Branche kompakt | Frankreich | Medizintechnik
Branchenstruktur
Deutsche und internationale Branchenunternehmen sind in Frankreich gut vertreten. Das Marktumfeld ist jedoch schwierig. Produziert wird für den Export.
28.11.2025
Knapp 1.400 Unternehmen, davon 92 Prozent kleine und mittlere Firmen, entwickeln und produzieren Medizintechnik für den lokalen, vor allem aber auch den internationalen Markt. Im Jahr 2023 erwirtschaftete der Sektor laut Branchenverband SNITEM Umsätze in Höhe von 32,5 Milliarden Euro, davon 10,6 Milliarden Euro im Export. Ausländische Hersteller machen ein Viertel aller Branchenunternehmen aus, erwirtschaften aber gut zwei Drittel des Branchenumsatzes.
Deutschland ist mit einem Anteil von 18 Prozent wichtigster europäischer Investor. Siemens Healthineers, B.Braun und Dräger, aber auch große Mittelständler wie Hartmann sind vor Ort. US-amerikanische Unternehmen tragen zu 34 Prozent aller ausländischen Investitionen in der Branche bei. Große internationale Marktführer wie Medtronic oder GE Healthcare sind in Frankreich mit eigenen Produktionen und Forschungszentren aktiv und weiten ihren Aktionsradius aus. So hat GE im Jahr 2024 eine Produktion von Scannern aus China nach Frankreich verlagert.
Niedrige Erstattungssätze belasten Unternehmen
Gerade international aktive Unternehmen produzieren in Frankreich eher für den Export als für den heimischen Markt. B.Braun beispielsweise exportiert nach Unternehmensangeben mehr als 80 Prozent seiner französischen Produktion. Einige Unternehmen verzichten sogar darauf, innovative Produkte in Frankreich zuzulassen. Ein langes und komplexes Zulassungsverfahren sowie eine restriktive Erstattungspolitik wirken abschreckend. Auch die Anpassung der Zertifizierung nach der EU-MDR stellt Unternehmen vor Schwierigkeiten. Unternehmen berichten von einer durchschnittlichen Zertifizierungsdauer von mehr als 12 Monaten.
Trotz der starken ausländischen Konkurrenz verfügt Frankreich über international erfolgreiche Branchenunternehmen. Air Liquide zählt im Segment Beatmungstechnologien zu den Weltmarktführern. Trixell, ein Joint Venture zwischen Thales, Philips Healthcare und Siemens Healthineers, ist nach Unternehmensangaben weltweit führend in der Entwicklung und Herstellung digitaler Röntgendetektoren. Aber auch große Mittelständler wie Amplitude Surgical oder Proteor sind in Frankreich mit eigener Produktion verankert und international aktiv.
| Unternehmen | Sparte | Umsatz 2024 |
|---|---|---|
| GE Healthcare Technologies (Medical Systems, Healthcare) | Systeme im Bereich bildgebender, elektromedizinischer und elektrotherapeutischer Verfahren; Chirurgie und Zahntechnik | 1.683,8 |
| Medtronic | Systeme für die Bereiche Herz-/Kreislauf, Neurologie, Chirurgie, Diabetes | 878,3 |
| Air Liquide (Medical Systems, Santé, Santé Domicile) | Medizinische Gase, Beatmungssysteme | 802,6 |
| Siemens Healthcare | Systeme im Bereich bildgebender Verfahren, Onkologie, Diagnostik | 638,9 |
| B.Braun Medical | Systeme für den Bereich Chirurgie, Pflege, chronische Erkrankungen | 416,5 |
| Abbot | Systeme für den Bereich Herz-/Kreislauferkrankungen, Neuromodulation | 399,0 |
| Philips France (2023) | Systeme für Diagnose und Behandlung, vernetzte Versorgung, Körperpflege | 364,0 |
| Dräger | Systeme für die Akutversorgung (u.a. Anästhesie, Beatmung, Monitoring, vernetzte Lösungen) | 159,6 |
| Trixell | Digitale Röntgendetektoren | 140,1 |
| Amplitude Surgical | Prothesen | 106,0 |
Start-ups trotzen schwierigem Finanzierungsumfeld
Eine aktive Start-up-Szene belebt trotz eines schwierigen finanziellen Umfelds im Jahr 2025 den Medizintechniksektor. Synapse Medicine entwickelt KI-Assistenten für den Klinikalltag. Das Jungunternehmen Orixha plant, bis 2028 eine Produktion von Kühlsystemen für Herzstillstandpatienten aufzubauen. Das Pariser Start-up Robeauté entwickelt neurochirurgische Miniroboter und konnte seit 2023 hierfür 27 Millionen Euro einwerben. Ebenfalls im Bereich Robotik hat das Jungunternehmen MinMaxMedical im April 2025 seine erste Fabrik im Isère eröffnet. Und das auf Exoskelette fokussierte Start-up Wandercraft, konnte sich Mitte 2024 eine Finanzierung der Europäischen Investitionsbank in Höhe von 25 Millionen Euro sichern.
Großunternehmen kooperieren mit Start-ups. So hat Thales im Juli 2024 einen Start-up-Accelerator für Jungunternehmen im bildgebenden Bereich eröffnet. Die Start-up-Förderung erfolgt durchaus auch im Eigeninteresse. Innovative Technologien sollen helfen, die Wettbewerbsfähigkeit der Branchengrößen zu erhöhen.
Deutschland ist eine der wichtigsten Importnationen
Trotz ihrer technologischen Reife ist die lokale französische Medizintechnikindustrie zu klein, um die steigenden Bedarfe Frankreichs zu decken. Das Land deckt knapp 80 Prozent seines Bedarfs an Medizintechnik durch Importe. Laut Fitch Solutions erreicht die Importquote bei Hilfsmitteln wie Hörgeräten, Herzschrittmachern oder Beatmungsgeräten annähernd 90 Prozent, liegt aber auch in anderen Bereichen bei über 70 Prozent. Im Jahr 2024 lieferte Deutschland 10,5 Prozent der französischen Importe und ist damit nach den USA zweitwichtigster Importeur.
| SITC | Import (2023) | Import (2024) | Veränderung 24/23 | Anteil Import aus Deutschland | |
|---|---|---|---|---|---|
| 774.1 | Elektrodiagnoseapparate und -geräte | 1.096,3 | 1.193,3 | 8,8 | 15,2 |
| 774.2 | Röntgenapparate etc. | 1.293,6 | 1.239,3 | -4,2 | 19,6 |
| 741.83 | Sterilisierapparate | 45,3 | 38,9 | -14,1 | 11,8 |
| 872.1 | Zahnmedizinische Instrumente; a.n.g. | 369,1 | 367,6 | -0,4 | 32,9 |
| 872.21 | Spritzen, Nadeln, Katheter, Kanülen etc. | 2.046,4 | 2.074,6 | 1,4 | 15,7 |
| 872.25 | Ophthalmologische Instrumente | 319,0 | 315,1 | -1,2 | 15,9 |
| 872.29 | Andere Instrumente, Apparate und Geräte | 2.194,0 | 2.250,1 | 2,5 | 18,5 |
| 872.3 | Therapiegeräte, Atmungsgeräte etc. | 702,0 | 725,6 | 3,4 | 19,3 |
| 872.4 | Medizinmöbel etc. | 172,3 | 165,1 | -4,2 | 23,0 |
| 899.6 | Orthopädietechnik, Prothesen etc. | 3.175,0 | 3.307,1 | 4,2 | 13,5 |
Frankreichs Gesundheitswesen ist gut, aber teuer
Frankreichs öffentliches Gesundheitssystem zählt zu den besten, aber auch teuersten weltweit. Die Ausgaben sind nach Deutschland und Österreich die dritthöchsten in der EU und liegen bei 11,5 Prozent des BIP - deutlich über dem europaweiten Durchschnitt von 10,3 Prozent.
Laut dem staatlichen Gesundheitsstatistikdienst DREES übernimmt die staatliche Krankenversicherung den Löwenanteil der Kosten, im Jahr 2024 lag dieser bei etwa 80 Prozent. Private Zuzahlungen erreichen 7,8 Prozent der Gesamtausgaben. Frankreich zählt damit im internationalen Vergleich mit Luxemburg zu den Ländern mit den geringsten privaten Zuzahlungen.
Der öffentliche Krankenhaussektor stellte im Jahr 2023 knapp 61 Prozent der verfügbaren Betten. Die Bettenanzahl in öffentlichen und privaten Einrichtungen nimmt seit Jahren konstant ab. Der Rückgang belief sich im Jahr 2023 auf 1,8 Prozent.
Krankenhäuser kämpfen mit Finanzierungslücken
Im Krankenhausbereich sind die wichtigsten Abnehmer die Universitätskliniken (CHU) und Regionalkrankenhäuser (CRU). Gerade kleinere, in der Peripherie oder außerhalb städtischer Ballungsgebiete liegende Krankenhäuser haben Modernisierungsbedarf. Die finanziellen Mittel kleiner und großer Einrichtungen aber sind knapp. Inflation und anziehende Lohnkosten belasten die ohnehin schon häufig defizitären Finanzen gerade öffentlicher Krankenhäuser.
Der Plan "Ségur" aus dem Jahr 2023 soll Gesundheitseinrichtungen dabei helfen, Investitionsrückstände abzubauen. Über einen Zeitraum von 10 Jahren sollen 19 Milliarden Euro im Wesentlichen in Liegenschaften und Digitalisierung fließen. Aufgrund der wechselnden Regierungskonstellationen im Jahr 2024 und der dauerhaften Unsicherheit in Bezug auf die Höhe des verfügbaren Budgets verzögert sich die Umsetzung des Finanzierungsplans. So wurden erst im September 2025 Finanzmittel in Höhe von 674 Millionen Euro für das Jahr 2025 freigegeben.
Indikator | Wert |
|---|---|
Einwohnerzahl (2025 in Mio.) | 68,6 |
Bevölkerungswachstum (2024 in % p.a.) | 2,5 |
Altersstruktur der Bevölkerung (2024) |
|
Anteil der unter 14-Jährigen (in %) | 17,0 |
Anteil der über 65-Jährigen (in %) | 21,4 |
Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt | 83,1 |
Durchschnittseinkommen (2024 in Euro) | 25.557 |
Gesundheitsausgaben pro Kopf (in Euro, 2023) | 4.755,4 |
Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (2024 in %)* | 11,5 |
Ärzte/100.000 Einwohner (2023) | 389,6 |
Zahnärzte/100.000 Einwohner (2023) | 68,1 |
Krankenhausbetten/100.000 Einwohner (2023), davon | 540 |
privat | 211 |
öffentlich | 329 |