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Branchen | Zentralafrika | Schienenverkehr

Ausbau der Lobito-Bahn von Angola zu Kongos Minen gestartet

In Zentralafrika ist eine strategische Bahnlinie in Betrieb gegangen. Es laufen bereits Arbeiten zur weiteren Modernisierung. Eine milliardenschwere Abzweigung ist aber fraglich. (Stand: 15.05.2024)

Von Ulrich Binkert | Bonn

Seit Ende 2023 verkehren Züge zwischen den Bergwerken des Kupfergürtels in der DR Kongo und dem Hafen Lobito in Angola. Bisher transportieren Lkws Kupfer und andere Minenerzeugnisse hauptsächlich nach Durban in Südafrika. Die neue Linie spart zwei Drittel der Strecke und viel Aufwand. Die EU hat das Ausbauvorhaben zur Untermauerung von strategischen Interessen vor allem beim Zugang zu kritischen Rohstoffen in ihre Global-Gateway-Initiative übernommen, ließ dem bisher aber offenbar wenige konkrete Aktivitäten folgen.  

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Bahn soll Lkw für Kupfertransporte ersetzen

Die Lobito-Bahn führt vom gleichnamigen Hafen in Angola bis zur kongolesischen Grenze (1.289 Kilometer) und weitere 427 Kilometer nach Kolwezi in der DR Kongo. Die eingleisige, nicht elektrifizierte Bahn wurde in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts für den Abtransport von Rohstoffen aus dem Südkongo gebaut. Der Zustand der Bahn hatte lange Zeit keine umfangreichen Gütertransporte ermöglicht. 

Um die Strecke auszubauen und zu betreiben, erging im Juli 2023 eine dreißigjährige Konzession an die Lobito Atlantic Railway (LAR). Die LAR besteht aus dem kleinen belgischen Bahnbetreiber Vecturis (1 Prozent Anteil) sowie dem portugiesischen Bauunternehmen Mota-Engil und dem Rohstoffhändler Trafigura (jeweils 49,5 Prozent). Die Konzessionäre haben sich verpflichtet, 455 Millionen US-Dollar (US$) in Angola und 100 Millionen US$ auf kongolesischer Seite zu investieren. 

Investitionen bereits angelaufen

Ein Großteil der geplanten Investitionen steht unmittelbar bevor. In Angola sollen zwischen 2024 und 2026 rund 300 Millionen US$ fließen, sagt Vecturis-Chef Eric Peiffer. Geplant ist unter anderem die Beschaffung von 1.555 Waggons. Die in den veröffentlichten Dokumenten genannten Lokomotiven seien hingegen bereits vorhanden. Angolas Bahngesellschaft hatte laut Peiffer schon in der Vergangenheit 35 Loks beschafft und verleast sie nun an die LAR. 

Die angolanischen Loks und Waggons befahren laut Peiffer auch den kongolesischen Teil der Strecke. Dort müssten die Konzessionäre lediglich die Bahnlinie verbessern, aber kein rollendes Material beschaffen. Zuständig dafür sei die kongolesische Bahngesellschaft SNCC als Betreiberin. Die Umsetzung von Maßnahmen für zunächst 60 Millionen US$ komme langsam in Gang, mit bislang kleineren Ausschreibungen durch die SNCC. 

Der kongolesische Teil der Trasse ist laut Peiffer teils noch im Originalzustand, baufällig und wenig leistungsfähig. So vertrage das Gleisbett weniger Gewicht als im angolanischen Teil, weshalb die Waggons hier weniger Material transportierten. Die Betreiber koppelten dort leichtere Lokomotiven an, die sie in Südafrika beschafften und die teils dieselelektrisch fahren. Dadurch könnten die Züge nach Angola - bei derselben Spurbreite (1,067 Meter) - ohne Umladen bis zum Hafen durchfahren. 

Teilfinanzierung durch USA vorgesehen

Finanziert werden die Investitionen laut Peiffer zur Hälfte durch die LAR-Konsortialpartner und zur Hälfte durch externe Quellen. Für den externen Part hat im Februar 2024 die US-Entwicklungsbank DFC 250 Millionen US$ zugesagt. Allerdings stand Ende März die Zustimmung des US-Kongresses noch aus. Zur Finanzierung des LAR-Anteils macht der Vecturis-Chef keine näheren Angaben. Aktiv sei hier vor allem die Firma Impala des LAR-Partners Trafigura. Die Ausgaben in der DR Kongo leiste das Konsortium aus Eigenmitteln, also ohne Kredite. 

Die aktuelle Kapazität der Lobito-Bahn auf kongolesischer Seite schätzt Peiffer auf jährlich 1,5 Millionen bis 2,5 Millionen Tonnen pro Richtung. Die in der DR Kongo zunächst vorgesehenen Investitionen von 100 Millionen US$ würden die 2,5 Millionen Tonnen gut absichern. Einen weiteren Kapazitätsausbau der bestehenden Linie in Kongo taxiert der Vecturis-Chef grob mit 700 Millionen US$. Das Gelände stelle relativ wenige Herausforderungen. 

Ein Ausbau des Lobito-Korridor ist an anderer Stelle bereits geplant. Aus Angola soll eine neu zu bauende Abzweigung zur Grenze mit Sambia und weiter in den sambischen Teil des Kupfergürtels (Karte) führen. Dazu unterzeichneten die USA, die EU sowie die African Development Bank (ADB) und die Africa Finance Corporation im Oktober 2023 eine Absichtserklärung (MoU). Ein unterstützendes MoU gab es im Januar 2024 zwischen den Regierungen von Angola, Sambia und der DR Kongo. Die ADB bezifferte den Finanzbedarf des Projekts auf 1,6 Milliarden US$. Im März 2024 verkündete die Bank, hierfür 0,5 Milliarden US$ bereitgestellt zu haben. 

Weiterer Ausbau mit Fragezeichen

Dieses Erweiterungsprojekt steht offenbar erst auf dem Papier. Laut der Lobito Corridor Investment Promotion Authority (LCIPA), die öffentliche und private Stakeholder des Projekts vereint, hätte eine Machbarkeitsstudie Ende 2023 in Auftrag gegeben werden und Mitte 2024 fertig sein sollen. Eric Peiffer weiß hierzu aber von keinen Fortschritten. Bisher existiere lediglich eine kleine Vorstudie. 

Zudem sieht Peiffer keinen Transportbedarf seitens der sambischen Minen, für welche die Verbindung gedacht ist. Der Vecturis-Chef hält es aber für möglich, dass die Bergwerke in Erwartung der Bahn mehr produzieren. Für den Bau der Linie spreche zudem das gesteigerte strategische Interesse namentlich der USA. Peiffer ist nicht bekannt, wofür genau die im MoU für die Erweiterung genannten 1,6 Milliarden US$ ausgegeben werden sollen. 

Die angekündigten 1,6 Milliarden US$ dürften außerdem kaum ausreichen für den Bau der Erweiterung. Allein die 259 Kilometer in Angola bis zur sambischen Grenze würden laut LCIPA 1 Milliarde US$ kosten. Die Investitionen für die weiteren 700 Kilometer durch das sambische Bergbaugebiet bis nach Chingola schätzt Peiffer auf 1,5 Milliarden US$ - mindestens: Das Gelände dort sei schwierig. 

Sinn ergebe das Projekt nur als Gesamtvorhaben, mit einem Bau bis zu den sambischen Minen. Auf dem ersten Teilstück, von der Abzweigung im angolanischen Luacano bis zur sambischen Grenze, gebe es kaum etwas zu transportieren. Die Konzessionäre der LAR haben laut LCIPA die Möglichkeit, dieses Teilstück zu bauen und ihre Konzession dafür um 20 Jahre auszudehnen. 

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