Branchen | China | Lebensmittelmarkt
Wie sich Chinas Lebensmittelkonsum verändert
Der größte Lebensmittelmarkt der Welt entwickelt sich weiter: weg von reiner Grundversorgung und hin zu Qualität und Convenience. Und Babys bekommen deutsche Nahrung.
31.07.2026
Der Wandel bleibt die Konstante im chinesischen Lebensmittelmarkt. Der Verbrauch wächst moderat, während hochwertige, gesunde und bequemer zu konsumierende Produkte mehr gefragt sind. Klassische, stark preisgetriebene Segmente stagnieren zunehmend.
Weitere Informationen zu Chinas Lebensmittelmarkt finden Sie in unserer Reihe "Branche kompakt Nahrungsmittel".
Drei Generationen unter einem Dach - ein Mikrokosmos für den Markt
Die Markttrends spiegeln sich im Alltag einer chinesischen Bekannten wider, nennen wir sie Hua. Huas Familie lebt in einer der größten chinesischen Städte, ist international geprägt und gehört zur oberen Mittelklasse. Drei Generationen leben gemeinsam in einem Haushalt, in dem unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten sowie Erwartungen und Bedürfnisse zusammentreffen.
Die ältere Generation orientiert sich an der traditionellen chinesischen Küche. Frische, unverarbeitete Zutaten und regelmäßige Einkäufe auf lokalen Märkten stehen im Fokus. Westlich geprägte Produkte und stark verarbeitete Lebensmittel stoßen auf Zurückhaltung. Dieses Konsummuster prägt weiterhin große Teile der Bevölkerung. Es dominiert weiterhin der Verbrauch von Grundnahrungsmitteln wie Reis, Mehl, Fleisch und Gemüse.
Die mittlere Generation bei Hua bewegt sich zwischen Tradition und Moderne. Sie verbindet klassische Gerichte mit pragmatischen Lösungen. Gleichzeitig misst sie der Gesundheit mehr Bedeutung bei. Weil der Beruf anstrengend ist und die Zeit knapp, ist sie offener für verarbeitete Lebensmittel und Fertiggerichte - die aber keinen völligen Verzicht auf Frische oder Qualität bedeuten.
Zugleich nutzt die mittlere Generation zunehmend chinesische Onlineplattformen wie Taobao, Pinduoduo und Kanäle des allgegenwärtigen Messengers WeChat, mit kostenlosen und schnellen Lieferungen an die Haustür. Menschen unter 50 Jahren besuchen dadurch seltener Wochenmärkte oder Supermärkte und erledigen ihre Einkäufe überwiegend online. Die Generation zeigt sich zudem offen für unterschiedliche Geschmacksrichtungen, wodurch die Küche abwechslungsreich bleibt.
Die jüngere Generation ist stärker interessiert an neuen Produkten und internationalen Geschmacksrichtungen. Trends, Bequemlichkeit, Abwechslung, Erlebnis und auch wahrgenommene Gesundheit stehen im Vordergrund.
Produkte werden häufig von Internet-Influencern präsentiert, etwa auf den Plattformen DouYin, RedNote, WeChat, YouTube und Instagram. Bestellungen erfolgen oft über Online-Plattformen. Die Jungen legen zudem weniger Wert auf das Preis-Leistungs-Verhältnis oder auf gesunde Zutaten; bereits ein Video von Internetprominenten kann da Appetit machen. Gelegentlich kochen Angehörige dieser Gruppe auch selbst, wobei es sich oft um westliche, käsehaltige Gerichte oder Desserts handelt - nicht unbedingt zur Freude der Eltern.
In China entfallen 29,3 Prozent der Ausgaben auf Lebensmittel und Essen. Davon wiederum bestehen rund 30 Prozent aus Außer-Haus-Verzehr oder Takeaway-Angeboten. Die Pro-Kopf-Ausgaben für Lebensmittel sind mit jährlich 1.250 US-Dollar (US$; Quelle: Statistikamt) deutlich niedriger als in Japan oder Südkorea. In den beiden Nachbarstaaten sind die Preise allerdings höher, weshalb man in China nicht unbedingt weniger konsumiert - es gibt hierzu keine Messungen nach einheitlichen Standards. Ein Vergleich mit Blick auf bestimmte Lebensmittel ermöglicht dennoch eine grobe Einordnung der Länder.
Trend auch zu gesunder Ernährung
Einen Trend hin zu gesunder Ernährung gibt es durch die wachsende Zahl älterer Menschen. China ist dadurch zum weltweit größten Markt für nahrhafte und gesunde Lebensmittel (nutritious and health foods) geworden. Für 2025 betrug das Marktvolumen 39,1 Milliarden US$. Es sind bei allen Generationen Produkte gefragt, die das Immunsystem stärken und die Vitalität fördern sowie - generell - einer altersgerechten Ernährung dienen. Nicht selten werden dabei auch deutsche Marken gekauft, viele haben sich auf Internetplattformen schon positioniert.
Parallel dazu gewinnen verarbeitete Lebensmittel und Fertiggerichte Marktanteile, bei geringen Ein- und Ausfuhren solcher Produkte. Dies zeigt den steigenden Reifegrad des Marktes: Er entwickelt sich von der Grundversorgung hin zu Service, Bequemlichkeit und Differenzierung.
Fleisch- und Milchprodukte dominieren weiterhin das Bild. Pflanzliche Alternativen blieben 2025 eine Nische, allerdings mit hohen Wachstumsraten. Sie sind in urbanen Haushalten teilweise etabliert und passen gut zu den Trends in der jüngeren Generation.
Deutsche Babynahrung gefragt
Chinas Importe von Säuglings- und Spezialnahrung steigen jährlich, obwohl das Land bei den meisten Lebensmitteln auf eine lokale Produktion für den heimischen Markt setzt („in China für China“). Im Jahr 2025 importierte China aus Deutschland Lebensmittel für 2,7 Milliarden US$, 12,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Mehr als die Hälfte davon entfiel auf Babynahrung (Zoll-Warennummern 2106.9090 und 1901.1010).
HS-Nummer | Bezeichnung | 2023 | 2024 | 2025 | Wachstum 2023 bis 2025 (%) |
|---|---|---|---|---|---|
2106.9090 | Spezielle Baby-Nahrungsmittel | 590,9 | 938,7 | 1151,7 | 95 |
1901.1010 | Malzextrakte, Lebensmittelzubereitungen aus Mehl, Mahlgut, Stärke für spezielle Babymilchpulver | 291,5 | 520,7 | 662,9 | 127 |
Während Deutschland seine Exporte von Babynahrung nach China deutlich gesteigert hat, deuten Marktzahlen eine verbreitete Laktoseintoleranz bei Neugeborenen an: Einem Bericht von Grand View Horizons zufolge wurde in China 2024 laktosefreie Säuglingsnahrung für 1,2 Milliarden US$ verkauft. Bis 2030 steigen die Umsätze voraussichtlich auf 1,7 Milliarden US$, jährlich also im Schnitt um 5,9 Prozent. Deutsche Anbieter sollten daher die Konsumgewohnheiten und Absatzkanäle analysieren und der Zielgruppe entsprechend entwickeln.