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Personalsuche und Personalmanagement

Geeignete Fachkräfte sind schwer zu finden. Direkte Ansprache und spezialisierte Vermittler gewinnen an Bedeutung. Ebenso die Mitarbeiterbindung in den Betrieben.

Kirsten Grieß

Von Kirsten Grieß | Budapest

Gerade für spezialisierte Fach- und Führungspositionen bleibt die Personalsuche in Ungarn schwierig. Laut einer Arbeitgeberbefragung des Jobportals Profession.hu stieg die durchschnittliche Zahl der Bewerbungen je Stelle 2025 zwar um 6 Prozent. Rund die Hälfte der befragten Unternehmen bemängelte jedoch unzureichende Qualifikationen der Bewerber. Fast ebenso viele kritisierten überhöhte Gehaltsforderungen. Mehr Bewerbungen erleichtern die Personalsuche daher nicht zwangsläufig.

Viele geeignete Kandidaten suchen zudem nicht nach einer neuen Stelle. Einer Erhebung von Profession.hu zufolge waren im Frühjahr 2026 nur 13 Prozent der Befragten aktiv auf Jobsuche. Weitere 33 Prozent wären bei einem attraktiven Angebot wechselbereit. Stellenanzeigen bleiben damit wichtig. Bei gefragten Profilen reichen sie jedoch oft nicht aus. Deshalb setzen Unternehmen zunehmend auf Direktansprache, Personalvermittlung und Headhunting.

Direktansprache ergänzt Stellenanzeigen

Der Rekrutierungsprozess unterscheidet sich in Ungarn in einigen Punkten von dem in Deutschland. Stellenanzeigen sind meist kürzer und konzentrieren sich auf die Stellenanforderungen sowie die angebotenen Leistungen. Auch Bewerbungsunterlagen fallen häufig knapper aus. Fotos, persönliche Angaben, Zeugnisse und Referenzen fehlen oft, Motivationsschreiben sind weniger verbreitet. Unternehmen sollten fehlende Nachweise deshalb im weiteren Auswahlverfahren gezielt anfordern.

Stellenanzeigen auf Jobportalen und Unternehmenswebseiten bleiben wichtige Rekrutierungskanäle, ergänzen häufig nur noch die direkte Ansprache potenzieller Kandidaten. Zu den wichtigsten Jobportalen zählen Profession.hu und CVonline.hu.

Die gezielte Ansprache von Kandidaten erfolgt in Ungarn vor allem über soziale Netzwerke wie LinkedIn und Facebook. Auch Recruiting-Events und Karrieremessen können sich für Unternehmen lohnen. Die aktive Personalsuche ist allerdings zeitintensiv, sodass viele Personalabteilungen an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.

Rekrutierungsweg nach Position wählen

Für Fachkräfte, Tätigkeiten mit hohem Personalbedarf und das mittlere Management können Unternehmen auf zahlreiche ortsansässige Personalvermittler und Zeitarbeitsfirmen zurückgreifen. Viele Anbieter kombinieren Stellenanzeigen, Kandidatendatenbanken und Direktansprache. Welche Methode sich eignet, hängt vom Qualifikationsprofil, dem Standort und der Zahl der zu besetzenden Stellen ab.

Bei Führungsfunktionen und strategisch wichtigen Schlüsselpositionen kommen häufig spezialisierte Executive-Search-Anbieter zum Einsatz. Diese arbeiten meist auf Basis eines klar definierten Suchauftrags und sprechen potenzielle Kandidaten direkt an. Die Vergütung orientiert sich üblicherweise am Jahresgehalt der Position; Leistungsumfang und Honorarmodell unterscheiden sich je nach Dienstleister. In Ungarn sind in diesem Segment zahlreiche internationale Agenturen tätig, darunter auch deutsche Anbieter.

Auch die Deutsch-Ungarische Industrie- und Handelskammer (AHK Ungarn) unterstützt Unternehmen bei der Personalsuche. Unternehmen wenden sich in der Regel an die AHK, wenn sie neu in den ungarischen Markt eintreten und Positionen im Vertrieb oder technischen Bereich besetzen möchten.

Mitarbeiterbindung strategisch stärken

Im Wettbewerb um Fachkräfte wird Mitarbeiterbindung immer bedeutender. Das Gehalt bleibt zwar der wichtigste Wettbewerbsfaktor. Doch auch Zusatzleistungen, passende Aufgaben und flexible Arbeitsbedingungen beeinflussen die Arbeitgeberwahl. In der Frühjahrserhebung von Profession.hu nannten 84 Prozent der Befragten Vergütung und Zusatzleistungen als entscheidend. Für 68 Prozent spielte die Passgenauigkeit der Tätigkeit eine wichtige Rolle, 58 Prozent legten Wert auf ein Arbeitszeitmodell, das ihren Präferenzen entspricht.

Ein positives Arbeitgeberimage hilft Unternehmen, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Gute Personalarbeit lässt sich etwa mit dem AHK-Prädikat "Verlässlicher Arbeitgeber" sichtbar machen. Im Mai 2026 erhielten 18 Mitgliedsunternehmen die Auszeichnung für den Zeitraum bis 2028. Die Initiative besteht seit 2017. Bislang wurden in zehn Wettbewerbsrunden 289 Prädikate vergeben. Bewertet werden unter anderem transparente Regeln für Vergütung und Anerkennung sowie verlässliche Arbeitsbedingungen.

Qualifizierung erweitert Bewerberkreis

Weil geeignete Fachkräfte knapp sind, sollten Unternehmen stärker auf das Entwicklungspotenzial von Bewerbern achten. Unternehmen können ihren Kandidatenkreis erweitern, wenn sie nicht ausschließlich nach vollständig passenden Profilen suchen, sondern fehlende Kompetenzen gezielt entwickeln. Weiterbildung stärkt zudem die Mitarbeiterbindung, indem sie Beschäftigten Entwicklungsperspektiven im Unternehmen eröffnet.

Unternehmen sollten nicht erwarten, dass alle benötigten Kompetenzen bereits vorhanden sind. Häufig ist es sinnvoller, geeignete Beschäftigte einzustellen und gezielt in ihre Qualifizierung zu investieren.

Viktor Göltl Geschäftsführer WHC Group

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