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Branchenstruktur

Kanadas Bauwirtschaft ist stark fragmentiert. Große Infrastruktur-, Energie- und Industrieprojekte stärken zugleich die Rolle großer Baukonzerne.

Heiko Steinacher

Von Heiko Steinacher | Toronto

Mit mehr als 7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ist Kanadas Bauwirtschaft hinter dem Immobiliensektor, dem verarbeitenden Gewerbe, der Gesundheitsversorgung/sozialen Hilfeleistungen und dem Finanz-/Versicherungswesen die fünftgrößte Branche des Landes. Sie steuerte 2025 gut 121 Milliarden US-Dollar an Wirtschaftsleistung bei. Zudem gehört sie zu den größten Arbeitgebern des Landes. Kanadas Statistikamt gibt die Anzahl der im Baugewerbe Beschäftigten mit rund 1,2 Millionen an.

Infrastrukturinvestitionen, Wohnungsbau, Energieprojekte und neue Industrieansiedlungen sorgen für eine hohe Nachfrage nach Bauleistungen. Gleichzeitig bleibt der Arbeitskräftemangel eine der größten Herausforderungen für die Bauwirtschaft und kann insbesondere bei Wohnungs-, Infrastruktur- und Industrieprojekten zu Verzögerungen führen.

Hoch- und Tiefbau sind weitgehend in kanadischer Hand

Kanadas Bauwirtschaft wird von kleinen und mittleren Unternehmen geprägt. Nach Angaben der kanadischen Regierung gab es 2025 rund 159.500 Arbeitgeberbetriebe im Baugewerbe (NAICS 23; North American Industry Classification System). In dieser Position werden Betriebe erfasst, die hauptsächlich im Bau, in der Reparatur und Renovierung von Gebäuden und Ingenieurbauwerken sowie in der Erschließung von Grundstücken tätig sind. Hinzu kommen mehr als 255.000 Ein-Personen-Unternehmen und andere Betriebe ohne registrierte Beschäftigte. Die Branche ist damit deutlich kleinteiliger strukturiert als viele andere Wirtschaftszweige.

Mehr als 60 Prozent der Arbeitgeberbetriebe beschäftigen weniger als fünf Personen. Weitere 37 Prozent haben zwischen fünf und 99 Beschäftigte. Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden machen lediglich 0,1 Prozent aller Arbeitgeberbetriebe aus. Insgesamt gibt es landesweit 111 Großunternehmen dieser Größenordnung. Die meisten davon sitzen in Ontario, Alberta und Québec.

Regional konzentriert sich die Bauwirtschaft vor allem auf Ontario, Québec und British Columbia. Dort befinden sich die meisten Unternehmen. Zugleich werden dort die meisten großen Wohnungs-, Infrastruktur- und Industrieprojekte umgesetzt.

Auch den Tiefbau dominieren überwiegend regional tätige Unternehmen. Viele Anbieter sind auf einzelne Segmente wie Straßenbau, Wasserinfrastruktur, Energieanlagen oder Ingenieurbau spezialisiert. Größere Firmen übernehmen häufig die Rolle von Generalunternehmern bei komplexen Infrastruktur-, Industrie- und Energieprojekten.

Größte Bauunternehmen dominieren Großprojekte

Die größten Bauunternehmen des Landes befinden sich weiterhin überwiegend in kanadischer Hand. Zu den Branchenführern zählen PCL Construction aus Edmonton, EllisDon aus Mississauga, Ledcor aus Vancouver, Pomerleau aus Québec sowie Aecon aus Toronto. Sie sind im Hoch-, Tief- und Industriebau aktiv und führen zahlreiche Infrastruktur-, Energie- und Industrieprojekte im ganzen Land aus.

Internationale Anbieter sind vor allem bei Großprojekten aktiv

Neben heimischen Unternehmen sind auch internationale Anbieter auf dem kanadischen Markt vertreten. Zu den wichtigsten ausländischen Akteuren zählt der US-Konzern Kiewit, der insbesondere bei Verkehrs-, Energie- und Infrastrukturprojekten aktiv ist.

Aus Deutschland ist Hochtief über die Töchter Turner Construction sowie FlatironDragados präsent. FlatironDragados entstand Anfang 2025 aus der Zusammenführung von Flatiron und Dragados North America und verfügt über eine Präsenz in mehreren kanadischen Provinzen.

Arbeitskräftemangel bleibt ein strukturelles Problem

Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zählt weiterhin zu den größten Herausforderungen der Branche. Gesucht werden insbesondere Handwerker, Bauingenieure, Projektmanager und technische Spezialisten. Der hohe Bedarf im Wohnungsbau, an Infrastrukturprojekten, Industrieansiedlungen und Energieanlagen erhöht den Druck auf den Arbeitsmarkt zusätzlich.

Kann der Arbeitskräftebedarf nicht gedeckt werden, drohen höhere Baukosten und Verzögerungen bei der Projektumsetzung. Betroffen ist längst nicht mehr nur der Wohnungsbau. Auch der Ausbau von Energie- und Versorgungsnetzen, Verkehrsprojekten sowie Industrieansiedlungen konkurriert zunehmend um begrenzte Fachkräfteressourcen. Vor diesem Hintergrund gewinnen Vorfertigung, modulares Bauen, Digitalisierung, Automatisierung und andere produktivitätssteigernde Technologien an Bedeutung.

Wichtige Branchenunternehmen in Kanada Umsatz in Millionen US-Dollar
UnternehmenSparte (nicht exklusiv) 

Umsatz 2024

PCL Construction Wohnungs- und Geschäftsbau, Tiefbau, Industriebau

8.248

EllisDon Corporation Wohnungs- und Geschäftsbau, Tiefbau, Industriebau

5.912

Pomerleau Wohnungs- und Geschäftsbau, Tiefbau, Industriebau

3.840

Graham Construction Wohnungs- und Geschäftsbau, Tiefbau

3.139

Aecon Group Inc. Tiefbau, Industriebau

3.096

Ledcor Group of Companies Wohnungs- und Geschäftsbau, Tiefbau, leichter Industriebau

2.920

Vinci Construction Wohnungs- und Geschäftsbau, Tiefbau

2.518

Bird Construction Inc. Wohnungs- und Geschäftsbau, Tiefbau, Industriebau

2.480

ACS Companies Tiefbau, Industriebau

1.845

Kiewit Canada Group Inc. Wohnungs- und Geschäftsbau, Tiefbau, Industriebau

1.425

Wechselkurs (Jahresdurchschnitt 2024): 1 US$ = 1,37 kan$.Quelle: Magazin On-Site 2025

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