, Beratungs- und andere wissensbasierte Dienstleistungen ins Ausland exportieren.

    Unternehmen, die digitale Dienstleistungen für Kunden im Ausland erbringen, können künftig eine Steuergutschrift in Höhe von 15 Prozent bestimmter Personalkosten auf ihre Körperschaftsteuer anrechnen lassen. Der Satz erhöht sich auf 20 Prozent, wenn die Beschäftigten überwiegend in Betriebsstätten außerhalb der Metropolregion Santiago oder in bestimmten ländlichen Gebieten tätig sind.

    Voraussetzung ist unter anderem, dass die Dienstleistungen von der chilenischen Zollbehörde als Export anerkannt werden. Die Steuergutschrift ist auf 75 monatliche Steuereinheiten (Unidad Tributaria Mensual - UTM) je Beschäftigten und Jahr begrenzt. Einzelheiten müssen noch durch ergänzende Vorschriften geregelt werden. Die Regelung könnte insbesondere deutschen Tochtergesellschaften zugutekommen, die Chile als regionalen Standort für die Erbringung internationaler Dienstleistungen nutzen.

    Darüber hinaus führt die Reform eine Steuergutschrift für Unternehmen ein, die die Behandlung schwerer Erkrankungen ihrer Beschäftigten oder anspruchsberechtigter Familienangehöriger finanzieren. Dafür gelten besondere Voraussetzungen und Höchstbeträge.

    Eine weitere Änderung betrifft Investoren am Kapitalmarkt. Ab 2027 gelten bestimmte Gewinne aus der Veräußerung von Wertpapieren, die bislang einer Steuer von 10 Prozent unterlagen, nicht mehr als steuerpflichtige Einkünfte. Die Steuerbefreiung gilt ausschließlich für Geschäfte, die die Voraussetzungen des Artikels 107 des chilenischen Einkommensteuergesetzes erfüllen.

    Welche befristeten Sonderregelungen sind wichtig?

    Die Reform führt mehrere zeitlich begrenzte Möglichkeiten zur Bereinigung steuerlicher Altlasten ein. In Chile ansässige Steuerpflichtige können bestimmte bislang nicht ordnungsgemäß versteuerte Vermögenswerte und Einkünfte im Ausland nachträglich deklarieren. Dafür gilt ein einmaliger Steuersatz von 10 Prozent. Er sinkt auf 7 Prozent, wenn bestimmte Voraussetzungen für die Überführung und langfristige Anlage der Mittel in Chile erfüllt werden.

    Unternehmen mit bestimmten angesammelten Gewinnen können außerdem eine einmalige Besteuerung mit 10 Prozent wählen. Diese ersetzt die Steuern, die normalerweise bei der Ausschüttung dieser Gewinne anfallen würden. Die Regelung setzt entsprechende steuerliche Gewinnkonten voraus. Die damit verbundenen Steuergutschriften dürfen nicht genutzt werden. Darüber hinaus erleichtert das Gesetz bestimmten Steuerpflichtigen die Begleichung bestehender Steuerschulden durch den teilweisen Erlass von Zinsen und Geldbußen. Im Immobiliensektor wird die erstmalige Veräußerung bestimmter neuer Wohnimmobilien vorübergehend von der Mehrwertsteuer befreit, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

    Vor der Nutzung dieser Sonderregelungen sollten deutsche Unternehmen prüfen, ob die Voraussetzungen erfüllt sind, welche Folgen sich für bestehende Steuergutschriften ergeben und welche Antragsfristen einzuhalten sind.

    Zum Thema:

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  • Die Megareform schützt Großinvestitionen vor steuerlichen Änderungen und sieht Garantien gegen Diskriminierung sowie Mediation und Schiedsverfahren vor.

    Die chilenische Megareform schafft einen neuen Schutzmechanismus für Großinvestitionen. Durch einen Vertrag mit dem Staat können sich in- und ausländische Investoren bestimmte steuerliche und regulatorische Rahmenbedingungen für bis zu 20 Jahre sichern. Die Regelung richtet sich an Projekte ab 50 Millionen US-Dollar, insbesondere in den Bereichen Bergbau, Energie, Industrie und Infrastruktur. Im Gegenzug müssen die Unternehmen Transparenzpflichten und Verschuldungsgrenzen einhalten sowie eine zusätzliche Steuerbelastung in Kauf nehmen.

    Wie funktioniert der neue Investitionsvertrag?

    Artikel 26 des Gesetzes Nr. 21.850/2026 (Ley para la Reconstrucción Nacional y el Desarrollo Económico y Social) führt ein freiwilliges System zur steuerlichen Stabilität (invariabilidad tributaria) ein. Es soll langfristige Investitionen vor bestimmten Gesetzesänderungen schützen. Der Vertrag wird mit dem chilenischen Finanzministerium unter Beteiligung der staatlichen Investitionsförderungsagentur InvestChile geschlossen. Unternehmen, die das System nicht nutzen, unterliegen weiterhin den allgemeinen gesetzlichen Vorschriften.

    Teilnahmeberechtigt sind ausländische und inländische Investoren mit Projekten im Wert von mindestens 50 Millionen US-Dollar in den Bereichen Bergbau, Industrie, Forstwirtschaft, Energie, Infrastruktur, Telekommunikation, Forschung, Technologie sowie medizinische und wissenschaftliche Tätigkeiten. Bei der Berechnung der Mindestinvestition werden sowohl Eigenkapitaleinlagen als auch tatsächlich für das Projekt eingesetzte Fremdmittel berücksichtigt. Auch chilenische Tochtergesellschaften deutscher Konzerne können unmittelbar an dem System teilnehmen.

    Wie lange ist die Investition geschützt?

    Die Dauer der Stabilitätsgarantie richtet sich nach der Höhe der Investition:

    InvestitionsvolumenDauer der Stabilitätsgarantie
    50 bis unter 100 Millionen US-Dollar10 Jahre
    100 bis unter 350 Millionen US-Dollar15 Jahre
    Ab 350 Millionen US-Dollar20 Jahre

    Die Frist beginnt, sobald das Projekt seine wirtschaftliche Tätigkeit aufnimmt und Umsätze erzielt, nicht unbedingt bereits mit der Vertragsunterzeichnung.

    Für die Durchführung der Investition stehen bei Bergbauprojekten bis zu zehn Jahre und in den übrigen Sektoren bis zu fünf Jahre zur Verfügung.

    Welche Garantien bietet der Vertrag?

    Die wichtigste Garantie besteht darin, dass die bei Vertragsunterzeichnung geltenden steuerlichen Bedingungen für die Einkommensbesteuerung grundsätzlich erhalten bleiben. Der Schutz umfasst die effektive Steuerbelastung der Investition und kann auch bestimmte Vorschriften über Abschreibungen, Verlustverrechnung und die Buchführung in Fremdwährung einschließen.

    Der Vertrag sichert zudem während der Durchführung der Investition die geltenden Mehrwertsteuer- und Zollregelungen für die Einfuhr von Investitionsgütern. Exportorientierte Projekte können zusätzlichen Schutz hinsichtlich der Vorschriften über die Exportfreiheit erhalten. Für den Bergbau sind besondere Garantien vorgesehen. Sie betreffen die Bergbauabgabe (royalty minero), die Einführung neuer sektorspezifischer Steuern und die Berechnung bestimmter Abgaben für Explorationsrechte.

    Die Stabilitätsgarantie ersetzt jedoch keine behördliche Projektgenehmigung. Umweltgenehmigungen, sektorspezifische Zulassungen und andere behördliche Anforderungen bleiben weiterhin erforderlich.

    Wie werden Investoren vor Diskriminierung geschützt?

    Das Gesetz sieht vor, dass ausländische Investitionen bei vergleichbaren Voraussetzungen nicht schlechter behandelt werden dürfen als inländische Investitionen. Dies gilt insbesondere für den ungerechtfertigten Ausschluss von gesetzlichen Vergünstigungen, Förderprogrammen oder Sonderregelungen, die chilenischen Unternehmen offenstehen.

    Stellt ein Investor eine diskriminierende Behandlung fest, kann er innerhalb eines Jahres beim Finanzministerium (Ministerio de Hacienda) deren Beseitigung beantragen. Das Ministerium muss innerhalb von 60 Arbeitstagen entscheiden. Wird die Angelegenheit auf Verwaltungsebene nicht geklärt, kann der Investor den Rechtsweg beschreiten.

    Wie werden Streitigkeiten mit dem Staat beigelegt?

    Streitigkeiten über die Auslegung, Durchführung oder Gültigkeit des Investitionsvertrags müssen zunächst einem Mediationsverfahren unter Beteiligung von InvestChile unterzogen werden. Kommt keine Einigung zustande, kann der Investor ein Schiedsverfahren nach den vertraglich vereinbarten und gesetzlich vorgesehenen Bedingungen verlangen.

    Das Schiedsverfahren ist allerdings auf vertragliche Streitigkeiten beschränkt. Entscheidungen der Steuerbehörden über Steuerprüfungen und die Festsetzung oder Erhebung von Steuern unterliegen weiterhin den dafür vorgesehenen Verfahren und zuständigen Gerichten.

    Was kostet die Teilnahme?

    Die rechtliche Stabilität ist nicht kostenlos. Das Gesetz sieht einen Zuschlag von 1,5 Prozent auf den für die geschützten Einkünfte geltenden Körperschaftsteuersatz vor. Darüber hinaus müssen Investoren bestimmte Anforderungen erfüllen:

    1. Verschuldung: Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen dürfen das steuerliche Eigenkapital höchstens um das Dreifache übersteigen.
    2. Transparenz: Regelmäßige Vorlage geprüfter Jahresabschlüsse und gesellschaftsrechtlicher Informationen bei der chilenischen Finanzmarktaufsicht.
    3. Buchführung: Gesonderte steuerliche Buchführung für die geschützte Investition.
    4. Umstrukturierungen: Meldung bestimmter gesellschaftsrechtlicher Änderungen an die zuständigen Behörden.

    Bei Verstößen gegen diese Pflichten können die vertraglichen Garantien entfallen.

    Investoren können auch auf die Sonderregelung verzichten und zum allgemeinen Rechtssystem zurückkehren. Diese Entscheidung ist jedoch endgültig. Bei Projekten mit mehreren Investoren kann der Verzicht eines Beteiligten auch die Rechte der übrigen Investoren beeinträchtigen, abhängig von den vertraglichen Vereinbarungen.

    Zum Thema:

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  • Die Reform führt neue Verfahren zur Anfechtung von Umweltgenehmigungen ein, begrenzt gerichtliche Aussetzungen und erleichtert Änderungen an bereits genehmigten Projekten.

    Die chilenische Megareform ändert die Vorschriften für Umweltgenehmigungsverfahren grundlegend. Das Gesetz Nr. 21.850/2026 (Ley para la Reconstrucción Nacional y el Desarrollo Económico y Social) soll die Genehmigung von Projekten beschleunigen, Verfahren vereinfachen und die Dauer gerichtlicher Aussetzungen begrenzen. Eine der umstrittensten Maßnahmen, die eine staatliche Entschädigung für Investoren bei Aufhebung ihrer Umweltgenehmigungen vorsah, wurde jedoch für verfassungswidrig erklärt. Für deutsche Unternehmen aus den Bereichen Energie, Bergbau und Infrastruktur schafft die Reform mehr Verfahrenssicherheit, beseitigt aber nicht die rechtlichen Risiken ihrer Investitionen.

    Was ändert sich bei Umweltgenehmigungen?

    Artikel 11 der Reform ändert das Gesetz Nr. 19.300, das die Umweltverträglichkeitsprüfung (Sistema de Evaluación de Impacto Ambiental – SEIA) regelt. Eine der wichtigsten Änderungen betrifft Projekte, die bereits über eine gültige Umweltgenehmigung, die sogenannte Resolución de Calificación Ambiental (RCA), verfügen. Änderungen innerhalb des bereits geprüften Projektgebiets erfordern künftig nur dann eine erneute Umweltverträglichkeitsprüfung, wenn sie das Ausmaß oder die räumliche Reichweite der Umweltauswirkungen wesentlich verändern. Rein technologische Verbesserungen sind von einer erneuten Prüfung ausgenommen.

    Die Reform führt außerdem ein freiwilliges Sonderverfahren für Umweltverträglichkeitsprüfungen ein. In diesem Verfahren darf die Behörde bei vereinfachten Prüfungen auf Grundlage einer Umwelterklärung (Declaración de Impacto Ambiental) nur einmal zusätzliche Informationen vom Projektträger anfordern. Bei Projekten, die eine umfassende Umweltverträglichkeitsstudie (Estudio de Impacto Ambiental) erfordern, sind bis zu zwei Nachforderungsrunden zulässig. Die zweite muss eine begründete Ausnahme darstellen. Damit sollen wiederholte Nachforderungen vermieden und die Verfahren berechenbarer werden.

    Wie können Umweltgenehmigungen angefochten werden?

    Die Reform schafft einen besonderen Verwaltungsrechtsbehelf gegen Entscheidungen, mit denen Projekte im Rahmen des SEIA genehmigt, abgelehnt oder mit Auflagen versehen werden. Der Rechtsbehelf muss innerhalb von 30 Tagen nach Bekanntgabe oder Veröffentlichung der Entscheidung eingelegt werden. Welche Behörde zuständig ist und wie lange sie für ihre Entscheidung Zeit hat, hängt von der Art des Prüfverfahrens ab:

    Art der UmweltprüfungZuständige StelleEntscheidungsfrist
    Umwelterklärung (Declaración de Impacto Ambiental)Exekutivdirektor des Umweltprüfungsdienstes (Director Ejecutivo del Servicio de Evaluación Ambiental - SEA)30 Tage
    Umweltverträglichkeitsstudie (Estudio de Impacto Ambiental)Ministerausschuss (Comité de Ministros)60 Tage

    Das Gesetz schränkt außerdem die zulässigen Beschwerdegründe ein. Wer sich an der öffentlichen Beteiligung beteiligt hat, muss seine Beschwerde auf die zuvor vorgebrachten Einwendungen oder auf wesentliche Verfahrensfehler stützen. Andere Betroffene müssen eine unmittelbare Beeinträchtigung nachweisen oder wesentliche Verfahrensfehler geltend machen.

    Die Verwaltungsentscheidung kann innerhalb von 20 Tagen vor dem zuständigen Umweltgericht angefochten werden. Die Reform schränkt zudem die Möglichkeit ein, bereits in diesem besonderen Verfahren behandelte Fragen mit weiteren Verwaltungsrechtsbehelfen erneut aufzugreifen.

    Wie lange darf eine Umweltgenehmigung ausgesetzt werden?

    Eine weitere wichtige Änderung betrifft einstweilige Maßnahmen der Umweltgerichte. Nach der Reform dürfen gerichtliche Entscheidungen, mit denen eine Umweltgenehmigung ganz oder teilweise ausgesetzt wird, zunächst höchstens 30 Kalendertage gelten. Sie können jeweils um weitere 30 Tage verlängert werden, dürfen insgesamt jedoch sechs Monate nicht überschreiten.

    Ausnahmsweise kann das Gericht eine erneute Aussetzung anordnen, wenn dies erforderlich ist, um schwere und irreversible Schäden für die Umwelt oder die Gesundheit zu verhindern, oder wenn offensichtlich gegen die Auflagen der Umweltgenehmigung verstoßen wird. Gegen solche Entscheidungen kann innerhalb von zehn Tagen Rechtsmittel beim zuständigen Berufungsgericht eingelegt werden.

    Gibt es eine Entschädigung bei Aufhebung der Genehmigung?

    Nein. Der ursprüngliche Gesetzentwurf sah vor, dass der Staat Investoren entschädigt, deren Umweltgenehmigungen gerichtlich aufgehoben werden. Das Verfassungsgericht erklärte diesen Mechanismus im August 2026 für verfassungswidrig und bestätigte seine Entscheidung im Rahmen der präventiven Normenkontrolle im Oktober.

    Der verkündete Gesetzestext enthält weiterhin Bestimmungen zur Berechnung und zum Verfahren einer solchen Entschädigung. Der chilenische Rechnungshof (Contraloría General de la República) stellte jedoch am 16. Oktober 2026 klar, dass diese Vorschriften nach den Entscheidungen des Verfassungsgerichts gegenstandslos geworden sind.

    In der Praxis schafft die Reform somit keinen funktionsfähigen Mechanismus für staatliche Entschädigungen bei gerichtlicher Aufhebung einer Umweltgenehmigung. Deutsche Unternehmen müssen dieses Risiko daher weiterhin bei Vertragsverhandlungen, Finanzierungen und der Planung ihrer Projekte berücksichtigen.

    Wann treten die neuen Regeln in Kraft?

    Die Bestimmungen ohne besondere Übergangsfrist treten am 1. November 2026 in Kraft. Einige Änderungen hängen jedoch noch von ergänzenden Verordnungen ab. Dies gilt insbesondere für die neuen Kriterien zur Bewertung von Projektänderungen und für die Vorschriften über Energieerzeugungsanlagen. Bei Letzteren wird eine künftige Verordnung festlegen, ab welcher Leistung eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich ist. Dabei darf die gesetzlich festgelegte Untergrenze von 3 Megawatt nicht unterschritten werden.

    Das Umweltministerium muss die neuen Durchführungsverordnungen zum SEIA innerhalb eines Jahres nach Veröffentlichung des Gesetzes erlassen.

    Zum Thema:

    Die Megareform wurde im Rahmen der Strategie Chiles zur Marktdiversifizierung verabschiedet – ein Thema, das im GTAI-Webinar Diversifizierung: Lateinamerika - Der Fall China behandelt wurde. Die Aufzeichnung des Webinars steht hier zur Verfügung:

    11 Nov. 2025

    Diversifizierung: Lateinamerika - Der Fall China (November 2025)

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