Wirtschaftsumfeld | Ungarn | Arbeitsmarkt, Lohn- und Lohnnebenkosten
Löhne und Gehälter
Das Lohnwachstum verliert an Tempo. Mindestlohn und Arbeitskosten steigen dennoch kräftig. Im EU-Vergleich bleibt Ungarn weiter ein Niedriglohnstandort.
13.08.2026
Seit 2017 sind die durchschnittlichen Bruttolöhne in Ungarn jedes Jahr gestiegen. Im Durchschnitt betrug das Plus knapp 12 Prozent. Dieser Trend setzte sich 2025 mit geringerer Dynamik fort. Nach Angaben des ungarischen Statistikamts KSH legten die Bruttolöhne nominal um 9 Prozent zu.
Für 2026 erwartet die ungarische Nationalbank MNB für Vollzeitbeschäftigte im Privatsektor ein Lohnplus von 8 Prozent. Deutlich zurückhaltender fallen die Planungen der Unternehmen aus. In einer Umfrage des GKI-Forschungsinstituts vom Januar 2026 kündigten sie Lohnerhöhungen von durchschnittlich 6,3 Prozent an. Nach Beschäftigtenzahl gewichtet lag der Wert bei 6 Prozent.
Die nachlassende Lohndynamik geht mit einem spürbar geringeren Preisauftrieb einher. Nach einer durchschnittlichen Inflationsrate von 4,4 Prozent im Jahr 2025 sank die Teuerung im 1. Halbjahr 2026 auf durchschnittlich 1,8 Prozent. Ende Juni senkte die MNB ihre Prognose für das Gesamtjahr auf 1,8 Prozent. Die Erste Group rechnet mit einer etwas höheren Jahresteuerung von 2,2 Prozent. Dennoch dürften die Löhne auch preisbereinigt weiter steigen: Die MNB erwartet einen Reallohnzuwachs von 6,3 Prozent.
Neue Mindestlohnschritte vereinbart
Kräftige Mindestlohnanhebungen haben in den vergangenen Jahren auch die übrige Lohnentwicklung beeinflusst. Grundlage ist eine dreijährige Vereinbarung mit Zielmarken, die die Vorgängerregierung Ende 2024 festlegte. Arbeitgeber und Gewerkschaften verständigten sich auf dieser Basis auf eine schrittweise Anhebung. Wegen der schwachen Wirtschaftsentwicklung wurde die Vereinbarung für 2026 jedoch nachverhandelt. Der allgemeine Mindestlohn stieg deshalb um 11 Prozent statt der ursprünglich vorgesehenen 13 Prozent.
Seit dem 1. Januar 2026 beträgt der monatliche Bruttomindestlohn 322.800 Forint; Ende Juli 2026 entsprach dies rund 867 Euro. Das garantierte Lohnminimum für Tätigkeiten, die eine berufliche oder mittlere schulische Qualifikation voraussetzen, stieg um 7 Prozent auf 373.200 Forint. Für 2027 sieht das Abkommen eine weitere Anhebung des allgemeinen Mindestlohns um 14 Prozent vor. Angesichts der nachlassenden Lohn- und Preisdynamik dürfte jedoch auch dieser Zielwert erneut zur Diskussion stehen.
| Branche | Monatslohn |
|---|---|
| Durchschnittslohn | 1.772 |
| Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei | 1.365 |
| Verarbeitendes Gewerbe | 1.861 |
| Strom-, Gas-, Wärme- und Kälteversorgung | 2.625 |
| Wasserversorgung, Abfallwirtschaft | 1.717 |
| Baugewerbe | 1.395 |
| Groß und Einzelhandel, Reparatur von Kfz | 1.561 |
| Transport und Lagerhaltung | 1.615 |
| Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie | 1.135 |
| Informations- und Kommunikationsleistungen | 2.814 |
| Finanz- und Versicherungswesen | 2.907 |
Kostenvorteil schrumpft langsam
Die durchschnittlichen Arbeitskosten pro Stunde betrugen in Ungarn 2025 laut Eurostat 15,20 Euro. Niedriger waren sie in der EU nur in Bulgarien und Rumänien. In den übrigen Visegrád-Staaten kostete eine Arbeitsstunde bereits deutlich mehr: 19,10 Euro in Polen sowie jeweils 19,80 Euro in Tschechien und der Slowakei. In Deutschland waren es rund 45 Euro.
Die niedrigen Arbeitskosten bleiben damit ein wichtiger Standortvorteil. Der Abstand zu anderen EU-Ländern verringert sich jedoch. Bereits 2023 verzeichnete Ungarn mit 17 Prozent den höchsten Arbeitskostenzuwachs in der EU. Seitdem hat die Dynamik nachgelassen. In Landeswährung stiegen die Arbeitskosten 2025 dennoch um 8,9 Prozent. Im EU-Durchschnitt betrug das Plus in Euro gerechnet 4,1 Prozent.
| Position | Monatslohn |
|---|---|
| Durchschnittslohn | 1.772 |
| Führungskraft | 3.223 |
| Personal mit akademischer Ausbildung | 2.541 |
| Techniker:in | 1.812 |
| Unterstützende Bürokraft | 1.512 |
| Dienstleistungs- und Verkaufskraft | 1.283 |
| Fachkraft in der Land-, Forst- und Fischwirtschaft | 1.177 |
| Handwerker:in | 1.501 |
| Anlagen- und Maschinenbediener:in, Montagekraft | 1.493 |
| Hilfskraft | 975 |
Deutliches regionales Lohngefälle bleibt
Landesweit lag der durchschnittliche monatliche Bruttolohn 2025 bei 705.014 Forint, umgerechnet rund 1.772 Euro. Deutlich höher waren die Löhne nur in Budapest und Mittelungarn. Die niedrigsten Durchschnittslöhne verzeichneten die Nördliche Tiefebene, Nordungarn und die Südliche Tiefebene. In Budapest verdienten Beschäftigte im Durchschnitt fast 50 Prozent mehr als in der Nördlichen Tiefebene.
Im Jahr 2025 entwickelten sich die Löhne regional ähnlich. Die Zuwächse lagen zwischen 8,1 Prozent in Westtransdanubien und 10 Prozent in Südtransdanubien. Das Lohngefälle blieb nahezu unverändert.
Frauen verdienten weiterhin deutlich weniger als Männer. Laut Eurostat lag der unbereinigte Gender Pay Gap 2024 bei 16,9 Prozent und damit merklich über dem EU-Durchschnitt von 11,1 Prozent.
Weitere Lohnbestandteile
Zusatzleistungen ergänzen in vielen Branchen und Positionen den Lohn zunehmend. Leistungsprämien oder ein 13. Monatsgehalt sind weit verbreitet: Ihre Höhe richtet sich nach der Position und der allgemeinen Lohnentwicklung. Laut Arbeitsmarktexperten liegen die Zuschläge auf den Monat gerechnet derzeit zwischen 7 und 17 Prozent des Bruttogehalts.
Unabhängig von der Unternehmensgröße sind auch betriebliche Altersvorsorge und private Krankenzusatzversicherungen gängige Praxis. Über das sogenannte Cafeteria-System können Arbeitgeber steuerfreie oder steuerbegünstigte Zulagen gewähren. Von besonderer Bedeutung ist die SZÉP-Karte, eine elektronische Guthabenkarte für Gastronomie, Unterkunft und Freizeitangebote. Der reguläre jährliche Rahmen liegt bei 450.000 Forint. Hinzu kommen bis zu 120.000 Forint für Sport- und Bewegungsangebote über das Unterkonto "Aktive Ungarn". Innerhalb dieser Grenzen werden die Leistungen mit 28 Prozent vom Arbeitgeber versteuert. Für darüberhinausgehende Zahlungen gelten höhere Steuersätze. Steuerfrei bleiben Leistungen, die der Arbeitgeber direkt erwirbt - etwa Eintrittskarten für Museen oder Kinderbetreuung.
Dienstwagen sind in Ungarn sehr beliebt und werden häufig auch für Positionen angeboten, in denen dies in Deutschland eher unüblich wäre. Einige Unternehmen gewähren zudem Zuschüsse zu Energie- und Ausstattungskosten im Homeoffice.
Sozialversicherungsbeiträge
Die Abgabenlast auf Arbeit ist in Ungarn vergleichsweise hoch. Für eine alleinstehende Person ohne Kinder mit Durchschnittsverdienst lag der sogenannte Tax Wedge 2025 bei 41,2 Prozent. Im OECD-Durchschnitt waren es 35,1 Prozent. Der Indikator gibt den Anteil von Einkommensteuer sowie arbeitnehmer- und arbeitgeberseitigen Sozialabgaben an den gesamten Arbeitskosten an. Der Arbeitgeberbeitrag beträgt 2026 unverändert 13 Prozent des Bruttolohns.
| Vom Arbeitgeber zu tragende Sozialabgabe (umfasst Arbeitgeberanteile an Rentenversicherung, Krankenversicherung, Abgabe für Lohnfortzahlung bei Krankheit und Mutterschutz sowie Arbeitslosenversicherung) | Pauschaler Satz für alle Sozialbeiträge der Arbeitgeber: 13 Prozent. Ermäßigungen sind möglich etwa bei gering qualifizierten Stellen, öffentlichen Beschäftigungsprogrammen, F&E-Aktivitäten, Mindestlohnempfängern und anderen Gruppen. |
| Abgabe für Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Mutterschutz (Arbeitgeberanteil) | Im Krankheitsfall 70 Prozent, für 15 Arbeitstage pro Jahr; keine Lohnfortzahlung bei Mutterschutz. |
| Beitragsbemessungsgrenzen | Es gibt keine Beitragsbemessungsgrenzen. |