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US-Bedarf an Schalt- und Stromtechnik wächst ohne Unterbrechung

Die Branchenimporte dürften 2026 weiter zulegen. Deutsche Firmen profitieren vom Fabrik- sowie Datencenterbau, von dem Stromnetzausbau und dem allgemeinen Automatisierungstrend.

Von Roland Rohde | Washington, D.C.

Der US-Markt für Schalt- und Stromverteilungstechnik hastet von einem Rekord zum nächsten. Daran dürfte sich auf absehbare Zeit wenig ändern. Die größten Treiber sind riesige Investitionen in künstliche Intelligenz, die unmittelbar zu einem starken Ausbau der Stromnetze führen. Hinzu kommt der allgemeine Automatisierungstrend in der produzierenden Industrie.

Laut Angaben der Bank of America werden amerikanische Unternehmen 2026 rund 800 Milliarden bis 900 Milliarden US-Dollar (US$) in den Ausbau ihrer KI-Infrastruktur investieren. Die 1.000-Milliarden-US$-Grenze soll 2027 erreicht werden. Ein Großteil des Geldes fließt in den Bau von riesigen Datencentern, die im großen Stil moderne Schalttechnik einsetzen. 

Kraftwerkskapazitäten steigen bis 2050 um 60 Prozent

Die KI erweist sich als enorm energiehungrig. Rechenzentren waren 2024 für 4 bis 5 Prozent des gesamten US-Stromverbrauchs verantwortlich, so das Electric Power Research Institute. Bis 2030 soll die Quote je nach Szenario auf 9 bis 17 Prozent ansteigen. Daher müssen die Stromerzeugungs- und Verteilungskapazitäten landesweit ausgebaut werden.

Gemäß einer Prognose der Energy Information Agency werden zwischen 2025 und 2050 die gesamten Kraftwerkskapazitäten um 60 Prozent steigen. Erneuerbare Quellen wachsen dabei überdurchschnittlich. Ihre Integration in die Stromnetzwerke sind zumeist aufwendiger; sie generieren eine höhere Nachfrage nach Schalt- und Verteilungstechnik als konventionelle Kraftwerke.

Automatisierungstrend nützt deutschen Anbietern

Auch der Fabrikbau bietet Absatzchancen. Zwar schwächeln die Investitionen in neue Werke seit dem Amtsantritt Donald Trumps in der Gesamtbetrachtung. Doch einzelne Sparten boomen regelrecht. Arzneimittel- und Chiphersteller planen den Bau von Fabriken mit einem Investitionsvolumen von 1.100 Milliarden US$. Zugleich schreitet die Automatisierung im produzierenden Gewerbe voran, wovon vor allem Anbieter von Hightech-Produkten und integrierten Lösungen aus Ländern wie Deutschland profitieren.

Aus den anderen Sparten des Hochbaus kommen gemischte Signale. Der private Wohnungsbau befindet sich in einer Kontraktionsphase. Allerdings entstehen hier mehrheitlich Einfamilienhäuser mit einer einfachen elektrotechnischen Ausstattung. Dieser Teil des Wohnungsbaus ist daher für deutsche Anbieter weniger interessant. Mehr Absatzpotenzial bietet der Apartmentbau. Sehr viel Wachstumspotenzial sieht der FMI North American Engineering and Construction Outlook außerdem in der Bürosparte.

Konjunktur in wichtigen Abnehmerbranchen für Schalt- und StromverteilungstechnikErbrachte Bauleistungen in Milliarden US-Dollar (Veränderung in Prozent) *)
 

2025

2026

2027

2028

2029

2030Veränd. 2028/25
Fabrikbau

220

215

226

245

269

289

31

Gesundheit und Erziehung

207

209

215

223

232

241

16

Stromwirtschaft

158

165

184

209

233

255

61

Apartments

126

124

131

139

150

162

29

Einzelhandel und Lager

122

115

117

123

133

146

20

Bürobau

106

113

123

137

149

159

50

* ab 2026: Prognosen.Quelle: FMI 2026; nationales Statistikamt 2026

Brancheneinfuhren 2025 bei über 80 Milliarden US-Dollar

Die USA müssen einen Großteil ihres Bedarfs an Schalt- und Stromverteilungstechnik importieren. Das Gros der Produktion wurde bereits vor vielen Jahren in Niedriglohnländer verlagert. Insgesamt beliefen sich die Brancheneinfuhren (ohne gedruckte Schaltungen) 2025 auf über 80 Milliarden US$, berichtet die U.S. International Trade Commission. Die Lieferungen waren damit um gut 11 Prozent zum Vorjahr gestiegen. Gegenüber 2020 ergibt sich ein Plus von 75 Prozent. Der Aufwärtstrend scheint anzuhalten: Für die ersten vier Monate 2026 verzeichnete die Behörde ein Wachstum von gut 8 Prozent zum Vorjahreszeitraum.

Trotz Handelskonflikt: Deutsche Lieferungen wachsen zweistellig

Rund 40 Prozent der Branchenimporte stammen traditionell aus Mexiko, wo US-Unternehmen große Fertigungskapazitäten besitzen. Mit deutlichem Abstand folgt China als zweitwichtigstes Land in der Zollstatistik. Deutschland lieferte 2025 für 3,3 Milliarden US$ Schalt- und Stromverteilungstechnik in die USA, ein Plus von 10 Prozent gegenüber 2024. In den ersten vier Monaten 2026 ergab sich eine Zunahme von 13 Prozent.

Ohne Einfuhren aus Mexiko droht StromausfallUS-Brancheneinfuhren von Schalt- und Stromverteilungstechnik 2024 nach Lieferländern (in Milliarden US-Dollar) *)
Land

Insgesamt, davon

Schalttechnik

Stromverteilungstechnik

Mexiko

33,7

15,9

17,9

China

8,1

4,1

4,1

Vietnam

3,7

1,0

2,7

Kanada

3,6

2,8

0,9

Deutschland

3,3

2,7

0,6

Japan

2,5

1,9

0,6

Südkorea

2,4

1,4

1,0

Taiwan

2,1

1,6

0,5

Indien

1,9

1,1

0,9

* Rundungsfehler möglich; Schalttechnik: SITC-Position 772 ohne 772.2 (gedruckte Schaltungen), Stromverteilungstechnik: SITC-Position 773.Quelle: U.S. International Trade Commission 2025

Deutsche Firmen besitzen bei Mittelspannungstechnik eine relativ starke Position. Bei ihnen läuft der Wettbewerb vielfach über Präzision, Zuverlässigkeit und Sicherheit. Zugleich spielen sie eine Vorreiterrolle bei der intelligenten Automatisierung. Sie können zudem mit den Themen Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit punkten. So bieten sie zum Beispiel Schwefelhexafluorid-freie Schaltschränke an.

Zollkosten werden mehrheitlich an US-Kunden weitergereicht

Besonders belastend für das Exportgeschäft sind die ZUS-Zölle auf Aluminium, Stahl und Kupfer, die auch für bestimmte Derivate gelten. Allerdings können die Exporteure einen Großteil der Zollkosten an ihre Endkunden in den Vereinigten Staaten abwälzen. Die Deutsch-Amerikanische Handelskammer kam in einer Umfrage von Anfang 2026 auf eine Quote (über alle Branchen gerechnet) von mehr als 70 Prozent.

Deutsche Anbieter von Schalttechnik wie Siemens, Bosch, Schneider Electric, Blumenbecker und Weidmüller sind in den USA mit eigenen Niederlassungen vertreten. Die Fertigungstiefe fällt unterschiedlich aus. 

Grundsätzlich gilt: Produktion in den USA ist teuer und es gibt im verarbeitenden Gewerbe einen ausgeprägten Fachkräftemangel. Ein Kompromiss besteht darin, dass die Montage in den Vereinigten Staaten stattfindet, wodurch das verkaufsfördernde Siegel "made in America" erreicht wird. Die Fertigung der Kernkomponenten beziehungsweise Forschung und Entwicklung verbleiben hingegen in der Heimat.