Branche kompakt | Kanada | Medizintechnik

Digital Health

Kanada treibt die Vernetzung seines Gesundheitswesens voran. Gemeinsame Datenstandards, digitale Plattformen und KI sollen Versorgung und Abläufe effizienter machen.

Heiko Steinacher

Von Heiko Steinacher | Toronto

Kanada zählt zu den Vorreitern bei digitalen Gesundheitslösungen. Gleichzeitig kämpfen viele Einrichtungen noch mit einem grundlegenden Problem: Gesundheitsdaten können häufig nicht reibungslos zwischen Arztpraxen, Krankenhäusern, Laboren und anderen Einrichtungen ausgetauscht werden. Das liegt auch daran, dass die Gesundheitsversorgung weitgehend in der Verantwortung der Provinzen und Territorien liegt und sich über Jahre unterschiedliche IT-Systeme und Datenstandards entwickelt haben.

Digitale Silos geraten unter Druck

Die Bundesregierung und die Provinzen wollen diese Fragmentierung schrittweise überwinden. Der im Februar 2026 eingebrachte Gesetzentwurf Connected Care for Canadians Act soll die Interoperabilität digitaler Gesundheitssysteme verbessern und verhindern, dass Gesundheitsdaten in voneinander abgeschotteten IT-Systemen verbleiben. Für Anbieter von Medizintechnik und Gesundheitssoftware gewinnen offene Schnittstellen, standardisierte Datenformate und Cybersicherheit dadurch weiter an Bedeutung.

Eine Schlüsselrolle spielt dabei Canada Health Infoway. Die öffentlich finanzierte Organisation entwickelt gemeinsam mit Provinzen und Territorien Standards und Konzepte für den sicheren Datenaustausch im Gesundheitswesen. Ziel ist ein stärker vernetztes Gesundheitssystem, in dem Patienten und Leistungserbringer Gesundheitsinformationen einfacher nutzen und austauschen können.

Kanada arbeitet an gemeinsamen Standards für digitale Gesundheitsdaten. In der Praxis bestimmen jedoch weiterhin Provinzen, Territorien und Aufsichtsbehörden viele zentrale Vorgaben. Für Anbieter digitaler Gesundheitslösungen bedeutet das: Ein erfolgreicher Markteintritt in einer Provinz lässt sich nicht ohne Weiteres auf das gesamte Land übertragen.

Plattformen statt Einzellösungen

Mit der fortschreitenden Digitalisierung verschiebt sich die Nachfrage zunehmend von einzelnen Anwendungen hin zu integrierten Plattformen. Unternehmen wie Telus Health oder Well Health Technologies bauen ihre digitalen Gesundheitsökosysteme kontinuierlich aus und verbinden virtuelle Arztkontakte, Terminmanagement, elektronische Rezepte und Patientendaten in gemeinsamen Systemen.

Für Anbieter entstehen Chancen vor allem bei Lösungen, die Daten aus unterschiedlichen Anwendungen und Medizingeräten zusammenführen. Gefragt sind Lösungen, die den Datenaustausch erleichtern und sich möglichst nahtlos in bestehende IT-Landschaften integrieren lassen.

Kanada setzt auf KI im Gesundheitswesen

Auch beim KI-Einsatz gehört Kanada zu den international sichtbaren Standorten. Die KI-Zentren in Toronto, Montréal und Edmonton zählen seit Jahren zu den wichtigsten Forschungsclustern weltweit. Im Gesundheitswesen konzentriert sich die Entwicklung vor allem auf Anwendungen in Diagnostik, Bildanalyse, klinischer Entscheidungsunterstützung und Dokumentation.

Parallel arbeitet Health Canada an regulatorischen Leitlinien für KI-gestützte Medizinprodukte. Ziel ist es, Innovationen zu ermöglichen und gleichzeitig Anforderungen an Sicherheit, Wirksamkeit und Datenschutz zu gewährleisten. Für Hersteller von Medizintechnik gewinnen regulatorische Fragen damit weiter an Bedeutung.

Staatliche Förderung unterstützt Innovationen

Der kanadische Staat unterstützt die Entwicklung digitaler Gesundheitslösungen weiterhin aktiv. Zu den wichtigsten Förderinstrumenten zählt das Netzwerk Inovait, das mit Mitteln des Strategic Innovation Fund Projekte an der Schnittstelle von KI und bildgestützter Medizintechnik fördert. Unterstützt werden unter anderem Anwendungen für diagnostische Bildgebung, bildgeführte Therapien und KI-gestützte Analysesysteme.

Dieser Inhalt gehört zu