Interview | Spanien | Ernährungswirtschaft

"Der spanische Süßwarenmarkt bleibt vergleichsweise traditionell"

Der deutsche Süßwarenhersteller Trolli produziert in Valencia Fruchtgummis für die ganze Welt. Wie Trolli mit den Besonderheiten des spanischen Marktes umgeht, erklärt Carlos Bermudez. 

Friedrich Henle

Von Friedrich Henle | Madrid

Carlos Bermudez, CEO, Trolli Ibérica, S.A., Süßwaren Carlos Bermudez, CEO, Trolli Ibérica, S.A., Süßwaren | © DULCES NOTICIAS. .. YALGO MAS, SWEET PRESS, S.L. / Carlos Bermudez / Trolli Ibérica 2026

Carlos Bermudez leitet seit sechs Jahren die spanische Niederlassung des deutschen Süßwarenherstellers Trolli und verantwortet die Vertriebsregionen Iberia und Lateinamerika. Am Standort Valencia produziert das Unternehmen mit rund 500 Beschäftigen verschiedene Sorten an Fruchtgummis. Mit Germany Trade & Invest spricht der Geschäftsführer über Lieferkettenprobleme und höhere Rohstoffpreise, aber auch darüber, dass in Spanien chinesische Süßwarenhersteller ernstzunehmende Konkurrenten sind. 

 

Herr Bermudez, welches Trolli-Produkt kommt in Spanien besonders gut an?

Ein Klassiker sind hier die Fruchtgummis "Oktopus", die wir seit Kurzem auch in einer scharfen Variante anbieten. Witzigerweise entstand die Idee dafür während der Fußball-Weltmeisterschaft 2010, als die Krake "Paul" im Sea Life Centre in Oberhausen als Orakel für richtige Ergebnistipps der Länderspiele eingesetzt wurde.

Welche Unterschiede gibt es zu anderen Märkten?

Die Vorlieben unterscheiden sich je nach Land deutlich. Rezepturen, Formen und Geschmacksrichtungen müssen daher auf den jeweiligen Markt angepasst werden. Auch Ernährungstrends verlaufen unterschiedlich. In Spanien ist das Bewusstsein für Ernährung zwar ebenfalls gestiegen, der Markt bleibt aber traditioneller. Während zum Beispiel vegane Fruchtgummis in Deutschland eine immer wichtigere Rolle spielen, ist das hier in Spanien noch kein großes Thema. In Deutschland sind etwa 10 Prozent der Bevölkerung Vegetarier, in Spanien nur 1 Prozent. Internationale Trends wie natürliche Farbstoffe und Halal-Produkte gewinnen dagegen in mehreren Märkten an Bedeutung.

Wo kann ich die Trolli-Produkte in Spanien kaufen?

Wir sind hier zum Beispiel in den Supermärkten von Carrefour, Día, AhorraMás, El Corte Inglés, Eroski und teilweise auch in regionalen Ketten vertreten. Im Unterschied zu Deutschland bleibt in Spanien aber der kleine Einzelhandel wichtig, also Kioske, unabhängige Einzelgeschäfte oder Pick-and-Mix-Läden, die unsere Produkte über Großhändler beziehen. Es verschiebt sich langsam in Richtung Supermärkte, aber dieser traditionelle Vertriebsweg macht bei uns in Spanien immer noch etwa die Hälfte des Umsatzes aus.

"Wir exportieren mittlerweile 80 Prozent unserer Produktion."

Wie laufen Ihre Geschäfte aktuell?

Wir haben in den letzten Jahren stark auf die Entwicklung der eigenen Marke und den Export gesetzt. Das Unternehmen sieht in der Marke einen zentralen Wert und möchte sie langfristig entwickeln. Das ist uns ganz gut gelungen, denn wir sind seither sogar gewachsen. Das Werk in Valencia exportiert mittlerweile rund 80 Prozent seiner Produktion und beliefert unter anderem Märkte in Asien, Nahost und auf dem amerikanischen Kontinent.

Eine kleine Durststrecke mussten wir nach Beginn des Ukrainekriegs im Jahr 2022 überwinden. Da kam es zu Engpässen bei wichtigen Rohstoffen wie Glukose, und wir mussten nach alternativen Rohstoffquellen suchen. So haben wir beispielsweise begonnen, Glukose unter anderem aus der Türkei zu beziehen.

Spielt die Lieferkettenproblematik heute noch eine Rolle?

Der Süßwarensektor war in den letzten Jahren von mehreren Krisen betroffen: Covid, Ukrainekrieg, handelspolitische Unsicherheiten und zuletzt auch Belastungen durch die Flutkatastrophe in Valencia. Besonders Zucker, Glukose und Gelatine verteuerten sich deutlich. Die Preise mussten deshalb branchenweit erhöht werden. Inzwischen hat sich die Lieferproblematik wieder stabilisiert. Allerdings sind die Preise nicht vollständig auf das frühere Niveau zurückgekehrt. Neue Risiken bestehen bei Verpackungen, weil Kunststoffpreise durch den höheren Ölpreis wieder steigen könnten.

Höhere Preise begünstigten zudem den Wechsel einiger Verbraucher zu günstigeren Handelsmarken. Wir müssen ständig daran arbeiten, mit innovativen Produkten bei der Kundschaft zu punkten und gegenüber Wettbewerbern zu bestehen.

Was versteht man denn unter "Innovation" in der Süßwarenbranche?

Das können neue Formen, Farben, Geschmacksrichtungen, Konsistenzen oder spielerische Effekte sein. Ein Beispiel ist der "Octopus Spicy", der den Trend zu scharfen Lebensmitteln, vor allem bei Jugendlichen aufgreift. Auch der "Octopus Blue", der die Zunge blau färbt, zeigt, dass Spaß, visuelle Effekte und Social-Media-taugliche Ideen eine wichtige Rolle spielen. Impulse dafür kommen aus der Produktentwicklung, dem Marketing, dem Vertrieb oder direkt von unseren Kunden.

"Auch bei Süßwaren nimmt der Wettbewerb aus China zu."

Welche Herausforderungen sehen Sie in den nächsten Jahren?

Chinesische Anbieter sind immer größere Wettbewerber - und zwar nicht nur klassisch bei Maschinen und Anlagen, sondern auch direkt bei Süßwaren. Ich glaube, Lebensmittel aus China werden in Deutschland noch nicht so gerne gesehen. Hier in Spanien sieht man sie hingegen fast überall. Gerade in den zahlreichen kleinen Shops, die von Chinesen betrieben werden, kommen die Produkte zumeist aus China. Chinesische Süßwarenhersteller haben zuletzt auch in Frankreich stark expandiert. Ich gehe davon aus, dass sich dieser Einfluss von Südeuropa aus in Richtung Mitteleuropa ausweiten wird.

Was würden Sie deutschen Unternehmen der Süßwarenbranche abschließend empfehlen, die in den spanischen Markt einsteigen wollen?

Die Art und Weise, wie man ein spanisches Team motiviert und organisiert, erfordert kulturelle Sensibilität. Man muss den Führungsstil anpassen, da dieser nicht zu 100 Prozent dem entspricht, was in Deutschland funktioniert. Hierarchien spielen zum Beispiel eine geringere Rolle, und der Aufbau einer emotionalen Bindung zu den Mitarbeitenden ist wichtiger.