Israels Industrie stagniert, doch die Techbranche boomt. Gleichzeitig stellt das starke Bevölkerungswachstum die Wirtschaft vor strukturelle Herausforderungen.
Israels Wirtschaft ist eng in internationale Lieferketten eingebunden. Der Außenhandel konzentriert sich fast ausschließlich auf Überseemärkte – insbesondere die EU, die USA und China. In der direkten Nachbarschaft bleibt Israel wirtschaftlich weitgehend isoliert. Hoffnungen auf engere Wirtschaftsbeziehungen zu Staaten der Golfregion haben sich nicht erfüllt. Lediglich zu den Vereinigten Arabischen Emiraten bestehen nennenswerte Verbindungen.
Zwar gehört Israel keinem Wirtschaftsblock an, pflegt aber zahlreiche Freihandelsabkommen, etwa mit der EU, EFTA und den USA. Eine Ausnahme bildet China, wo entsprechende Verhandlungen bislang nicht abgeschlossen wurden. Israels Unternehmen stehen sowohl auf dem Weltmarkt als auch im Inland im Wettbewerb mit globalen Akteuren.
Die Wirtschaftstätigkeit konzentriert sich auf den Großraum Tel Aviv. Auch die Hafen- und Chemiemetropole Haifa spielt eine bedeutende Rolle. Periphere Regionen, vor allem der bevölkerungsarme Süden des Landes, sind ökonomisch von untergeordneter Bedeutung.
10,1
Mio.
Menschen lebten im Juni 2025 in Israel
Quelle: Zentralamt für Statistik (Central Bureau of Statistics), 2025
540
Mrd. US-Dollar
betrug das Bruttoinlandsprodukt 2024 (nominal).
Quelle: Zentralamt für Statistik (Central Bureau pf Statistics), 2025
54.189
US-Dollar
machte das BIP pro Kopf damit 2024 aus.
Quelle: Zentralamt für Statistik (Central Bureau of Statistics), 2025
Rang 44
belegte Israel 2024 unter den deutschen Exportzielen.
Quelle: Destatis 2025
Rang 30
nimmt Israel im Corruption Perceptions Index 2024 ein (unter 180 Ländern).
Quelle: Transparency International 2025
2,2
%
betrug die Analphabetenquote nach den jüngsten verfügbaren Angaben
Quelle: CIA World Factbook Online-Version, aktualisiert am 7.10.2024
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Deutsche Perspektive: Israel als Handels- und Kooperationspartner
Im Jahr 2024 führte Deutschland nach Angaben des Bundesamtes für Statistik Waren im Wert von 5,3 Milliarden Euro aus. Damit lag Israel auf Rang 44 der deutschen Exportmärkte. Die deutschen Einfuhren aus Israel beliefen sich auf 3 Milliarden Euro. Die wichtigsten deutschen Importprodukte im Handel mit Israel sind Maschinen und Ausrüstungen.
Israels Wirtschaft verbuchte in den vergangenen Jahren ein solides Wachstum: Von 2013 bis 2022 lag die durchschnittliche jährliche BIP-Zunahme nach Angaben des Internationalen Währungsfonds bei 4 Prozent. Der Gaza-Krieg bremste das reale Wachstum 2023 auf 1,8 und 2024 auf 0,9 Prozent. Für 2025 werden rund 3 bis 3,5 Prozent erwartet. Trotz der Krisen läge das BIP damit rund 20 Prozent über dem Niveau vor Ausbruch der Coronapandemie. Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges sind jedoch spürbar.
SWOT-Analyse Israel
S
Stärken
Strengths
- Starker Hightechsektor
- Moderne Forschung und Entwicklung
- Hohe Integration in die Weltwirtschaft
- Steigender Grad der Energieselbstversorgung
- Hohe ökonomische Resilienz
W
Schwächen
Weaknesses
- Externe Risiken und innenpolitische Polarisierung
- Fachkräftemangel
- Schwache gesamtwirtschaftliche Produktivität
- Geringes Bildungsniveau großer Bevölkerungsgruppen
- Vernachlässigte Infrastruktur
O
Chancen
Opportunities
- Erschließung neuer Hightechbereiche
- Aussicht auf umfangreiche Erdgasexporte
- Offenheit für moderne Technik
- Wachsende Kaufkraft
- Aussicht auf regionale Integration
T
Risiken
Threats
- Langfristige Kriegsschäden
- Hohe Haushaltsdefizite
- Ungenügende langfristige Planung
- Große Anfälligkeit für den Klimawandel
- Brain Drain
Stärken und Schwächen
Israels Hauptstärke ist sein Humankapital. Allerdings ist das Bild in diesem Bereich nicht durchgehend positiv. Arbeitskräften auf Weltniveau stehen große Gruppen von Mitarbeitern mit ungenügenden Qualifikationen für die moderne Wirtschaft gegenüber. Zudem ist die Partizipation am Arbeitsmarkt ungenügend. Ein zentrales strukturelles Thema ist dabei die Demografie.
Besonders arabische Frauen und ultraorthodoxe Männer sind am Arbeitsmarkt unterrepräsentiert: Im Jahr 2022 lag ihre Erwerbsquote bei lediglich 34 beziehungsweise 53 Prozent. Arabische Israelis stellen rund 17 Prozent der Bevölkerung, ultraorthodoxe Juden etwa 12 Prozent. Die Ursachen sind unterschiedlich: Im ultraorthodoxen Judentum gilt religiöses Vollzeitstudium als Lebensideal, während arabische Frauen unter anderem durch Defizite im arabischsprachigen Bildungssystem benachteiligt sind. Insgesamt bleibt ein erheblicher Teil des Arbeitskräftepotenzials ungenutzt – mit spürbaren Folgen für die Wirtschaftsleistung.
Der Krieg im Nahen Osten hat die ökonomische Verwundbarkeit Israels deutlich gemacht. Ohne internationales Vertrauen – das durch den Konflikt erheblich gelitten hat – kann der Wirtschaftsstandort Israel sein Potenzial nicht voll entfalten.
Industrie unter Druck – IT auf Wachstumskurs
Das Wirtschaftswachstum verteilt sich nicht gleichmäßig über alle Sektoren. Während der Anteil der Industrie am BIP von 2014 bis 2024 von 13 auf 11 Prozent sank, legte der Informations- und Kommunikationssektor deutlich zu – von 6,9 auf 10,5 Prozent. Im Jahr 2024 erreichte der Bereich Handel, Kfz-Reparaturen sowie Beherbergung und Verpflegung einen Anteil von 11,3 Prozent. Die Landwirtschaft bleibt mit 1,3 Prozent der kleinste Sektor.
Die schwache Konjunktur der Industrie hat strukturelle Ursachen: Technologiearme Branchen tun sich schwer mit Produktivitätssteigerungen, was ihre Wettbewerbsfähigkeit mindert – zumal Israel kein Niedriglohnstandort ist. Hinzu kommt ein chronischer Mangel an Fachkräften.
Trotz staatlicher Initiativen in der Aus- und Weiterbildung bleibt der Fachkräftemangel in der Industrie bestehen. Vor allem kleinere Unternehmen haben Schwierigkeiten, moderne Technologien in ihre Prozesse zu integrieren. Zwar steigt die Produktivität, doch vor allem in technologiearmen Branchen reicht das Wachstum nicht aus, um dem verarbeitenden Gewerbe neue Dynamik zu verleihen.
Der rasche Aufstieg des Informations- und Kommunikationssektors hat zwei zentrale Gründe: Zum einen existiert ein starker Binnenmarkt für IT-Dienstleistungen, da viele israelische Unternehmen digitale Lösungen nutzen. Zum anderen sind israelische Technologien – insbesondere im Bereich Cybersicherheit – international gefragt. Hinzu kommt ein außergewöhnlich hohes Engagement in Forschung und Entwicklung: 2023 lagen die F&E-Ausgaben bei 6,3 Prozent des BIP – mehr als doppelt so viel wie im OECD-Durchschnitt.
Die landwirtschaftliche Produktion stagniert seit Jahren – mit leichten Schwankungen. Im Jahr 2024 lag das reale BIP des Sektors nur 3,4 Prozent über dem Wert von 2014. Für die Gesamtwirtschaft ist der Effekt gering, doch die Regierung sieht Handlungsbedarf. Angesichts geopolitischer Risiken und potenzieller Lieferkettenstörungen strebt sie einen möglichst hohen Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln an.
Bedeutung der Wirtschaftszweige in IsraelBeitrag zum BIP in Prozent, Anteil an den Erwerbstätigen in ProzentSektor | Anteil an der BIP-Entstehung 2024 | Anteil an den Erwerbstätigen 2024 |
|---|
| Finanz- und Versicherungsdienste, Immobiliendienste, freiberufliche, wissenschaftliche, technische und administrative Dienste | 15,8 | 15,5 |
| Groß- und Einzelhandel, Kfz-Reparaturen, Beherbergung und Verpflegung | 11,3 | 13,0 |
| Industrie und Bergbau | 11,1 | 9,3 |
| Information und Kommunikation | 10,5 | 6,5 |
Baugewerbe | 4,5 | 5,5 |
| Transport, Lagerung und Postdienste; Energieversorgung, Wasserversorgung und Abfallwirtschaft; Erziehung, Gesundheitswesen, Sozialarbeit, Kunst, Freizeitgestaltung | 10,1 | 35,4 |
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei | 1,3 | 0,8 |
| Regierungs- und andere staatliche Dienste, gemeinnützige Einrichtungen | 17,0 | keine Angaben oder Zuordnung nicht möglich |
| Sonstige | 18,4 | k.A. |
Quelle: Zentralamt für Statistik (Central Bureau of Statistics) 2025
Von
Wladimir Struminski
|
Jerusalem