Logistik | Indonesien

Warentransport in Indonesien mit zahlreichen Hürden verbunden

Der scheidende Präsident Joko Widodo hinterlässt eine insgesamt verbesserte Infrastruktur. In der Region bleibt Indonesien jedoch weiter hinter den Nachbarländern zurück. 

Oliver Döhne

Von Oliver Döhne | Jakarta

Indonesien macht Fortschritte, sein fragmentiertes Territorium besser zu vernetzen und die Logistikkosten zu senken. Da der Archipel aber nicht so schnell vorankommt wie seine Nachbarländer, erhielt er im Logistikranking der Weltbank 2023 eine drastische Herabstufung. Der Rohstoffboom und der stark wachsende E-Commerce könnten nun neuen Schwung in den Ausbau bringen. Viele Häfen benötigen mehr Technik, mehr Anbindung ans Hinterland und zusätzliche Lagerkapazität, insbesondere Kühllager. Mehr Binnenhandel über das Wasser, Intermodalität und einheitliche digitale Logistiksysteme wären weitere Mittel, so Marktbeobachter.  

Transportwege und -zeiten

Mehr als die Hälfte des Warentransports läuft durch Jakarta. Die Stadt verfügt über den größten Hafen des Landes, Tanjung Priok, und mit dem Flughafen Soekarno Hatta auch über den größten Umschlagplatz für Luftfracht. Im Großraum Jakarta dürften sich auch die meisten Abnehmer deutscher Firmen befinden, da er sowohl das industrielle Herz als auch das Konsumzentrum des Landes ist. Zwischen den Hafen- und Industriegebieten Jakartas kommt es oft zu Verzögerungen. Das liegt an langen Vorgängen im Hafen, aber auch an der suboptimalen Anbindung von Tanjung Priok, der sich mitten in der dicht bebauten Millionenstadt befindet. 

Neue Wege entlasten das Stauproblem etwas. Im Juli 2024 ging das letzte Stück des zweiten äußeren Autobahnrings (Jakarta Outer Ring Road 2) in Betrieb. Der neue Hochgeschwindigkeitszug nach Bandung bringt einen Teil des Pendlerverkehrs auf die Schiene und der Bau der zweiten U-Bahn-Linie (MRT, Mass-Rapid-Transit) steht kurz bevor. Zudem gehen die Bauarbeiten des LRT-System (Light-Rail-Transit) voran, das im Jahr 2019 in Betrieb ging.

Schnelle aber teure Fahrt nach Surabaya

Für Lieferungen nach Osten verläuft der Transport über die wichtigste Verkehrsachse des Landes nach Surabaya. Obwohl der Seetransport billiger wäre, geht es dabei fast ausschließlich über die Straße. Entscheidend sind kürzere Transportzeiten. Dank eines konsequenten Ausbaus von Maut- und Nationalstraßen kann die Wegstrecke mittlerweile innerhalb eines Tages absolviert werden. Dennoch braucht das dicht besiedelte Java noch wesentlich mehr Straßen.

Deutsche Firmen mit Kunden in den Bergbaugebieten in Sulawesi, Kalimantan oder Molukken berichten von aufwendigen Logistikplanungen für Lieferungen in diese Gebiete. Im Zuge des dortigen Rohstoffbooms und des Baus der neuen Hauptstadt stehen dort aber auch zahlreiche neue Infrastrukturprojekte auf dem Programm, von Mautstraßen und Häfen bis zu Schienenprojekten. 

Neue Pläne für die Schiene

Der Transport nach Westen führt von Jakarta über gealterte Häfen und holprigen RoRo-Verkehr (Roll on Roll off) nach Sumatra. Dabei kommt wenig oder keine Ladung nach Jakarta zurück, was die Logistikkosten erhöht. Immerhin könnte im Jahr 2024 noch eine inseldurchquerende Mautstraße eröffnen. Ähnliches ist auf Sumatra für den Schienenverkehr geplant, basierend auf zwei bestehenden Schienensystemen im Norden und Süden. 

Das Potenzial des Seetransports beim Inlandshandel schöpft Indonesien noch nicht aus. Besonders in kleineren Häfen und weiter von den Ballungsräumen entfernten Landesteilen sind viele Häfen veraltet. Auch Richtung Osten kommen Frachter leer zurück. Offenbar besteht ein Drittel des Inlandsverkehrs aus leeren Containern, so dass inner-indonesische Transporte meist ein Vielfaches von Transporten ins Ausland kosten. Der Luftverkehr nimmt zwar dank der mittlerweile gut ausgebauten Flughäfen zu, kommt bislang aber eher für den Transport in unzugänglichere Landesteile zum Einsatz.

Logistikdrehscheiben

Für Entlastung der Hauptdrehscheibe Jakarta soll der neue Hafen Patimban sorgen, der etwa 150 Kilometer östlich der Metropole liegt. Davon profitiert besonders der Export der in Indonesien montierten Fahrzeuge japanischer Hersteller. 

Transportunternehmen

Das staatliche Hafenunternehmen Pelindo, das fast alle Häfen betreibt, spielt eine dominante Rolle in der maritimen Logistikinfrastruktur. Branchenfirmen sind beim Betrieb oder dem Bau von Terminals meist auf eine Zusammenarbeit angewiesen, auch wenn dies seit dem Omnibus-Gesetz 2020 nicht mehr vorgeschrieben ist. Branchenakteure beschreiben Pelindo als pragmatisch und fortschrittlich.

Internationale Logistikfirmen sind in Indonesien auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten und sehen besonders beim Transport von Bio-Kraftstoffen, Textilien und Lebensmitteln Chancen, das Problem der leeren Container zu lösen. Der intra-indonesische Seehandel liegt laut Marktkennern in der Hand der Firmen Samudera, Temas, Meratus, Tanto und Spil.

Führende Transportunternehmen in Indonesien (2024)
Anbieter Niederlassungen Anmerkungen
DHL

48 

Nationale und internationale Paketzustellung, E-Commerce-Versand- und Fulfillment-Lösungen, internationaler Express-, Straßen-, Luft- und Seetransport und industrielles Supply Chain Management
DB Schenker

11 

Landtransport, Luft- und Seefracht, Vertragslogistik und Lagerhaltung
Kuehne & Nagel

Landtransporte, Seefracht, Luftfracht, Vertragslogistik; Schwerpunkt liegt auf Bereitstellung IT-basierter Logistikösungen
DSV 

Bereitstellung von Transport- und Logistiklösungen
RPX

40 

Landtransport, Luft- und Seetransport weltweit, Kontraktlogistik, Lieferkettenmanagement sowie Transitlager und Logistik
FedEx

22 

Beschafft alle Transportarten, einschließlich LKW-Ladungen, LTL, Pakete, Intermodal, Express, Seefracht, Luftfracht und Spezialtransporte
Samudra Indonesia

33 

Integriertes Versand- und Logistikunternehmen mit globaler Konnektivität
Ritra Cargo

14

Bereitstellung von Seefracht, Luftfracht, Logistikverteilung und Projektfracht
Crown

Outsourcing-Service für das Supply Chain Management
TIKI

500

Inländische und internationale Paketzustelldienste
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2024

Lieferbedingungen, Transportversicherung

In den Kaufverträgen wird vereinbart, nach welchen Lieferbedingungen der Warenverkehr zwischen Verkäufer und Käufer abgewickelt werden soll. Wenn dies nicht individuell im Kaufvertrag geregelt werden soll, einigen sich die Vertragspartner auf handelsübliche Lieferklauseln wie die INCOTERMS. Die vollständige deutschsprachige Fassung der INCOTERMS wird von der International Chamber of Commerce (ICC) in Deutschland herausgegeben.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV bietet ein Transport-Informations-Serviceportal mit zahlreichen Informationen und Links zum Thema Transportversicherungen. Da etwa 80 bis 90 Prozent des Außenhandels von internationalen Logistikfirmen abgewickelt werden, arbeiten diese mit den Transportversicherungen zusammen, mit denen sie ohnehin weltweit kooperieren.

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BezeichnungAnmerkung
Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) 
Deutscher Speditions- und Logistikverband e.V. (DSLV)Gibt unter anderem ein kostenpflichtiges Handbuch für den internationalen Straßengüterverkehr in 64 Ländern heraus.
AIGAmerican International Group
Asuransi AstraVersicherungssparte des indonesischen Industriekonglomerats Astra