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Branche kompakt | Indien | Medizintechnik

Digital Health

In Indien entwickelt sich Digital Health dynamisch. Viele Teilbereiche wachsen stark. Reifere Start-ups haben es derzeit einfacher. 

Von Florian Wenke | Mumbai

Neue Technologie wird in Indien zumeist als Chance begriffen. Die Bevölkerung ist aber nicht nur technikaffin, sondern auch vergleichsweise jung. Das Medianalter der Bevölkerung liegt 2024 bei gerade einmal 28,4 Jahren. Hinzu kommt eine rasant wachsende Zahl an Personen mit Zugriff zur digitalen Welt. Schätzungsweise 752 Millionen Menschen nutzen das Internet im Jahr 2024 aktiv. All dies sind gute Voraussetzungen für eine steigende Nachfrage nach Angeboten im Bereich Digital Health. 

Alle Teilbereiche von Digital Health sollen stark wachsen

In Analysen und Berichten wird für den Bereich Digital Health zumeist ein Wert zwischen 3 Milliarden und 5,5 Milliarden US-Dollar (US$) als Marktgröße angegeben. Für das Datenportal Statista besteht der Bereich Digital Health aus den Komponenten Digitale Fitness und Well-Being, Digitale Behandlung und Pflege sowie Onlineberatung durch Ärzte (Telemedizin). Insgesamt sollen die Erträge 2024 bei rund 5,3 Milliarden US$ liegen. Bis 2028 wird eine Marktumsatz von insgesamt 9,1 Milliarden US$ vorausgesagt. Gründe dafür sind zahlreich vorhandene Devices wie Smart-Watches (auch im mittleren und unteren Preissegment), ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein in der indischen Mittel- und Oberschicht, und eine Zunahme der Nachfrage abseits der großen Metropolen.   

Umsätze im Bereich Digital Health in Indien In Millionen US-Dollar
Teilbereich von Digital Health

2024

2025

2026

2027

2028

Onlineberatung durch Ärzte

321

347

366

380

391

Digitale Behandlung & Pflege

1.514

1.861

2.189

2.454

2.645

  davon Digitales Pflegemanagement

1.113

1.370

1.589

1.793

1.940

  davon digitale Therapeutika

150

219

265

287

297

  davon Biosensoren

251

294

334

374

409

Digitale Fitness & Well-Being

3.510

4.120

4.760

5.390

6.040

  davon 

1.920

2.300

2.720

3.160

3.630

  davon Fitnesstracker

1.590

1.820

2.040

2.240

2.410

Gesamt

5.340

6.330

7.320

8.230

9.070

Prognosen; Abweichungen durch Rundungen möglichQuelle: Statista 2024

Ältere HealthTech Start-ups haben es derzeit leichter

Indien verfügt über eine dynamische Start-up-Landschaft die auch Unternehmen im Bereich HealthTech hervorbringt. Insgesamt soll es etwas mehr als 10.000 davon geben. Darunter 5 Unternehmen mit einer Marktbewertung von mehr als 1 Milliarde US$. Zu diesen Unicorns zählt auch Pristyn Care, das sich mit dem Thema der minimalinvasiven Chirurgie befasst und den Status als Unicorn als bisher letztes HealthTech-Unternehmen 2018 erreichte.  

Von 2014 bis einschließlich Juni 2024 verzeichnen Branchenmedien eine Finanzierung von rund 7 Milliarden US$ für HealthTech-Start-ups, verteilt über 886 Deals. Damit steht der Bereich für rund 7 Prozent der in diesem Zeitraum insgesamt geflossen Finanzierungsmittel. Im Jahr 2023 steckten Investoren 233 Millionen US$ in indische HealthTechs, deutlich weniger als die 1,4 Milliarden US$ im Jahr davor. Grund dafür sind hauptsächlich höhere Zinsen, die risikoreiche Investitionen weniger attraktiv machen. Aktuell gehen Investitionen eher in weiterentwickelte Unternehmen (Late Stage) und weniger in gerade erst gegründete Firmen (Seed Stage). Die älteren Unternehmen verfügen zumeist bereits über ein etabliertes Geschäftsfeld und die Investitionen sind risikoarmer im Vergleich zu Unternehmen in der Seed Stage. Noch 2024 dürfte aber auch die indische Zentralbank die Zinswende einleiten. Stückweise sinkende Zinsen werden die Risikoneigung von Investoren sukzessive erhöhen und damit auch wieder für mehr Mittelfluss in Seed Stage Start-ups sorgen. Der Blick auf die Finanzdaten zeigt außerdem, dass Bengaluru das Zentrum für HealthTech-Start-ups ist. Ebenfalls wichtig sind Mumbai und die Hauptstadtregion um New-Delhi. Mit einigem Abstand folgen Pune, Hyderabad und Chennai. 

Erhaltene Finanzierung von HealthTech-Start-ups in Indien von 2014 bis Juni 2024Anteile in Prozent
Bereich

Anteil an erhaltener Finanzierung

Anteil an Deals

Online-Apotheken

25,1

Nicht extra ausgewiesen, Teil von Sonstige

Fitness und Wellness

18,0

21,0

Telemedizin

17,3

22,8

Medizintechnisches Gerät und Internet der Dinge

15,0

19,5

Software as a Service (SaaS) im Gesundheitsbereich

14,9

17,6

Sonstige

9,7

19,0

Insgesamt wurden etwas mehr als 7 Milliarden US$ verteilt auf 886 Deals investiert; Abweichungen durch Rundungen möglichQuelle: Inc42 2024

Die Regierung hat die Digitalisierungen des Gesundheitswesens im Blick

Indiens Regierung bemüht sich darum, Angebote rund um Digital Health auszubauen. Ein Instrument dafür ist die 2021 gestartete Einführung von Ayushman Bharat Health Accounts (ABHA) sowie die Erstellung von ABHA IDs. Ziel des Vorhabens ist es, Akteure im Gesundheitsbereich besser zu vernetzen und Prozesse digital zu gestalten. Die Mittel dazu sind bisher die Einführung einer digitalen Gesundheitsakte, eines digitalen Ärzte- und Versorgungseinrichtungsregisters sowie die App ABHA, auf der Gesundheitsdaten mobil verwaltet werden können. Nach offiziellen Angaben sind mittlerweile mehr als 562 Millionen digitale Accounts erstellt und 356 Millionen digital vernetzte Gesundheitsakten vorhanden. Das Beratungsunternehmen Arthuf D. Little wies im März 2024 darauf hin, dass bisher überwiegend staatliche Gesundheitseinrichtungen bei der Vernetzung von Daten mitmachen. Sie sind für rund 98 Prozent der vernetzten Gesundheitsakten verantwortlich. Private Einrichtungen setzen zumeist auf eigene Softwarelösungen, über die die Gesundheitsdaten gesammelt, verwaltet und auch dem Patienten zugänglich gemacht werden. 

Ein weiterer Baustein ist eSanjeevani. Dabei handelt es sich um eine nationale Plattform für Telemedizin. Gerade im Hinblick auf die gesundheitliche Unterversorgung im ländlichen Raum bietet die Plattform die Möglichkeit, dass Patienten mit Ärztinnen sprechen können. Derzeit wird getestet, inwiefern künstliche Intelligenz und Maschine Learning genutzt werden können, damit Echtzeitübersetzungen über die Plattform erfolgen können. Indien ist ein Land der vielen Sprachen moderne Technik kann dabei helfen, Sprachbarrieren zwischen Ärztin und Patient zu überwinden. 

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