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Modernste Chiptechnologie zukünftig aus Singapur

Der weltweite KI-Boom gibt dem Halbleiterstandort Singapur Aufschwung. Die Regierung setzt auf Forschung und viele internationale Branchenfirmen investieren in neue Fabriken.

Alexander Hirschle

Von Alexander Hirschle | Singapur

Die singapurische Regierung setzt auf künstliche Intelligenz (KI) als zentrales Zukunfts- und Wachstumsfeld. Die Elektronikbranche macht 43 Prozent der verarbeitenden Industrie im Land aus. Ein großer Teil davon entfällt auf Halbleiter – und dieser Bereich profitiert besonders von den dynamischen Entwicklungen rund um KI. Zwischen 2020 und 2025 wuchs der Chipsektor durchschnittlich um 7,3 Prozent pro Jahr. 

Singapur gilt als logistischer und technologischer Knotenpunkt der globalen Halbleiterherstellung. Etwa 10 Prozent der weltweit produzierten Chips stammen aus dem Stadtstaat. Rund 1.000 Branchenfirmen bilden dort nahezu die gesamte Wertschöpfungskette ab. Zudem werden auch Maschinen und Ausrüstungen für die Halbleiterfertigung hergestellt. Schätzungen gehen von 20 Prozent der weltweiten Fertigung aus. Es handelt sich vor allem um komplexe Schlüsseltechnologien wie Fertigungs‑, Inspektions‑ und Prozesskontrollgeräte.

Standort bietet gute Rahmenbedingungen

Die Regierung fördert die Halbleiterindustrie unter anderem durch Steuervergünstigungen, Investitionszuschüsse und -kredite und bevorzugten Zugang zu Industrieflächen. Außerdem gibt es Förderung für Forschung und Entwicklung (F&E) sowie Weiterbildungsprogramme für Beschäftigte. Die wichtigsten Programme werden von der Behörde für Wirtschaftsförderung EDB angeboten und richten sich auch an internationale Investoren.

Für Unternehmen spielt die Nähe zu den Abnehmern in der Region eine wichtige Rolle. Als Vertriebsstandort punktet Singapur mit hervorragender Infrastruktur und Logistik. Trotz sehr gut ausgebildeten Arbeitskräften ist es allerdings schwierig, passende Fachkräfte zu finden. Die Regierung versucht mit verschiedenen Ausbildungsinitiativen entgegenzusteuern.

Führungsanspruch in der Halbleiterzukunft

Der Fachverband Singapore Semiconductor Industry Association hat das Strategiepapier Four-Pillar Strategic Growth Framework ausgearbeitet. Ziel ist die Wettbewerbsfähigkeit der Branche langfristig zu sichern und Singapur als führenden Standort im internationalen Halbleiterökosystem zu positionieren. Die vier Säulen umfassen die Modernisierung der Produktion mit Hilfe von Automatisierung und KI, Lieferkettensicherheit, F&E sowie Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft.

Absatz- und Kooperationschancen

Vor allem die vierte Säule bietet Unternehmensvertretern zufolge gute Geschäftschancen für deutsche Zulieferfirmen. An technologisch fortgeschrittenen Halbleiterstandorten wie Singapur sei effiziente Ressourcennutzung ein großes Thema. Der Bereich F&E, auf den die Regierung stark setzt, bietet ebenfalls Kooperationsmöglichkeiten. Die staatliche Forschungsagentur A*Star und die National University of Singapore bündeln seit 2025 mit dem Fraunhofer‑Institut für Elektronische Nanosysteme Forschungs- und Entwicklungskompetenzen im Bereich Mikroelektronik und Systemintegration.

Singapur liefert Halbleiter überwiegend nach AsienSingapurs Halbleiterexporte* 2025 in Milliarden US$

wichtigste Abnehmerländer

Exporte

Veränderung 2025/24

China & Hongkong63,75,2
Malaysia13,911,6
Taiwan 13,221,0
Thailand12,648,8
Vietnam9,333,4
Südkorea7,31,7
USA6,247,7
Deutschland3,44,6
Mexiko3,413,8
Indien3,235,0
* HS-Positionen 8541 und 8542; Wert der gesamten Exporte 2025: 147,2 Milliarden US$; Veränderung in Prozent.Quelle: UN Comtrade 2026

Singapur will sich neu ausrichten

Im Gegensatz zur Hightech-Halbleiterschmiede Taiwan waren die Hersteller bislang stärker auf Standardchips spezialisiert, die für den hochpreisigen Standort relativ geringe Margen haben. Singapur positioniert sich nun zunehmend als Hightechstandort. Der Fokus verschiebt sich auf technologisch anspruchsvollere Verfahren mit hoher Wertschöpfung, dazu zählen Advanced Packaging, Leistungselektronik und Spezialchips für Industrie‑ und Automotive‑Anwendungen.

Kapazitäten werden massiv ausgeweitet

Weltweit besteht eine große Nachfrage nach komplexen Speicher‑ und Logikchips für KI‑Systeme und datengetriebene Anwendungen. So will die US-Gesellschaft Micron in einer neuen Fabrik in Singapur ab 2028 NAND-Flash-Speicherwafer herstellen. Sie investiert dafür in den kommenden zehn Jahren 24 Milliarden US$ in Woodlands. Zusätzlich hat Micron eine Investition von rund 7 Milliarden US$ in eine Fabrik mit Schwerpunkt auf Packaging, Assembly und Testing angekündigt. Die Produktion soll 2026 anlaufen und 2027 ausgeweitet werden.

Das US-Unternehmen Global Foundries erwarb 2025 die singapurische Firma AMF (Advanced Micro Foundry), um sich stärker im Bereich physische KI zu positionieren. Global Foundries hatte bereits 2023 seine bestehende Wafer-Fab für 4 Milliarden US$ erweitert.

Das Joint Venture VisionPower Semiconductor Manufacturing Company (VSMC) der taiwanischen Vanguard und des niederländischen Herstellers NXP baut im Tampines Wafer Fab Park ebenfalls eine neue Produktionsstätte. Dort sollen spätestens ab Anfang 2027 Chips in Strukturgrößen zwischen 40 und 130 Nanometer vom Band laufen. Sie finden zum Beispiel in der Industrie im Automobilbereich Verwendung. Die Investition beläuft sich auf fast 8 Milliarden US$.

Der zweitgrößte taiwanische Auftragsfertiger für Halbleiter UMC (United Microelectronics) investierte 5 Milliarden US$ und eröffnete 2025 seine zweite Fabrik im Stadtstaat. Insgesamt wurden zwischen 2022 und 2025 rund 30 Milliarden US$ in die Halbleiterindustrie Singapurs investiert.

Waferproduktion und Innovation von deutschen Firmen am Standort

Deutsche Halbleiterfirmen sind bereits in Singapur aktiv. Die Firma Siltronic zum Beispiel vollendete 2024 im Tampines Wafer Fab Park den Aufbau einer 150.000 Quadratmeter großen Produktionsstätte für Wafer im Wert von rund 2,2 Milliarden US$.

Infineon hat neben einer Waferproduktion auch seine regionale Zentrale für Asien-Pazifik in Singapur. Diese wurde 2023 um einen Co-Innovation-Space erweitert, in dem das Unternehmen gemeinsam mit Start-ups halbleiterbasierte Lösungen entwickelt.

Die singapurischen Importe von Ausrüstung für die Halbleiterherstellung (HS-Position 8486) aus Deutschland brachen 2025 ein. Sie verbuchten ein Minus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr und fielen auf 134 Millionen US$. Nach der Coronakrise hatten die deutschen Lieferungen einen Aufschwung erlebt und sich zwischen 2022 und 2024 verdoppelt. Die wichtigsten Branchenlieferanten für Singapur sind Malaysia, die USA und Japan.

Deutsche Ausrüstungslieferungen 2025 weniger gefragtSingapurs Einfuhren von Maschinen zur Halbleiterherstellung*

wichtigste Lieferländer

Anteil an den gesamten Einfuhren

Veränderung des Einfuhrwerts 2025/24

Malaysia35,2 29,1
USA17,5 15,2
Japan12,0

57,5

China & Hong Kong8,836,9
Taiwan8,510,2
Südkorea7,31,5
Niederlande4,8105,8
Deutschland1,2-13,8
* HS-Position 8486; Wert der gesamten Einfuhren: 11,6 Milliarden US$; Anteile und Veränderung in Prozent.Quelle: UN Comtrade 2026