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Branche kompakt | China | Kfz-Industrie

Chinas Kfz-Branche wächst vor allem dank Elektromobilität

China fährt zunehmend der deutschen Konkurrenz davon - besonders bei E-Autos. Auch als Exportstandort gewinnt das Reich der Mitte an Bedeutung.

Von Corinne Abele | Shanghai

Ausblick der Kfz-Branche in China

 

  • Der Absatz im größten Kfz-Markt wächst, vor allem dank Elektrofahrzeugen. 
  • E-Auto-Exporte steigen 2024, gebremst werden könnten sie durch Antisubventionsmaßnahmen.
  • Der inländische Preiswettbewerb wird an Intensität zunehmen.

Anmerkung: Einschätzung der Autorin für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Februar 2024

  • Markttrends

    Elektromobilität und Exporte halten Chinas Automobilbranche auf Erfolgskurs. Die Ausfuhr von Autos trug 2023 erstmals mehr als die Hälfte zum Wachstum des Automobilabsatzes bei. 

    Insgesamt bleibt Chinas Automobilbranche auch in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten mit einem Absatzzuwachs von 12 Prozent 2023 auf Erfolgskurs. Zu verdanken hat sie dies vor allem dem Absatz von Fahrzeugen mit alternativem Antrieb (New Energy Vehicle - NEV) mit einem Plus von 37,9 Prozent sowie dem rasanten Exportanstieg. Unter der Bezeichnung NEV sind im wesentlichen reine batteriebetriebene, Plug-in-hybride und zu einem geringen Anteil auch Brennstoffzellenfahrzeuge subsumiert.

    Exporte halten Autobranche auf Erfolgskurs

    Die Nachfrage im Ausland wird immer wichtiger. Erstmals trug der Export über die Hälfte (57,9 Prozent) zum Wachstum von Chinas Automobilabsatz bei, so die Zahlen des chinesischen Verbands der Automobilbranche CAAM (Chinese Association of Automobile Manufacturers). CAAM rechnet für 2024 mit einem Absatzzuwachs von 30 Millionen auf rund 31 Millionen Fahrzeuge. Dabei sieht Fitch Ratings einen Anteil der Elektromobilität von 42 bis 45 Prozent bei Neuwagen voraus.

    ~60 %

    der Produktion sowie es Absatzes von Elektrofahrzeugen weltweit stellt China. 

    Viele chinesischen Konsumenten empfinden die Wirtschaftslage schlechter, als es die offiziellen Zahlen vermuten lassen. Bei zahlreichen Automodellen gab es 2023 mehrfach Preisreduzierungsrunden, denen sich kaum ein Hersteller und Vertriebspartner widersetzen konnte. Inzwischen antizipieren interessierte Neukunden sinkende Preise und haben gelernt, abzuwarten. Dies dürfte auch für 2024 gelten, denn der NEV-Kauf bleibt bis Ende 2025 von der Mehrwertsteuer befreit; danach wird sie bis Ende 2027 zur Hälfte fällig.

    Kfz-Zulieferer in der (Preis-)Zange

    Den Preisdruck im chinesischen Markt geben auch ausländische Hersteller an ihre Zulieferer weiter. So sehen sich auch deutsche Kfz-Zulieferer immer mehr in Konkurrenz zu günstigeren chinesischen Anbietern. Einige treiben daher verstärkt die Lokalisierung voran. Von ihr erhoffen sie sich eine stärkere Kostenkontrolle, größere Nähe zum Kunden, kürzere Lieferzeiten und eine größere Unabhängigkeit von Disruptionen im Welthandel.

    Bild vergrößern

    Trotz deutlicher Zuwächse bei den insgesamt 24,6 Millionen Neuzulassungen 2023 bleibt der NEV-Anteil am Fahrzeugbestand von insgesamt knapp 336 Millionen Fahrzeugen bei 6,1 Prozent. Dabei ist das Durchschnittsalter der Bestandsfahrzeuge weiter auf über sechs Jahre angestiegen. Während die NEV-Produzenten deutlich an Marktanteilen gewinnen - ganz vorne der chinesische Hersteller BYD - verlieren die Anbieter von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. So hielt beispielsweise die Volkswagengruppe im 3. Quartal 2023 noch 14,7 Prozent am gesamten Pkw-Markt, aber nur 2,6 Prozent am NEV-Markt. 

    Absatz von Pkw in China 2023 nach Herstellern in 1.000 Stück, Marktanteil sowie Veränderungsrate in Prozent

    Hersteller

    Absatz*)

    Veränderung zu 2022

    Marktanteil

    BYD

    2.706

    50,0

    12,5

    FAW-VW

    1.847

    3,8

    8,5

    Geely

    1.412

    14,4

    6,5

    ChangAn

    1.372

    7,7

    6,3

    SAIC-VW

    1.231

    -1,0

    5,7

    GAC-Toyota

    901

    -7,3

    4,2

    SAIC-GM

    870

    -16,1

    4,0

    Chery

    811

    12,9

    3,7

    FAW-Toyota

    802

    0,3

    3,7

    GWM

    760

    0,2

    3,5

    * Einzelhandelsabsatz der Hersteller.Quelle: China Passenger Car Association (CPCA) 2024

    Roadmap für emissionsarme Autobranche

    Die chinesische Regierung ist sich bewusst, dass der Markt zwar die stark von Subventionen getriebene Anfangsphase überstanden hat, aber noch längst kein Selbstläufer ist. Nach wie vor ist die Anschaffung eines Elektroautos deutlich teurer als eines herkömmlichen Pkw. Am 7. Dezember 2023 veröffentlichten die China Society of Automotive Engineers (China CAE) und der China Automotive Technology and Research Center (CATARC) unter Leitung des Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie MIIT (Ministry of Industry and Information Technology) die "Roadmap 1.0 für die umweltfreundliche und emissionsarme Entwicklung der Automobilindustrie". 

    Diese betont eine weitere Förderung durch fiskalische und finanzielle Anreize sowie die Unterstützung von NEV-Pilot- und Demonstrationsprojekten. Angestrebt wird ein NEV-Anteil an den Neuwagenverkäufen (Pkw und Nfz) von 45 Prozent im Jahr 2025 und von 60 Prozent im Jahr 2030. 

    China führt erstmals bei Autoexporten 

    Angesichts von Überkapazitäten, zurückhaltend agierender Käufer im Inland und eines heftigen heimischen Preiskampfes setzen chinesische Autobauer wie SAIC, Chery, BYD und Geely verstärkt auf den Export. Aber auch ausländische Autobauer, die in China produzieren, tragen zu Chinas Kfz-Export bei. So dürfte der Anteil ausländischer Marken am Gesamtexport von Pkw sowie Liefer- und Leichtkraftwagen laut CAAM vom Januar 2024 bei rund 22 Prozent liegen. Gemäß CAAM exportierte das Land rund 4,9 Millionen Fahrzeuge und dürfte damit den bisherigen Kfz-Weltmeister Japan 2023 überholt haben. 

    Um den europäischen Markt gegen Elektrofahrzeuge zu Billigpreisen aus China zu schützen, hat die Europäische Kommission im September 2023 eine Antisubventionsuntersuchung eingeleitet. Inspektoren überprüfen demnach BYD, Geely und SAIC in China. Rund 41,4 Prozent von Chinas NEV-Exporten gingen 2023 nach Europa. 

    Gleichzeitig treiben chinesische Top-Firmen entlang der Wertschöpfungskette wie CATL, Gotion, BYD oder Chery den Aufbau von Werken und NEV-Clustern im Ausland voran. Damit verringern auch sie die Abhängigkeit von ihrem Heimatmarkt und bauen außerhalb Chinas Industriecluster auf, um einer sich abzeichnenden Fragmentierung der weltweiten Wirtschafts- und Handelsregionen zu begegnen. Den Spagat zwischen Produktions- sowie Absatzabhängigkeit und Innovationsinput zu meistern, ist auch für deutsche Autobauer und Kfz-Zulieferer eine gewaltige Aufgabe. So ist China für Volkswagen, Porsche oder Mercedes-Benz der größte Markt. Vor allem VW hat jedoch in den letzten Jahren kontinuierlich Marktanteile an seine Herausforderer im Elektromobilitätsbereich verloren.

    Pilotprojekte bringen autonomes Fahren voran

    Auch im Bereich autonomes Fahren möchte China an die Weltspitze. Schritt für Schritt wird dabei der regulatorische Rahmen abgesteckt. So hat noch im November 2023 das MIIT gemeinsam mit anderen Ministerien Richtlinien für die Beantragung und Durchführung von Pilotprojekten für den Einsatz von Fahrzeugen mit L3/L4-Funktionen erlassen. Ebenfalls Ende 2023 haben sowohl BMW für Shanghai als auch Mercedes für Beijing jeweils eine Lizenz für L3-Tests auf Schnellstraßen erhalten. In Shanghai ist BMW nach GM der zweite ausländische Hersteller, der eine entsprechende Genehmigung erhalten hat. 

    (Stand: Januar 2024)

    Von Corinne Abele | Shanghai

  • Branchenstruktur

    Chinas Automobilbranche wird 2024 der internationalen Konkurrenz sowohl in als auch außerhalb Chinas Druck machen. Denn die chinesischen Autobauer drängen ins Ausland. 

    Elektroautos chinesischer Hersteller gewinnen immer mehr Marktanteile im Heimatmarkt und verdrängen damit die herkömmlichen Verbrennungsmotor-Modelle der internationalen und deutschen Konkurrenz. Zum anderen bauen chinesische führende Autohersteller wie BYD, Geely, SAIC oder NIO ihre Vertriebs- und Produktionsnetzwerke weltweit aus.  Damit könnten die neuen Konkurrenzverhältnisse in China von heute mittel- bis langfristig weltweit zu finden sein.

    BYD erstmals an der Spitze

    Dank Subventionen und nichtmonetären Anreizen für den Kauf eines Elektroautos hat sich vor allem ein inländischer Elektroautohersteller – BYD – mit Abstand an die Spitze gesetzt. Erstmals dominiert die Marke laut Zahlen des China Automotive Technology and Research Center (CATARC) sowohl Absatz als auch Produktion, nicht nur im Elektromobilmarkt, sondern im Gesamtmarkt. Damit soll BYD den deutschen Automobilhersteller Volkswagen von der Spitze verdrängt haben, wo dieser seit 2008 stand. 

    Noch ist der Vorsprung nicht eindeutig. Basierend auf der Anzahl registrierter Neuwagen gemäß Zahlen von CATARC hielt BYD 2023 mit rund 2,4 Millionen Fahrzeugen einen Anteil von 11 Prozent – vor Volkswagen. Legt man jedoch Zahlen der China Passenger Car Association (CPCA) zugrunde, hat BYD zwar 2,7 Millionen Autos verkauft, die beiden Joint Ventures von Volkswagen – FAW-Volkswagen sowie SAIC-Volkswagen – bringen es demnach jedoch zusammen auf knapp über 3 Millionen Fahrzeuge. Darüber hinaus gelang es Volkswagen im Januar 2024 mehr Fahrzeuge zu verkaufen als BYD. 

    Bild vergrößern

    Komplettierung der Wertschöpfungsketten

    Mit neuen Vertriebs- und vor allem Wertschöpfungsketten außerhalb Chinas (im Fokus ist hier vor allem die Batteriefertigung) bauen die chinesischen Hersteller eventuellen Strafzöllen vor. Die Europäische Kommission hat bereits Untersuchungen wegen möglicher Wettbewerbsverzerrungen eingeleitet. Im Heimatmarkt sollen Aufkäufe und Zusammenschlüsse die Wettbewerbsposition stärken. Fitch Ratings sieht für 2024 eine weitere Marktkonsolidierung und vermehrt strategische Kooperationen und Allianzen zwischen Autobauern und auch Kfz- beziehungsweise Tech-Zulieferern voraus.

    So haben Huawei Technologies und Chongqing Changan Automobile Ende 2023 ein neues Joint Venture "Newcool" für smarte Autosysteme und Komponenten gegründet. Newcool, an dem Changan 40 Prozent hält, möchte Pressemeldungen zufolge zunächst die beiden Gründerfirmen, langfristig aber die gesamte Automobilbranche mit Verkauf und Service von intelligenten Autosystemen und Komponenten bedienen.

    Tech-Konzerne mischen Autobranche auf

    Zunehmend steht der Markt für intelligentes Fahren im Fokus von Huawei. Erst im Januar 2024 hat der Konzern ebenfalls die Shenzhener Firma Yinwang Intelligent Technology zur Herstellung und zum Verkauf intelligenter Autosysteme und -ausstattung aufgekauft. Bereits 2021 bot Huawei sein erstes Elektroauto-Modell an, weitere folgten 2023. Ende 2023 brachte dann auch IKT-Tech-Konkurrent Xiaomi sein erstes Elektroauto auf den Markt. Die Kooperation von Techfirmen wie Huawei mit Autoherstellern treibt das Wettrennen um smarte Autos an. Gleichzeitig dürften in der Zukunft KI-gestützte Systeme den Automobilbau revolutionieren. So führte BYD im Januar 2024 Xuanji, ein KI-gestütztes System für Automobile, ein. 

    Wichtige Investitionsprojekte in der Kfz-Industrie in China

    Vorhaben

    Investitionssumme (in Mio. US$)*)

    Projektstand

    Anmerkungen

    Neues NEV-Produktionswerk von BYD (Indonesien)

    1.300

    Investitionsankündigung am 18.01.2024;
    Baubeginn ab Ende 2024

    Voraussichtliche Produktionskapazität: 150.000 NEV

    Joint Venture von Mercedes-Benz (China) und BMW Brilliance für Supercharging-Stationen (China)

    k.A.

    Unterzeichnung des Kooperationsvertrags am 30.11.2023;
    genehmigt von der Europäischen Kommission am 24.01.2024
    Bis Ende 2026 plant das 50:50-Joint Venture den Bau von mindestens 1.000 Supercharging-Stationen und rund 7.000 Supercharging-Säulen in China
    Produktionswerk für Automobilteile von Shanghai Koal Car in Shanghai Jiading (China)

    70,6

    Bauplanungsgenehmigung am 04.01.2024Voraussichtlicher jährlicher Produktionswert von 212 Mio. US$
    Batterie-Materialwerk von Gotion in Michigan (USA)

    2.364

    Investitionsankündigung am 10.2023; geplante Fertigstellung am 31.12.2031Eine Fabrik mit einer Jahreskapazität von 150.000 Tonnen Batteriekathodenmaterial und zwei Fabriken mit einer Jahreskapazität von 50.000 Tonnen Batterieanodenmaterial
    Manufacturing Base New Energy Phase III des Kfz-Zulieferers Schaeffler in Taicang (China)

    212

    Unterzeichnung des Investitionsvertrags am 01.11.2023Herstellung von Antriebsprodukten für NEV, inkl. Radnabenmotoren, Achsgetrieben, Hybridgetrieben etc.
    * geschätztes Investitionsvolumen; Umrechnung zum Monatsendkurs Dezember 2023 der Deutschen Bundesbank: 1 Renminbi Yuan (RMB) = 0,141189 US-Dollar (US$).Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2024

    Gerade die Tech-Affinität der chinesischen Konkurrenz, mit der sie den Ansprüchen ihrer chinesischen Kundschaft folgt, stellt sich zunehmend als deutlicher Wettbewerbsnachteil für internationale wie deutsche Automobilbauer heraus. Im Elektromobilitätsbereich wird außer dem US-amerikanischen Hersteller Tesla im chinesischen Markt bislang keine andere ausländische Marke mit Exzellenz verbunden. 

    Ausrichtung an chinaspezifischem Tech-Ökosystem

    Auch andere internationale Autobauer reagieren auf den stärkeren Wettbewerb, die schwierigeren Absatzaussichten und erhöhte geopolitische Risiken. So unterhält der südkoreanische Autohersteller Hyundai Motors inzwischen nur noch drei von früher insgesamt fünf Fabriken. Erst Anfang 2024 wurde bekannt, dass Hyundai seine Fabrik in Chongqing für weniger als die ursprünglich angesetzte Summe an die staatlich unterstützte Yufu Industrial Complex Construction Group verkauft hat.

    Nicht nur die deutschen Autobauer, auch die deutschen Kfz-Zulieferer richten ihre Strategie stärker am lokalen Tech-Ökosystem sowie an den lokalen Bedürfnissen aus. So wurde erst Ende Januar 2024 die neu geschaffene Einheit Bosch Mobility in China vorgestellt. Sie soll Innovationen für den lokalen Markt für smarte Elektromobilität vorantreiben. 

    Einfuhr ausgewählter Kfz-Teile 2023 nach China in Millionen US-Dollar, Veränderung zum Vorjahr in Prozent
     

    Wert

    Veränderung

    aus Deutschland

    Kfz-Elektrik (HS 8511,8512)

    3.121

    -14,8

    401

    Karosserien, Stoßstangen etc. (HS 8706,8707,8708)

    21.508

    -14,9

    7.522

    Zündkabelsätze (HS 8544.30)

    625

    -11,0

    31

    Motoren (HS 8407.31-34, 8408.20) 

    745

    -16,2

    82

    Summe

    25.999

    -14,9

    8.035

    Quelle: General Administration of Customs of the People's Republic of China 2024

    Deutsche Kfz-Zulieferer unter Druck

    Die Luft wird für Deutschlands international agierende Tier1-Kfz-Zulieferer immer dünner. Gemäß eines Berichts der Unternehmensberatung Strategy& stellen deutsche Kfz-Zulieferer immer noch ein Viertel des globalen Marktes. Allerdings sei ihr Anteil seit 2019 um 3 Prozent gefallen. Der Zusammenschluss von Schaeffler und Vitesco dürfte die beiden Firmen in die Lage versetzen, sowohl weiter im Bereich Verbrennungsmotoren wie im Elektroantrieb zu investieren, kommentiert die Zeitschrift Automobilproduktion. Denn Innovationen und entsprechende Investitionen im Elektromobilitätsbereich sind zwar zwingend notwendig, aber Gewinne werden derzeit in der konventionellen Kfz-Zulieferung erwirtschaftet. 

    Besonders stark aufgestellt ist China im Bereich der Batteriefertigung. Diese mit staatlichen Subventionen und Anreizen erreichte Dominanz, die sich inzwischen auch technologisch äußert, wird Branchenkennern zufolge in den nächsten Jahren nur schwer zu durchbrechen sein. 

    Von Corinne Abele | Shanghai

  • E-Mobility

    Rund 35 Prozent aller Neuwagen fuhren 2023 in China elektrisch. Bis 2026 soll es jeder zweite sein. Heftige Preiskämpfe und schwaches Konsumklima werden die Branche 2024 prägen.

    Chinas Autos mit alternativem Antrieb (New Energy Vehicle – NEV) sind eine Erfolgsgeschichte. Insgesamt soll China laut Angaben der nationalen Entwicklungs- und Reformkommission NDRC (National Development and Reform Commission) 2023 rund 60 Prozent sowohl der NEV-Produktion wie des NEV-Absatzes (im In- und Ausland) stellen. Bei rund 35 Prozent aller Neuwagen handelte es sich 2023 um NEV. Unter der Bezeichnung NEV sind im wesentlichen reine batteriebetriebene, Plug-in-hybride und zu einem geringen Anteil auch Brennstoffzellenfahrzeuge subsumiert.

    Insgesamt legte Chinas NEV-Absatz (inklusive Export) 2023 im Vergleich zum Vorjahr laut der China Association of Automobile Manufacturers (CAAM) um 37,9 Prozent auf fast 10 Millionen NEV zu. Gemessen am gesamten Fahrzeugbestand Chinas erreichten NEV mit einer Anzahl von 20,4 Millionen Fahrzeugen Ende 2023 einen Anteil von 6,1 Prozent. Davon entfielen etwas mehr als drei Viertel auf rein batteriebetriebene Elektrofahrzeuge. Fahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb spielen bislang höchstens eine Nischenrolle.

    Absatz von Fahrzeugen mit alternativem Antrieb (NEV) 2023 in China in 1.000 Einheiten; Veränderungsrate zum Vorjahr in Prozent
    Kategorie

    Wert

    Veränderung

    Reine Elektrofahrzeuge

    6.685

    24,6

    Plug-in-Hybride

    2.804

    84,7

    Brennstoffzelle

    6

    72,0

    Quelle: China Association of Automobile Manufacturers (CAAM) 2024

    Doch die Branche sieht sich Überkapazitäten und daraus resultierenden heftigen Preiskämpfen gegenüber. Vor allem kleinere Marken, bereits angeschlagen durch den Wirtschaftseinbruch durch die Covid-Auswirkungen, dürften kaum die nächsten fünf bis zehn Jahre überstehen. Einige haben bereits aufgegeben. So gab es im November 2023 laut dem China Automotive Technology and Research Center (CATRAG) nur noch 82 NEV-Hersteller, die zumindest ein Auto verkauft haben. Ein Jahr davor waren es noch 92. 

    Nicht alle Autohersteller erreichen ihre Verkaufsziele

    Auch renommierte Hersteller wie Nio, XPeng oder Leapmotor konnten ihre Verkaufsziele 2023 wie auch bereits 2022 laut der China Passenger Car Association (CPCA) nicht erreichen. In der Folge war Nio beispielswiese gezwungen, Personal zu entlassen. Zwar gelang es BYD seine Spitzenstellung weiter auszubauen und Tesla deutlich auf den zweiten Platz in China zu verweisen. Doch auch der Shenzhener Hersteller dürfte sein ursprünglich für 2023 gesetztes Verkaufsziel von 3 Millionen Fahrzeugen nur knapp erreicht haben. Global liefern sich BYD und Tesla weiterhin ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem jeweiligen Marktanteil von rund 35 Prozent.  

    Führende Elektro-Pkw-Marken in China 2023 Anteil am NEV-Gesamtabsatz* in Prozent
    Automarken

    Anteil

    BYD

    35,0

    Tesla China

    7,8

    GAC AION

    6,2

    Geely

    6,1

    SAIC-GM Wuling

    5,9

    * Einzelhandelsabsatz; NEV = Fahrzeuge mit alternativen Antrieben.Quelle: China Passenger Car Association (CPCA) 2024

    Europäische Hersteller wie VW oder BMW werden 2024 ihr NEV-Angebot im chinesischen Markt deutlich erhöhen und versuchen, Marktanteile zurückzuerobern. Insgesamt rechnet die CPCA für 2024 mit einem Zuwachs des Absatzes von NEV-Pkw um 22 Prozent. Dies würde einer Marktdurchdringung bei neu verkauften Pkw von 40 Prozent und in etwa 11 Millionen NEV-Pkw entsprechen. 

    Preiskampf geht weiter

    Bereits im Januar 2024 zeichnet sich ab, dass Chinas Elektroautos noch billiger werden. Tesla hat eine neue Runde des Preiskampfes eingeleitet, der sich andere kaum entziehen können. Branchenkenner rechnen auch 2024 mit intensivstem Preiswettbewerb – auch in Konkurrenz zu Automodellen mit Verbrennungsmotor. Denn die weniger kaufkräftigen Neuwageninteressenten in Chinas sogenannten "2nd- und 3rd-Tier" Städten jenseits der Megastädte dürften nur mit attraktiven Preisen zu gewinnen sein. Angesichts der schwachen Wirtschaftskonjunktur und unsicherer Arbeitsplatzaussichten verschieben Chinas Konsumenten derzeit größere Anschaffungen gerne – oder weichen auf billigere Lösungen aus. 

    Export als Ausweg und Chance

    Der immense inländische Wettbewerb, gepaart mit den wachsenden geopolitischen Spannungen sowie ersten Antisubventionsuntersuchungen gegen chinesische Elektroauto-Bauer seitens der Europäischen Union lässt vor allem Spitzenfirmen wie BYD, Geely oder Nio verstärkt in Vertriebsnetzwerke und Wertschöpfungsketten (inklusive Akkuherstellung) außerhalb Chinas investieren. Das Exportpotenzial ist gewaltig. Bereits 2023 führte China laut CAAM 1,2 Millionen NEV-Fahrzeuge aus – ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um knapp 78 Prozent. Damit dürften NEV knapp ein Viertel aller exportierten Fahrzeuge stellen. Allein 344.000 der ausgeführten NEV entfielen auf Tesla. Auch andere ausländische Hersteller dürften künftig ihre Exporte aus China heraus erhöhen. Insgesamt wurden die meisten NEV nach Belgien, vor Thailand und dem Vereinigten Königreich geliefert.

    Chinas Export von Pkw mit alternativem Antrieb (NEV) 2023 nach Top-Exportmärkten in 1.000 Einheiten; Veränderung zum Vorjahr in Prozent
     

    Wert

    Veränderung

    Belgien

    198

    0

    Thailand

    160

    101

    Vereinigtes Königreich

    139

    28

    Philippinen

    116

    69

    Spanien

    97

    123

    Australien

    89

    113

    Brasilien

    68

    449

    Indien

    59

    0

    Niederlande

    58

    235

    Israel

    53

    33

    Quelle: Sohu.com, basierend auf Daten des chinesischen Zolls, 2024

    Ladeinfrastruktur im Ausbau

    Die Attraktivität von Elektrofahrzeugen hängt stark von der vorhandenen Ladeinfrastruktur ab, vor allem jenseits der Megastädte. Viel Geld fließt daher in deren Ausbau. So gab es gemäß der China Electric Vehicle Charging Infrastructure Promotion Alliance Ende 2023 landesweit bereits 2,7 Millionen öffentliche Ladestationen; ihre Anzahl soll 2024 erneut um 40 Prozent zulegen. Bei den meisten handelt es sich jedoch um Ladestationen mit normaler Ladegeschwindigkeit. 

    Laut Nikkei Asia plant Huawei Technologies, 2024 rund 100.000 schnelle Ladestationen zu installieren. Auch BMW (genauer: das Joint Venture BMW Brilliance Automotive) und Mercedes-Benz beabsichtigen, in China ein 50:50-Joint Venture für die Entwicklung und den Betrieb eines öffentlichen Ladenetzwerkes für akkubetriebene Elektroautos in China zu gründen, berichtet Yicai Global im Januar 2024. Ziel sei es, bis Ende 2026 rund 1.000 Schnell-Ladestationen und etwa 7.000 Super-Charging-Säulen zu bauen. Die ersten sollen in Chinas Megastädten bereits bis Ende 2024 verfügbar sein.

    Bewegung im Akku-Tausch-Segment

    Neue Bewegung gibt es auch im Segment des Akkuwechsels. Ende Januar 2024 gründeten Contemporary Amperex Technology (CATDL) und Chinas Top Ride-Hailing-Unternehmen Didi in Ningde ein Joint Venture für den Akkutausch (battery swapping). Ebenfalls kooperieren CATL und Orange Energy, die Tochterfirma von Didi, bei den Themen Online-Tanken, Smart Charging, virtuelle Kraftwerke und Stromhandel. Orange Energy verfügt bereits über mehr als 680 Millionen Ladedienstleistungen in über 190 Städten Ende 2023. CATL und Orange Energy wollen laut Yicai Global nun auch ihre Kooperation im Bereich integriertes Speichern und Laden fördern. 

    Von Corinne Abele | Shanghai

  • Rahmenbedingungen

    Aktuelle Produktionsnormen, Zertifizierungsbestimmungen und Zollsätze für Kfz- und Kfz-Teile veröffentlicht China laufend auf verschiedenen Webseiten. 

    Das China Quality Certification Centre veröffentlicht die für die Branche gültigen Produktionsnormen. Darüber hinaus ist für viele Kfz-Teile eine Zertifizierung mit dem China Compulsory Certificate (CCC) erforderlich. Eine Liste findet sich beim China Certification Centre for Automotive Products. Die CCC-Zertifizierung für parallel importierte Fahrzeuge ist vollständig und wird angewendet. Ebenfalls schreitet die Grüne-Produkt-Zertifizierung im Automobilsektor voran. 

    Ebenfalls gilt es, aufmerksam die rechtliche Lage für Datenschutz sowie vor allem Cross-Border-Datentransfer als auch Bestimmungen für den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) zu verfolgen. Die gültige Rechtslage wird kontinuierlich ergänzt und durch Umsetzungsrichtlinien präzisiert. So veröffentlichte das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) im Januar 2024 einen Richtlinienentwurf zur Standardisierung der KI-Industrie. Allein bis 2026 sind demnach mindestens 50 landesweite und industriespezifische KI-Standards geplant. Auch Anwendungen in der Automobilindustrie dürften betroffen sein. 

    Informationen zu Zollangelegenheiten enthält die Seite des Zollamts. Hier finden sich auch Zollerhöhungen im Zusammenhang mit dem Handels- und Technologiekonflikt zwischen der Volksrepublik und den USA.

    Die GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Corinne Abele | Shanghai

  • Kontaktadressen

    Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK China

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministry of Industry and Information Technology (MIIT)Ministerium für Industrie und Informationstechnologie
    China Association of Automobile Manufacturers (CAAM)Automobilverband
    China Automobile Dealers Association (CADA)Automobilverband
    China Passenger Car Association (CPCA)Automobilverband
    Shanghai International Automotive Manufacturing Technology & Material Showjährliche Fachmesse in Shanghai; nächster Termin: 3.7. bis 5.7.24 
    Shanghai International New Energy Vehicle Technology Fairjährliche Fachmesse in Shanghai; nächster Termin: 14.3. bis 16.3.24
    Automechanika Shanghai 2024jährliche Fachmesse in Shanghai; nächster Termin: 2.12. bis 5.12.24 
    AUTOINFOInternetportal zur Automobilbranche; in chinesischer und englischer Sprache
    Automotive News ChinaInternetportal zur Automobilbranche; in englischer Sprache

     

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