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Intensiver Wettbewerb auf dem italienischen Lebensmittelmarkt

Der Umsatz mit Nahrungsmitteln in Italien steigt seit vier Jahren durchgängig an. Ein Dämpfer droht jedoch durch erwartete Preissteigerungen für Diesel und Düngemittel. 

Von Oliver Idem | Bonn

 

Ausblick der Nahrungsmittelindustrie in Italien

Bewertung:

  • Entwicklungspotenzial für die Auslandsnachfrage sowohl in der EU als auch durch neue Handelsabkommen.
  • US-Einfuhrzölle dämpfen aber bereits die dortigen Verkäufe italienischer Nahrungsmittel.
  • Anhaltende Spannungen im Nahen Osten können durch steigende Energie- und Düngemittelpreise hohen Kostendruck auf italienische Lebensmittelhersteller aufbauen.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Mai 2026

  • Die Lebensmittelindustrie erzielte 2025 einen Umsatz von 204 Milliarden Euro. Neue Handelsabkommen wecken Hoffnungen. Bei einem längeren Nahostkonflikt drohen Inflationsrisiken.

    Der Fachverband Federalimentare erwartet neue Dynamik aufgrund der EU-Handelsabkommen mit Indien und dem südamerikanischen Wirtschaftsraum Mercosur. Letzterer ist aus italienischer Perspektive besonders interessant, da dort viele Menschen mit italienischen Wurzeln leben.

    Das größte Volumen repräsentieren mit einem Anteil von 60 Prozent die Lebensmittelexporte in die EU. Federalimentare sieht in den EU-Staaten bedeutende Entwicklungsmöglichkeiten für das Exportgeschäft.

    Den Chancen stehen jedoch auch einige Risiken gegenüber. So dämpfen US-Einfuhrzölle bereits die Nachfrage nach italienischen Lebensmitteln in den Vereinigten Staaten.

    Kostenanstieg belastet die Branche

    Für Unsicherheiten sorgen auch die Spannungen im Nahen Osten. Bei einem anhaltenden Konflikt müssen sich sowohl die Lebensmittelindustrie als auch die vorgelagerte Landwirtschaft auf höhere Rohstoff-, Energie- und Düngemittelpreise einstellen. Im europäischen Vergleich ist Energie in Italien bereits teuer. Umso stärker wirkt sich ein Inflationsrisiko etwa bei Diesel und Düngemitteln aus, das entlang der Lieferketten weitergegeben werden könnte.

    Auf der Nachfrageseite droht eine Konjunkturabschwächung, die auch die Absatzchancen für Nahrungsmittel im Inland beeinträchtigen kann. Eine Umfrage im Auftrag der Zeitung Il Sole 24 Ore konkretisiert die Ausgabenbereiche mit wachsender Kaufzurückhaltung. So wollen 30 Prozent der Befragten bei ihren Freizeitausgaben sparen und 20 Prozent bei Restaurantbesuchen. Zwei Drittel der Interviewten kaufen günstigere Produkte oder wechseln zu billigeren Alternativen. Zudem nutzen sie verstärkt Sonderangebote.

    Nahrungsmittelhersteller in Italien sind geübt darin, in unterschiedlichen Konjunkturphasen Preise anzupassen oder zwischenzeitlich geringere Margen in Kauf zu nehmen. Die Resilienz und Reaktionsfähigkeit der Branchenunternehmen sorgt für eine optimistische Grundstimmung.

    Die Zahlen von 2025 nähren diese Zuversicht: Der Umsatz stieg um 3,6 Prozent auf 204 Milliarden Euro. Dazu trug vor allem der Export mit einem Zuwachs von 4,2 Prozent bei.

    62,5 Mrd. Euro

    erreichten die Exporte von Lebensmitteln, Getränken und Tabak 2025.

    Die Ergebnisse in einzelnen Sparten fielen dabei sehr unterschiedlich aus. Wachstumsträger waren 2025 insbesondere die Ausfuhren von Käse und Milchprodukten mit plus 14 Prozent sowie von Fleisch mit plus 10 Prozent. 

    Rückgänge verbuchten italienische Exporteure bei Ölen und Fetten (insbesondere Olivenöl) mit minus 9 Prozent sowie bei Wein mit minus 4 Prozent.

    Neue Konsumtrends treiben Innovationen

    Aktuelle Branchentrends betreffen mit der Landwirtschaft 4.0 auch vorgelagerte Bereiche in den Lieferketten. Für Nahrungsmittelhersteller gewinnen funktionale Lebensmittel, die Entwicklung neuer Zutaten sowie die Digitalisierung zunehmend an Bedeutung. Allein der inländische Markt für funktionelle Nahrungsmittel hat einen Wert von 4,5 Milliarden Euro.

    Auch bei pflanzenbasierten Produkten und veganen Proteinquellen kommt Bewegung in den Markt. In diesen Segmenten sind zunehmend auch Start-ups aktiv.

    Im wichtigen Pastasegment steigt die Nachfrage nach Bio- und Vollkornnudeln. Zudem wächst der Markt für glutenfreie Lebensmittel in Italien.

    Bei Süßwaren nimmt die Nachfrage nach Premiumprodukten zu. Wichtige Innovationsimpulse gehen insbesondere von zuckerreduzierten und nachhaltig produzierten Erzeugnissen aus.

    In Italien fördern die Urbanisierung und veränderte Lebensstile die Nachfrage nach Convenienceprodukten. Gleichzeitig nimmt das Bewusstsein für gesunde Ernährung zu. Hochwertige Fertiggerichte können beide Trends miteinander verbinden.

    Italienische Nahrungsmittelhersteller setzen im Auslandsgeschäft verstärkt auf geografisch geschützte Angaben und geschützte Ursprungsbezeichnungen als Qualitätskriterium und Vermarktungsinstrument. Eng damit verknüpft ist die zunehmende Bedeutung der Rückverfolgbarkeit von Qualitätsprodukten.

    Nationale und europäische Förderprogramme ergänzen sich

    Der Agrar- und Ernährungssektor in Italien profitiert von 2021 bis 2027 von 3,7 Milliarden Euro aus dem Aufbau- und Resilienzplan des Landes. Dieses Geld wird durch 4,9 Milliarden Euro aus nationalen Haushaltsmitteln aufgestockt. Zielbereiche der Förderung sind Solaranlagen in der Landwirtschaft, Lieferkettenverträge im Agrar- und Ernährungssektor, Bewässerungssysteme und die Mechanisierung.

    Darüber hinaus existiert ein nationales Förderprogramm ColtivaItalia, das mit rund einer Milliarde Euro den Anbau strategisch wichtiger Kulturen und den landwirtschaftlichen Generationswechsel fördert. 

    Eine Förderung der Europäischen Investitionsbank (EIB) von 100 Millionen Euro dient der Stärkung der nachhaltigen Landwirtschaft und Infrastruktur in Kalabrien.

    Deutsche Produkte treffen auf intensive Konkurrenz

    Laut dem Statistischen Bundesamt wurden aus Deutschland 2025 vor allem Fleisch und Fleischwaren, Käse und Kakao nach Italien geliefert. Insgesamt erreichten diese land- und ernährungswirtschaftlichen Lieferungen 7,7 Milliarden Euro.

    Der Wettbewerb ist intensiv: Lokale italienische Produzenten dominieren mit starker Markenloyalität, geschützten Ursprungsbezeichnungen (DOP/IGP) und dem "Made in Italy"-Image. Italienische Verbraucher bevorzugen oft heimische Produkte bei Klassikern wie Pasta, Olivenöl, Käse oder Wurst.

    Hinzu kommen Wettbewerber aus anderen EU-Ländern wie den Niederlanden, Spanien und Frankreich. Deutsche Produkte punkten bei Effizienz, Nachhaltigkeit und moderner Verarbeitung. Preisvorteile durch höhere Produktionseffizienz in Deutschland verschaffen deutschen Anbietern teilweise Wettbewerbsvorteile auf dem italienischen Markt.

    Die Trends Bio, funktionelle Lebensmittel, Tiefkühlprodukte und Convenience bieten auch Chancen für deutsche Anbieter. Zudem sind deutsche Klassiker wie Bier, Wurst, Sauerkraut und Käse gefragt.

    Discounter wie Lidl, Aldi und vor allem der italienische Anbieter Eurospin drücken Preise und haben den Markt fragmentiert. Aldi ist in Italien noch relativ klein, wächst aber.

    Anknüpfungspunkte für Kooperationen mit italienischen Lebensmittelherstellern sind Joint Ventures, Zulieferungspartnerschaften oder die gemeinsame Entwicklung von Innovationen.

    Ausgewählte Investitionsprojekte der Ernährungswirtschaft in Italienin Millionen Euro
    Akteur/Projekt

    Investitionssumme 

    ProjektstandAnmerkungen
    Intesa San Paolo zur Stärkung der Milchwirtschaft 

    1.500 

    2025-2030 Kreditprogramm zur Finanzierung von Investitionen entlang der gesamten Dairy-Food-Kette; verbunden mit PNRR-Initiativen (z.B. neue Anlagen, Digitalisierung, Energieeffizienz) 
    Nestlé, neue Tierfutter-Fabrik in Mantua 

    472  

    Fertigstellung 2027Neuer Produktionsstandort mit Logistikhub
    Lactalis Italia, Investitionsplan 2026–2030

    400 

    Angekündigter Mehrjahresplan Entwicklung industrieller und logistischer Aktivitäten sowie die Stärkung von Produktionsanlagen 
    Produktionsausweitung von Milchprodukten (Gruppo Granarolo)

    300 

    Planung, teils im Bau Realisierung bis 2027; auch Anwendung von Landwirtschaft 4.0 und Industrie 4.0 
    Projekt AgrifoodTEF in Trient (Fondazione Bruno Kessler)

    60

    2022 -2027 Entwicklung neuer Smart-Farming-Produkte und Dienstleistungen auf Grundlage von KI und Robotik 
    Pastahersteller Rummo, Ausbau des Werks in Benevento (Kampanien) 

    52

    2023 genehmigt / in Umsetzung Neue Halle, zwei neue Produktionslinien, mehr Lagerfläche und Logistik
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Von Oliver Idem | Bonn

  • Die Nahrungsmittelindustrie in Italien besteht vor allem aus Familienunternehmen. Derzeit werden unter anderem drei große milchwirtschaftliche Investitionsprojekte umgesetzt.

    Die Lebensmittelindustrie ist eine tragende Säule der italienischen Volkswirtschaft. Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie stehen gemeinsam für einen Produktionswert von rund 82 Milliarden Euro. Molkereiprodukte, Fleisch und Wein sind die größten einzelnen Segmente im Land.

    Die Nahrungsmittelbranche ist eng mit der landwirtschaftlichen Produktion, dem Handel und der Gastronomie verzahnt. Dank unterschiedlicher Klimazonen wachsen in Italien viele Ausgangsstoffe für die Nahrungsmittelherstellung. Anbau und Verarbeitung spielen daher eine wesentliche Rolle für die Wertschöpfung sowie die lokale Beschäftigung.

    Prognostiziertes Umsatzplus von 4,6 Prozent für 2026 dürfte unterschritten werden

    Die Fachpublikation Food Industry Monitor 2025 der gastronomiewissenschaftlichen Universität in Pollenzo ging für 2026 von 4,4 Prozent Umsatzwachstum aus. Das hätte nach 4,6 Prozent im Vorjahr eine leicht geringere Zunahme bedeutet. Diese Prognose wurde allerdings vor Beginn der Spannungen in der Golfregion veröffentlicht. Deshalb ist davon auszugehen, dass die erwartete Wachstumsrate eher unterschritten wird. Die Analyse Food Industry Monitor wird auf Grundlage von 860 Branchenunternehmen erstellt, die zusammen 87 Milliarden Euro Umsatz repräsentieren. 

    Zwei Drittel der Unternehmen in der Nahrungsmittelbranche sind familiengeführt und beim Umsatz überdurchschnittlich erfolgreich. Der Anteil der Familienunternehmen liegt bei den Herstellern von Mehl, Spirituosen, Speiseölen und Kaffee in Italien bei mehr als 80 Prozent.

    In- und ausländisches Kapital fließt in italienische Branchenunternehmen

    Europäische Private-Equity-Fonds und italienische Fonds investieren vermehrt in mittelständische Agrar- und Nahrungsmittelunternehmen.

    Außerdem stellen Banken wie Intesa Sanpaolo Milliardenfinanzierungen für Fusionen und Übernahmen, Digitalisierung und die Internationalisierung von Lieferketten bereit. Das fördert Wachstum, führt jedoch auch zu stärkeren Konzentrationsprozessen in der Lebensmittelbranche.

    Ein weiterer wichtiger Trend sind Beteiligungen und Partnerschaften. Große Nahrungsmittelhersteller wie Ferrero, Barilla, Lactalis und Mutti binden auf diese Weise andere Unternehmen ein und stärken so ihre Lieferketten und Marktpositionen.

    Italien ist ein wichtiger europäischer Knotenpunkt im Lebensmittelhandel. Sowohl die Einfuhren als auch die Ausfuhren erreichen ein sehr hohes Niveau. Für 2025 bezifferte das italienische Statistikamt Istat die Importe von Nahrungsmitteln, lebenden Tieren, Getränken und Tabak auf 61,5 Milliarden Euro. Die Exporte in diesen Warengruppen beliefen sich im selben Zeitraum auf 66 Milliarden Euro.

     

    Wichtige Branchenunternehmen in ItalienUmsatz in Milliarden Euro

    Unternehmen

    Sparte

    Umsatz 2024

    Gruppo Ferrero Süßwaren

    18,4

    Gruppo Cremonini Fleisch 

    5,9

    Gruppo Barilla Pasta, Backwaren etc.

    4,9

    Gruppo Veronesi (AIA/Negroni) Geflügel, Fleisch, Wurstwaren, Futtermittel 

    3,5

    Lavazza Kaffee   

    3,4

    Il Gruppo NewPrinces (ex Newlat Food) Lebensmittel, Pasta, Milchprodukte usw. 

    2,8

    Gruppo Granarolo Milchprodukte 

    1,7

    Amadori Geflügel, Fleischwaren 

    1,7

    Pastificio Rana Frische Pasta, Fertiggerichte 

    1,4

    Gruppo Mutti Tomatenprodukte  

    0,7

    Quelle: Unternehmensangaben 2026

    Die Kapazitätsauslastung der Nahrungsmittelhersteller in Italien liegt laut dem Statistikamt Istat üblicherweise zwischen 70 und 78 Prozent. Wegen der relativ konstanten Nachfrage nach Lebensmitteln schwanken die Zahlen weniger stark als in anderen Zweigen des verarbeitenden Gewerbes. In den Jahren 2024 und 2025 lag die Auslastung in den meisten Quartalen bei circa 75 Prozent.

    Von Oliver Idem | Bonn

  • Die Regelungen für den Export von deutschen Nahrungsmitteln nach Italien basieren auf gemeinsamen EU-Regeln. Es müssen jedoch auch nationale Vorschriften eingehalten werden.

    Deutschland und Italien gehören dem EU-Binnenmarkt an. Somit gelten zum einen die allgemeinen unionsrechtlichen Vorschriften zur Lebensmittelsicherheit, Hygiene, Kennzeichnung und Zertifizierung.

    Darüber hinaus ist es wichtig, die Anforderungen der italienischen Behörden zu beachten. Dies gilt zum Beispiel für die Kennzeichnung verarbeiteter Produkte auf Italienisch. Für manche Warengruppen wie Nahrungsergänzungsmittel und Babynahrung gelten besondere Regelungen.

    Allgemein sind die Regulierungsdichte und die Anzahl der beteiligten Behörden im Lebensmittelbereich in Italien eher hoch. Entsprechend liegt hier eine mögliche Fehlerquelle für ausländische Lieferanten.

    Das italienische Gesundheitsministerium ist unter anderem für eine Reihe von Aspekten der Lebensmittelsicherheit zuständig. Dazu zählen Nahrungsmittelkontrollen, Hygiene und Mikrobiologie, Zusatzstoffe und gentechnisch veränderte Organismen.

    Für konkrete Kontrollen vor Ort in Betrieben und Restaurants oder auf Märkten sind vor allem die lokalen Gesundheitsbehörden (ASL - Azienda Sanitaria Locale) zuständig.

    Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der Europäischen Union (EU) sind die Regelungen des Umsatzsteuerkontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern. Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa die Website des Deutschen Instituts für Normung e.V.).

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Oliver Idem | Bonn

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK Italien

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministero della Salute

    Nationales Gesundheitsministerium, auch zuständig für Lebensmittelsicherheit

    Federalimentare

    Dachverband der Nahrungsmittelindustrie

    Federvini

    Verband der Hersteller, Importeure und Exporteure von Wein und verwandten Produkten

    Foodweb

    Branchenportal für Nahrungsmittelindustrie, -handel und Verbraucher

    Unione Italiana Food

    Marketing- und exportorientierte Vereinigung von Nahrungsmittelanbietern