Branchen | USA | Rohstoffsicherung

USA suchen Auswege aus der Rohstoffabhängigkeit von China

Die Trump-Administration stößt mit Vehemenz neue Rohstoffpartnerschaften und -initiativen an. Ob die EU oder Deutschland davon profitieren können, bleibt abzuwarten.

Von Roland Rohde | Washington, D.C.

Im Februar 2026 unterzeichnen die USA nach Angaben des Außenministeriums Rohstoffabkommen beziehungsweise Absichtserklärungen mit elf Ländern. Dazu gehören Argentinien, Ecuador, Guinea, Marokko, Paraguay, Peru, die Philippinen, Usbekistan, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Arabischen Emirate. In den fünf Monaten zuvor hatten die USA laut der Behörde Rahmenabkommen mit zehn Staaten unterzeichnet sowie entsprechende Vereinbarungen mit 17 Ländern unter Dach und Fach gebracht.

Anfang Februar 2026 fand zudem in Washington, D.C. die internationale Critical Minerals Ministerialkonferenz statt, an der Vertreterinnen und Vertreter aus 54 Ländern sowie der Europäischen Union teilnahmen, unter ihnen zahlreiche mit Ministerrang. Zwar führte die Veranstaltung nicht zu einer umfassenden multilateralen Vereinbarung, wie es sich die USA gewünscht hatten. Die EU, die USA und Japan verabschiedeten jedoch eine gemeinsame Erklärung. Der Inhalt: Innerhalb von 30 Tagen soll eine Absichtserklärung zur Sicherung der Lieferketten für kritische Mineralien vorgelegt werden.

Ersteinschätzung: Dass die EU und Deutschland Teil der US-Rohstoff-Strategien sind, ist grundsätzlich positiv zu bewerten. Doch inwieweit sie davon lernen oder gar profitieren können, lässt sich noch nicht beurteilen. Die Kooperationen stehen ganz am Anfang; es wird dauern, bis sie Wirkung zeigen. Zudem geht es in erster Linie um die Sicherung des Zugangs der Vereinigten Staaten zu kritischen Rohstoffen. Aus deutscher Sicht könnte der Aufbau einer strategischen Reserve nach dem Vorbild Washingtons eine sinnvolle Maßnahme sein.

Neue Initiativen zur Sicherung kritischer Rohstoffe

Zudem wurde auf der Konferenz die Gründung des Forum on Ressource Geostrategic Engagement (FORGE) angekündigt. Es soll an die Stelle der unter der Regierung Biden initiierten Mineral Security Partnership treten. Den Vorsitz übernimmt bis Juni 2026 Südkorea. Ziel von FORGE ist die Bildung eines Handelsblocks, der die Preise für kritische Mineralien regulieren soll. Unter anderem sollen damit Dumpingpreise verhindert werden, die die Wettbewerbsfähigkeit des US-Bergbaus gefährden. Das Forum ähnelt damit Organisationen wie dem Ölförderkartell OPEC.

Das US-Außenministerium kündigte außerdem eine Initiative namens Vault (auf Deutsch: Tresor) an. Ähnlich wie bei Erdöl wollen die Vereinigten Staaten auch bei kritischen Mineralien eine strategische Reserve aufbauen. Dafür stellt die amerikanische Export-Import-Bank (EXIM) Kredite in Höhe von 10 Milliarden US-Dollar (US$) bereit.

USA fördern Rohstoffversorgung mit vielen Milliarden

Die Bank unterstützt darüber hinaus Projekte zur Förderung und Verarbeitung von kritischen Mineralien innerhalb und außerhalb der Vereinigten Staaten. Weitere Mittel für entsprechende Vorhaben steuern das Energieministerium, das Kriegsministerium (offizielle Bezeichnung des Verteidigungsministeriums) und die U.S. International Development Finance Corporation bei. Laut dem Außenministerium beläuft sich die Fördergesamtsumme auf gut 30 Milliarden US$.

Das Ziel ist klar: Die USA wollen ihre Abhängigkeit von Importen kritischer Mineralien aus China reduzieren. Rund zwei Drittel der globalen Vorkommen an seltenen Erden befinden sich in der Volksrepublik. Bei deren Verarbeitung kommt China sogar auf eine Quote von 90 Prozent, schätzen Brancheninsider.

Als sich 2025 der Handelskonflikt zwischen China und den USA zuspitzte, hatte sich rasch gezeigt, dass Beijing damit ein Ass im Ärmel hat. Obwohl Präsident Donald Trump einen Großteil der Strafzölle nach kurzer Zeit wieder zurücknahm, zog das Reich der Mitte die Daumenschrauben weiter an: Im Dezember 2025 verschärfte China die Exportregeln für viele seltene Erden und verwandte Technologien massiv, etwa für Magnete und Batteriematerialien.

Abhängigkeit von China bleibt hoch

Laut U.S. Geological Survey bestand bei den meisten seltenen Erden 2025 eine Importabhängigkeit der Vereinigten Staaten von insgesamt 67 Prozent, gemessen am Inlandsverbrauch. China war dabei der mit Abstand wichtigste Lieferant. Es folgten Malaysia, Estland und Japan. Bei Yttrium lag die entsprechende Quote bei 100 Prozent. Auch hier war die Volksrepublik der größte Zulieferer. Bei Scandium (ebenfalls 100 Prozent) rangierte jedoch Japan an erster Stelle der Hauptlieferanten. Für die Halbleiter‑ und Elektronikindustrie besonders relevante Rohstoffe wie Gallium (100 Prozent Importabhängigkeit) und Germanium (über 50 Prozent) bezogen die USA überwiegend aus Kanada und Belgien.

Importabhängigkeit der USA bei kritischen Rohstoffen *) Einfuhrquote (in Prozent)
Rohstoff

2025 Quote

Wichtigstes Importland 2021 bis 2024
Arsen, Grafit, Mica (Glimmer), Rubidium, Scandium, Tantal, Yttrium, Zäsium

100

China
Asbest, Niob

100

Brasilien
Gallium

100

Kanada
Mangan 

100

Gabun
Titanschwamm

100

Japan
Schleifmittel aus Aluminiumoxid, Antimon, Wismut

90 bis 99

China
Seltene Erden: Cer, Dysprosium, Erbium, Europium, Gandolinium, Holmium, Lanthan, Lutetium, Neodym, Praseodym, Samaraium, Terbium, Thulium, Ytterbium

67

China
Eisenoxidpigment

84

China
Magnesiumverbindungen

59

China
Siliziumkarbid

79

China
Aluminiumoxid, Baryt

>75

China
Germanium

>50

China
* Auswahl.Quelle: U.S. Geological Survey 2026

 

Die Maßnahmen der USA, neue Quellen im Ausland zu erschließen und die heimische Förderung auszubauen, dürften die Abhängigkeit von China zwar verringern. Doch es bleibt ein langer und dornenreicher Weg. Die Dominanz der Volksrepublik in Sachen Vorkommen, Förderung und Verarbeitung ist einfach zu stark. Zudem besitzt China bei der Verarbeitung seltener Erden einen technologischen Vorsprung, den es ebenfalls aufzuholen gilt. 

Eine grundlegende Kehrtwende dauert 15 Jahre

In den USA sind die Vorkommen vor Ort nicht ausreichend oder die Förderung findet aus Kosten- oder Umweltschutzgründen nicht beziehungsweise nicht mehr statt. Der Wiederaufbau einer nationalen Förderung und Verarbeitung dürfte nach Einschätzung von Branchenkennern rund 15 Jahre dauern. Dafür müsste bereits jetzt massiv investiert werden. Doch die bisherigen Investitionspläne sind nicht nur von der Gesamtsumme her zu gering. Sie verteilen sich auch auf den Ausbau der Förderung von Rohstoffen wie Zinn, Zink und Lithium. Diese gehören streng genommen nicht zu den seltenen Erden, vielmehr sind es kritische Mineralien.

Auch die Vereinbarungen mit anderen Ländern, die die USA abgeschlossen haben oder noch abschließen werden, ändern auf absehbare Sicht wenig an der Ausgangslage. Es handelt sich um unverbindliche Rahmenvereinbarungen und Absichtserklärungen, die erst noch mit Leben gefüllt werden müssen. Und selbst der Aufbau einer strategischen Reserve schützt lediglich vor vorübergehenden Lieferengpässen.

Mehr Informationen über Rohstoffe

Zum Thema Rohstoffe und -abhängigkeiten gibt es in den USA umfangreiche und äußerst detaillierte Statistiken. Die meisten werden von der U.S. Geological Survey, einer Forschungseinrichtung des Innenministeriums, veröffentlicht. Eine gute Zusammenfassung bieten die über 200 Seiten langen Mineral Commodity Summaries, die jedes Jahr aktualisiert werden. Über die Rohstoffinitiativen der Regierung informiert unter anderem das US-Außenministerium.

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