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Israelische Photonikbranche bietet Geschäftschancen
Israel setzt auf Schlüsseltechnologien und exportiert viele Photonikprodukte. Zugleich ist der Importbedarf hoch – deutsche Anbieter punkten besonders mit Präzisionslösungen.
15.12.2025
Von Wladimir Struminski | Jerusalem
Israel hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen internationalen Standort für Photonik entwickelt. Laut Start-up Nation Central, einer gemeinnützigen israelischen Hightechorganisation, entwickeln rund 140 israelische Unternehmen photonische Technologien oder stellen photonische Instrumente und Geräte her. Hinzu kommen etwa 100 Firmen, die als Systemintegratoren oder industrielle Anwender Photoniksysteme in ihre Endprodukte integrieren. Zum Vergleich: Der deutsche Fachverband Photonik, eingebettet in den Industrieverband SPECTARIS, repräsentiert nach eigenen Angaben rund 100 Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum.
Darüber hinaus sind öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser, Hochschulen, staatliche Forschungseinrichtungen sowie Behörden in den Bereichen Umwelt, Wasserwirtschaft und Verkehr wichtige israelische Nachfrager. Sie arbeiten eng mit Entwicklern und Herstellern zusammen und tragen so zur Erprobung neuer Technologien bei.
Hightech und Wehrtechnik sind Wachstumstreiber
Die Nachfrage nach Photonikprodukten dürfte in den kommenden Jahren weiter steigen. Dies wird auch die Einfuhr beleben und deutschen Anbietern zusätzliche Geschäftschancen eröffnen. Deutsche Hersteller sind vor allem bei hochpräzisen Anwendungen stark positioniert, bei technisch weniger komplexen Produkten dagegen schwächer vertreten. Ein erheblicher Teil der deutschen Photoniklieferungen wird in zusammengesetzte Systeme integriert und erscheint daher nicht direkt in der Handelsstatistik.
Israels Industrie richtet ihren Fokus auf hochspezialisierte Produkte für den globalen Markt. Die Folge: Die Inlandsnachfrage bleibt nur teilweise gedeckt, sodass sowohl einfache, preisgünstige Erzeugnisse als auch komplexe Spezialprodukte importiert werden müssen. Besonders dynamisch entwickelt sich die Nachfrage in Hightechbranchen wie Halbleiter, Quantentechnik, Robotik, Medizintechnik sowie autonomes Fahren. Hier ist Photonik eine zentrale Querschnittstechnologie.
Ein bedeutender Nachfrager ist zudem die Rüstungsindustrie. Allein 2024 unterzeichneten israelische Unternehmen Exportverträge im Wert von 14,9 Milliarden US-Dollar (US$), fast die Hälfte davon entfiel auf photonikintensive Luftabwehr- und Raketensysteme. Auch die Versorgung der Armee mit photonischen Komponenten wie Beobachtungssystemen oder unbemannten Flugkörpern wird ausgebaut.
| Unternehmen | Branche | Tätigkeitsbereich |
|---|---|---|
| Nova Measuring Instruments | Halbleiter-Metrologie | Hersteller |
| Orbotech/KLA Israel | Optische Inspektion | Hersteller |
| Ophir Optronics Solutions | Lasermessgeräte | Hersteller |
| Applied Materials Israel | Halbleiter-Prozessanlagen | Zukauf von Photonik |
| Elbit Systems | Wehrtechnik | Eigenherstellung und Zukauf |
| Israel Aerospace Industries | Luft- und Raumfahrt | Eigenherstellung und Zukauf |
| Rafael | Wehrtechnik | Eigenherstellung und Zukauf |
| Mazor Robotics | Medizintechnik | Eigenherstellung und Zukauf |
| Intel Israel | Halbleiterfertigung | Anwender von Photonik |
| Tower Semiconductor | Halbleiterfertigung | Anwender von Photonik |
| Israel Electric Corporation | Stromversorger und Netzbetreiber | Anwender von Photonik |
Chancen im Gesundheitswesen und in der Raumfahrt
Ein weiteres Wachstumsfeld ist die Medizintechnik. Das israelische Gesundheitswesen gilt als technologisch hoch entwickelt und benötigt modernste Ausrüstungen. Besonders gefragt sind bildgebende Diagnostik, medizinische Laser und Forschungsausrüstung. Bis 2050 sind der Bau von acht Universalkrankenhäusern sowie die Erweiterung bestehender Kliniken vorgesehen. Zudem sollen neue Zentren für Notfallmedizin entstehen. Auch im produzierenden Gewerbe besteht hoher Bedarf an optischen Inspektionssystemen.
Hinzu kommt das Raumfahrtprogramm, das den Bau von bis zu zehn Telekommunikationssatelliten vorsieht und zusätzliche Nachfrage nach photonischen Technologien schafft.
Ein besonderes Marktsegment bilden die rund 400 Forschungs- und Entwicklungszentren internationaler Unternehmen in Israel. Sie fungieren als technologische Werkbank und greifen auf israelisches Know-how zurück, benötigen aber auch spezialisierte Produkte aus dem Ausland. Zwar ist das Importvolumen hier eher gering, doch schaffen solche Lieferungen wertvolle Anknüpfungspunkte zu großen internationalen Konzernen.
Deutsche Kompetenz in Präzisionslösungen gezielt einsetzen
Deutsche Photonikhersteller genießen in Israel einen guten Ruf und sollten ihre Stärken in hochpräzisen Anwendungen gezielt ausspielen. Für sie bietet es sich an, Nischen wie optische Inspektionssysteme, medizinische Laser oder Komponenten für Satelliten zu adressieren. Zudem empfiehlt sich der Aufbau von Kooperationen mit israelischen Systemintegratoren, Forschungseinrichtungen und F&E-Zentren, um Zugang zu Projekten und Netzwerken zu erhalten. Auch bietet die Wehrtechnik Chancen, sofern regulatorische Vorgaben beachtet werden. Im Gesundheitssektor sind direkte Kontakte zu Krankenhäusern und Medizintechnikherstellern erfolgversprechend.
Die Zusammenarbeit mit lokalen Distributoren oder Joint Ventures erleichtert den Markteintritt und stärkt das Vertrauen israelischer Kunden. Ergänzend kann der Erwerb israelischer Technologien sinnvoll sein. Als Lieferanten kommen sowohl Unternehmen als auch akademische Einrichtungen infrage, die praxisnah forschen und ihr geistiges Eigentum kontinuierlich vermarkten. Deutsche Anbieter sollten zudem die Förderprogramme der Israel Innovation Authority berücksichtigen, da sie Kooperationsprojekte unterstützen und den Zugang zum Markt erleichtern.