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Infrastruktur und Wohnungsbau treiben Kanadas Bauwirtschaft

Kanada investiert in Infrastruktur, Energieversorgung und klimaresiliente Städte. Daraus entstehen Geschäftschancen in Bau-, Umwelt-, Energie- und Gebäudetechnik.

Heiko Steinacher

Von Heiko Steinacher | Toronto

Ausblick der Bauwirtschaft in Kanada

Bewertung:

 

  • Wohnungsmangel und staatliche Förderprogramme sorgen trotz hoher Baukosten und Fachkräftemangel weiterhin für eine solide Nachfrage im Wohnungsbau.
  • Infrastrukturinvestitionen von mehr als 106 Milliarden US-Dollar sowie zahlreiche Energie-, Verkehrs- und Versorgungsprojekte schaffen langfristige Geschäftschancen im Hoch- und Tiefbau.
  • Klimaanpassung, Dekarbonisierung und neue Industrieprojekte erhöhen die Nachfrage nach moderner Bau-, Umwelt- und Gebäudetechnik.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Juli 2026

  • Kanadas Bauwirtschaft wandelt sich: Infrastruktur für Elektrifizierung, Industrieansiedlungen und klimaresiliente Städte rücken zunehmend in den Mittelpunkt.

    Kanadas Bauwirtschaft profitiert weiter von strukturellem Bedarf. Wohnraummangel, alternde Infrastruktur, Energiewende und Klimaanpassung sorgen für Investitionen im Bau. Zunehmend rückt Infrastruktur in den Mittelpunkt: Strom- und Wassernetze sowie Verkehrswege ermöglichen Wohnungsbau, Industrieansiedlungen, Elektrifizierung und Klimaanpassung.

    106,1 Milliarden US-Dollar

    betrug der Wert der Infrastrukturinvestitionen in Kanada 2025. Das waren 8,4 Prozent mehr als 2024.

    Die Baukonjunktur dürfte uneinheitlich bleiben. Öffentliche Programme, Energieprojekte und Wohnraumbedarf stützen die Nachfrage. Hohe Kosten und Fachkräftemangel bremsen jedoch viele Vorhaben. Langfristig bleibt der Bedarf hoch. Ohne zusätzliche Infrastruktur kann Kanada weder ausreichend Wohnraum noch neue Industrieprojekte und klimafeste Städte schaffen.

    Infrastrukturbedarf steigt deutlich

    Der Fokus verlagert sich auf Infrastrukturvorhaben, die zusätzlichen Wohnungsbau und die Verdichtung bestehender Siedlungsräume ermöglichen. Besonders hoch ist der Investitionsbedarf bei Wasser- und Abwassersystemen, die durch Bevölkerungswachstum und neue Wohnbauvorhaben zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Hinzu kommen Stromversorgung, Verkehrsanbindungen, öffentliche Gebäude und kommunale Einrichtungen. 

    Für deutsche Anbieter ist das relevant, weil viele Projekte technische Lösungen für Wasserwirtschaft, Energieeffizienz, digitale Planung und Gebäudetechnik erfordern. Kommunen und Provinzen müssen ihre Infrastruktur schneller erweitern und zugleich Betriebs-, Klima- und Ausfallrisiken senken.

    Wohnungsbau bleibt politisches Kernthema

    Der Wohnungsbau bleibt eine der größten Herausforderungen Kanadas. Erschwinglicher Wohnraum ist vor allem in Ballungsräumen knapp. Zwar hat sich das Bevölkerungswachstum zuletzt verlangsamt, doch der Bedarf an zusätzlichen Wohnungen bleibt hoch. Hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie knappe Arbeitskräfte erschweren neue Vorhaben.

    Regional entwickelt sich der Markt unterschiedlich. Während Entwickler in Ontario und British Columbia stärker unter Druck stehen, stützen niedrigere Kosten und robuste Nachfrage die Bautätigkeit in anderen Provinzen. Die Politik verknüpft Wohnungsbau zunehmend mit Infrastruktur, öffentlichem Verkehr und Quartiersentwicklung. Chancen ergeben sich dort, wo schneller und ressourcenschonender gebaut werden muss. Dazu zählen Vorfertigung, modulare Bauweisen, Gebäudeautomation und digitale Projektsteuerung. 

    Energie- und Versorgungsnetze müssen ausgebaut werden

    Die Energiewende bleibt ein wichtiger Treiber der Bauwirtschaft. Der Schwerpunkt verschiebt sich von einzelnen Projektankündigungen zu den Voraussetzungen für Elektrifizierung und industrielle Entwicklung. Neue Industrieansiedlungen, Elektromobilität, Rechenzentren und klimaneutrale Gebäude erhöhen den Strombedarf. Zugleich müssen Netze modernisiert, Lastspitzen gesteuert und zusätzliche Erzeugungs- und Speicherkapazitäten geschaffen werden.

    Für deutsche Anbieter entstehen Chancen bei Netztechnik, Transformatoren, Speichern sowie Mess- und Steuerungssystemen. Hinzu kommen Energieeffizienztechnik sowie Planungs- und Ingenieurleistungen. Wasserstoff bleibt Teil der kanadischen Dekarbonisierungsstrategie. Er sollte jedoch differenziert betrachtet werden.

    Neben Exportprojekten in den Atlantikprovinzen gewinnt Wasserstoff als Baustein zur Senkung industrieller Emissionen an Bedeutung. Für die Bauwirtschaft sind weniger die Wasserstoffprojekte selbst relevant. Entscheidend sind die damit verbundenen Investitionen in Energieinfrastruktur, Industrieanlagen, Netzanschlüsse und teilweise Hafenstandorte.

    Marktvolumen der Bauwirtschaft in Kanada in Milliarden US-Dollar, Veränderung in Prozent

    Kennziffer

    2024 1) 

    2025 1) 

    Veränderung 2025/2024  2)

    Wert der Bauinvestitionen insgesamt, davon

    182,7

    188,3

    5,3

     Wohnungsbau

    124,7

    129,5

    6,2

     Nichtwohnungsbau 

    58,0

    58,8

    3,6

       Wirtschaftsbau

    29,0

    28,9

    2,0

       Industriebau 

    12,4

    11,8

    -2,6

    Wert der Infrastrukturinvestitionen insgesamt, davon

    100,0

    106,1

    8,4

      öffentlich

    72,5

    76,2

    7,4

      privat

    27,5

    29,9

    11,0

    1 Umrechnung anhand der jeweiligen Durchschnittskurse (2024: 1 US$=1,37 kan$; 2025: 1 US$=1,40 kan$); 2 Veränderungsrate auf Basis des kan$.Quelle: Statistics Canada 2026

    Industrieprojekte schaffen Nachfrage über den Fabrikbau hinaus

    Große Industrieansiedlungen bleiben ein Nachfragefaktor. Besonders in Ontario und Québec entstehen Projekte rund um Elektromobilität, Batterien und kritische Mineralien. Kanada verfolgt dabei das Ziel, größere Teile der Batterie- und Rohstoffwertschöpfungskette im eigenen Land anzusiedeln und die Weiterverarbeitung kritischer Mineralien auszubauen. Benötigt werden nicht nur Fabrikgebäude, sondern auch Stromanschlüsse, Wasser- und Abwassersysteme, Zufahrtsstraßen, Logistikflächen und kommunale Infrastruktur.

    St. Thomas und Windsor bleiben wichtige Beispiele für Kanadas Batterieambitionen. Zugleich zeigen die ausgesetzten Vorhaben von Honda in Alliston sowie mehrere Rückschläge in Québec, dass der Markt selektiver geworden ist.

    Langfristig bleibt der Aufbau eigener Wertschöpfungsketten für kritische Mineralien und Batterien ein wichtiges Ziel. Daraus können zusätzliche Bedarfe bei Mineninfrastruktur, Stromleitungen, Straßen, Häfen, Verarbeitungsanlagen, Recyclingkapazitäten und Umwelttechnik entstehen.

    Klimaanpassung erhöht den Investitionsbedarf

    Der Klimawandel wird zu einem wirtschaftlichen Faktor für die Bauwirtschaft. Überschwemmungen, Waldbrände, Hitzeperioden und Küstenerosion erhöhen den Druck, bestehende Infrastruktur zu modernisieren und neue Anlagen widerstandsfähiger auszulegen. Besonders betroffen sind Wasser- und Abwassersysteme, Verkehrsinfrastruktur und öffentliche Einrichtungen.

    Dadurch steigt die Nachfrage nach Hochwasserschutz, Regenwassermanagement, Küstenschutz und robusten Verkehrswegen. Klimaangepasste Quartiere gewinnen an Bedeutung. Digitale Werkzeuge können helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und Infrastruktur effizienter zu betreiben. Dazu zählen Building Information Modeling, Sensorik, Monitoring, digitale Zwillinge und durch künstliche Intelligenz (KI) gestützte Wartung. 

    Kanadische Auftraggeber suchen häufig integrierte Ansätze. Wer Bau-, Umwelt-, Energie- und Digitaltechnik verbindet, findet Anknüpfungspunkte. Das gilt etwa für Wasserinfrastruktur, energieeffiziente öffentliche Gebäude, Quartiersentwicklung oder die Modernisierung kritischer Infrastruktur. 

    Ausgewählte Großprojekte der Bauwirtschaft in KanadaInvestitionssumme in Milliarden US-Dollar
    Akteur/Projekt

    Investitionssumme

    ProjektstandAnmerkungen
    Ontario Power Generation / Pickering Generating Station Refurbishment 

    19,1

    Planungsphase; Baubeginn ab 2027, Fertigstellung in den 2030er JahrenKernenergieprojekt zur langfristigen Sicherung der Stromversorgung in Ontario
    Metrolinx / Yonge-North Subway Expansion 

    4,0

    PlanungsphaseAusbau des Schienennahverkehrs im Großraum Toronto
    Weeneebayko Area Health Authority / Weeneebayko Area Health Authority Redevelopment 

    1,3

    Planungsphase; Fertigstellung 2030Modernisierung der Gesundheitsinfrastruktur in Nordontario
    Metro Vancouver / Coquitlam Water Main Project 

    1,2

    Frühe Bauphase; Fertigstellung 2030Ausbau der Wasserinfrastruktur zur Deckung des steigenden Bedarfs im Großraum Vancouver
    Hydro One Inc. / Waasigan Transmission Line 

    0,9

    Im Bau; Fertigstellung 2027Ausbau der Stromnetzinfrastruktur im Nordwesten Ontarios
    Government of Canada / TerraCanada National Capital Area 

    0,7

    Frühe Bauarbeiten seit 2026; Fertigstellung noch offenForschungs- und Innovationshub zur Stärkung von Wissenschafts- und Technologiekooperationen in Kanada
    Wechselkurs (Jahresdurchschnitt 2025): 1 US$=1,40 kan$ Quelle: Magazin ReNew Canada, Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Heiko Steinacher

    Von Heiko Steinacher | Toronto

  • Kanada verschärft seine Baustandards. Energieeffiziente Gebäude, klimafreundliche Baustoffe und Sanierungen bleiben wichtige Themen der Bauwirtschaft.

    Die Dekarbonisierung des Gebäudesektors gewinnt in Kanada weiter an Bedeutung. Bund, Provinzen und Kommunen verschärfen schrittweise ihre Anforderungen an Energieeffizienz und Gebäudeemissionen. Gleichzeitig sollen Gebäude und Infrastruktur widerstandsfähiger gegen Extremwetterereignisse wie Waldbrände, Überschwemmungen und Hitzewellen werden. Einen wichtigen Rahmen bildet die 2024 eingeführte "Canada Green Buildings Strategy". Sie fördert energetische Sanierungen, emissionsarme Neubauten und den Einsatz emissionsarmer Baustoffe.

    Nachhaltigkeitsanforderungen betreffen die gesamte Bauwirtschaft

    Nachhaltigkeit ist längst nicht mehr nur ein Thema des Wohnungsbaus. Auch Bürogebäude, Logistikimmobilien, Bildungseinrichtungen, Krankenhäuser, Industrieanlagen und öffentliche Infrastruktur stehen unter Druck, ihren Energieverbrauch und ihre Emissionen zu senken. Dadurch steigt die Nachfrage nach energieeffizienter Gebäudetechnik, Gebäudeautomation, Mess- und Steuerungssystemen, Wärmepumpen, Dämmstoffen sowie digitalen Lösungen zur Optimierung von Betrieb und Wartung.

    Kanada zählt zu den weltweit wichtigen Märkten für nachhaltiges Bauen. Nach Angaben des Canada Green Building Council (CAGBC) belegte das Land 2025 Rang drei der größten LEED-Märkte (Leadership in Energy and Environmental Design-Zertifikat) außerhalb der USA. Im selben Jahr wurden 288 Projekte mit rund 8,5 Millionen Quadratmetern Fläche LEED-zertifiziert. Ein Schwerpunkt liegt auf Bürogebäuden, Logistikimmobilien und Bildungseinrichtungen.

    Zu den bekanntesten Referenzprojekten zählt das Vancouver Convention Centre. Das Kongresszentrum verfügt über ein begrüntes Dach, ein Meerwasser-Heiz- und Kühlsystem sowie eine eigene Wasseraufbereitung. Es gilt als Beispiel für nachhaltiges Bauen in Kanada. Auch deutsche Technologie findet Anwendung: Beim Büroturm CIBC Square in Toronto kam für die Glasfassade das Warme-Kante-System von H.B. Fuller/Kömmerling zum Einsatz.

    Förderprogramme und öffentliche Beschaffung unterstützen die Modernisierung

    Großer Handlungsbedarf besteht weiterhin im Gebäudebestand. Viele Wohn-, Büro- und öffentliche Gebäude wurden vor Einführung moderner Effizienzstandards errichtet und weisen einen hohen Energieverbrauch auf. Mit dem seit 2025 umgesetzten "Canada Greener Homes Affordability Program" fördert die Bundesregierung energetische Nachrüstungen durch Wärmepumpen, Dämmmaßnahmen sowie Fenster- und Türentausch. Die Umsetzung erfolgt über Provinzen und Energieversorger.

    Gleichzeitig hat die Regierung von Premierminister Mark Carney die bundesweite CO₂-Abgabe auf Heiz- und Kraftstoffe für Privathaushalte abgeschafft. Damit entfällt ein wichtiger wirtschaftlicher Anreiz für Investitionen in Energieeffizienz. Förderprogramme, strengere Baustandards und kommunale Klimaziele sorgen jedoch weiterhin für Nachfrage nach energieeffizienten Lösungen.

    Auch die öffentliche Hand setzt zunehmend auf emissionsarme Bauweisen. Die Bundesregierung berücksichtigt bei öffentlichen Bau- und Infrastrukturvorhaben verstärkt kohlenstoffarme Materialien und Konstruktionen. 

    Nachhaltigkeitsanforderungen prägen auch Infrastrukturprojekte der Kommunen. Sie investieren verstärkt in die Modernisierung von Wasser- und Abwassersystemen, energieeffizienten öffentlichen Gebäuden sowie klimaresilienter Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur. Hintergrund sind häufigere Extremwetterereignisse, strengere Emissionsziele und der steigende Energiebedarf durch Elektrifizierung und Bevölkerungswachstum. Dadurch wächst die Nachfrage nach energieeffizienter Technik, digitaler Steuerung, Umwelttechnik und integrierten Planungslösungen.

    Städte und Provinzen treiben strengere Standards voran

    Die ambitioniertesten Vorgaben entstehen häufig auf regionaler Ebene. Toronto setzt mit dem "Toronto Green Standard" verbindliche Anforderungen für neue Bauprojekte. Diese betreffen unter anderem Energieverbrauch, Treibhausgasemissionen, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge und den Einsatz kohlenstoffarmer Baustoffe. Ziel ist ein nahezu emissionsfreier Gebäudebestand in den kommenden Jahrzehnten.

    British Columbia gilt ebenfalls als Vorreiter. Die Provinz verfolgt mit dem "Energy Step Code" und dem "Zero Carbon Step Code" einen stufenweisen Übergang zu besonders energieeffizienten Neubauten. Neue Gebäude sollen bis 2032 "net-zero energy ready" sein. Betriebliche Treibhausgasemissionen sollen bereits ab 2030 weitgehend vermieden werden.

    Klimafreundliche Baustoffe gewinnen an Bedeutung

    Neben der Energieeffizienz rückt die Wahl der Baustoffe stärker in den Fokus. Massivholz gilt als wichtiger Baustein zur Verringerung der Emissionen im Gebäudesektor. Es bindet Kohlenstoff langfristig und kann energieintensive Materialien wie Beton oder Stahl teilweise ersetzen. Ein bekanntes Beispiel ist das Studentenwohnheim Brock Commons Tallwood House an der University of British Columbia, eines der weltweit bekanntesten Holzhochhäuser.

    Ontario hat seine Bauvorschriften Anfang 2025 geändert. Gebäude in Massivholzbauweise dürfen nun bis zu 18 Stockwerke hoch sein statt bisher zwölf. Die Provinz verspricht sich davon schnellere Bauzeiten, geringere Baukosten und zusätzliche Impulse für die heimische Forstwirtschaft. British Columbia verfolgt bereits ähnliche Ansätze.

    Heiko Steinacher

    Von Heiko Steinacher | Toronto

  • Kanadas Bauwirtschaft ist stark fragmentiert. Große Infrastruktur-, Energie- und Industrieprojekte stärken zugleich die Rolle großer Baukonzerne.

    Mit mehr als 7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ist Kanadas Bauwirtschaft hinter dem Immobiliensektor, dem verarbeitenden Gewerbe, der Gesundheitsversorgung/sozialen Hilfeleistungen und dem Finanz-/Versicherungswesen die fünftgrößte Branche des Landes. Sie steuerte 2025 gut 121 Milliarden US-Dollar an Wirtschaftsleistung bei. Zudem gehört sie zu den größten Arbeitgebern des Landes. Kanadas Statistikamt gibt die Anzahl der im Baugewerbe Beschäftigten mit rund 1,2 Millionen an.

    Infrastrukturinvestitionen, Wohnungsbau, Energieprojekte und neue Industrieansiedlungen sorgen für eine hohe Nachfrage nach Bauleistungen. Gleichzeitig bleibt der Arbeitskräftemangel eine der größten Herausforderungen für die Bauwirtschaft und kann insbesondere bei Wohnungs-, Infrastruktur- und Industrieprojekten zu Verzögerungen führen.

    Hoch- und Tiefbau sind weitgehend in kanadischer Hand

    Kanadas Bauwirtschaft wird von kleinen und mittleren Unternehmen geprägt. Nach Angaben der kanadischen Regierung gab es 2025 rund 159.500 Arbeitgeberbetriebe im Baugewerbe (NAICS 23; North American Industry Classification System). In dieser Position werden Betriebe erfasst, die hauptsächlich im Bau, in der Reparatur und Renovierung von Gebäuden und Ingenieurbauwerken sowie in der Erschließung von Grundstücken tätig sind. Hinzu kommen mehr als 255.000 Ein-Personen-Unternehmen und andere Betriebe ohne registrierte Beschäftigte. Die Branche ist damit deutlich kleinteiliger strukturiert als viele andere Wirtschaftszweige.

    Mehr als 60 Prozent der Arbeitgeberbetriebe beschäftigen weniger als fünf Personen. Weitere 37 Prozent haben zwischen fünf und 99 Beschäftigte. Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden machen lediglich 0,1 Prozent aller Arbeitgeberbetriebe aus. Insgesamt gibt es landesweit 111 Großunternehmen dieser Größenordnung. Die meisten davon sitzen in Ontario, Alberta und Québec.

    Regional konzentriert sich die Bauwirtschaft vor allem auf Ontario, Québec und British Columbia. Dort befinden sich die meisten Unternehmen. Zugleich werden dort die meisten großen Wohnungs-, Infrastruktur- und Industrieprojekte umgesetzt.

    Auch den Tiefbau dominieren überwiegend regional tätige Unternehmen. Viele Anbieter sind auf einzelne Segmente wie Straßenbau, Wasserinfrastruktur, Energieanlagen oder Ingenieurbau spezialisiert. Größere Firmen übernehmen häufig die Rolle von Generalunternehmern bei komplexen Infrastruktur-, Industrie- und Energieprojekten.

    Größte Bauunternehmen dominieren Großprojekte

    Die größten Bauunternehmen des Landes befinden sich weiterhin überwiegend in kanadischer Hand. Zu den Branchenführern zählen PCL Construction aus Edmonton, EllisDon aus Mississauga, Ledcor aus Vancouver, Pomerleau aus Québec sowie Aecon aus Toronto. Sie sind im Hoch-, Tief- und Industriebau aktiv und führen zahlreiche Infrastruktur-, Energie- und Industrieprojekte im ganzen Land aus.

    Internationale Anbieter sind vor allem bei Großprojekten aktiv

    Neben heimischen Unternehmen sind auch internationale Anbieter auf dem kanadischen Markt vertreten. Zu den wichtigsten ausländischen Akteuren zählt der US-Konzern Kiewit, der insbesondere bei Verkehrs-, Energie- und Infrastrukturprojekten aktiv ist.

    Aus Deutschland ist Hochtief über die Töchter Turner Construction sowie FlatironDragados präsent. FlatironDragados entstand Anfang 2025 aus der Zusammenführung von Flatiron und Dragados North America und verfügt über eine Präsenz in mehreren kanadischen Provinzen.

    Arbeitskräftemangel bleibt ein strukturelles Problem

    Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zählt weiterhin zu den größten Herausforderungen der Branche. Gesucht werden insbesondere Handwerker, Bauingenieure, Projektmanager und technische Spezialisten. Der hohe Bedarf im Wohnungsbau, an Infrastrukturprojekten, Industrieansiedlungen und Energieanlagen erhöht den Druck auf den Arbeitsmarkt zusätzlich.

    Kann der Arbeitskräftebedarf nicht gedeckt werden, drohen höhere Baukosten und Verzögerungen bei der Projektumsetzung. Betroffen ist längst nicht mehr nur der Wohnungsbau. Auch der Ausbau von Energie- und Versorgungsnetzen, Verkehrsprojekten sowie Industrieansiedlungen konkurriert zunehmend um begrenzte Fachkräfteressourcen. Vor diesem Hintergrund gewinnen Vorfertigung, modulares Bauen, Digitalisierung, Automatisierung und andere produktivitätssteigernde Technologien an Bedeutung.

    Wichtige Branchenunternehmen in Kanada Umsatz in Millionen US-Dollar
    UnternehmenSparte (nicht exklusiv) 

    Umsatz 2024

    PCL Construction Wohnungs- und Geschäftsbau, Tiefbau, Industriebau

    8.248

    EllisDon Corporation Wohnungs- und Geschäftsbau, Tiefbau, Industriebau

    5.912

    Pomerleau Wohnungs- und Geschäftsbau, Tiefbau, Industriebau

    3.840

    Graham Construction Wohnungs- und Geschäftsbau, Tiefbau

    3.139

    Aecon Group Inc. Tiefbau, Industriebau

    3.096

    Ledcor Group of Companies Wohnungs- und Geschäftsbau, Tiefbau, leichter Industriebau

    2.920

    Vinci Construction Wohnungs- und Geschäftsbau, Tiefbau

    2.518

    Bird Construction Inc. Wohnungs- und Geschäftsbau, Tiefbau, Industriebau

    2.480

    ACS Companies Tiefbau, Industriebau

    1.845

    Kiewit Canada Group Inc. Wohnungs- und Geschäftsbau, Tiefbau, Industriebau

    1.425

    Wechselkurs (Jahresdurchschnitt 2024): 1 US$ = 1,37 kan$.Quelle: Magazin On-Site 2025

    Heiko Steinacher

    Von Heiko Steinacher | Toronto

  • CETA erleichtert EU-Unternehmen den Zugang zum kanadischen Projektgeschäft. Öffentliche Auftraggeber achten zunehmend auf lokale Wertschöpfung und indigene Beteiligung.

    Die private Vergabe erfolgt in Kanada meist nach Verhandlungen. Öffentliche Bauaufträge dagegen werden ausgeschrieben. Wichtige Informationsquellen sind die Ausschreibungsplattform Merx sowie die Beschaffungsportale der Provinzen und Kommunen.

    Mit CanadaBuys verfügt Kanada über eine zentrale Plattform für öffentliche Ausschreibungen und Beschaffungsvorgänge des Bundes. Zugleich dient die Plattform als zentraler Zugangspunkt für öffentliche Ausschreibungen, die europäischen Unternehmen im Rahmen von CETA offenstehen, und verweist auf weitere Ausschreibungsseiten der Provinzen und Kommunen. Für Unternehmen vereinfacht dies die Suche nach öffentlichen Ausschreibungen.

    Entscheidend für europäische Anbieter ist jedoch der durch das Freihandelsabkommen "Comprehensive Economic and Trade Agreement" (CETA) verbesserte Zugang zum öffentlichen Beschaffungsmarkt auf Bundes-, Provinz- und Kommunalebene.

    CETA verschafft europäischen Unternehmen weitreichenden Marktzugang

    EU-Unternehmen erhalten durch CETA verbesserten Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen auf Bundes-, Provinz- und Kommunalebene. Der Zugang gilt jedoch nicht uneingeschränkt, sondern insbesondere für erfasste öffentliche Stellen, oberhalb der jeweiligen Schwellenwerte und vorbehaltlich der in CETA vorgesehenen Ausnahmen. Die Schwellenwerte, ab denen Ausschreibungen für Unternehmen der jeweils anderen Vertragspartei geöffnet werden, sind im Rahmen von CETA weitgehend an den Schwellenwerten der EU-Richtlinien für öffentliche Aufträge und des WTO-Übereinkommens über das öffentliche Beschaffungswesen (Government Procurement Agreement – GPA) orientiert.

    Gleichzeitig gewinnt die Stärkung heimischer Wertschöpfung an Bedeutung. Insbesondere bei größeren Infrastruktur-, Energie- und Industrieprojekten achten öffentliche Auftraggeber zunehmend auf lokale Lieferketten, Beschäftigungseffekte und wirtschaftliche Beiträge für die jeweiligen Regionen. Der durch CETA gewährte Marktzugang für europäische Unternehmen bleibt davon grundsätzlich unberührt. Für deutsche Unternehmen bleiben die Marktzugangsbedingungen daher günstig, lokale Partner und regionale Wertschöpfung gewinnen jedoch an Bedeutung.

    Beteiligung indigener Gemeinschaften gewinnt an Bedeutung

    Für viele Infrastruktur-, Energie- und Rohstoffprojekte spielt die Einbindung indigener Gemeinschaften eine wichtige Rolle. Öffentliche Auftraggeber und Projektträger erwarten zunehmend Nachweise darüber, wie indigene Unternehmen, Arbeitnehmer oder Gemeinden am wirtschaftlichen Nutzen eines Projekts beteiligt werden. Auf Bundesebene gilt zudem das Ziel, mindestens 5 Prozent des Werts öffentlicher Aufträge an indigene Unternehmen zu vergeben.

    PPP-Projekte vor allem im Gesundheits-, Bildungs- und Verkehrswesen

    Die Regierungen greifen bei großen Infrastrukturvorhaben weiterhin häufig auf Public-Private-Partnership-Modelle (PPP) zurück. Solche Projekte finden sich insbesondere im Gesundheits-, Bildungs- und Verkehrswesen sowie bei kommunaler Infrastruktur. Zu den aktiven Märkten zählen vor allem Ontario, British Columbia und Québec, die über langjährige Erfahrung mit PPP-Modellen verfügen. Auch in anderen Provinzen werden entsprechende Vorhaben zunehmend genutzt.

    Nach Angaben des Canadian Council for Public-Private Partnerships gehören Krankenhäuser, Schulen, Straßen-, Schienen- und Nahverkehrsprojekte weiterhin zu den wichtigsten Anwendungsfeldern. Ontario verfügt weiterhin über die umfangreichste PPP-Projektpipeline des Landes. 

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Heiko Steinacher

    Von Heiko Steinacher | Toronto

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK Kanada

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Statistics Canada 

    Statistikbehörde
    Infrastructure Canada Bundesamt für öffentliche Infrastruktur
    Canada Mortgage and Housing Corporation Wohnungsbauverband 
    BOMA Canada Bauverband (Gewerbe- und Bürobau) 
    Canadian Construction Association Bauverband 
    BuildForce Canada Branchengeführte Organisation mit Arbeitsmarktunterstützung

    Canada Green Building Council 

    Verband für nachhaltiges Bauen 
    Canadian Council for Public-Private Partnerships Ausschuss und Netzwerk für ÖPP

    On-Site Magazine 

    Fachzeitschrift für die Baubranche 
    ReNew Canada Online- und Printmagazin für öffentliche Infrastruktur

    The Buildings Show / Construct Canada 

     

    Jährliche Fachmesse in Toronto
    BUILDEX Jährliche Fachmesse in Vancouver 
    Canada's Infrastructure ConferenceFachkonferenz in Toronto