Interview | Griechenland | Infrastruktur
"Griechenland verfügt über ein außergewöhnlich großes Potenzial"
Alexander Zinell, CEO bei Fraport Greece, erklärt im GTAI-Interview, wie ein Investor in Griechenland erfolgreich sein kann und warum sich ein Engagement im Land lohnt.
05.08.2026
Der griechische Flugverkehr ist in den letzten zehn Jahren stark gewachsen: Zwischen 2015 und 2025 stieg das Passagieraufkommen um mehr als 70 Prozent, gegenüber rund 30 Prozent im EU-Durchschnitt. Der Luftfrachtverkehr verdoppelte sich in Griechenland, während er in der EU um 18 Prozent zulegte. Griechenland entwickelte sich zu einer wichtigen Logistikdrehscheibe und einem noch attraktiveren Reiseziel. Innerhalb von zehn Jahren stieg die Anzahl der Reisegäste um rund 60 Prozent auf etwa 38 Millionen Touristen im Jahr 2025.
Ausschlaggebend für diese Entwicklung ist eine moderne Flughafeninfrastruktur. Griechenland setzt intensiv auf die fortlaufende Instandhaltung und Modernisierung seiner 39 kommerziellen Flughäfen. Dies eröffnet Geschäftschancen für Anbieter von Flughafenausrüstung, Klimatechnik, IT-Sicherheitslösungen, Logistik‑ und Passagierservices.
Bewährt hat sich das Modell langfristiger Konzessionen: Private Betreiber übernehmen Ausbau, Modernisierung, Instandhaltung und Betrieb der Flughäfen für bis zu 40 Jahre.
Kann sich eine Konzession lohnen?
Ein deutsches Beispiel zeigt: Ja! Fraport Greece unterzeichnete 2017 den ersten Konzessionsvertrag in Griechenland: Bis 2057 übernimmt der deutsche Flughafenbetreiber zusammen mit dem griechischen Konsortialpartner Slentel die Obhut über 14 regionale Flughäfen – darunter Thessaloniki, Chania, Korfu und Mykonos.
Im Sommer 2026 erhielt ein Konsortium aus Fraport Greece, Delta Airport Investments und Peleas den Zuschlag für eine weitere Konzession – für den Flughafen von Kalamata. Im Interview mit Germany Trade & Invest erklärt Alexander Zinell, seit 2016 CEO der Firma, warum Griechenland ein attraktiver Investitionsstandort bleibt.
Herr Zinell, Fraport Greece ist nun seit knapp zehn Jahren auf dem griechischen Markt tätig. Welche Faktoren sind für ein erfolgreiches Doing Business in Griechenland entscheidend?
Aus meiner Sicht liegt unser Erfolg in einem ganzheitlichen Ansatz: Wir bringen unsere internationale Expertise als Flughafenbetreiber in die Kooperation mit renommierten griechischen Partnern ein und arbeiten gleichzeitig eng mit den lokalen Behörden zusammen. Und wir haben Geduld bei langwierigen administrativen Verfahren bewiesen.
Wir begegnen den Besonderheiten der einzelnen Regionen mit tiefem Verständnis. Gemeinsam mit den lokalen Partnern fördern wir den nachhaltigen Tourismus und stärken die langfristige Attraktivität der einzelnen Destinationen.
Starke lokale Partnerschaften sind in Griechenland ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Um den Erfolg sicherzustellen, investieren wir kontinuierlich in moderne Infrastruktur, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Gleichzeitig nutzen wir Datenanalysen gezielt, um Abläufe zu verbessern und künftige Nachfrageentwicklungen frühzeitig zu erkennen.
Ebenso wichtig ist unsere enge Zusammenarbeit mit den Fluggesellschaften. Gemeinsam entwickeln wir strategisch relevante Routen, stärken die internationale Anbindung griechischer Regionen, verlängern die Tourismussaison und unterstützen damit die wirtschaftliche Entwicklung vor Ort.
Dabei konnten wir auf die Erfahrung und das Know-how der Fraport AG zurückgreifen, einen der weltweit führenden Flughafenbetreiber. In den ersten neun Jahren haben wir an unseren Flughäfen in Griechenland mehr als 272 Millionen Passagiere abgefertigt.
Neun Jahre nach der Übernahme ihrer ersten Flughafenkonzession in Griechenland hat Fraport nun erneut den Zuschlag bekommen. Haben sich die bürokratischen Hürden oder das Investitionsklima seit 2017 verändert?
Unser Weg in Griechenland war mit erheblichen Herausforderungen verbunden, von der griechischen Wirtschafts- und Finanzkrise über die COVID-19-Pandemie bis hin zur Energiekrise. Der Weg bis zum Konzessionsvertrag dauerte damals wie heute vier Jahre.
Dafür benötigten wir jedoch auch nur vier Jahre – einen im Vergleich zu Deutschland relativ kurzen Zeitraum – um die Planung abzuschließen, die erforderlichen Genehmigungen einzuholen und unsere Projekte umzusetzen.
Bei unseren Projekten geht es um die Verbesserung und Erweiterung der Infrastruktur. Dadurch stimmten unsere Interessen klar mit den politischen Prioritäten überein. Das wirkte sich selbstverständlich positiv auf unsere Vorhaben aus.
Griechenland bietet heute ein attraktives Investitionsumfeld – getragen von qualifizierten Arbeitskräften, staatlichen Reformen und zunehmend unternehmensfreundlichen Rahmenbedingungen. Langfristiger Erfolg entsteht dort, wo gegenseitiges Vertrauen, gemeinsame Werte und Anpassungsfähigkeit zusammenkommen.
Erwägt Fraport Greece weitere Investitionen in Griechenland?
Griechenland verfügt über ein außergewöhnlich großes Potenzial. Wir blicken weiterhin sehr positiv in die Zukunft. Besonders in den Bereichen Infrastruktur, Tourismus und Konnektivität eröffnen sich erhebliche Chancen. Wir prüfen sorgfältig jede potenzielle Investition.
Wir starten in den nächsten Modernisierungszyklus der Flughäfen, die wir betreiben. Mittelfristig werden wir angesichts des wachsenden Tourismus auch in die Erweiterung der Kapazitäten investieren müssen.
Hinzu kommt jetzt auch die Modernisierung des Flughafens von Kalamata.
Welchen Rat würden Sie deutschen Investoren geben?
Investoren müssen weiterhin Geduld aufbringen. Trotz spürbarer Verbesserungen in den vergangenen Jahren bleibt die Bürokratie in Griechenland, wie in vielen anderen Ländern, eine Herausforderung. Wer mit langfristiger Perspektive investiert, lokale Partnerschaften ernst nimmt und flexibel bleibt, ist in Griechenland gut positioniert, um erfolgreich zu sein.
Großprojekte bieten Chancen für deutsche Zulieferer
Bis zum 30. September 2026 können Investoren Interessenbekundungen für Betrieb, Modernisierung und Nutzung von 22 Regionalflughäfen einreichen. Da nicht alle Verbindungen rentabel sind, sind staatliche oder EU-Zuschüsse möglich.
Weitere Chancen entstehen durch den Ausbau des Athener Flughafens bis 2032 sowie durch die Fertigstellung des neuen Flughafens Kastelli auf Kreta.