Die Lebensmittelindustrie erzielte 2025 einen Umsatz von 204 Milliarden Euro. Neue Handelsabkommen wecken Hoffnungen. Bei einem längeren Nahostkonflikt drohen Inflationsrisiken.
Der Fachverband Federalimentare erwartet neue Dynamik aufgrund der EU-Handelsabkommen mit Indien und dem südamerikanischen Wirtschaftsraum Mercosur. Letzterer ist aus italienischer Perspektive besonders interessant, da dort viele Menschen mit italienischen Wurzeln leben.
Das größte Volumen repräsentieren mit einem Anteil von 60 Prozent die Lebensmittelexporte in die EU. Federalimentare sieht in den EU-Staaten bedeutende Entwicklungsmöglichkeiten für das Exportgeschäft.
Den Chancen stehen jedoch auch einige Risiken gegenüber. So dämpfen US-Einfuhrzölle bereits die Nachfrage nach italienischen Lebensmitteln in den Vereinigten Staaten.
Kostenanstieg belastet die Branche
Für Unsicherheiten sorgen auch die Spannungen im Nahen Osten. Bei einem anhaltenden Konflikt müssen sich sowohl die Lebensmittelindustrie als auch die vorgelagerte Landwirtschaft auf höhere Rohstoff-, Energie- und Düngemittelpreise einstellen. Im europäischen Vergleich ist Energie in Italien bereits teuer. Umso stärker wirkt sich ein Inflationsrisiko etwa bei Diesel und Düngemitteln aus, das entlang der Lieferketten weitergegeben werden könnte.
Auf der Nachfrageseite droht eine Konjunkturabschwächung, die auch die Absatzchancen für Nahrungsmittel im Inland beeinträchtigen kann. Eine Umfrage im Auftrag der Zeitung Il Sole 24 Ore konkretisiert die Ausgabenbereiche mit wachsender Kaufzurückhaltung. So wollen 30 Prozent der Befragten bei ihren Freizeitausgaben sparen und 20 Prozent bei Restaurantbesuchen. Zwei Drittel der Interviewten kaufen günstigere Produkte oder wechseln zu billigeren Alternativen. Zudem nutzen sie verstärkt Sonderangebote.
Nahrungsmittelhersteller in Italien sind geübt darin, in unterschiedlichen Konjunkturphasen Preise anzupassen oder zwischenzeitlich geringere Margen in Kauf zu nehmen. Die Resilienz und Reaktionsfähigkeit der Branchenunternehmen sorgt für eine optimistische Grundstimmung.
Die Zahlen von 2025 nähren diese Zuversicht: Der Umsatz stieg um 3,6 Prozent auf 204 Milliarden Euro. Dazu trug vor allem der Export mit einem Zuwachs von 4,2 Prozent bei.
62,5
Mrd. Euro
erreichten die Exporte von Lebensmitteln, Getränken und Tabak 2025.
Die Ergebnisse in einzelnen Sparten fielen dabei sehr unterschiedlich aus. Wachstumsträger waren 2025 insbesondere die Ausfuhren von Käse und Milchprodukten mit plus 14 Prozent sowie von Fleisch mit plus 10 Prozent.
Rückgänge verbuchten italienische Exporteure bei Ölen und Fetten (insbesondere Olivenöl) mit minus 9 Prozent sowie bei Wein mit minus 4 Prozent.
Neue Konsumtrends treiben Innovationen
Aktuelle Branchentrends betreffen mit der Landwirtschaft 4.0 auch vorgelagerte Bereiche in den Lieferketten. Für Nahrungsmittelhersteller gewinnen funktionale Lebensmittel, die Entwicklung neuer Zutaten sowie die Digitalisierung zunehmend an Bedeutung. Allein der inländische Markt für funktionelle Nahrungsmittel hat einen Wert von 4,5 Milliarden Euro.
Auch bei pflanzenbasierten Produkten und veganen Proteinquellen kommt Bewegung in den Markt. In diesen Segmenten sind zunehmend auch Start-ups aktiv.
Im wichtigen Pastasegment steigt die Nachfrage nach Bio- und Vollkornnudeln. Zudem wächst der Markt für glutenfreie Lebensmittel in Italien.
Bei Süßwaren nimmt die Nachfrage nach Premiumprodukten zu. Wichtige Innovationsimpulse gehen insbesondere von zuckerreduzierten und nachhaltig produzierten Erzeugnissen aus.
In Italien fördern die Urbanisierung und veränderte Lebensstile die Nachfrage nach Convenienceprodukten. Gleichzeitig nimmt das Bewusstsein für gesunde Ernährung zu. Hochwertige Fertiggerichte können beide Trends miteinander verbinden.
Italienische Nahrungsmittelhersteller setzen im Auslandsgeschäft verstärkt auf geografisch geschützte Angaben und geschützte Ursprungsbezeichnungen als Qualitätskriterium und Vermarktungsinstrument. Eng damit verknüpft ist die zunehmende Bedeutung der Rückverfolgbarkeit von Qualitätsprodukten.
Nationale und europäische Förderprogramme ergänzen sich
Der Agrar- und Ernährungssektor in Italien profitiert von 2021 bis 2027 von 3,7 Milliarden Euro aus dem Aufbau- und Resilienzplan des Landes. Dieses Geld wird durch 4,9 Milliarden Euro aus nationalen Haushaltsmitteln aufgestockt. Zielbereiche der Förderung sind Solaranlagen in der Landwirtschaft, Lieferkettenverträge im Agrar- und Ernährungssektor, Bewässerungssysteme und die Mechanisierung.
Darüber hinaus existiert ein nationales Förderprogramm ColtivaItalia, das mit rund einer Milliarde Euro den Anbau strategisch wichtiger Kulturen und den landwirtschaftlichen Generationswechsel fördert.
Eine Förderung der Europäischen Investitionsbank (EIB) von 100 Millionen Euro dient der Stärkung der nachhaltigen Landwirtschaft und Infrastruktur in Kalabrien.
Deutsche Produkte treffen auf intensive Konkurrenz
Laut dem Statistischen Bundesamt wurden aus Deutschland 2025 vor allem Fleisch und Fleischwaren, Käse und Kakao nach Italien geliefert. Insgesamt erreichten diese land- und ernährungswirtschaftlichen Lieferungen 7,7 Milliarden Euro.
Der Wettbewerb ist intensiv: Lokale italienische Produzenten dominieren mit starker Markenloyalität, geschützten Ursprungsbezeichnungen (DOP/IGP) und dem "Made in Italy"-Image. Italienische Verbraucher bevorzugen oft heimische Produkte bei Klassikern wie Pasta, Olivenöl, Käse oder Wurst.
Hinzu kommen Wettbewerber aus anderen EU-Ländern wie den Niederlanden, Spanien und Frankreich. Deutsche Produkte punkten bei Effizienz, Nachhaltigkeit und moderner Verarbeitung. Preisvorteile durch höhere Produktionseffizienz in Deutschland verschaffen deutschen Anbietern teilweise Wettbewerbsvorteile auf dem italienischen Markt.
Die Trends Bio, funktionelle Lebensmittel, Tiefkühlprodukte und Convenience bieten auch Chancen für deutsche Anbieter. Zudem sind deutsche Klassiker wie Bier, Wurst, Sauerkraut und Käse gefragt.
Discounter wie Lidl, Aldi und vor allem der italienische Anbieter Eurospin drücken Preise und haben den Markt fragmentiert. Aldi ist in Italien noch relativ klein, wächst aber.
Anknüpfungspunkte für Kooperationen mit italienischen Lebensmittelherstellern sind Joint Ventures, Zulieferungspartnerschaften oder die gemeinsame Entwicklung von Innovationen.
Ausgewählte Investitionsprojekte der Ernährungswirtschaft in Italienin Millionen Euro| Akteur/Projekt | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkungen |
|---|
| Intesa San Paolo zur Stärkung der Milchwirtschaft | 1.500 | 2025-2030 | Kreditprogramm zur Finanzierung von Investitionen entlang der gesamten Dairy-Food-Kette; verbunden mit PNRR-Initiativen (z.B. neue Anlagen, Digitalisierung, Energieeffizienz) |
| Nestlé, neue Tierfutter-Fabrik in Mantua | 472 | Fertigstellung 2027 | Neuer Produktionsstandort mit Logistikhub |
| Lactalis Italia, Investitionsplan 2026–2030 | 400 | Angekündigter Mehrjahresplan | Entwicklung industrieller und logistischer Aktivitäten sowie die Stärkung von Produktionsanlagen |
| Produktionsausweitung von Milchprodukten (Gruppo Granarolo) | 300 | Planung, teils im Bau | Realisierung bis 2027; auch Anwendung von Landwirtschaft 4.0 und Industrie 4.0 |
| Projekt AgrifoodTEF in Trient (Fondazione Bruno Kessler) | 60 | 2022 -2027 | Entwicklung neuer Smart-Farming-Produkte und Dienstleistungen auf Grundlage von KI und Robotik |
| Pastahersteller Rummo, Ausbau des Werks in Benevento (Kampanien) | 52 | 2023 genehmigt / in Umsetzung | Neue Halle, zwei neue Produktionslinien, mehr Lagerfläche und Logistik |
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Von Oliver Idem
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Bonn