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Dänemark eröffnet ersten kommerziellen CO2-Speicher der EU

Dänemark hat mit der Inbetriebnahme von Greensand einen Meilenstein erreicht. Die neue Infrastruktur eröffnet energieintensiven Unternehmen zusätzliche Optionen.

Judith Illerhaus

Von Judith Illerhaus | Stockholm

Energieeffizienz, Elektrifizierung und erneuerbare Energien reichen nicht in allen Industriezweigen aus, um Emissionen zu senken. In der Zement-, Kalk-, Chemie- und Abfallwirtschaft entstehen unvermeidbare CO2-Emissionen. Dort rücken Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (Carbon Capture and Storage; CCS) zunehmend in den Fokus.

Mit Greensand in Dänemark gibt es nun die erste kommerzielle Infrastruktur zur CO2-Speicherung der EU. Die Anlage wurde am 18. September 2026 im Hafen von Esbjerg eröffnet. Betreiber sind INEOS Energy, Harbour Energy und der dänische Staatsfonds Nordsøfonden. Abgeschiedenes Kohlendioxid wird verflüssigt und per Schiff zu einem ehemaligen Ölfeld in der dänischen Nordsee transportiert. Dort wird es rund 1.800 Meter unter dem Meeresboden dauerhaft gespeichert. 

Die EU strebt an, bis 2030 Speicherkapazitäten für mindestens 50 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr bereitzustellen. Bis 2040 soll dieser Wert auf 250 Millionen bis 280 Millionen Tonnen steigen. In der ersten Ausbaustufe kann Greensand bis zu 400.000 Tonnen CO2 pro Jahr aufnehmen. Langfristig ist eine Kapazität von vier Millionen bis acht Millionen Tonnen jährlich geplant. Damit würde Greensand einen wichtigen, aber begrenzten Beitrag zum Aufbau dieser Infrastruktur leisten. Weitere Speicherprojekte befinden sich europaweit in Planung. Norwegen bietet mit Longship und Northern Lights bereits seit 2025 grenzüberschreitende Speicherdienstleistungen an.

Dänemark positioniert sich als europäischer CO2-Hub

Dänemark will seit mehreren Jahren eine führende Rolle in der europäischen CO2-Wertschöpfungskette einnehmen. Die Regierung sieht darin sowohl einen Beitrag zur Dekarbonisierung energieintensiver Industrien als auch neue Geschäftsmöglichkeiten für den Offshore- und Energiesektor. Das Land verfügt über ehemalige Öl- und Gaslagerstätten in der Nordsee, die bereits in Pilotprojekten für die dauerhafte Speicherung von Kohlendioxid genutzt werden. Dazu zählt zum Beispiel das ehemalige Nini-West-Ölfeld.

Zugleich verfügt Dänemark über eine leistungsfähige Hafeninfrastruktur und Erfahrung im Offshore-Sektor. Nach Angaben der Betreiber soll Greensand nicht nur dänischen Emittenten offenstehen. Die Anlage wird ausdrücklich als Infrastruktur für europäische Industriekunden positioniert.

Nordjütland entwickelt sich zum Zentrum für CCUS

Aalborg, die Hauptstadt der Region Nordjütland, entwickelt sich zu einem wichtigen Testfeld für die Frage, wie energieintensive Industrien klimaneutral werden können, ohne ihre Produktion ins Ausland zu verlagern.

Die dänische Regierung hat Nordjütland als nationales Zentrum für CCUS (Carbon Capture, Utilisation and Storage) ausgewählt. Im Rahmen der Initiative CO2Vision arbeiten Unternehmen, Kommunen, Hochschulen und Clusterorganisationen an neuen Technologien, Geschäftsmodellen und Qualifizierungsangeboten für das Kohlenstoffmanagement.

Die Region verfügt über mehrere Standortvorteile. Dazu zählen große industrielle Emittenten, Forschungseinrichtungen und ein Netzwerk für industrielle Symbiosen. Als bedeutender Emittent gilt der Zementhersteller Aalborg Portland. Das Unternehmen ist für einen erheblichen Teil der dänischen Industrieemissionen verantwortlich.

Chancen für deutsche Unternehmen

Für deutsche Unternehmen eröffnet die Entwicklung mehrere Geschäftsfelder. Industriebetriebe könnten künftig Zugang zu Speicherkapazitäten außerhalb Deutschlands erhalten. Dies könnte insbesondere für Unternehmen relevant sein, deren Emissionen technisch schwer vermeidbar sind.

Zugleich entstehen entlang der CCS-Wertschöpfungskette neue Märkte. Geschäftschancen ergeben sich unter anderem bei CO2-Abscheidungsanlagen, Kompressoren, Mess- und Regeltechnik, Logistiklösungen sowie Planungs- und Ingenieurdienstleistungen. Hinzu kommen digitale Lösungen für die Dokumentation und Nachverfolgung von CO2-Strömen. Die Betreiber von Greensand sehen die Anlage als Ausgangspunkt für weitere europäische CCS-Projekte.

Auch für die deutsch-dänische Zusammenarbeit gewinnt das Thema an Bedeutung: Bei einer geplanten Delegationsreise im Oktober 2026 des Clusters Dekarbonisierung der Industrie (CDI) nach Nordjütland sind CCS und Wasserstoff zentrale Felder für eine vertiefte Kooperation.

Trotz der Inbetriebnahme von Greensand steht der europäische CCS-Markt noch am Anfang. Für einen breiten Einsatz müssen zusätzliche Abscheidungsanlagen entstehen. Zudem sind weitere Investitionen in Transportinfrastruktur, Häfen und Speicherstandorte erforderlich. Auch regulatorische Fragen, etwa zur grenzüberschreitenden Nutzung von Speichern, gewinnen an Bedeutung.