Frankreichs Pharmamarkt ist attraktiv, aber auch herausfordernd. Unternehmen fokussieren sich auf innovative Therapien und produzieren für den Export.
Frankreich ist nach Deutschland das bevölkerungsreichste Land der Europäischen Union und zählt zu den größten Pharmamärkten der Welt.
Neben dem weltweiten demografischen Wandel erhöht die Zunahme von Zivilisationskrankheiten wie Krebs, Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen und Diabetes den Bedarf an medizinischer Versorgung. Gleichzeitig gehören die Erstattungspreise für Medikamente zu den niedrigsten in Europa, und die Zulassung innovativer Präparate gilt als langwierig. Unternehmen beklagen knappe Margen und produzieren in Frankreich zunehmend für den Export.
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Anstieg der Erstattung für Krebstherapien (Antineoplastika) zwischen 2025 und 2026.
Quelle: Assurance Maladie 2026
Mehr Medikamente für eine alternde Bevölkerung
Die Erstattungen für Medikamente sind im Jahr 2024 um 4,6 Prozent auf 34,5 Milliarden Euro angestiegen. Angesichts der demografischen Veränderungen erwartet der Marktanalyst Fitch Solutions für die Jahre 2026 bis 2030 weiterhin ein jährliches aggregiertes Wachstum von gut 3 Prozent.
Auch wenn Alltagsmedikamente wie Paracetamol, Antibiotika und Blutdruck- und Cholesterinsenker die Erstattungsrankings anführen, steigen gerade die Kosten für Krebs- und Diabetestherapien sowie Immunsuppressoren rapide. Laut Auskunft der staatlichen Krankenkasse Ameli haben sich allein die Ausgaben für Krebsmedikamente zwischen 2015 und 2025 vervierfacht.
Trend geht in Richtung Biotechnologie
Der Markt ist in Bewegung. Die großen Pharmagruppen wie Sanofi oder Servier stoßen die Produktion margenschwacher Medikamente ab und verstärken sich in den Bereichen Biotechnologie, Gentherapie und künstliche Intelligenz. Inhaltlich fokussieren sich Akteure auf gut vergütete Felder wie Krebs- und Autoimmunerkrankungen, Impfstoffe und seltene Krankheiten. Um Entwicklungszyklen zu verkürzen, kooperieren die Branchenriesen verstärkt mit Start-ups. Auch im Bereich eigener Forschung und Entwicklung bleiben Unternehmen engagiert. So investierten Frankreichs Pharmaunternehmen im Jahr 2024 laut Branchenverband LEEM knapp 6 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung und planen, ihre Investitionen auch 2026 und 2027 in ähnlicher Höhe fortzuführen.
Innovationsstarke Biotech‑Szene
Kennzahlen 2025
- 47 Biopharmaka auf Basis in Frankreich produzierter Wirkstoffe
- 5986 aktive Patente im Bereich Biotechnologie und Biopharmaka
- 4 Forschungseinrichtungen unter den Top-10 Europas im Bereich Patenteinreichung (Inserm, CNRS, Université Paris Cité, Sanofi)
- 6,3 Milliarden Euro Investitionen zwischen 2020 und 2025
Quelle: France Biolead 2026
Niedrige Erstattung belastet Unternehmen
Trotz potenziell steigender Absatzchancen ist die Stimmung in der französischen Pharmaindustrie schlecht. Insbesondere die restriktive Erstattungspolitik des französischen Staates setzt Unternehmen in Frankreich unter Druck. Frankreich ist stark verschuldet und versucht, durch strikte Deckelung der Erstattung im Gesundheitswesen einen unkontrollierten Kostenanstieg zu vermeiden. Unternehmen fühlen sich auf dem Altar der schwachen Staatsfinanzen geopfert. Die in Frankreich geleisteten Erstattungen für Medikamente zählen zu den niedrigsten in Europa. Die Preise für patentierte Medikamente mit Alleinstellungsmerkmal lagen im Jahr 2024 laut Branchenverband LEEM um 28 Prozent unter denen Deutschlands.
Auch das Zulassungsverfahren für innovative Medikamente ist ausgesprochen schwerfällig. Nach dem IQVIA Patients W.A.I.T. Indicator dauert es in Frankreich von der EU-Zulassung bis zur Anerkennung der Erstattungsfähigkeit durch die nationale Krankenversicherung durchschnittlich 592 Tage gegenüber 128 Tagen in Deutschland.
Die Kombination aus schwierigem Zulassungsverfahren und niedrigen Erstattungssätzen hat nicht nur geringe Gewinnmargen bei Pharmaunternehmen zur Folge. Auch die Auswirkungen für den Patienten sind erheblich. So waren in Frankreich 2025 von 173 in der EU zugelassenen innovativen Medikamenten beispielsweise für die Behandlung von Krebs oder seltenen Erkrankungen lediglich 103, und damit nur 60 Prozent, zugänglich.
Regierung will Pharmaproduktion im Land halten
Angesichts des schwierigen Geschäftsklimas warnen Unternehmen und Branchenverbände vor einer Abwanderungswelle. Insbesondere die USA locken als wichtigster Pharmamarkt der Welt und der politische Druck zur Ansiedlung vor Ort steigt. Die Regierung versucht, die Pharmaproduktion in Frankreich zu halten und strebt eine Rückansiedlung der Produktion an. Die Produktion der 50 gebräuchlichsten Medikamente und Aktivstoffe soll ins Land zurückkehren. Damit will die Regierung immer wieder auftretenden Engpässe bei Standardmedikamenten vorbeugen.
Auch fördert Frankreich Forschungs- und Entwicklungsvorhaben im Pharma- und Biotechnologiebereich im Rahmen des Innovationsplans France 2030. Ziel ist, Frankreich zur führenden Pharmanation Europas zu machen und die französische Souveränität im Arzneimittelbereich zu sichern. Denn insbesondere im Bereich Gentherapien will das Land aufholen. Zwar mangelt es nicht an der Grundlagenforschung. Vielmehr hapert es an der industriellen Umsetzung von Projekten. Diese erfolgt nicht selten aufgrund größerer Finanzkraft in den USA.
France 2030 - Staatliche Förderung für eine bessere GesundheitsversorgungAusgewählte Förderziele France 2030 Innovation Santé; in Millionen Euro| Sektor | Förderhöhe |
|---|
| Ausbau der Forschungs‑ und Entwicklungskapazitäten | 1.000 |
| Biotherapien/Innovative Therapien, E-Health, Infektionskrankheiten, Medizintechnik | 800 (Entwicklung Biotherapien) 650 (E-Health) 750 (Pandemievorsorge) 400 (Medizintechnik) |
| Relokalisierung Gesundheitsindustrien | 1.500 Fördermittel IPCEI-Projekte 2.000 Fördermittel Förderbank BPI |
IPCEI: Important Projects of Common European Interest; BPI: Banque Publique d'InvestissementQuelle: Gouvernement Francais 2026
Auch die EU fördert Pharmaprojekte. Seit 2024 fördert das IPCEI Med4Cure-Projekt die pharmazeutische Entwicklung, zum Beispiel für seltene Krankheiten. Das Gesamtinvestitionsvolumen soll auf europäischer Ebene insgesamt knapp 7 Milliarden Euro erreichen, darunter eine Milliarde Euro staatlicher Beihilfen. Auf französischer Seite engagieren sich die drei Unternehmen The DrugCell, EUROAPI France und Sanofi.
Die Resultate dieser Förderanstrengungen sind durchmischt. Zwar halten die großen französischen, aber auch internationalen Unternehmen wie Pfizer und GlaxoSmithKline Frankreich die Treue und investieren in die eigene Produktion, vor allem aber in Forschung und klinische Studien. Im Januar 2026 hat das Labor Pierre Fabre eine neue Produktlinie von Aktivprinzipien eingeführt. Seit Mitte 2025 aber wurden keine neuen Großinvestitionen in den Pharma-Standort angekündigt.
Andere Unternehmen hingegen überdenken ihre Position in Frankreich. So wird Merck seinen Standort für die Produktion von CDMO-Biotherapien in Martillac Mitte 2026 aufgeben. Und auch das durch die französische Regierung und das europäische IPCEI Med4Cure geförderte CDMO EUROAPI hat Mühe, mit seiner Produktion von Aktivstoffen in die Rentabilitätszone zu kommen.
Ausgewählte Investitionsprojekte der pharmazeutischen Industrie in FrankreichInvestitionssumme in Millionen Euro| Akteur/Projekt | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkungen |
|---|
| Novo Nordisk | 2.100 | Ankündigung November 2023, Baubeginn 2024, Fertigstellung 2028 | Ausbau der bestehenden Produktion in Chartres; Produktionslinien u.a. für Ozempic und Wegovy |
| Sanofi | 1.100 | Ankündigung Mai 2024 | Bau einer neuen Produktion monoklonaler Antikörper in Vitry -sur-Seine; Kapazitätsausbau der Bioproduktion in Trait |
| Pfizer | 500 | Ankündigung Mai 2024, laufende Umsetzung | Investitionen in Forschung & Entwicklung sowie klinische Studien |
| GSK | 560 | Ankündigung Mai 2024 und 2025, erste Umsetzungsmaßnahmen seit 2025, Abschluss 2027 | Investitionsvorhaben mit einer Laufzeit von 2025 bis 2027, Modernisierung und technologische Aufrüstung der drei Impfstoff-Produktionsstandorte Evreux, Mayenne und Saint-Amond-les-Eaux |
| Astra Zeneca | 388 | Ankündigung Mai 2024, Baubeginn 2025, Fertigstellung geplant 2026 | Ausbau der Produktion von Aerosolen in Dunkerque |
Quelle: Recherche von Germany Trade & Invest 2026
Von Frauke Schmitz-Bauerdick
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Paris