Wirtschaftsausblick | Australien
Australiens Wirtschaft wächst nur verhalten
Die Konjunktur zeigt erste Zeichen der Erholung. Steuersenkungen und ein nachlassender Preisauftrieb fördern den privaten Konsum, der auch 2026 das Wachstum schultern wird.
12.01.2026
Von Daniel Lenkeit | Sydney
Wirtschaftsentwicklung: Leichter Aufwärtstrend
Die Konjunktur in Australien bleibt verhalten, zeigt aber einen Aufwärtstrend. Nach einem Wachstum von gut 2 Prozent im Jahr 2025 dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auch 2026 in ähnlichem Tempo zulegen. Während der private Konsum die wichtigste Wachstumsstütze sein wird, werden Unternehmensinvestitionen ohne weitere Zinssenkungen voraussichtlich kaum konjunkturfördernde Impulse liefern.
Das weiterhin kräftige Bevölkerungswachstum von etwa 1,5 Prozent gießt auch zukünftig etwas Wasser in den Wein und hält das Pro-Kopf-Wachstum für die Australier gering. Hauptgründe dafür liegen in der schwachen Produktivitätsentwicklung, stagnierenden Reallöhnen, die den Konsum deckeln, und einem umkämpften Wohnungsmarkt, der die Lebenshaltungskosten erhöht.
Privater Konsum trägt die zarte Konjunktur
Auch wenn der Haushaltskonsum 2026 Haupttreiber für das Wirtschaftswachstum sein wird, sparen viele Haushalte mehr als vor der Pandemie. Moderatere Inflationserwartungen und etwas niedrigere Zinsen können die oft hohen Lebenshaltungskosten nicht vollständig kompensieren.
Steuersenkungen, die bereits Mitte 2024 verabschiedet wurden, bringen etwas Entlastung für das verfügbare Einkommen der australischen Haushalte, so die Geschäftsbank Westpac. Zu Beginn wurden diese zusätzlichen Mittel vor allem gespart, doch 2025 trugen die Steuersenkungen für Haushalte mittleren und hohen Einkommens zum Konsumwachstum bei. Dazu sind weitere Steuersenkungen beschlossen. Sowohl 2026 als auch 2027 werden dann vor allem Australier mit niedrigeren Einkommen profitieren, deren Einkommenssteuersatz pro Jahr um je einen Prozentpunkt von 16 auf 14 Prozent sinkt.
Inflationserwartungen bleiben im Zielkorridor der Zentralbank
Die Preissteigerungsrate (CPI) für das Jahr 2025 wird etwa 3 Prozent betragen. Der Wert läge am oberen Rand des Zielkorridors der australischen Zentralbank (RBA). Vor allem steigende Energie- und Wohnkosten sowie weiterhin hohe Lebensmittelpreise treiben den Preisanstieg. Dieser wird sich 2026 fortsetzen, soll allerdings im Laufe des Jahres abschwächen. Die Geschäftsbanken erwarten für 2026 einen 2,5 Prozent höheren Konsumentenpreisindex.
Angesichts des Preisdrucks pausierte die RBA im November 2025 die Zinssenkungen und hielt den Leitzins bei 3,6 Prozent. Zuvor hatte sie die Zinsen dreimal in Folge gesenkt. Um die Investitionstätigkeit der Unternehmen 2026 zu stimulieren, wären jedoch weitere Zinssenkungen nötig. Allerdings scheint sich die RBA eher auf Preiseindämmung einzustellen als auf eine Lockerung der Geldpolitik. Am wahrscheinlichsten dürfte eine längere Pause bei den Zinsschritten sein.
Unternehmensstimmung gedämpft, aber etwas optimistischer
Leicht zulegen könnten Unternehmensinvestitionen 2026 durch Ausgaben für produktivitätssteigernde Kapitalgüter und KI-Anwendungen. Gleichwohl dürften viele Firmen aufgrund unsicherer Geldpolitik und Kostenentwicklung auch 2026 vorsichtig agieren. Eine Boomphase bei Investitionen ist nicht zu erwarten.
Viele Unternehmen kämpfen mit Rentabilitätsdruck und schwacher Nachfrage. In Umfragen zeigen Industrieunternehmen wenig Investitionsinteresse. Aus dem Einkaufsmanagerindex wird deutlich, der kurze Aufwärtstrend seit Ende 2024 ist bereits wieder beendet.
Leistungsbilanzdefizit wird sich fortsetzen
Der schwache australische Dollar, der zum Euro seit November 2024 etwa 10 Prozent an Wert verloren hat, hilft zwar den australischen Exporteuren, verteuert allerdings die Importe. Trotz einer weiterhin leicht positiven Handelsbilanz – getrieben durch Rohstoffexporte – wird die Leistungsbilanz 2025 und voraussichtlich auch 2026 negativ ausfallen. Das liegt vor allem an negativen Primäreinkommen, die über hohe Gewinn- und Dividendenabflüsse ausländischer Investoren entstehen.
Top-Thema: Australien positioniert sich als Beschaffungsmarkt für Rohstoffe
Rohstoffe wie Kohle, Eisenerz und Mineralien machen einen Großteil der australischen Exporterlöse aus. Die Preise hierfür sind nach einem Höhenflug im Jahr 2022 wieder auf das Niveau von vor der Coronakrise zurückgekehrt. Dies drückt die Einnahmen aus dem Rohstoffgeschäft und führt teilweise zu Produktionskürzungen, beispielsweise bei Lithium oder Nickel.
Mit 60 Prozent Anteil am Gesamtexport ist der Rohstoffsektor ein wichtiger Faktor für die australische Wirtschaft. Insbesondere Kohle, Eisenerz und Flüssiggas sind die Ertragsperlen. Der Kontinent gehört zudem zu den weltweit größten Produzenten von Bauxit und verfügt unter anderem über große Vorkommen an Gold, Uran, Kupfer und den Batterierohstoffen Nickel, Kobalt und Lithium. Australien will zukünftig seine ohnehin schon führende Position in der Lithiumförderung weiter ausbauen. Zudem werden viele Vorkommen seltener Erden erschlossen.
Als Beschaffungsmarkt für kritische Rohstoffe ist das Land ein strategischer Partner der EU. Der kapitalstarke Bergbausektor bietet zudem Absatzchancen für deutsche Zulieferer, zum Beispiel für Anbieter von modernen Bergbautechnologien, vor allem für nachhaltige und energieeffiziente Abbaumethoden oder Firmen mit Verarbeitungstechnologien.
Deutsche Perspektive: Australien und EU wollen Handelsabkommen finalisieren
Die australische Regierung ist bestrebt, die Wirtschaft in vielen Bereichen zu modernisieren, die Industrie wettbewerbsfähiger zu machen und die Energiewende voranzutreiben. Insbesondere für den Ausbau der erneuerbaren Energien, für Automatisierungslösungen in der Industrie und im Bergbau sowie in der Medizintechnik und für digitale Gesundheitslösungen steigt die Nachfrage.
Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Australien haben 2025 wieder Fahrt aufgenommen. Beide Seiten melden Fortschritte, um die restlichen Streitpunkte – insbesondere Agrarzugang zum europäischen Markt und regulatorische Standards – auszuräumen. Ein Abschluss der Verhandlungen im Jahr 2026 ist möglich, doch der Weg dahin bleibt steinig.
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