Internationale Unternehmen sehen weiterhin gute Investitionschancen in Taiwan. Auch deutsche Firmen bauen ihre Liefer- und Beschaffungsnetzwerke mit der Insel aus.
Taiwan verfolgt aktiv das Ziel, ausländische Investitionen anzuziehen, und schafft dafür günstige wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen. Zwar sind die Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen nach Taiwan im Vergleich zu China, Japan oder Südkorea geringer. Andererseits schafft es die Insel, unter den 25 Top-Zielmärkten im 2026 Kearney FDI Confidence Index gelistet zu werden. Dafür befragt die US-Consultingfirma Kearney jährlich Top-Entscheider von internationalen Unternehmen.
Trotz geopolitischer Spannungen in der Taiwanstraße erreicht das Investitionsrisiko zwar keine Spitzenbewertung, doch stellt dies für viele internationale Unternehmen kein Hindernis dar. Die Standortqualität bleibt hoch: Taiwan verfügt über gut ausgebildete Fachkräfte, vergleichsweise moderate Lohnkosten sowie eine leistungsfähige Infrastruktur. Als weitere Standortfaktoren kommen eine hohe Rechtssicherheit, ein verlässlicher Schutz geistigen Eigentums und ein wirtschaftliches System hinzu, das sich auch in Krisenzeiten als stabil erwiesen hat. Herausforderungen bestehen jedoch weiterhin in der begrenzten Verfügbarkeit von Flächen, dem zunehmenden Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte sowie in Risiken durch Naturkatastrophen.
EU als wichtiger Investor
Die ausländischen Direktinvestitionen in Taiwan überschritten zwischen 2020 und 2025 in drei von sechs Jahren die 10-Milliarden-US-Dollar-Marke. Nach Angaben des Department of Investment Review (Ministry of Economic Affairs) überstiegen sie 2022 ein Volumen von über 13 Milliarden US-Dollar (US$) – der höchste Wert in den vorangegangenen 15 Jahren.
Europa spielt als Investitionsquelle eine zentrale Rolle: insgesamt erreichten die Direktinvestitionen aus Europa zwischen 1952 und 2025 rund 81 Milliarden US$, rund 35 Prozent der ausländischen Gesamtinvestitionen in diesem Zeitraum. Aus Deutschland summierten sich die Direktinvestitionen auf 6,3 Milliarden US$. Der größte europäische Investor sind die Niederlande (39 Milliarden US$).
Fokusbranchen: Digitalisierung und Hightech
Für Innovationen in Taiwan sprechen dabei sicherlich die hohe Technologie- und Innovationsfähigkeiten. Die Regierung treibt im Zusammenspiel mit Unternehmen die Transformation der Wirtschaft Richtung Digitalisierung und Dekarbonisierung voran und fördert entsprechende Investitionen. Dadurch entstehen vielfältige Chancen für deutsche Unternehmen, sowohl für Kooperationen als auch für eigene Investitionsprojekte.
Ein zentraler Magnet für Investitionen ist die Elektronik- und IT-Industrie. Taiwans Regierung verfolgt das Ziel, die Insel zu einem globalen Zentrum der digitalen Transformation zu entwickeln. Internationale Technologiekonzerne wie Google, Microsoft, Nvidia und AMD bauen ihre Präsenz deutlich aus. Unternehmen aus dem Halbleiterökosystem investieren verstärkt in Kapazitätserweiterungen.
Dazu gehört nicht nur der weltweit führende Auftragsfertiger TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Corp.), sondern auch die Verpackungsspezialisten wie ASE oder Server-Hersteller wie Wistron und andere Firmen aus dem Branchenumfeld, darunter Materialzulieferer, Ausrüstungs- und Anlagenbauer. Dies zieht Investitionen von deutschen Branchenfirmen an, wie von Merck, Zeiss, SUSS MicroTec und Infineon.
Starke Präsenz deutscher Unternehmen
Insgesamt gibt es eine starke Präsenz deutscher Unternehmen, die bereits seit Jahren in Taiwan aktiv sind und den Standort sowohl als Absatzmarkt als auch als Teil regionaler Wertschöpfungs- und Innovationsnetzwerke nutzen. Dazu zählen unter anderem Merck in den Bereichen Elektronik, Chemie und Life Science, BASF in der Chemieindustrie, Siemens mit Technologie-, Infrastruktur- und Medizintechniklösungen, Bosch in Elektronik und Automobiltechnik sowie Infineon im Halbleiterbereich. Sie beschäftigen vor Ort mehrere tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Größte deutsche Investoren in Taiwan (Stand: 2024/2025)Unternehmen | Branche | Angestellte | Standorte |
|---|
| Merck | Elektronik, Medizin, Chemie | 1.200 | 10 |
| BASF | Chemie | 750 | 4 |
| Siemens | Elektronik, Medizin, Chemie | 1.000 | 3 |
| Bosch | Elektronik | 550 | 3 |
| Infineon | Elektronik | 400 | 3 |
Quelle: Corporate Social Responsibility Report 2024/2025, AHK Taiwan 2025; Firmenwebseiten 2026
Abgesehen davon sind auch viele mittlere und kleine Firmen aus Deutschland in Taiwan präsent, meist durch Vertriebs-, Dienstleistungs- und Verkaufsbüros. Die vor Ort zuständige Auslandshandelskammer, in Taiwan als Deutsches Wirtschaftsbüro (GTO - German Trade Office) vertreten, gibt die Zahl der auf der Insel tätigen deutschen Unternehmen mit zwischen 260 und 300 an. Am stärksten sind die Branchen Maschinenbau/industrielle Ausrüstung und Elektronik vertreten.
Strategische Investitionsförderung
Zur gezielten Weiterentwicklung der Wirtschaft startete die taiwanische Regierung 2016 den „5+2 Innovative Industry Plan“. Mit dieser industriepolitischen Initiative soll die Wirtschaftsstruktur diversifiziert und widerstandsfähiger gemacht werden. Im Mittelpunkt stehen Zukunftsbranchen wie intelligente Maschinen, grüne Energie, Kreislaufwirtschaft, smarte Landwirtschaft und Biomedizin. Damit knüpft Taiwan an seine bestehende industrielle Stärke an und erweitert den Fokus über die Elektronik- und Halbleiterindustrie hinaus.
Die Investitionsförderung erfolgt insbesondere über die Agentur InvesTaiwan. Unternehmen können von steuerlichen Anreizen, vor allem für Forschung und Entwicklung, sowie von Vorteilen in Technologie- und Industrieparks profitieren. Grundsätzlich ist Taiwan für ausländische Investitionen offen. Einschränkungen bestehen nur in wenigen sensiblen Bereichen. Die Bereiche, in die nicht investiert werden kann, beziehungsweise solche, die strengen Auflagen unterliegen, sind in einer Negativliste aufgeführt. Die klar definierten regulatorischen Rahmenbedingungen bieten Investoren ein hohes Maß an Planungssicherheit.
Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.
Von
Jürgen Maurer
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