Iran besitzt große Kapazitäten bei Öl und Gas und der verarbeitenden Industrie. Allerdings fehlen infolge von Sanktionen Investitionen. Der Krieg verschärft die Situation.
Iran zählt zu den rohstoffreichsten Ländern weltweit. Nach Angaben der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) verfügte die Islamische Republik Ende 2025 über nachgewiesene Ölreserven von rund 208 Milliarden Barrel und lag damit auf Rang 3 der erdölreichsten Länder. Auch bei Erdgas gehört Iran mit etwa 34 Billionen Kubikmetern zur Weltspitze und liegt hinter Russland auf Rang 2. Produktion, Ausfuhr und Wertschöpfung bleiben jedoch deutlich hinter dem möglichen Potenzial zurück. Hauptgründe sind die seit 2018 wieder verschärften US-Sanktionen sowie der begrenzte Zugang zu Technologie und Finanzierung. Die Zuspitzung des Konflikts zwischen Iran, Israel und den USA sowie der seit Ende Februar 2026 andauernde Krieg belasten zusätzlich Handel, Energieinfrastruktur und Transportwege.
92,4
Mio.
Personen lebten 2025 in Iran.
Quelle: Vereinigte Nationen, 2026
356,5
Mrd. US$
betrug das Bruttoinlandsprodukt 2025.
Quelle: Internationaler Währungsfonds, 2026
4.074
US$
betrug das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf 2025.
Quelle: Internationaler Währungsfonds, 2026
Rang 72
belegte Iran 2025 unter den deutschen Exportzielen.
Quelle: Destatis 2026
Rang 153
belegte Iran 2025 im Corruption Perceptions Index unter 180 Ländern.
Quelle: Transparency International 2026
Laut OPEC lag die durchschnittliche Rohölproduktion 2025 bei rund 3,26 Millionen Barrel pro Tag und damit etwa auf dem Niveau des Vorjahres. 2023 lag die Förderung noch bei 2,88 Millionen Barrel pro Tag. Anfang 2026 bewegte sie sich nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters bei etwa 3,3 Millionen Barrel pro Tag. Vor der Reaktivierung der US-Sanktionen im Jahr 2018 waren es rund 3,8 Millionen Barrel pro Tag. Hauptabnehmer der Ausfuhren ist China. Die Eskalation seit dem Frühjahr 2026 verschärft den Zielkonflikt: Höhere Ölpreise können Einnahmen kurzfristig stützen, zugleich erhöhen Angriffe, Logistikstörungen und teurere Transporte die Risiken für Förderung und Exporte.
Mittelfristig hält die Regierung an Ausbauplänen für Öl und Gas fest. Ohne breiteren Zugang zu ausländischer Technologie, Finanzierung und internationalen Partnern dürfte die Umsetzung schwierig bleiben. Die Sicherheitslage kann neue Vorhaben zusätzlich verzögern, weil Kapital stärker in Schutzmaßnahmen, Reparaturen und Versorgungssicherung fließt.
Industrie diversifiziert
Das verarbeitende Gewerbe bildet neben Öl und Gas die wichtigste industrielle Basis des Landes. Besonders relevant sind Petrochemie, Kfz-Industrie, Metalle, Nahrungsmittelverarbeitung und Baustoffe. Nach Daten der Weltbank lag der Anteil der Industrie an der Wirtschaftsleistung zuletzt bei rund einem Fünftel. Der breitere Industriesektor einschließlich Bau kam auf gut ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts.
Die Petrochemie nimmt eine Schlüsselrolle ein. Iran baut sie trotz Sanktionen weiter aus. Ziel ist, Gasvorkommen industriell zu nutzen und Exporteinnahmen außerhalb des Rohölgeschäfts zu ermöglichen. Nach Angaben der staatlichen National Petrochemical Company (NPC) erreichte die nominale Produktionskapazität 2024/2025 (iranisches Jahr: März 2024 bis März 2025) rund 96,6 Millionen Tonnen. Für 2025/2026 werden rund 100 Millionen Tonnen genannt. Die Planungen sehen bis 2028/2029 einen Wert von 131,5 Millionen Tonnen vor. Diese Angaben beschreiben Kapazitäten beziehungsweise Zielgrößen, nicht die tatsächliche Produktion. Die Auslastung ist anfällig, weil Gas- und Feedstock-Engpässe, technische Einschränkungen und Finanzierungsprobleme den Betrieb bremsen, auch ohne Krieg.
SWOT-Analyse Iran
S
Stärken
Strengths
- Große Öl- und Gasreserven und andere Rohstoffvorkommen
- Diversifizierte Wirtschaftsstruktur
- Hohes Ausbildungsniveau
- Junge, westlich orientierte Bevölkerung
- Traditionell gute Beziehungen zu Europa (vor allem zu Deutschland)
W
Schwächen
Weaknesses
- US-Sanktionen behindern Handels- und Finanzbeziehungen sowie Direktinvestitionen
- Anhaltender Reformstau, staatliche Unternehmen dominieren
- Schwierige staatliche Bürokratie
- Fehlende ausländische Finanzierungen, Devisenknappheit, Währungsschwäche, mangelhaftes Bankensystem, hohe Haushaltsdefizite
- Staatlich kontrollierte, autoritär-konservative Gesellschaftsordnung
O
Chancen
Opportunities
- Ausbau/Modernisierung der Öl- und Gasindustrie
- Ausbau/Modernisierung der verarbeitenden Industrie
- Ausbau/Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur
- Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Umwelttechnik
- Ausbau/Modernisierung des Gesundheitswesens
- Anmerkung: Angesichts der fortbestehenden US-Sanktionen und der jüngsten politischen Entwicklungen sind die Chancen aktuell nicht oder nur sehr eingeschränkt realisierbar.
T
Risiken
Threats
- Streit über das iranische Atomprogramm eskaliert weiter, Wiederinkrafttreten umfassender UN- und EU-Sanktionen
- Militärische Konflikte mit Israel, den USA und arabischen Staaten
- Weitere Zunahme sozialer und politischer Konflikte, Machtkämpfe innerhalb des Machtapparats
- Staatlich kontrollierte Unternehmen werden noch dominanter, verstärkte Interventionen in der Privatwirtschaft
- China baut seinen politischen und wirtschaftlichen Einfluss massiv aus
Die Branche zeigt damit exemplarisch die Grundstruktur der iranischen Industrie. Umfangreiche Anlagen treffen auf unsichere Energieversorgung, begrenzten Technologiezugang und knappe Finanzierung. Der Konflikt erhöht den Druck: Im Frühjahr 2026 stoppte Iran laut Reuters petrochemische Exporte vorübergehend, um den Binnenmarkt mit Rohstoffen zu versorgen. Normalerweise führt das Land rund 29 Millionen Tonnen petrochemische Produkte im Wert von etwa 13 Milliarden US-Dollar (US$) pro Jahr aus.
Autoindustrie fällt zurück
Die Automobilindustrie zählt weiter zu den wichtigsten Industriezweigen Irans. Nach Daten der Organisation Internationale des Constructeurs d’Automobiles (OICA), dem internationalen Verband der Automobilhersteller, produzierte Iran 2025 über 1 Million Fahrzeuge. Damit bleibt das Land ein bedeutender regionaler Hersteller, liegt aber deutlich unter dem bisherigen Höchstwert von rund 1,7 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2011. Strukturelle Schwächen bleiben begrenzter Zugang zu ausländischer Technologie, veraltete Modellpaletten, Qualitätsprobleme, staatliche Preiskontrollen und hohe Abhängigkeit von lokalen Zulieferketten. Die Autohersteller Iran Khodro und Saipa dominieren den Markt. Chinesische Modelle gewinnen an Bedeutung. Für Zulieferer und Investoren wäre der Markt groß. Doch Konflikt, Sanktionen und Preiskontrollen erschweren Planung und Finanzierung.
Bedeutung der Wirtschaftszweige in Iran 2023/2024 1) Anteile in ProzentSektoren | Anteil an der Bruttowertschöpfung 2) | Anteil an den Beschäftigten 3) |
|---|
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei | 13,2 | 14,8 |
Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung | 10,9 | 0,8 |
Öl- und Gasförderung | 8,5 | - |
Verarbeitendes Gewerbe | 19,9 | 17,2 |
Energieversorgung | 0,5 | 0,7 |
Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung | 0,1 | 0,7 |
Baugewerbe | 5,8 | 14,2 |
Dienstleistungen | 49,6 | 51,6 |
1) iranisches Jahr 1402 (21. März 2023 bis 20. März 2024); 2) vorläufige Angaben, zu laufenden Preisen; 3) Schätzungen.Quelle: Central Bank of Iran 2024, Statistical Centre of Iran 2024, Germany Trade & Invest 2024
Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.
Teheran und Khuzestan sind führende Wirtschaftsregionen
Regional konzentriert sich die Wirtschaft stark auf wenige Räume. Die Hauptstadtregion mit Teheran und Alborz ist das wichtigste wirtschaftliche Zentrum. Dort bündeln sich Dienstleistungen, Handel, Immobilienwirtschaft, Verwaltung, Finanzaktivitäten und ein bedeutender Teil der Industrie. Auch ohne aktuelle belastbare Zahlen: die Region hat für Wertschöpfung, Konsum und Unternehmensstandorte eine herausgehobene Bedeutung.
Eckdaten der wichtigsten Provinzen in Iran 2020/2021 1) Provinz (Hauptstadt) | Anteil an der Bruttowertschöpfung (in Prozent) | Bruttowertschöpfung pro Kopf (in US$) 2) | Bevölkerung (in Millionen) |
Teheran (Teheran) | 22,6 | 3.855 | 14,0 |
Khuzestan (Ahvaz) | 13,9 | 6.669 | 5,0 |
Isfahan (Isfahan) | 6,1 | 2.710 | 5,3 |
Bushehr (Bushehr) | 5,4 | 10.343 | 1,2 |
Khorasan Razavi (Mashad) | 4,7 | 1.630 | 6,9 |
Fars (Shiraz) | 4,2 | 1.998 | 5,1 |
Kerman (Kerman) | 3,8 | 2.720 | 3,3 |
East Azarbayejan (Tabriz) | 3,6 | 2.123 | 4,0 |
Mazandaran (Sari) | 3,1 | 2.224 | 3,4 |
Alborz (Karaj) | 2,8 | 2.307 | 2,9 |
1) iranisches Jahr 1399 (21. März 2020 bis 20. März 2021), letzte verfügbare Daten; 2) Umrechnung in US$ zum freien Wechselkurs (Jahresdurchschnitt 1399: 1 US$ = 228.809 Rial).Quelle: Statistical Centre of Iran 2024, Central Bank of Iran 2024, Germany Trade & Invest 2024
Die Provinz Khuzestan mit der Hauptstadt Ahvaz liegt im Südwesten Irans an der Küste zum Persischen Golf und ist wegen der Öl- und Gasförderung, Raffinerien und Petrochemie strategisch besonders wichtig. Die Provinz trägt wesentlich zur Energie- und Exportbasis des Landes bei und ist dadurch anfällig für Schäden an Infrastruktur, Produktionsanlagen und Logistik. Offiziellen iranischen Angaben zufolge konzentriert sich die Ölförderung vor allem in Khuzestan, während die Provinz Bushehr, die sich an der Küste entlang Richtung Südosten erstreckt, für Gas und Kondensate aus South Pars zentral ist.