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Indiens Halbleiterindustrie erhält weiteren Förderschub
In Indien sind derzeit Halbleiterfabriken sowie Werke für nachgelagerte Produktionsschritte im Bau. Dabei zeichnen sich regionale Schwerpunkte ab.
28.08.2026
Bislang war Indien vor allem im Halbleiterdesign aktiv. Nun engagiert sich das Land auch in der Fertigung. Dem Datenportal Statista zufolge werden indische Unternehmen im Bereich Halbleiter 2026 einen Umsatz von 16 Milliarden US$ erzielen. Bis 2030 könnten es über 34 Milliarden US$ werden. Ausländische Unternehmen, die im Auf- und Ausbau der Halbleiterbranche engagiert sind, können von dem Trend profitieren.
Halbleiterförderung in Indien wird ausgebaut
Ende 2021 vergab die indische Regierung erstmals umfangreiche Subventionen für die Halbleiterherstellung. Um die Förderung zu bearbeiten, wurde die "India Semiconductor Mission" als zentrale Anlaufstelle ins Leben gerufen. Mit einer Fördersumme von rund 10,3 Milliarden US$ ging es in der ersten Förderphase um die Gewinnung großer Ankerinvestoren. Dafür wurden bis zu 50 Prozent der Kapitalkosten zum Bau von Fabriken für Halbleiter, Displays, Siliziumphotonik und Mikrosystemen übernommen. Unternehmen, die nachgelagerte Produktionsschritte wie ATMP und OSAT durchführen, waren ebenfalls förderberechtigt.
In einer zweiten Phase stellte die Regierung weitere 13,4 Milliarden US$ für die Halbleiterförderung bereit. Ziel ist eine höhere Wertschöpfung im Halbleitersektor. Das Geld wird als Investitionszuschuss vergeben. Die Förderquote reicht von 25 Prozent für Einrichtungen zum einfachen Verpacken von Halbleitern bis zu 40 Prozent für weitere Halbleiterwerke auf Siliziumbasis.
Die Regierung hofft, mit dem Programm nicht nur weitere Halbleiterwerke (Fabrication Facilities, Fabs) anzuziehen, sondern auch ausgelagerte Montage- und Testeinrichtungen für Halbleiter (Outsourced Semiconductor Assembly and Test, OSAT) sowie Werke für Montage, Test, Kennzeichnung und Verpackung (Assembly, Test, Marking and Packaging, ATMP). Sie möchte zusätzlich Zulieferunternehmen in Indien ansiedeln, die beispielsweise Maschinen und Gase herstellen, welche bei der Chipproduktion zum Einsatz kommen.
Zudem sollen die Bereiche Forschung und Entwicklung (F&E) sowie das Chipdesign gestärkt werden. Die Boston Consulting Group gibt an, dass Indien zwar über 19 Prozent der weltweit verfügbaren Personalressourcen im Chipdesign verfügt, dort aber nur 7 Prozent der weltweiten Designaktivitäten stattfinden. Fachleute fordern seit Längerem, dass Unternehmen die vorhandene Expertise für mehr Wertschöpfung im Land nutzen.
Indische Bundesstaaten liefern weitere Investitionsanreize
Viele der nationalen Vorhaben werden im Bundesstaat Gujarat realisiert. Zwischen Dholera und Sanand entsteht deshalb ein bedeutendes Branchencluster. Dadurch dürften sich auch entsprechende Zulieferbetriebe in der Region ansiedeln. Neben der nationalen Förderung schaffen auch einzelne Bundesstaaten mit einer eigenen Förderung Anreize, wie beispielsweise Investitionszuschüsse, Vergünstigungen beim Landerwerb sowie Steuerbefreiungen. Einer dieser Bundesstaaten ist Uttar Pradesh. Die dortige Regierung hat bereits mehrere Investitionsvorhaben angekündigt, für die teilweise noch eine abschließende Bestätigung durch die Zentralregierung aussteht. Darunter befindet sich beispielsweise eine ATMP-Anlage durch die HCL Gruppe und Foxconn. Sollten die Projekte wie angekündigt umgesetzt werden, dürfte in der Region ein weiteres großes Cluster entstehen.
Mittlerweile sind zahlreiche Projekte der Halbleiterbranche in der Planungsphase, im Bau und teilweise schon in Betrieb genommen. Bis 2027 dürften viele der sich derzeit im Bau befindlichen Projekte fertiggestellt werden. Einige Marktbeobachter gehen davon aus, dass Indien bereits 2026 seine ersten Chips produzieren wird. Deutsche Unternehmen haben die Möglichkeit, als Zulieferer tätig zu werden, etwa im Bereich Sensorik. Zudem lohnt sich der Blick nach Indien als potenzielle neue Bezugsquelle für Halbleiter.
Ausländische Konzerne investieren darüber hinaus in F&E. Im Jahr 2024 verkündete das niederländische Unternehmen NXP, 1 Milliarde US$ investieren zu wollen. Ende 2023 stellte die US-amerikanische Firma AMD Investitionen in Höhe von 400 Millionen US$ in Aussicht. Die Gelder könnten beispielsweise in den Technologiestandort Bengaluru im Süden des Landes fließen.
Förderung für Halbleiter zeigt Ergebnisse
Laut Regierungsangaben erhielten zwölf Vorhaben in der ersten Projektphase der India Semiconductor Mission Fördergelder. Als wichtigstes Projekt gilt das Halbleiterwerk von Tata Electronics gemeinsam mit der taiwanesischen PSMC in Dholera. Hinzu kommen weitere neun OSAT- und ATMP-Vorhaben.
Experten zufolge ist es bei den Investitionen nicht Ziel, Chips an der Grenze des aktuell technisch Möglichen herzustellen. Vielmehr soll ein Ökosystem aufgebaut werden, das primär die lokale Wirtschaft versorgt und Indien weniger abhängig von internationalen Lieferungen fertiger Halbleiter macht.
Fehlende Fachkräfte könnten zum Engpass werden
Branchenexperten weisen immer wieder darauf hin, dass zahlreiche Fachkräfte nötig sind, um die entstehenden Anlagen zu betreiben. Der Tata-Konzern geht davon aus, dass alleine die Fab in Dholera direkt und indirekt Arbeitsplätze für 20.000 Fachkräfte schafft. Der Personaldienstleister NLB Services schätzt, dass im Jahr 2026 rund 1 Million Fachkräfte für die Halbleiterbranche benötigt werden. Der internationale Branchenverband Semiconductor Equipment and Materials International (SEMI) sieht Bedarf für weitere 250.000 bis 300.000 fachlich qualifizierte Arbeitskräfte bis 2027.
Diese sind zum Großteil noch nicht vorhanden und müssen erst ausgebildet werden. Damit entstehen Möglichkeiten für Bildungsanbieter in diesem Bereich. Indien hat generell großes Interesse an mehr und besserer Ausbildung. Für ausländische Unternehmen in der Halbleiterfertigung ist Indien unter anderem aufgrund des wettbewerbsfähigen Lohnniveaus attraktiv.