Frankreichs Maschinenbausektor ist international aufgestellt. Start-ups schieben den Robotikbereich an.
Frankreichs Maschinenbau erzielte laut Branchenverband FIM 2025 einen Umsatz von 75,2 Milliarden Euro und lag damit weltweit auf Rang sechs der wichtigsten Maschinenbaunationen nach China, den USA, Japan, Deutschland und Italien. Vor allem bei Maschinen und Anlagen für die Luft- und Raumfahrt, Nukleartechnik, Kühltechnik, Pumpen und Turbinen, aber auch Verpackungsmaschinen und Landtechnik ist das Land gut aufgestellt. Knapp 50 Prozent des Umsatzes entfielen laut dem französischen Statistikamt INSEE auf den Export.
Der Landmaschinensektor ist einer der wichtigsten Teilbereiche der Maschinenbaubranche. Knapp 14 Prozent der gesamten Branchenproduktion entfiel laut den letzten verfügbaren INSEE-Zahlen von 2023 auf Landmaschinen. International führende Hersteller wie John Deere, Claas und Kuhn sind im Land mit eigenen Fabrikationsstätten vertreten und produzieren für den lokalen und den internationalen Markt. Frankreich ist nicht nur bedeutender Produzent. Laut dem Landmaschinenverband AXEMA ist das Land zudem der wichtigste Absatzmarkt für Landmaschinen in Europa und der viertgrößte weltweit.
Grüne Industrien auf Zulieferungen angewiesen
In anderen Bereichen aber hat Frankreich Aufholbedarf. Insbesondere in "grünen" Industrien, wie der Batteriefertigung, Chipproduktion, Solarindustrie oder im Wasserstoffsektor ist die eigene Maschinen- und Anlagenkompetenz bislang schwach. Auch im klassischen Werkzeug- und Präzisionsmaschinenbau ist Frankreich weniger stark aufgestellt als Deutschland. Zugleich steigt durch Investitionen der Verteidigungsindustrie der Bedarf an spezialisierten Zulieferern.
Deutschland bleibt wichtiger Maschinenlieferant
Deutschland ist für den französischen Maschinenbau ein zentraler Partner. 16 Prozent der französischen Maschinenbauexporte gingen 2025 laut Eurostat nach Deutschland. Damit liegt Frankreich auf Rang 5 der weltweit wichtigsten Lieferländer Deutschlands. Frankreichs Industrieunternehmen sind zudem wichtige Kunden der deutschen Maschinenbauindustrie. Der deutsche Anteil an den französischen Branchenimporten lag 2025 bei 19 Prozent. Damit bleibt Deutschland der mit Abstand wichtigste Zulieferer von Maschinenbauprodukten, trotz eines leichten Exportrückgangs.
INSEE zählt nach letzten verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2023 rund 4.100 Maschinenbauunternehmen im Land. Davon gehören 31 Prozent zur Kategorie der kleinen und mittleren Unternehmen, lediglich 4 Prozent sind Großunternehmen. Die Großunternehmen prägen die Branche jedoch maßgeblich. Sie erwirtschafteten im Jahr 2023 knapp 78 Prozent des Branchenumsatzes und 99 Prozent der Exporte.
Französische Maschinenbau-KMU sind in der Regel hoch spezialisiert und in Nischensegmenten für die französische Industrie aktiv. Der Maschinen- und Anlagenbau in Frankreich konzentriert sich auf den Norden und Osten des Landes, vor allem in den Regionen Auvergne-Rhône-Alpes um Lyon, Ile-de-France (Großraum Paris), Hauts-de-France als Zentrum für die Automobilindustrie sowie in der traditionellen Industrieregion Grand Est. Mit dem Wachstum der Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie gewinnt die Zulieferstruktur in den Luft- und Raumfahrtzentren rund um Bordeaux und Toulouse an Bedeutung.
Maschinenbaubranche ist international
Frankreich ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Standort für ausländische Maschinenbauer. Deutsche, amerikanische und japanische Hersteller bedienen von ihren französischen Fabriken aus nicht nur den lokalen Markt. Sie beliefern auch ihre Fabriken und Kunden in anderen europäischen Ländern.
Im Landmaschinensektor unterhalten AGCO (USA) in Beauvais, Claas in Le Mans und Kubota (Japan) in Bierne Traktorfabriken. Hinzu kommen weitere wichtige Branchenunternehmen wie John Deere aus den USA sowie Kuhn und Pellenc aus Frankreich.
In der Hebetechnik produzieren unter anderem Manitou (Frankreich), Kion (Fenwick-Linde) und Toyota vor Ort. Wichtige Hersteller von Lagern und Getrieben sind NTN-SNR (Japan) und SKF (Schweden).
Wichtige Maschinenbauunternehmen in Frankreich Umsatz in Millionen Euro, Veränderung in Prozent| Unternehmen | Umsatz 2025 | Veränderung 2025/2024 |
|---|
| Manitou | 2.564 | -3,5 |
| Fives Group (Umsatz Gesamtgruppe) | 2.143 | -7,9 |
| Sidel Blowing & Services | 1.389 | 3,2 |
| AGCO | 945 | -17,8 |
| Claas Tractor | 934 | +0,9 |
| SKF France (2024) | 840 | -7,9 |
| Kuhn | 815 | 2,0 |
| John Deere | 744 | 10,8 |
| Liebherr Mining Equipment | 658 | -13,43 |
| Stäubli Faverge | 486 | 1,43 |
Quelle: Verif 2026, Recherche von Germany Trade & Invest
Auch die deutschen Pumpenhersteller KSB und Wilo stellen in Frankreich her. Trumpf hat im Juni 2026 Investitionen in Höhe von 19 Millionen Euro in den Ausbau seiner Produktion von Laserschneid- und Stanzmaschinen im elsässischen Hagenau angekündigt. Mit der 2023 erfolgten Übernahme des französischen Unternehmens Ingecal hat Dürr seine Aktivitäten im Bereich Kalandrieranlagen für die Batterieproduktion ausgebaut. Liebherr hat im Juni 2026 Investitionen in Höhe von insgesamt 190 Millionen Euro in die Produktion von Hochleistungsgeneratoren für Datenzentren sowie Fahrerkabinen für Baumaschinen bekanntgegeben.
Ausgewählte Investitionsprojekte der Maschinen- und Anlagenbauindustrie in Frankreich| Akteur/Projekt | Investitionssumme (in Mio. Euro) | Projektstand | Anmerkungen |
|---|
| Softbank Group (Japan) | 45.000 | Ankündigung Juni 2026, Inbetriebnahme geplant 2. Halbjahr 2031 | Datenzentren und Infrastruktur (Kooperation mit Schneider Electric) (Hauts-de-France) |
| Brookfield (Kanada) | 30.000 | Ankündigung Juni 2026 | Datenzentren und Infrastruktur (Hauts-de-France) |
| Stellantis (Frankreich) | 1.000 | Ankündigung Juni 2026, Inbetriebnahme geplant 2029 | Produktion von E-Autos (Peugeot) (Mulhouse) |
| SAF+IG (Kanada) | 700 | Ankündigung Mai 2026, Inbetriebnahme geplant 2. Halbjahr 2031 | Produktion von synthetischem nachhaltigen Flugkraftstoff E-SAF (Aude) |
| Safran (Frankreich) | 450 | Ankündigung Juli 2026, Inbetriebnahme geplant 2. Halbjahr 2030 | Produktion von Karbonbremsen (Ain) |
| Airbus (Frankreich / Deutschland) | 250 | Ankündigung März 2025, Inbetriebnahme geplant 1. Halbjahr 2029 | Modernisierung und Ausbau des Produktionsstandortes Merignac (Next Gen-Factory) |
| Venturi Space (Frankreich) | 250 | Ankündigung Juni 2026, Inbetriebnahme geplant 2. Halbjahr 2028 | Produktion des Moonrover (Toulouse) |
| Arabelle Solutions (Frankreich) | 100 | Ankündigung April 2026, Inbetriebnahme geplant 2. Halbjahr 2030 | Produktion von Wärmewechslern für EPR2-Reaktoren (Chalon-sur-Saone) |
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Robotikszene lernt laufen
In Untersektoren des Maschinenbaus entwickelt sich eine lebhafte Start-up-Szene, gefördert unter anderem durch die französische Regierungsinitiative French Tech, den Innovationsplan France 2030 und die staatliche Investitionsbank Banque Publique d'Investissement (BPI).
Der Bereich Robotik entwickelt sich schnell. Exotec ist international mit Lagerrobotik aktiv. Pollen Robotic produziert unter anderem den Laborroboter Reachy2. Renault setzt seit Juni 2026 humanoide Roboter von Wandercraft in der Produktion ein. Ende 2027 sollen bereits 350 Roboter in Renaults Fabriken arbeiten. Zudem bereitet sich der Konzern darauf vor, in die industrielle Produktion humanoider Roboter einzusteigen.
Das erst 2026 gegründete Unternehmen AMI Labs des ehemaligen Meta-Ingenieurs Yann LeCun konnte unmittelbar nach seiner Gründung 890 Millionen Euro einwerben. AMI Labs gilt als wichtiger Baustein der europäischen humanoiden Robotik und arbeitet an physischer KI, die die Fähigkeiten und Einsatzfelder humanoider Roboter wesentlich erweitern könnte.
Auch die Agrarrobotik nimmt an Fahrt auf. Das Start-up Aisprid entwickelt KI-gestützte Gewächshausrobotik. Naïo Technologies ist nach Umstrukturierungen mit seinen Robotern für Wein- und Gemüsebau wieder auf Wachstumskurs. Und Exxact Robotics ist mit autonomen Landmaschinen auf Frankreichs Feldern vertreten.
Von
Frauke Schmitz-Bauerdick
|
Paris