Wirtschaftsausblick | Israel

Israels Wirtschaft wächst - der Krieg bleibt ein Risikofaktor

Israels Bruttoinlandsprodukt wird laut Prognosen 2026 und 2027 deutlich steigen - wesentlich getragen von kriegsbedingten Staatsausgaben. 

Von Wladimir Struminski | Israel

Top-Thema: Wirtschaft zeigt sich resilient, aber Staatsverschuldung steigt

Die israelische Wirtschaft zeigt sich robust. Die Bank von Israel (Zentralbank) prognostiziert für 2026 ein reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,8 Prozent. Im Vorjahr stieg die Wirtschaftsleistung um 2,9 Prozent. Für 2027 erwartet die Zentralbank ein Plus von 5,5 Prozent.

Gleichzeitig befindet sich das Land seit Oktober 2023 im Krieg: zunächst im Gaza-Streifen, anschließend wiederholt im Libanon. Auch 2025 und 2026 kam es zu massiven Luftangriffen mit Iran.

Ein erheblicher Teil des Wachstums geht daher auf kriegsbedingte Staatsausgaben zurück. Der Verteidigungshaushalt dürfte 2026 in laufenden Binnenpreisen etwa das Dreifache des Vorkriegsniveaus erreichen. Vor allem die inländische Beschaffung erhöht das BIP statistisch. Welchen Anteil diese Ausgaben an der Wirtschaftsleistung haben, ist öffentlich nicht bekannt. Das nicht kriegsbedingte Wachstum liegt jedoch unter dem ausgewiesenen Gesamtwachstum. 

Der Staat finanziert einen Teil der Ausgaben über Schulden. Die Zentralbank erwartet 2026 ein Haushaltsdefizit von 5,3 Prozent des BIP. Im Vorjahr lag es bei 4,7 Prozent. Die Staatsverschuldungsquote steigt von 60,6 Prozent vor dem Krieg auf 70,5 Prozent im Jahr 2026. Je nach Sicherheitslage kann sie weiter zunehmen.

Wirtschaft bleibt trotz Belastungen stabil

Israels Wirtschaft gelingt es, ihre Tätigkeit trotz Personalmangels und organisatorischer Herausforderungen weitgehend aufrecht zu erhalten. Die Exporte von Waren und Dienstleistungen stiegen 2025 um 9,7 Prozent und erreichten wieder fast das Vorkriegsniveau.

Auch die Energiepreise sind im Vergleich zu vielen anderen Ländern stabil. Langfristige Verträge für einheimisches Erdgas tragen dazu bei. 

Dennoch macht der Krieg die Verwundbarkeit der Infrastruktur im Land deutlich. Ein Großteil der Erdgasförderung wurde im März und April 2026 aus Sicherheitsgründen für fünf Wochen weitgehend eingestellt. Die Bazan-Raffinerie in Haifa wurde im Juni 2025 und März 2026 getroffen und beschädigt. Der Luftverkehr blieb über längere Zeit stark eingeschränkt.

Wirtschaftsausblick: Investitionen, Konsum und Importe ziehen an

Neben dem BIP wachsen laut Frühjahrsprognose der Israelischen Zentralbank auch Investitionen, Privatverbrauch und Importe. Die Bruttoanlageinvestitionen (ohne Schiffe und Flugzeuge) steigen 2026 um 6,5 Prozent. Für 2027 erwartet die Zentralbank ein Plus von 14,5 Prozent.

Die ausländischen Direktinvestitionen nahmen 2025 um 77,4 Prozent zu. Treiber waren vor allem reinvestierte Gewinne. Das deutet darauf hin, dass bereits engagierte Unternehmen ihre Aktivitäten ausweiten, während neue Investoren wohl eher zurückhaltend sind. Die Attraktivität Israels als Investitionsstandort für den Hightech-Sektor dürfte trotz geopolitischer Risiken hoch bleiben. Die weitere Entwicklung wird maßgeblich von der Sicherheitslage und dem außenwirtschaftlichen Umfeld abhängen.

Konsum und Einfuhr wieder auf Wachstumskurs

Der private Verbrauch stieg 2025 vergleichsweise langsam um 2,6 Prozent. Für 2026 erwartet die Zentralbank ein Plus von 3 Prozent und für 2027 von 7 Prozent. Auch die Warenimporte erholen sich deutlich. Zivile Einfuhren (ohne Diamanten, Schiffe und Flugzeuge) sollen laut Prognose der Zentralbank 2026 um 10 Prozent und 2027 um 12 Prozent steigen.

Deutsche Perspektive: Deutsche Exporte profitieren von der Nachfrage 

Die deutsche Exportwirtschaft behauptete 2025 ihre Position im israelischen Markt. Die Einfuhren aus Deutschland stiegen in laufenden Dollarpreisen um 1,3 Prozent. Der Marktanteil sank leicht von 7,0 auf 6,8 Prozent. Im 1. Quartal 2026 lagen die israelischen Warenimporte aus Deutschland um 19,2 Prozent über dem Vorjahreswert. Besonders nachgefragt waren Beförderungsmittel sowie Maschinen und Ausrüstungen.

Einige Branchen müssen zusätzlich investieren: Die Regierung will die Energiewirtschaft ausbauen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Maschinen und Ausrüstungen in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Der Bausektor muss die langen Bauzeiten verkürzen. Diese Entwicklungen eröffnen Lieferchancen für deutsche Unternehmen.

Interesse bleibt, Sicherheitslage entscheidet

Nach Angaben der Deutsch-Israelischen Industrie- und Handelskammer (AHK Israel) bleibt das Interesse deutscher Unternehmen stabil. Seit dem Waffenstillstand im Irankrieg Anfang April 2026 gehen wieder mehr Anfragen ein. Das erklärte Kammergeschäftsführer Michel Weinberg gegenüber Germany Trade & Invest.

Von sechs geplanten Delegationsreisen im 1. Halbjahr 2026 wurde eine abgesagt. Eine Reise fand statt, vier wurden verschoben.

Der Anstieg der Importe aus Deutschland im Jahr 2025 gilt als Hinweis auf stabile Geschäftsbeziehungen. Die weitere Entwicklung hängt jedoch wesentlich vom Verlauf des Konflikts ab.