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Israel investiert in seine Wasserwirtschaft

Israel baut seine Wasserversorgung durch Entsalzung und Abwasserbehandlung massiv aus. Ausländischen Firmen bieten sich über Ausschreibungen gute Geschäftschancen.

Von Wladimir Struminski | Jerusalem

Israels Wasserbedarf steigt schnell. Verantwortlich dafür sind das Bevölkerungswachstum und ein steigender Lebensstandard. Yehezkel Lifshitz, Generaldirektor der Wasserbehörde (Governmental Authority of Water and Sewerage), beziffert den jährlichen Gesamtwasserverbrauch Israels auf etwa 2,6 Milliarden Kubikmeter. Bis 2030 soll dieser auf etwa 3 Milliarden und bis 2040 auf bis zu 3,5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr steigen.

Der Klimawandel schmälert die Verfügbarkeit von Süßwasser aus natürlichen Quellen erheblich. Der Winter 2024/25 war mit lediglich 50 Prozent des üblichen Niederschlags der trockenste seit Beginn der Messungen. Die Neubildung von Grundwasser erreichte nur ein Fünftel des langjährigen Mittelwerts. Für die nächsten Jahre sagen Prognosen weitere Trockenperioden voraus.

Aus- und Neubau von Entsalzungsanlagen  

Die Wasserbehörde sieht sich dennoch gut gerüstet. Im Gespräch mit Germany Trade & Invest erklärte Lifshitz: "Bereits heute stammt weniger als die Hälfte des gesamten Wasserverbrauchs in Israel aus Niederschlägen. Der Rest wird durch Meerwasserentsalzung und die Nutzung behandelter Abwässer gedeckt. Künftig müssen wir natürliches Wasser noch stärker durch entsalztes Wasser ersetzen.“ Laut Regierungsbeschluss soll die Entsalzungskapazität für Meerwasser bis 2030 auf rund 1,1 Milliarden Kubikmeter pro Jahr steigen. Diesem Zweck dienen zwei zusätzliche Großentsalzungsanlagen: eine wurde kürzlich in Sorek in Betrieb genommen, eine weitere befindet sich in Westgaliläa im Bau.

Diese Anlagen ergänzen die fünf bisher schon bestehenden großen Entsalzungswerke mit einer Gesamtkapazität von etwa 600 Millionen Kubikmetern pro Jahr. Das Ziel für 2030 bedeutet nahezu eine Kapazitätsverdopplung. Neben den Neubauprojekten plant die Wasserbehörde auch die Erweiterung bestehender Anlagen. So wird das Werk in Ashkelon zur Modernisierung ausgeschrieben. Dabei ist nahezu eine Verdopplung seiner Leistungsfähigkeit vorgesehen. Die Wasserbehörde plant den Bau weiterer Entsalzungsanlagen aber auch bereits für die Zeit nach 2030.

Die bisherigen Entsalzungsanlagen wurden nach dem Betreibermodell (BOT; Build, Operate, Transfer) errichtet, das sich als großer Erfolg erwiesen habe.  Bei neuen Ausschreibungen seien die Wasserpreise gesunken. 

"Internationale Unternehmen dürfen sich uneingeschränkt an den Ausschreibungen in Israel beteiligen", so der Generaldirektor der Wasserbehörde. In der Praxis hätten sich ausländische Firmen meistens mit israelischen Partnern zu Bietergemeinschaften zusammengeschlossen. Es gebe aber auch Fälle einer eigenständigen Teilnahme ausländischer Bieter. Für die kommenden Ausschreibungen prüfe man die Durchführung sogenannter "Roadshows" in verschiedenen Ländern.

Aufwertung der Abwasserbehandlung

Neben der Meerwasserentsalzung stärkt Israel auch die Abwasserwirtschaft. In den kommenden Jahren sollen umgerechnet rund 1 bis 1,4 Milliarden US-Dollar (US$) in die Abwasseraufbereitung investiert werden. In Israel fließen jährlich etwa 600 Millionen Kubikmeter Abwasser ins Kanalisationssystem. Der überwiegende Teil wird in Klärwerken auf unterschiedlich hohe Reinigungsstufen aufbereitet. So gelingt es, etwa 85 Prozent des Rohabwassers aufbereitet in der Landwirtschaft zu nutzen. Die Wasserbehörde will diese Quote weiter steigern.

Steigerungspotenzial besteht auch bei der Qualität des aufbereiteten Wassers. Derzeit erreichen nur etwa die Hälfte der Kläranlagen die tertiäre Reinigungsstufe. Die übrigen liefern aufbereitetes Wasser geringerer Qualität. Bis 2030 soll der überwiegende Teil des behandelten Abwassers die tertiäre Qualitätsstufe erreichen.

Genehmigungsverfahren sollen vereinfacht werden

Mit dem Ausbau der Entsalzungs- und Aufbereitungskapazitäten steigt auch der Bedarf an entsprechenden Transportnetzwerken. Hierzu hat die die Wasserbehörde mehrere Initiativen gestartet. So soll ein nationaler Bebauungsplan für Abwasseranlagen und -leitungen die Planungs- und Genehmigungsverfahren für Projekte wie Pumpstationen, Leitungen und die Modernisierung von Kläranlagen vereinfachen. 

Die zweite Initiative zielt auf den Abwassertransport und sieht den Aufbau eines landesweiten Netzes vor, das gereinigtes Abwasser aus stark besiedelten Städten zu landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen, vor allem in Randgebieten, leitet. Dafür werden bestehende regionale Systeme miteinander verknüpft, Speicherkapazitäten erweitert und die Pump- sowie Leitungsinfrastruktur modernisiert. Ein weiterer Plan stellt die Weichen für die Weiterentwicklung des Abwassersektors bis 2050, analog zu den langfristigen Planungen für die Meerwasserentsalzung.

Breites internationales Engagement

Die internationale Zusammenarbeit beschränkt sich dabei nicht auf den Bau und Betrieb von Anlagen. Laut Lifshitz arbeitet Israel eng mit internationalen Partnern im Bereich Forschung und Entwicklung zusammen. "Die Wasserbehörde ist an internationalen Forschungs- und Entwicklungsprojekten beteiligt, unter anderem über Horizont Europa, sowie im Rahmen wissenschaftlicher Kooperation mit Ländern wie den USA, Deutschland, Australien und anderen." 

Deutsche Unternehmen könnten von Kooperationen mit israelischen Unternehmen auch auf Drittmärkten profitieren, betont Lifshitz. Israelische Wasserunternehmen setzten zahlreiche Projekte im Ausland um, etwa beim Aufbau von Wassersystemen und Entsalzungsanlagen. Auch die Abwasserbehandlung nach dem Bodenbeckenprinzip, die im israelischen Klärwerk Shafdan entwickelt worden sei, finde weltweit Anwendung.

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