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Israels Hightechbranche verlagert ihren Fokus auf Deeptech

Israels Hightechunternehmen spüren die Kriegsfolgen, befinden sich aber auch in einem technologischen Umbruch. Für deutsche Unternehmen können sich neue Geschäftschancen ergeben.

Von Wladimir Struminski | Israel

Der israelische Hightechsektor hat die kriegsbedingte Schwächephase überwunden und wächst wieder deutlich. Seine Wertschöpfung nahm laut israelischer Innovationsbehörde (Israel Innovation Authority) gegenüber dem Vorjahr real um 8,2 Prozent zu. Die Wachstumsrate war damit fast dreimal so hoch wie die des Bruttoninlandsprodukts. Gleichzeitig verändern künstliche Intelligenz und der Trend zu Deeptech die Struktur der Branche nachhaltig.

Für deutsche Unternehmen wird die Entwicklung vor allem deshalb interessant, weil Israels Innovationsstärke zunehmend mit industriellen Produktionskapazitäten im Ausland verknüpft werden muss.

Investitionen nehmen wieder zu

Die Kapitalaufnahme des Sektors stieg 2025 um 33,4 Prozent auf 14,6 Milliarden US$. Im ersten Halbjahr 2026 blieb der Kapitalzufluss mit 8,4 Milliarden US$ auf hohem Niveau.

Dabei handelt es sich um Investitionen israelischer Unternehmen. Fusionen und Übernahmen sind nicht einbezogen. Besonders eindrucksvolle entwickelten sich Megatransaktionen. Im ersten Halbjahr 2026 wurden die beiden größten Übernahmen der israelischen Hightechgeschichte vollzogen: die Übernahme von Wiz durch Google für 32 Milliarden US$ sowie von CyberArk durch Palo Alto Networks für 25 Milliarden US$.

Kapitalaufnahme israelischer Hightechunternehmen von 2020 bis 2026 (1. Halbjahr)In Milliarden US$
Jahr

Kapitalaufnahme

2022

18,4

2023

8,9

2024

11,1

2025

14,6

2026 (1. Halbjahr)

8,4*

* vorläufige AngabeQuelle: Israel Innovation Authority 2026; The State of High-Tech 2026

Mehr Start-ups verlagern Hauptsitz ins Ausland

Zugleich leiden Hightechunternehmen unter den Folgen der seit Oktober 2023 andauernden Kriege. Hinzu kommt die von der Regierung seit Anfang 2023 angestrebte Schwächung der Judikative. Dadurch steigt die Unsicherheit für Investoren. Viele Kapitalgeber agieren daher vorsichtiger.

Der Anteil der Hightechfirmen, die von Israelis mit dem Hauptgeschäftssitz im Ausland gegründet werden, ist gestiegen. Laut Branchenvereinigung Israel Advanced Technology Industries (IATI) erhöhte er sich von 20 Prozent im Vorkriegsjahr 2022 auf 45 Prozent im Jahr 2025. 

Zwar finden Forschung und Entwicklung (F&E) weiterhin überwiegend in Israel statt. Dennoch sinkt der Gesamtbeitrag solcher Firmen zur inländischen Wertschöpfung. Die Zahl der im Ausland Beschäftigten israelischer Hightechunternehmen stieg seit 2022 von 31 auf 38 Prozent. Damit droht langfristig ein Teil der Wertschöpfung und der steuerlichen Basis des Sektors aus Israel abzuwandern. 

Parallel zu diesen standortpolitischen Herausforderungen steht der Sektor vor einem zweiten tiefgreifenden Wandel: der Veränderung des Geschäftsmodells durch künstliche Intelligenz.

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KI verändert den Softwaremarkt

Die KI-Revolution schmälert die Nachfrage nach Software als Dienstleistung (Software as a Service, SaaS), etwa für Büroorganisation, Personalwesen oder Kundenverwaltung. Diese Sparte war lange eine Haupttriebfeder der israelischen Exporte von Hightechdienstleistungen. Die schwächere Nachfrage nach SaaS-Lösungen führt somit zu einer Stagnation bei den Arbeitsplätzen im israelischen Hightechsektor.

Das Finanzierungswachstum wird zunehmend von etablierten Unternehmen und großen Finanzierungsrunden getragen. Nach Angaben der Innovationsbehörde war dies nahezu der alleinige Grund für das Wachstum der Kapitalbeschaffung im Jahr 2025. Dagegen sei die Zahl der Finanzierungsrunden unter 10 Millionen US$ auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gesunken. Diese Entwicklung trübt die längerfristigen Perspektiven der israelischen Hochtechnologie. 

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Deeptech treibt den Strukturwandel

Gleichzeitig setzt sich der Trend zu Deeptech fort. Die israelische Innovationsbehörde zählt rund 1.400 VC-finanzierte Deeptech- und Life-Sciences-Start-ups. Seit 2019 flossen mehr als 28 Milliarden US$ in diese Bereiche.

Zu den Wachstumstreibern gehören Rechenzentren und KI-Infrastruktur, Halbleiter, Photonik und Quantentechnologie. Daneben arbeiten israelische Start-ups an Chipdesign, Sensorik und Kommunikationslösungen für die Halbleiterindustrie. In der Quantentechnologie entwickeln Unternehmen wie Quantum Machines oder Quantum Art Steuerungssysteme und Hardwareplattformen für Quantencomputer.

Gemeinsam ist diesen Bereichen ihr hoher Bedarf an Anlagen, Komponenten und technischer Infrastruktur. Entsprechend gewann Hardware bei den Hightechinvestitionen an Bedeutung und lieferte 2025 den größten Wachstumsbeitrag innerhalb des Sektors.

Neue Chancen für deutsche Technologiepartner

Der Wandel hin zu Deeptech eröffnet deutschen Unternehmen neue Kooperationsmöglichkeiten. Viele israelische Firmen verfügen über Stärken in Forschung, Entwicklung und Prototypenbau, benötigen für Industrialisierung und Serienfertigung jedoch internationale Partner. Davon können deutsche Anbieter von Produktionsanlagen, Komponenten und Fertigungsdienstleistungen profitieren.

Israel bleibt zudem eine wichtige Bezugsquelle für Software- und Technologielösungen. Dies gilt insbesondere für die Cybersicherheit, in der israelische Unternehmen weiterhin zu den weltweit führenden Anbietern zählen.

Defence Tech schafft neue Marktimpulse

Ein Teil des Deeptech-Wachstums entfällt auf Defence Tech. Unter Berufung auf das israelische Verteidigungsministerium berichtete das US-amerikanische Nachrichtenportal JNS, dass 2025 privatwirtschaftliche Investitionen in Höhe von rund 1 Milliarde US$ in wehrtechnische Unternehmen geflossen seien. Im ersten Halbjahr 2026 allein seien es bereits rund 3 Milliarden US$ gewesen. Die Zahl der wehrtechnischen Start-ups, mit denen das Ministerium kooperiere, habe sich gegenüber der Vorkriegszeit auf rund 300 mehr als verdoppelt.

Die kriegsbedingte Nachfrage beschleunigt die Entwicklung neuer Technologien für die Wehrindustrie und schafft zugleich zusätzliche Innovationsimpulse für zivile Anwendungen. Dadurch entstehen zusätzliche Produkte und Dienstleistungen mit internationalem Marktpotenzial.

Besonders dynamisch entwickeln sich Technologien für Drohnen, Sensorik, Robotik und künstliche Intelligenz. Viele dieser Lösungen sind als Dual-Use-Technologien auch für zivile Anwendungen geeignet, etwa in der Industrieautomation, beim Betrieb kritischer Infrastrukturen, in der Logistik oder im Gesundheitswesen.