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Infrastrukturausbau in den USA geht weiter
Der Infrastructure Investment and Jobs Act (IIJA) läuft aus und die Trump-Regierung torpediert Schienen- und Energieprojekte. Trotzdem sollen die Tiefbauleistungen ansteigen.
13.02.2026
Von Roland Rohde | Washington, D.C.
- Bundesstaaten und private Geldgeber sollen sich stärker engagieren
- Kurswechsel in der Energiepolitik nur mit vorübergehenden Bremsspuren
- Hochgeschwindigkeitsprojekte der Bahn in Kalifornien laufen weiter
- Wassersektor mit Investitionsbedarf von über 1 Billion US$
- Protektionistische Schranken wirken nicht immer
Der Ende 2021 verabschiedete Infrastructure Investment and Jobs Act (IIJA) läuft zum Jahresende 2026 aus. Ein Nachfolgeprogramm für das 550 Milliarden US-Dollar (US$) schwere Paket gibt es nicht. Allerdings wird IIJA lange über das offizielle Ende hinaus wirken. Von der staatlichen Zuwendung bis zur Fertigstellung eines Vorhabens vergeht in der Regel viel Zeit. Etliche Projekte werden voraussichtlich erst Anfang der 2030er-Jahre fertiggestellt sein.
Doch die besonders in den Anfangsjahren spürbaren Impulse des IIJA werden schwächer. So stiegen die erbrachten Bauleistungen in der Tiefbausparte in den ersten zehn Monaten 2025 nur noch um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, berichtet das nationale Statistikamt. Unter Berücksichtigung der Preissteigerung kam dies einem geringen Rückgang gleich. Doch dabei handelt es sich laut Einschätzung des FMI North American Construction und Engineering Outlook nur um eine vorübergehende Schwäche.
Bundesstaaten und private Geldgeber sollen sich stärker engagieren
Nach Einschätzung der Analysten von FMI werden die US-Bundesstaaten die nachlassende Investitionstätigkeit Washingtons überkompensieren. Viele verfolgen eigenständige Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsziele. Hinzu kommt ein wachsendes Engagement privater Investoren, etwa im Energie- und Bahnsektor. Daher erwarten die Analysten in ihrer mittelfristigen Prognose ein stetiges Anwachsen der erbrachten Tiefbauleistungen. Für 2028 und 2029 gehen sie sogar von einem Plus von jeweils 8 Prozent zum Vorjahr aus.
Auch die Analysten von Dodge Construction Network sind positiv gestimmt. In ihrem Momentum-Index messen sie den voraussichtlichen Wert neu begonnener Infrastrukturvorhaben, die sich in aller Regel über mehrere Jahre hinziehen. Dabei kamen sie für 2025 bei den Projektstarts auf eine wertmäßige Steigerung von fast 18 Prozent.
Kurswechsel in der Energiepolitik nur mit vorübergehenden Bremsspuren
Die Entwicklung in den verschiedenen Sparten des Tiefbaus verläuft unterschiedlich. Das hat vor allem etwas mit dem Amtswechsel im Weißen Haus Anfang 2025 zu tun. So gab es einen deutlichen Kurswechsel in Sachen Energiepolitik. Die Trump-Administration beendete die Steuervergünstigungen aus dem ebenfalls 2021 erlassenen Inflation Reduction Act (IRA) für erneuerbare Energien vorzeitig.
Darüber hinaus streicht das Energieministerium laut eigenen Angaben von Anfang 2026 Kredite für Projekte im Bereich der Erneuerbaren im Umfang von 30 Milliarden US$. Weitere Kredite und Kreditzusagen über 53 Milliarden US$ sollen weiterlaufen, aber "revidiert" werden. Was damit gemeint ist, bleibt unklar. Die der Behörde zur Verfügung stehenden restlichen Mittel im Umfang von knapp 290 Milliarden US$ sollen zur Förderung der Kernenergie und -fusion, aber auch der Geothermie eingesetzt werden.
Besonders unter Beschuss steht die Offshore-Windkraft: Die Bundesregierung hat die Verpachtung von Land und die Genehmigungsverfahren 2025 vorübergehend ausgesetzt. Zusätzlich verhängte sie für die vier Megaprojekte Revolution Wind, Vineyard, Empire Wind und Coastal Virginia Offshore Wind einen Baustopp. Diese Vorhaben waren fast komplett fertiggestellt, Richter hoben die Verfügungen jüngst jedoch auf. Das Vertrauen aber ist zerstört. Praktisch alle neuen Vorhaben liegen auf Eis.
Der Kurswechsel in Sachen Energiepolitik sorgte für eine – vorübergehende – Delle bei den Investitionen. Die entsprechenden Bauleistungen legten zwischen Januar und Oktober 2025 nur um nominal 0,8 Prozent zu, berichtet das nationale Statistikamt. Mittel- bis langfristig müssen die Stromerzeugungs- und -verteilungskapazitäten aber kräftig ausgebaut worden. Die US-Tech-Konzerne investieren in den kommenden Jahren jährlich 300 Milliarden US$ in künstliche Intelligenz und Rechenzentren, die sich als enorm energiehungrig erweisen. Sie bauen daher schon eigene Kraftwerke, um die Versorgung sicherzustellen.
Hochgeschwindigkeitsprojekte der Bahn in Kalifornien laufen weiter
Auch bei Schienenprojekten regiert der Rotstift: So zog das US-Verkehrsministerium Mitte 2025 Zuwendungen von 4 Milliarden US$ für das staatliche kalifornische Hochgeschwindigkeitsnetz zurück. Ebenso fror es Kredite im Umfang von 18 Milliarden US$ für das Hudson-River-Eisenbahntunnelvorhaben in New York City ein.
Doch im Gegensatz zum Bundesstaat New York kann Kalifornien, dessen Wirtschaftskraft ungefähr der von Japan entspricht, die Mittelkürzungen verkraften. Der Westküstenstaat hält an dem Projekt fest und will bis 2032 die erste Hochgeschwindigkeitsstrecke des Landes in Betrieb nehmen. Daneben treiben private Kapitalgeber ein weiteres Projekt voran: Die Strecke Brightline West, die Los Angeles mit Las Vegas (Nevada) verbindet.
Wassersektor mit Investitionsbedarf von über 1 Billion US$
Der Wasserbereich ist weniger politisch aufgeladen. Die Trump-Administration scheint hier keinen Kurswechsel vorzunehmen. Entsprechend ist er die einzige Sparte des Tiefbaus, die 2025 noch starke Zuwachsraten generierte. Laut dem US-Umweltministerium und der American Society of Civil Engineers (ASCE) besteht im Bereich Frischwasserversorgung, Abwasserbehandlung und Hochwasserschutz ein Investitionsbedarf von mehr als 1.000 Milliarden US$.
Protektionistische Schranken wirken nicht immer
Der Ausbau der amerikanischen Infrastruktur bietet auch für ausländische Unternehmen Geschäftschancen. Bei öffentlichen Infrastrukturprojekten gelten auf Bundesebene Mindestquoten für lokale Wertschöpfung ("domestic content"). Darüber hinaus können die einzelnen Bundesstaaten und die Kommunen zusätzlich Quoten einführen. Doch es gibt Ausnahmen, wenn nicht genügend einheimische Anbieter da sind. Das ist bei zahlreichen Kapitalgütern der Fall. Das "Made in America Office" (MIAO) erteilt bei Vorhaben auf Bundesebene die entsprechenden Ausnahmegenehmigungen.