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Israel baut massiv neue Rechenzentren

Investitionen in israelische Rechenzentren könnten sich bis 2031 verdreifachen. Vor allem bei Energie, Kühlung und Gebäudetechnik entstehen Lieferchancen.

Von Wladimir Struminski | Israel

Israel treibt den Ausbau seiner Rechenzentren deutlich voran. Insgesamt 22 Projekte sind derzeit in Planung oder im Bau. Das Marktforschungsunternehmen Arizton prognostiziert, dass die Investitionen in Rechenzentren (kumulierter jährlicher Bruttobestand) von 539 Millionen US-Dollar (US$) im Jahr 2025 bis 2031 auf 1,8 Milliarden US$ steigen werden. Die Entwicklung steht im Kontext der Hochtechnologiepolitik der israelischen Regierung. Die neuen Anlagen sollen die erforderlichen Kapazitäten zum Ausbau der künstlichen Intelligenz sicherstellen. Deutsche Zulieferer haben vor allem im Segment der technischen Infrastruktur gute Chancen. 

Der jüngste militärische Konflikt mit Iran hat den Trend zum Ausbau der digitalen Infrastruktur nicht beeinträchtigt. Nennenswerte Störungen in der Zulieferung internationaler Komponenten sind nicht bekannt.

Neue Rechenzentren werden deutlich größer

Die bereits genehmigten Anlagen erreichen meist Kapazitäten von 5 bis 40 Megawatt und bedienen vor allem Colocation-Dienstleistungen. Beim Colocation-Modell betreiben Unternehmen eigene Server in einem externen Rechenzentrum und mieten dafür Platz und Infrastruktur. 

Neue Projekte sind deutlich größer. Mehrere geplante Anlagen überschreiten 50 Megawatt und zielen auf Hochleistungsrechnen und KI-Anwendungen. Großprojekte wie Mega DC in Hadera mit 340 Megawatt oder Anan in Beit Shemesh mit 220 Megawatt verdeutlichen den Wandel. Der Markt verlagert sich von standardisierten Serverfarmen zu energieintensiven Hochleistungsanlagen. Für Zulieferer steigen damit die Anforderungen an Energieeffizienz, Kühlung und Systemintegration.

Projekte zum Bau von Großrechenzentren in IsraelAuswahl; Stand: Mai 2026
Projekt

Leistung

InvestitionssummeZeitplanungAuftraggeber / Betreiber
MDCIL‑4 Beit Shemesh (Mega DC)

ca. 222–240 MW (Campus; Endziel)

Teil eines Gesamtprojekts von ca. 880 Mio. US$ (mit Masmiyya)Ausbau ab 2026, Inbetriebnahme phasenweise bis 2027Mega DC (Mega Or Group); Kunden u. a. Nebius
Dalia Energy - Eshkol

130 MW

ca. 1,5 Mrd. US$Fertigstellung 2029/30Dalia Energy Companies
Masmiyya Data Center (Mega DC)

ca. 64–120 MW (davon 22 MW initial)

Teil eines Gesamtinvestments von ca. 880 Mio. US$Lieferung ab Q3 2026Mega DC; Kunden: u.a. Nebius und Google
MDCIL‑5 Idan HaNegev (Mega DC Campus)

ca. 180 MW 

nicht öffentlich spezifiziertgeplant bis ca. 2027Mega DC
MDCIL‑6 Neve Yamin (Mega DC Campus)

bis zu 100 MW

nicht öffentlich spezifiziertgeplant bis ca. 2028Mega DC
MDCIL‑3 Haifa (MATAM Campus)

ca. 40 MW

nicht öffentlich spezifiziertab 2026Mega DC
MDCIL‑7 Hadera (Campus)

Leistung n.n. (Großprojekt geplant)

nicht öffentlich spezifiziertPerspektive bis ca. 2029Mega DC
Anan Data Center Sites (Afula / Tzora)

ca. 100 MW (gesichert; skalierbar) 

nicht öffentlich spezifiziertDeploymentziel 2027Anan Data Centers (Lian Group / PAI)
Alpha Campus Netanya (NED)

ca. 42 MVA (Phase 1)

ca. 350 Mio. US$Betrieb ab 2027 vorgesehenNED (mit Levinstein, Goldacre)
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Lieferchancen für deutsche Unternehmen

US-Unternehmen dominieren die Server- und Cloud-Infrastruktur in Israel. Deutsche Anbieter haben Chancen vor allem in folgenden Bereichen:

  • Stromversorgung und Energiemanagement, etwa Transformatoren, USV-Anlagen und Netzstabilisierung
  • Kühl- und Klimatechnik (HVAC), vor allem leistungsstarke und energieeffiziente Systeme
  • Technische Gebäudeausrüstung (TGA), etwa Sicherheits-, Monitoring- und Verkabelungstechnik
  • Bau spezialisierter Anlagen, zum Beispiel unterirdische oder gehärtete Rechenzentren
  • Software und Steuerungssysteme wie Energiesteuerung oder Predictive Maintenance

Die Marktforscher von Arizton schätzen, dass bis 2031 rund 40 Prozent der Brancheninvestitionen in diese technische Infrastruktur fließen. Im Jahr 2025 machten branchenrelevante Warenpositionen mit rund 717 Millionen US$ etwa 11 Prozent der Gesamtexporte nach Israel aus.

Deutsche Unternehmen sind in diesen Segmenten vielfach gut positioniert. 2025 entfiel rund die Hälfte der deutschen Lieferungen branchenrelevanter Waren auf Mess- und Prüfinstrumente sowie elektrische Geräte zum Schließen von Stromkreisen. In diesen Positionen erreichte Deutschland Importanteile von rund 10 Prozent. Hauptkonkurrenten sind die USA und China.

Deutsche Exporte nach Israel in branchenrelevanten WarengruppenIn Millionen US-Dollar; Warengruppen nach SITC, 2023 bis 2025
Warengruppe

2023

2024

2025

Anteil an den israelischen Importen 

(2025, in Prozent)

SITC-741: Einrichtungen zum Heizen und Kühlen, Teile davon

45,1

45,4

55,1

4,6

SITC-752: Automatische Datenverarbeitungsmaschinen

82,7

87,9

80,9

1,3

SITC-759: Teile und Zubehör für Büro‑ und Datenverarbeitungsmaschinen

8,0

9,4

8,8

3,4

SITC-764: Telekommunikationsausrüstung sowie deren Teile und Zubehör

108,5

110,6

118,6

2,1

SITC-771: Elektrische Maschinen, Apparate und Geräte, Teile

65,8

42,9

40,9

3,9

SITC-772: Elektrische Geräte zum Schließen von Stromkreisen

144,2

132,3

157,6

9,4

SITC-773: Einrichtungen für die Elektrizitätsverteilung

34,3

37,8

45,6

3,9

SITC-874: Instrumente zum/zur Messen, Prüfen, Analysieren, Kontrolle

171,1

163,8

209,2

12,4

Summe

677,4

661,0

704,5

 
Quelle: Statistisches Bundesamt 2026, UN Comtrade 2026

Regierung erleichtert Bau von Großrechenzentren

Israels Regierung erleichtert den Bau großer Rechenzentren für künstliche Intelligenz. Seit November 2025 stuft sie entsprechende Projekte als nationale Infrastruktur ein. Betreiber profitieren von beschleunigten Genehmigungsverfahren, wenn die Anlagen auf KI-Anwendungen ausgerichtet sind. Der Begriff umfasst auch Hochleistungsrechnen, etwa für Sprachmodelle, Medizinforschung und Echtzeitdatenverarbeitung.

Die für künstliche Intelligenz vorgesehene Mindestleistung liegt bei 50 Megawatt. Gleichzeitig gilt eine Obergrenze von 200 Megawatt je Standort, um das Stromnetz zu entlasten. Die Regelung ist dauerhaft angelegt und schafft stabile Rahmenbedingungen für den Ausbau. Pro Jahr sollen höchstens zehn Projekte im beschleunigten Verfahren zugelassen werden. Unternehmen müssen ihre Vorhaben zunächst beim staatlichen KI-Direktorat einreichen, das eine Vorauswahl trifft. Nicht privilegierte Projekte bleiben möglich, durchlaufen jedoch das reguläre und deutlich längere Genehmigungsverfahren.

Der Markt ist für ausländische Investoren offen. Gleichzeitig gelten Souveränitätsauflagen. In sensiblen Bereichen kann es vorgeschrieben sein, Daten ausschließlich im Inland zu verarbeiten und zu speichern. Diese Vorgaben gelten für in- und ausländische Anbieter gleichermaßen und müssen bei der Projektplanung frühzeitig berücksichtigt werden.

Rechenzentren werden als privatwirtschaftliche Projekte nicht öffentlich ausgeschrieben. Für den Markteintritt und die Ermittlung lokaler Partner und Kontaktmöglichkeiten ist die Deutsch-Israelische Industrie- und Handelskammer (AHK) die zentrale Anlaufstelle. Interessierte Unternehmen können sich darüber hinaus an den Branchenverband Israel Data Center Association (IDCA) wenden.