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Fachkräfte

Fachkräfte in Frankreich sind schwer zu finden und noch schwerer zu halten. Gleichzeitig setzen Unternehmen in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld ihre Messlatte hoch. 

Frauke Schmitz-Bauerdick

Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Paris

Frankreichs Arbeitsmarkt verändert sich. Zwar konkurrieren Unternehmen nach wie vor um Fachkräfte - vor allem im Digitalsektor. Experten für Cloudcomputing, Datenanalyse, Cybersicherheit und künstliche Intelligenz (KI) sind rar und teuer. Und auch in anderen Wachstumsbranchen wie der Verteidigungsindustrie suchen Unternehmen händeringend nicht nur nach Facharbeitern, sondern auch nach ungelernten Kräften. 

In weiten Bereichen aber wird es für Bewerber am Arbeitsmarkt schwieriger. Angesichts des anhaltend angespannten Wirtschaftsklimas werden Unternehmen bei Neu- und Nachbesetzungen vorsichtiger und anspruchsvoller: „Ingenieure in der Lebensmittel-, Chemie- und Agrarindustrie haben es nicht leicht, eine Stelle zu finden. Auch im Maschinenbau ist es nicht einfach. Bewerber sollten geographisch flexibel sein und auch kleinere Firmen ins Auge fassen. Der Status "Cadre" (für Führungskräfte, leitende Angestellte oder qualifizierte Spezialisten) und Ingenieur in den ersten Berufsjahren ist nicht mehr selbstverständlich“, beobachtet Hilda Sagemuller, Geschäftsführerin der Personalberatungsgesellschaft Dauphin Conseil in Lyon.

Frankreich im weltweiten Vergleich

Folgende Karte ermöglicht den Vergleich zwischen zahlreichen Ländern weltweit. Bitte beachten Sie, dass die Werte in der Karte aus international standardisierten Quellen stammen und somit ggf. von Angaben aus nationalen Quellen im Text abweichen können.

 

KI mit ersten Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Zudem beginnt der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz auf den Arbeitsmarkt durchzuschlagen. Gerade junge Beschäftigte unter 30 Jahren in KI-exponierten Branchen wie Informationstechnologie und Finanzwesen seien betroffen, so die Direction Générale du Trésor. Seit Ende 2023 ist ein Rückgang bei Einstellungen auf Einstiegsniveau und in frühen Karrierephasen spürbar.

Mit zunehmender Marktreife agentischer Systeme und einer steigenden KI-Integration in Unternehmen verändert sich der Arbeitskräftebedarf. Dabei besteht bereits heute in Funktionen wie Marketing und Kommunikation ein Überangebot. "Der Marktbedarf ändert sich in der Echtzeit", so Hilda Sagemuller. "Firmen erwarten gutausgebildete Allroundprofile, die strategisch auf die digitalen Herausforderungen der Firmen eingehen können."

Industrie fürchtet Verlust von Fachwissen

In expandierenden Industriesektoren werden nicht nur Fachkräfte, sondern auch Arbeitskräfte mit Basisqualifikationen knapp. Zudem macht sich auch in Frankreich der demografische Wandel bemerkbar. Massenhafte Renteneintritte verschärfen den Fachkräftemangel.

Regierungsprognosen zufolge werden bis 2035 in der Industrie 1,3 Millionen Stellen frei werden, davon 900.000 aufgrund des Eintritts von Mitarbeitern in den Ruhestand. Gerade in Sektoren mit langen Planungs- und Produktzyklen wie der Energiebranche droht industrielles Fachwissen verloren zu gehen. Für die klassischen industriellen Berufsbilder wie Produktion, Instandhaltung, Wartung und Kundendienst fehlen Nachwuchskräfte. 

Daher werden Firmen erfinderisch: Großunternehmen wie Hermès, Schneider Electric oder Saint-Gobain legen eigene Ausbildungsgänge oder Schulungsprogramme auf. Safran beispielsweise hat die Einstellung ohne Lebenslauf eingeführt. In diesem Rahmen stellt das Unternehmen für einfache Tätigkeiten in der Produktion Mitarbeiter auf Probe ein. Wenn sie sich bewähren, werden sie ohne Rücksicht auf Qualifikationen wie Schulzeugnisse oder bisherige Berufserfahrungen übernommen.  

Mitarbeitermobilität geht zurück

Potenzielle Arbeitnehmer legen trotz der Herausforderungen des Arbeitsmarktes Wert auf die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Insbesondere Tätigkeiten mit viel Reisetätigkeit sind schwieriger zu besetzen. Vertriebler im Außendienst oder Service- und Wartungskräfte werden rar.

Doris Diniz, Senior Consultant bei der Personalberatungsagentur GBO Talent in Move, beobachtet, dass bei Bewerbenden gerade im mittleren Management die Bereitschaft sinkt, für den Beruf umzuziehen. "Für eine gute Lebensqualität nehmen Kandidaten lieber Gehaltsverluste in Kauf. Mobilität aus der Provinz in den Großraum Paris gibt es seit Corona eigentlich kaum noch. Es gibt schon viele, die sagen: mit der Familie mache ich das nicht mehr.“ 

Freiheit bei der Arbeitsplatzwahl bleibt relevant

Arbeitskräfte, die nicht physisch an einen fixen Arbeitsort gebunden sind, erwarten Freiheiten. Telearbeit ist mittlerweile fest in französischen Betrieben verankert und wichtiges Kriterium bei der Arbeitsplatzwahl. Zwei bis drei Tage pro Woche im Homeoffice sind übliche Regelungen für Büroarbeiter. Dies gilt insbesondere für Ballungsräume wie Paris. Denn während oder nach der Coronakrise sind eine Vielzahl der Mitarbeitenden weggezogen und gar nicht mehr in der Lage, jeden Tag präsent zu sein.  

Versuche wie die von Stellantis zu Beginn des Jahres 2026, Mitarbeiter wieder in Vollzeit ins Büro zu bekommen, scheitern zumeist. Beschäftigte wehren sich gegen den Bürozwang. So würden laut einer Umfrage des Vereins für Führungskräfte APEC aus dem Jahr 2026 knapp die Hälfte aller höheren Angestellten einen neuen Arbeitgeber suchen, sollte Telearbeit gestrichen werden.

Aber auch die Präsenz am Arbeitsplatz bleibt wichtig. Gerade jüngere Mitarbeiter in den ersten Berufsjahren sowie Beschäftigte in technischen Berufen schätzen den persönlichen Austausch, so Doris Diniz. 

Schwieriges Wirtschaftsumfeld schlägt auf den Arbeitsmarkt durch

Die Arbeitslosenquote lag im 1. Quartal 2026 laut Banque de France bei 8,1 Prozent. Angesichts der schwachen Konjunktur wird erst für das Jahr 2028 wieder eine leichte Entspannung mit einem Absinken auf 7,8 Prozent gerechnet. Im europäischen Vergleich rangiert die Beschäftigungsquote nur im unteren Mittelfeld.

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