Wirtschaftsausblick | Kongo, Demokratische Republik

DR Kongo: Solides Wachstum trotz schwerer Krisen

Der Bergbau sorgt in der DR Kongo für robustes Wachstum, trotz des Krieges im Osten und struktureller Defizite. Chancen für den Weiterbau des Lobito-Korridors deutlich gestiegen.

Fausi Najjar

Von Fausi Najjar | Berlin

Top-Thema: DR Kongo ist Herzstück im Lobito-Korridor

Der Lobito-Korridor verbessert die Anbindung der bedeutenden Kupfer- und Kobaltvorkommen in den kongolesischen Provinzen Lualaba und Haut-Katanga an den angolanischen Hafen Lobito. Damit erleichtert er den Zugang zu internationalen Märkten. Die Bahnstrecke wird von der EU und den USA gefördert, die damit ihre Abhängigkeit von chinesisch dominierten Lieferketten verringern wollen. Der Korridor ist eines der wichtigsten Projekte der EU-Initiative Global-Gateway. 

Portugiesen und DR Kongo unterschreiben Konzession 

Die Demokratische Republik Kongo (DR Kongo) hat am 26. August 2026 mit dem portugiesischen Baukonzern Mota-Engil einen Konzessionsvertrag für den mehr als 1.000 Kilometer langen kongolesischen Abschnitt des Lobito-Korridors unterzeichnet. Die Bahnstrecke soll Dilolo und Sakania verbinden und wichtige Bergbauzentren wie Kolwezi, Tenke und Lubumbashi erschließen. Der Bau könnte durch ein bereits 2025 angekündigtes Finanzierungsangebot der US-Entwicklungsfinanzierungsagentur DFC von bis zu 1 Milliarde US-Dollar (US$) unterstützt werden.

Das Projekt umfasst nach Angaben verschiedener Quellen Investitionen von rund 1,8 Milliarden US$ für Planung, Modernisierung, Ausbau, Betrieb und Wartung der Strecke. Die Konzession läuft über 30 Jahre. Danach fällt die Infrastruktur an den kongolesischen Staat zurück. Die finanzielle und technische Schwäche der kongolesischen Eisenbahngesellschaft SNCC galt bislang als eines der größten Hindernisse für den Ausbau.

USA mit neuen Initiativen

Seit dem U.S.-DRC Strategic Partnership Agreement von Dezember 2025 sind aus den USA konkrete Rohstoff- und Infrastrukturinitiativen zu verzeichnen. So prüft Orion CMC den Einstieg beim Bergbaukonzern Glencore in der DR Kongo. Zudem haben die USA weitgehende Flankierungsmaßnahmen für die Erschließung kritischer Rohstoffe beschlossen. Bereits 2022 unterzeichneten die USA, die DR Kongo und Sambia eine Absichtserklärung für den Aufbau einer regionalen Batterieindustrie. 

Korridor soll Industrialisierung anschieben

Zwar kontrollieren nicht-chinesische Unternehmen bedeutende Produktionsmengen in der DR Kongo (Glencore, ERG, Ivanhoe Mines), ihre strategische Wirkung wird jedoch dadurch begrenzt, dass Raffination, Batteriematerialproduktion und große Teile der Abnahme weiterhin in China konzentriert sind. Politisch ist der Korridor deshalb nicht ausschließlich als Exportstrecke angelegt. Parallel sollen Investitionen in die lokale Verarbeitung von Kupfer, Kobalt und Lithium mobilisiert werden.

Tazara-Strecke chinesisches Gegenstück

Die Sanierung der Tanzania-Zambia-Railway (Tazara) nach Dar-es-Salam in Tansania gilt als zusätzliche Exportroute und chinesisches Gegenstück zum Lobito-Korridor. Experten erwarten jedoch keine Verdrängung. Bergbauunternehmen dürften je nach Kosten, Auslastung und Zielmarkt zwischen den Häfen Lobito, Dar-es-Salam, Durban und Walvis Bay wählen.

Wirtschaftsentwicklung: Robustes Wachstum

Die Wirtschaft der DR Kongo wird 2026 und 2027 trotz erheblicher Sicherheitsrisiken mit einem Realwachstum von knapp über 5 Prozent zu den dynamischen Volkswirtschaften Subsahara-Afrikas gehören.

Wachstumstreiber bleibt der Bergbau. Vor allem die steigende Ausfuhr und Förderung von Kupfer, Kobalt und zunehmend Lithium sowie der Ausbau von Kupferschmelzkapazitäten stützen die Entwicklung. Der geplante Weiterbau des Lobito-Korridors und bergbaunahe Infrastrukturinvestitionen setzen zusätzliche Impulse. Finanzierungslücken dürften jedoch das staatliche Entwicklungsprogramm verzögern.

Zu den größten Risiken zählen fallende Kupferpreise, eine Währungsabwertung und höhere Treibstoffimportkosten. Das Wachstum ist mit seinem Schwerpunkt auf kapitalgüter- und importintensiven Investitionen kaum geeignet, die im Land verbreitete Armut zu bekämpfen.

Investitionen vor allem im Rohstoffsektor

Die wachsende Bedeutung der DR Kongo für globale Lieferketten kritischer Rohstoffe zieht ausländische Direktinvestitionen an. Wichtige nicht-chinesische Bergbauunternehmen im Land sind Glencore (Schweiz) und Ivanhoe Mines (Kanada).  Umicore (Belgien) bezieht einen erheblichen Teil seines Kobalts aus der DR Kongo und strebt auch den Bezug von Germanium an. Trafigura (Schweiz) gehört zu den Kerninvestoren der Lobito-Bahn in Angola. Mota-Engil (Portugal) und Vecturis (Belgien) betreiben beziehungsweise entwickeln die Bahn- und Logistikinfrastruktur des Korridors.

Infrastrukturprojekte DR Kongo (Auswahl)*

Projektname

Investitionssumme

Status, Stand August 2026

Entwickler / Träger

Beschreibung

Lobito-Bahn: Dilolo–Sakania1,8 Mrd. US$ (geplante Gesamtinvestition)Konzessionsvertrag Regierung DR Kongo mit Mota-Engil für Investitionen für Studien, Sanierung, Modernisierung, Ausbau und Wartung für eine Betriebsperiode von 30 Jahre im August 2026 DR Kongo/SNCC und Mota-Engil Africa. Das Projekt könnte eine US-Finanzierung von bis zu 1 Mrd. US$ erhaltenRehabilitierung und Modernisierung der 1.004,5 km langen Bestandsstrecke von Dilolo über Kolwezi, Tenke und Lubumbashi bis Sakania.
Flughafen N’Djili, Kinshasa570 Mio. US$ (Projektangabe)Projektvorbereitung und Planung; belastbarer Nachweis eines vollständigen Baustarts liegt öffentlich nicht vor. Zieltermin: 2028.Entwickler: Infrarose; Terminaldesign: SOM; Flugfeldplanung: NACO; Kostenmanagement: RLB.Neues Terminal für zunächst 5 Mio. Passagiere pro Jahr, neue Start- und Landebahn sowie Modernisierung der bestehenden Piste.
Wasserkraftwerk Grand Katende280 Mio. US$ ursprünglicher Bauvertrag; zusätzliche Netzpakete historisch mit rund 110 Mio. US$ angegeben. Kein belastbarer aktueller Gesamtwert.Arbeiten 2025 offiziell wiederaufgenommen; im April 2025 wurde ein Baufortschritt von 45 % gemeldet.Kongolesischer Staat; Bau: Angélique International Limited; Netzinfrastruktur: Mining Engineering Services.64-MW-Wasserkraftwerk am Lulua. Erste Ausbaustufe: zwei Turbinen mit zusammen 32 MW innerhalb von 24 Monaten nach Neustart.
Kin-La-Belle: Abfallinfrastruktur Kinshasa250 Mio. US$ IDA-Finanzierung für Phase 1Finanzierung seit März 2026 wirksam; Umwelt- und Sozialplanung für konkrete Anlagen liegt vor. Umsetzung bis 2031, erste Baupakete in den nächsten zwei Jahren wahrscheinlich.DR Kongo/Cellule Infrastructures; Finanzierung durch die Weltbank/IDA.Sammelstellen und Umladestationen in N’Djili, Lemba und Kisenso sowie Sanierung und Ausbau des Entsorgungszentrums Mpasa.
Tiefseehafen Banana, Phase 1Rund 230 Mio. Euro Auftragswert; häufig auch als rund 250 Mio. US$ angegebenIm Bau. Phase 1 soll nach aktuellem Projektstand Anfang 2027 fertiggestellt werden.DP World mit Beteiligung von British International Investment; Hauptauftragnehmer: Mota-Engil Africa; Partner: kongolesischer Staat.600 m Kai, 30 ha Lagerfläche und 450.000 TEU Jahreskapazität; erster voll ausgestatteter Tiefsee-Containerhafen des Landes.
RN1 Mbuji-Mayi–NgubaTeil des sino-kongolesischen Infrastrukturprogramms; kein separat ausgewiesener GesamtwertIm Bau. Mehrere Lose sind fortgeschritten; die Fertigstellung der 850 km langen Verbindung ist bis Ende 2027 vorgesehen.ACGT/Sicomines; Bauunternehmen unter anderem Sinohydro 11 und CREC 7.Rehabilitation und Asphaltierung der RN1 zwischen Mbuji-Mayi und Nguba. Der Abschnitt Nguba–Lubudi befindet sich in fortgeschrittener Ausführung.
Avenue du Tourisme, KinshasaTeil eines 41-Mio.-US$-Notprogramms für mehrere StraßenprojekteUmsetzung öffentlich dokumentiert; im August 2025 waren mehr als 600 m betoniert.ACGT, chinesischer Auftragnehmer und Génie militaire; staatlich finanziert.Konkretes Straßen- und Erosionsschutzprojekt: zunächst vier Kilometer befahrbar machen; Ersatzneubau der Cabu-Brücke vorgesehen.
* Auswahl fortgeschrittener Infrastrukturprojekte mit vergleichsweise hohen RealisierungschancenQuelle: GTAI-Recherche 2026

Konfliktzentren liegen fern des Kupfergürtels

Die Bergbauregionen Haut-Katanga und Lualaba liegen weit von den Konfliktgebieten im Nordosten der DR Kongo entfernt. Daher sind keine unmittelbaren Folgen für die Kupfer- und Kobaltproduktion zu erwarten. Hohe Kriegskosten und Ausgaben zur Ebola-Bekämpfung belasten jedoch die Staatsfinanzen. Die Kämpfe blockieren zudem Investitionen in den östlichen Provinzen Nord- und Südkivu.

Mangelhafte Infrastruktur, Stromdefizite und institutionelle Schwächen beeinträchtigen landesweit das Geschäftsklima. Für politische Unruhen könnte eine Verfassungsreform sorgen, mit der Präsident Félix Tshisekedi die Amtszeitbegrenzung zu umgehen sucht.

Deutsche Perspektive: Kongo-Geschäft erfolgt über Südafrika

Trotz der knapp 113 Millionen Einwohner rangierte die DR Kongo 2025 mit einem Ausfuhrvolumen von 148 Millionen Euro nur auf Platz 117 unter den Zielländern deutscher Exporte. Die bilaterale Handelsstatistik bildet das tatsächliche Engagement deutscher Unternehmen allerdings nur teilweise ab: Viele steuern ihre Aktivitäten im Land über die südafrikanische Metropole Johannesburg. In Deutschland erbrachte Wertschöpfung erscheint daher oft nicht in der deutsch-kongolesischen Außenhandelsstatistik.  

Obwohl sich auch in der DR Kongo nachhaltige und sozial verantwortliche Lieferketten aufbauen lassen, halten sich deutsche Investoren bisher zurück. Zu den Gründen könnten Befürchtungen hinsichtlich von Reputationsrisiken zählen.