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Israel baut massiv neue Rechenzentren
Investitionen in israelische Rechenzentren könnten sich bis 2031 verdreifachen. Vor allem bei Energie, Kühlung und Gebäudetechnik entstehen Lieferchancen.
19.06.2026
Von Wladimir Struminski | Israel
Israel treibt den Ausbau seiner Rechenzentren deutlich voran. Insgesamt 22 Projekte sind derzeit in Planung oder im Bau. Das Marktforschungsunternehmen Arizton prognostiziert, dass die Investitionen in Rechenzentren (kumulierter jährlicher Bruttobestand) von 539 Millionen US-Dollar (US$) im Jahr 2025 bis 2031 auf 1,8 Milliarden US$ steigen werden. Die Entwicklung steht im Kontext der Hochtechnologiepolitik der israelischen Regierung. Die neuen Anlagen sollen die erforderlichen Kapazitäten zum Ausbau der künstlichen Intelligenz sicherstellen. Deutsche Zulieferer haben vor allem im Segment der technischen Infrastruktur gute Chancen.
Der jüngste militärische Konflikt mit Iran hat den Trend zum Ausbau der digitalen Infrastruktur nicht beeinträchtigt. Nennenswerte Störungen in der Zulieferung internationaler Komponenten sind nicht bekannt.
Neue Rechenzentren werden deutlich größer
Die bereits genehmigten Anlagen erreichen meist Kapazitäten von 5 bis 40 Megawatt und bedienen vor allem Colocation-Dienstleistungen. Beim Colocation-Modell betreiben Unternehmen eigene Server in einem externen Rechenzentrum und mieten dafür Platz und Infrastruktur.
Neue Projekte sind deutlich größer. Mehrere geplante Anlagen überschreiten 50 Megawatt und zielen auf Hochleistungsrechnen und KI-Anwendungen. Großprojekte wie Mega DC in Hadera mit 340 Megawatt oder Anan in Beit Shemesh mit 220 Megawatt verdeutlichen den Wandel. Der Markt verlagert sich von standardisierten Serverfarmen zu energieintensiven Hochleistungsanlagen. Für Zulieferer steigen damit die Anforderungen an Energieeffizienz, Kühlung und Systemintegration.
| Projekt | Leistung | Investitionssumme | Zeitplanung | Auftraggeber / Betreiber |
|---|---|---|---|---|
| MDCIL‑4 Beit Shemesh (Mega DC) | ca. 222–240 MW (Campus; Endziel) | Teil eines Gesamtprojekts von ca. 880 Mio. US$ (mit Masmiyya) | Ausbau ab 2026, Inbetriebnahme phasenweise bis 2027 | Mega DC (Mega Or Group); Kunden u. a. Nebius |
| Dalia Energy - Eshkol | 130 MW | ca. 1,5 Mrd. US$ | Fertigstellung 2029/30 | Dalia Energy Companies |
| Masmiyya Data Center (Mega DC) | ca. 64–120 MW (davon 22 MW initial) | Teil eines Gesamtinvestments von ca. 880 Mio. US$ | Lieferung ab Q3 2026 | Mega DC; Kunden: u.a. Nebius und Google |
| MDCIL‑5 Idan HaNegev (Mega DC Campus) | ca. 180 MW | nicht öffentlich spezifiziert | geplant bis ca. 2027 | Mega DC |
| MDCIL‑6 Neve Yamin (Mega DC Campus) | bis zu 100 MW | nicht öffentlich spezifiziert | geplant bis ca. 2028 | Mega DC |
| MDCIL‑3 Haifa (MATAM Campus) | ca. 40 MW | nicht öffentlich spezifiziert | ab 2026 | Mega DC |
| MDCIL‑7 Hadera (Campus) | Leistung n.n. (Großprojekt geplant) | nicht öffentlich spezifiziert | Perspektive bis ca. 2029 | Mega DC |
| Anan Data Center Sites (Afula / Tzora) | ca. 100 MW (gesichert; skalierbar) | nicht öffentlich spezifiziert | Deploymentziel 2027 | Anan Data Centers (Lian Group / PAI) |
| Alpha Campus Netanya (NED) | ca. 42 MVA (Phase 1) | ca. 350 Mio. US$ | Betrieb ab 2027 vorgesehen | NED (mit Levinstein, Goldacre) |
Lieferchancen für deutsche Unternehmen
US-Unternehmen dominieren die Server- und Cloud-Infrastruktur in Israel. Deutsche Anbieter haben Chancen vor allem in folgenden Bereichen:
- Stromversorgung und Energiemanagement, etwa Transformatoren, USV-Anlagen und Netzstabilisierung
- Kühl- und Klimatechnik (HVAC), vor allem leistungsstarke und energieeffiziente Systeme
- Technische Gebäudeausrüstung (TGA), etwa Sicherheits-, Monitoring- und Verkabelungstechnik
- Bau spezialisierter Anlagen, zum Beispiel unterirdische oder gehärtete Rechenzentren
- Software und Steuerungssysteme wie Energiesteuerung oder Predictive Maintenance
Die Marktforscher von Arizton schätzen, dass bis 2031 rund 40 Prozent der Brancheninvestitionen in diese technische Infrastruktur fließen. Im Jahr 2025 machten branchenrelevante Warenpositionen mit rund 717 Millionen US$ etwa 11 Prozent der Gesamtexporte nach Israel aus.
Deutsche Unternehmen sind in diesen Segmenten vielfach gut positioniert. 2025 entfiel rund die Hälfte der deutschen Lieferungen branchenrelevanter Waren auf Mess- und Prüfinstrumente sowie elektrische Geräte zum Schließen von Stromkreisen. In diesen Positionen erreichte Deutschland Importanteile von rund 10 Prozent. Hauptkonkurrenten sind die USA und China.
| Warengruppe | 2023 | 2024 | 2025 | Anteil an den israelischen Importen (2025, in Prozent) |
|---|---|---|---|---|
| SITC-741: Einrichtungen zum Heizen und Kühlen, Teile davon | 45,1 | 45,4 | 55,1 | 4,6 |
| SITC-752: Automatische Datenverarbeitungsmaschinen | 82,7 | 87,9 | 80,9 | 1,3 |
| SITC-759: Teile und Zubehör für Büro‑ und Datenverarbeitungsmaschinen | 8,0 | 9,4 | 8,8 | 3,4 |
| SITC-764: Telekommunikationsausrüstung sowie deren Teile und Zubehör | 108,5 | 110,6 | 118,6 | 2,1 |
| SITC-771: Elektrische Maschinen, Apparate und Geräte, Teile | 65,8 | 42,9 | 40,9 | 3,9 |
| SITC-772: Elektrische Geräte zum Schließen von Stromkreisen | 144,2 | 132,3 | 157,6 | 9,4 |
| SITC-773: Einrichtungen für die Elektrizitätsverteilung | 34,3 | 37,8 | 45,6 | 3,9 |
| SITC-874: Instrumente zum/zur Messen, Prüfen, Analysieren, Kontrolle | 171,1 | 163,8 | 209,2 | 12,4 |
| Summe | 677,4 | 661,0 | 704,5 |
Regierung erleichtert Bau von Großrechenzentren
Israels Regierung erleichtert den Bau großer Rechenzentren für künstliche Intelligenz. Seit November 2025 stuft sie entsprechende Projekte als nationale Infrastruktur ein. Betreiber profitieren von beschleunigten Genehmigungsverfahren, wenn die Anlagen auf KI-Anwendungen ausgerichtet sind. Der Begriff umfasst auch Hochleistungsrechnen, etwa für Sprachmodelle, Medizinforschung und Echtzeitdatenverarbeitung.
Die für künstliche Intelligenz vorgesehene Mindestleistung liegt bei 50 Megawatt. Gleichzeitig gilt eine Obergrenze von 200 Megawatt je Standort, um das Stromnetz zu entlasten. Die Regelung ist dauerhaft angelegt und schafft stabile Rahmenbedingungen für den Ausbau. Pro Jahr sollen höchstens zehn Projekte im beschleunigten Verfahren zugelassen werden. Unternehmen müssen ihre Vorhaben zunächst beim staatlichen KI-Direktorat einreichen, das eine Vorauswahl trifft. Nicht privilegierte Projekte bleiben möglich, durchlaufen jedoch das reguläre und deutlich längere Genehmigungsverfahren.
Der Markt ist für ausländische Investoren offen. Gleichzeitig gelten Souveränitätsauflagen. In sensiblen Bereichen kann es vorgeschrieben sein, Daten ausschließlich im Inland zu verarbeiten und zu speichern. Diese Vorgaben gelten für in- und ausländische Anbieter gleichermaßen und müssen bei der Projektplanung frühzeitig berücksichtigt werden.
Rechenzentren werden als privatwirtschaftliche Projekte nicht öffentlich ausgeschrieben. Für den Markteintritt und die Ermittlung lokaler Partner und Kontaktmöglichkeiten ist die Deutsch-Israelische Industrie- und Handelskammer (AHK) die zentrale Anlaufstelle. Interessierte Unternehmen können sich darüber hinaus an den Branchenverband Israel Data Center Association (IDCA) wenden.