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Wirtschaftsumfeld | Iran | Außenhandel

Iranische Einfuhren legen erneut zu

Der iranische Außenhandel hat sich deutlich erholt. Die meisten wichtigen Lieferländer steigern ihre Ausfuhren nach Iran. Deutsche Exporte sind dagegen stark rückläufig. 

Von Robert Espey | Dubai

Die Reaktivierung der US-Sanktionen im Jahr 2018 führte zu einem deutlichen Rückgang des iranischen Außenhandels. Seit 2021/2022 (iranisches Jahr 1400: 21. März 2021 bis 20. März 2022) zeigt sich jedoch wieder ein Wachstumstrend: Das Außenhandelsvolumen stieg um 38 Prozent auf 101 Milliarden US-Dollar (US$), ohne Berücksichtigung der Öl- und Gasexporte. In der Zeit 2022/2023 folgte eine weitere Steigerung um 11 Prozent auf 113 Milliarden US$.

Außenhandelsvolumen deutlich gestiegen

Iranischen Zollangaben zufolge erhöhten sich 2022/2023 die Einfuhren um 12,6 Prozent auf 59,7 Milliarden US$ . Etwa 31 Prozent der Waren kamen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), wobei es sich vor allem um Re-Exporte über Dubai handelt. Es folgten China (26 Prozent), die Türkei (10 Prozent), Indien (5 Prozent) und Deutschland (3 Prozent). Das Wachstum der Lieferungen aus Russland hat sich 2022/2023 nicht fortgesetzt und erreichte nur noch 1,6 Milliarden US$. Die Importe aus Russland waren 2021/2022 um 61 Prozent auf 1,7 Milliarden US$ gestiegen.

Irans Nicht-Öl-Ausfuhren stiegen 2022/2023 um 9,7 Prozent auf 53,2 Milliarden US$. Als größte Abnehmer weist die Zollstatistik China (Anteil: 27 Prozent), Irak (19 Prozent), die Türkei (14 Prozent), die VAE (11 Prozent) und Indien (4 Prozent) aus.

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Angaben über den Wert der Ölexporte 2022/2023 sind noch nicht verfügbar. Angesichts gestiegener Exportmengen und höherer Ölpreise ist von einem kräftigen Plus auszugehen. Die Zentralbank gibt für 2021/2022 die Öl- und Gasexporte mit 38,7 Milliarden US$ (Vorjahr: 21 Milliarden US$) an. Im Jahr vor Rückkehr der US-Sanktionen waren es 62,8 Milliarden US$ (2017/2018).

Vorläufige Zahlen über den Außenhandel im 1. Quartal 2023/2024 (21. März bis 20. Juni 2023) weisen einen weiteren Anstieg der Importe um 6 Prozent auf 14 Milliarden US$ aus. Bei den Nicht-Öl-Ausfuhren gab es aber einen Rückgang um 9 Prozent auf 12,5 Milliarden US$.

Lieferungen aus China expandieren weiter

Nach chinesischen Zollangaben stiegen die Exporte nach Iran im 1. Halbjahr 2023 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 29 Prozent auf 5,3 Milliarden US$. Gleichzeitig gingen die chinesischen Importe aus Iran um 46 Prozent auf 2,2 Milliarden US$ zurück. Zwischen 2017 und 2021 waren die Ausfuhren um 55 Prozent eingebrochen, von 18,6 Milliarden auf 8,3 Milliarden US$. Eine Erhöhung um 14 Prozent auf 9,4 Milliarden US$ wurde für 2022 gemeldet. 

Chinas Iranexporte nach wichtigen Produktgruppen (in Millionen US-Dollar, Veränderungen in Prozent)

Produktgruppe (HS-Position)

Ausfuhren im 1. Halbjahr 2023 

Veränderung gegenüber 1. Halbjahr 2022 

Alle Waren

5.326

29,1

  Kraftfahrzeuge (87)

1.364

74,4

  Maschinen (84)

1.234

30,9

  Elektrische Maschinen (85)

943

66,3

  Kunststoffe (39)

183

-22,1

  Waren aus Eisen und Stahl (73) 

166

1,2

  Eisen und Stahl (72)

121

26,0

  Möbel und Bettausstattungen (94)

103

58,5

  Optische Apparate, Prüfinstrumente,   medizinische Geräte etc. (90)

101

-9,0

Quelle: China Customs 2023

Der vom chinesischen Zoll für das 1. Halbjahr 2023 ausgewiesene starke Rückgang der Einfuhren aus Iran dürfte zu einem erheblichen Teil auf ein "Umdeklarieren" iranischer Produkte, die unter US-Sanktionen stehen, zurückzuführen sein. Dies gilt unter anderem für Mineralöl, chemische Erzeugnisse und Metalle. Nach Angaben von Marktbeobachtern ist China unverändert der größte Abnehmer von iranischem Öl. Gemäß chinesischen Zollangaben ist aber der Ölimport im 1. Halbjahr 2023 um 95 Prozent auf 31 Millionen US$ gesunken.

Angesichts der US-Sanktionen und der sehr zurückhaltenden Kooperationsbereitschaft anderer westlicher Staaten verstärkt Iran die Zusammenarbeit mit der Shanghai Cooperation Organization (SCO). Seit Juli 2023 ist Iran SCO-Vollmitglied. Die anderen acht Mitglieder sind China, Russland, Pakistan, Indien, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan. Nach iranischen Angaben stieg 2022/2023 das Handelsvolumen mit den acht SCO-Ländern um 10 Prozent auf 41 Milliarden US$ (ohne Öl und Gas). Die iranischen Lieferungen in die SCO-Ländergruppe lagen bei 19,7 Milliarden US$, die Einfuhren bei 21,3 Milliarden US$.

Deutsche Ausfuhren stark zurückgegangen

Die deutschen Exporte nach Iran könnten 2023 auf unter 1,2 Milliarden Euro fallen. Das wäre der niedrigste Wert seit 1999. Im 1. Halbjahr 2023 gingen die Lieferungen gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum laut Destatis um 29 Prozent auf 567 Millionen Euro zurück. Hauptgrund für den Einbruch ist ein Rückgang der Nahrungsmittelexporte um mehr als 90 Prozent. Nach Lockerung der US-Wirtschaftssanktionen waren die deutschen Ausfuhren im Jahr 2017 auf 3 Milliarden Euro gestiegen. 

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Die deutschen Maschinenlieferungen nach Iran erhöhten sich in den ersten fünf Monaten 2023  um 3 Prozent auf 121 Millionen Euro (SITC 71 bis 74). Im Gesamtjahr 2022 stiegen sie um 7 Prozent auf 285 Millionen Euro. In den drei Jahren zuvor gab es eine rasante Talfahrt von 1,1 Milliarden (2018) auf 266 Millionen Euro (2021), so die Berechnungen des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). 

Entwicklung des Iranhandels der EU27-Länder uneinheitlich

Die Ausfuhren der EU27-Länder nach Iran zeigen 2023 keinen einheitlichen Trend. Eurostat zufolge sind die Iran-Exporte der EU27-Gruppe im 1. Halbjahr 2023 um 6,6 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro geschrumpft. Deutschland, als der in Iran weiterhin mit Abstand führende EU-Lieferant, musste deutliche Rückgänge hinnehmen. Dagegen meldeten Italien, die Niederlande, Frankreich und Belgien Zuwächse.

Italien konnte die Iranexporte um 22 Prozent auf 284 Millionen Euro ausweiten, die Niederlande um 54 Prozent auf 269 Millionen Euro, Belgien um 44 Prozent auf 154 Millionen Euro und Frankreich um 1 Prozent auf 141 Millionen Euro. Eine deutliche Erhöhung meldet auch die Schweiz. Im 1. Halbjahr 2023 verbuchten die Eidgenossen eine Steigerung der Iranausfuhren um 45 Prozent auf 80 Millionen Euro.

Iran wird BRICS-Mitglied

Iran dürfte durch den Beitritt zur BRICS-Ländergruppe (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) seine Außenhandelsbeziehungen weiter diversifizieren können. Bei ihren Treffen im August 2023 haben die BRICS-Länder beschlossen, neben Iran auch Argentinien, Ägypten, Äthiopien, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Mitgliedschaft anzubieten. Der Beitritt ist für Januar 2024 vorgesehen.

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