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Deutschland setzt auf kanadischen Wasserstoff

Mit Energiepartnerschaft und Wasserstoffallianz bindet sich Deutschland stärker an Kanada. Projekte in Neufundland und Nova Scotia sind nun auf neue Windparks angewiesen.

Von Daniel Lenkeit | Toronto

Deutschland und Kanada haben im August 2022 ein Wasserstoffabkommen geschlossen, die „Canada-Germany Hydrogen Alliance“. Sie kann neue Dynamik in die deutsch-kanadischen Wirtschaftsbeziehungen bringen. Verkündet wurde die Allianz im Rahmen einer hochrangig besetzten Delegationsreise unter Führung von Bundeskanzler Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Robert Habeck nach Kanada.

Deutschland ist mehr als je zuvor auf der Suche nach Alternativen zu russischem Gas, um seinen Energiebedarf zu decken. Wasserstoff (H2) und Flüssiggas (LNG) werden als Alternativen hoch gehandelt. Dabei ist eine engere Zusammenarbeit mit verbündeten Staaten wie Kanada aus Regierungssicht ein logischer Schritt.

Wasserstoff - nicht LNG - ist vorerst im Fokus

Doch eine Energiebrücke zwischen den Ländern wird vorerst wohl kein LNG beinhalten und ganz auf Wasserstoff setzen. Dafür muss zuerst allerdings ein Markt entstehen. Die Politik kann dabei nur unterstützen. Und beide Länder vereinbarten, die Voraussetzungen für einen solchen Markt zu schaffen.

H2-Lieferkette soll bis 2025 stehen

Beide Regierungen kündigen an, "hinsichtlich aller Aspekte" eng zusammenzuarbeiten. Konkret möchten sie eine Wasserstoffwirtschaft ankurbeln und eine transatlantische Lieferkette für H2 schaffen. Das soll "deutlich vor 2030" geschehen. Erste Wasserstofflieferungen erwartet Deutschland ab 2025.

Kanada sagt zu, das Angebot bereitzustellen: Die Kanadier wollen unbürokratischer als sonst Genehmigungen erteilen und Infrastrukturmaßnahmen für die Produktion und den Export von grünem Wasserstoff fördern. Deutschland übernimmt die Nachfrageseite: Die Regierung wird Importeure und Verbraucher von grünem Wasserstoff unterstützen und stellt langfristige Abnahmeverträge und Technologiepartnerschaften in Aussicht.

Grüne Ammoniakproduktion in Neufundland geplant

Aus dem kanadischen Stephenville in der Provinz Neufundland, wo Bundesminister Habeck und der kanadische Energieminister Jonathan Wilkinson das Abkommen unterzeichneten, soll der grüne Wasserstoff in Form von Ammoniak bis 2025 Richtung Deutschland verschifft werden.

Zunächst geringe Liefermengen zu erwarten

Der zeitliche Rahmen für die Umsetzung ist ambitioniert. Einige kanadische Branchenkenner zweifeln an einer so zügigen Umsetzung. Auch Minister Wilkinson bremst etwas und erwartet eher bescheidene Exportmengen für 2025. Über die geplanten Liefermengen gibt es bislang keine konkreten Aussagen.

Warum fällt die Wahl auf Neufundland? Die östlichste Provinz Kanadas bietet unter anderem die kürzeste Verbindung nach Europa. Sie hat gute Voraussetzungen für Windkraft, die als Energiequelle für die grüne H2-Produktion benötigt wird. Die Westküste Neufundlands hat zudem die nötige Netzanbindung für die geplanten Windfarmen und einen Tiefseehafen in Stephenville für den Export nach Europa. 

Das Gesamtprojekt trägt den Namen Nujio’qonik und wird von dem Unternehmenskonsortium World Energy GH2 geführt. Investitionen von insgesamt etwa 9 Milliarden US-Dollar sind vorgesehen.

Die Herstellung des Wasserstoffs ist enorm energieintensiv, und Neufundlands aktuelle Stromkapazitäten haben keine Reserven, um das H2-Projekt zu bedienen. Das heißt, die neuen Windparks sind für die Umsetzung des Vorhabens notwendig.

Chancen für deutsche Technologie entstehen nach Genehmigung des Projekts

Die für die grüne Wasserstoff- beziehungsweise Ammoniakproduktion benötigte Energie soll aus drei Onshore-Windparks mit insgesamt 3 Gigawatt an Kapazität stammen. Der erste Windpark (Site A) mit 164 Windrädern und 1 Gigawatt Kapazität wird auf der Halbinsel Port au Port in der Nähe von Stephenville entstehen. Immer vorausgesetzt die Bedenken der lokalen Bevölkerung werden zerstreut und das ausstehende Umweltgutachten fällt positiv aus.

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Die Errichtung des ersten Windparks ist für das 3. Quartal 2023 vorgesehen. Mit dem Bau der Wasserstoffanlage soll im 2. Quartal 2023 begonnen werden. Ausschreibungs- und Beschaffungsphasen sowohl für den Windpark als auch die Wasserstoffanlage sollen laut Projektplan Ende 2022 beginnen.

Weitere kanadische Projekte mit deutschen Abnehmern in Planung

Im Osten Kanadas sind weitere Wasserstoffprojekte vorgesehen. Deren Machbarkeit und Klimafreundlichkeit muss teilweise noch geprüft werden.

Im Rahmen der deutschen Delegationsreise wurde nicht nur die Wasserstoffallianz beschlossen. Die deutschen Energieunternehmen Uniper SE und E.ON Hydrogen unterzeichneten eine Absichtserklärung mit dem kanadischen Unternehmen Everwind Fuels.

Darin erklärten die Firmen, zeitnah bindende Abnahmemengen für grünen Ammoniak zu verhandeln. Im Gespräch sind 1 Million Tonnen für den Export - jeweils 500.000 Tonnen für E.ON und Uniper, die Everwind in Point Tupper, Nova Scotia produzieren will.

Everwinds geplante Anlage soll Anfang 2025 schrittweise den Betrieb aufnehmen. Bereits 2026 wollen die Kanadier dann die 1 Million Tonnen Ammoniak liefern.

Bisher kann Everwind allerdings nicht darlegen, wie grün der produzierte Wasserstoff 2025 tatsächlich sein wird. Sicher ist vorerst nur, dass der dafür benötigte Strom aus dem Elektrizitätsnetz Nova Scotias kommt.

Im Strommix der Provinz liegt der Anteil von Kohle allerdings bei über 50 Prozent (Höchstwert in Kanada). Nova Scotia will aus der Kohleverstromung aussteigen - bis 2030. Der Anteil erneuerbarer Energien soll dann bei etwa 80 Prozent liegen. Ohne den kurzfristigen Aufbau eigener Windkapazitäten auf Seiten Everwinds stehen die Chancen für den Export grünen Wasserstoffs aus Nova Scotia Richtung Deutschland schlecht.

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