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Nachhaltiges Bauen und Energieeffizienz

Nachhaltiges Bauen gewinnt in den VAE an Bedeutung. Sanierung, Effizienz und Versorgungssicherheit schaffen Chancen für deutsche Anbieter.

Von Heena Nazir | Dubai

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben in den vergangenen Jahrzehnten stark in neue Stadtquartiere, Gewerbeflächen und Infrastruktur investiert. Viele Gebäude in Dubai, Abu Dhabi und anderen Emiraten sind inzwischen 25 bis 40 Jahre alt und entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen an Energieeffizienz, Kühlung und Gebäudesteuerung. Statt Abriss rücken daher Sanierung, technische Nachrüstung und ein effizienterer Betrieb stärker in den Fokus. Für deutsche kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) entstehen dadurch Chancen in einem Markt, der durch Klimaziele, steigende Stromnachfrage und höhere Anforderungen an Versorgungssicherheit wächst.

Der Krieg stellt die Effizienz- und Sanierungsprogramme nicht grundsätzlich infrage, macht ihre Umsetzung aber anspruchsvoller. Energieeinsparung, Netzstabilität und Versorgungssicherheit gewinnen weiter an Bedeutung. Retrofitprojekte (Nachrüstungen bestehender Anlagen und Gebäude) können helfen, den Strombedarf zu senken und zusätzliche Investitionen in Kraftwerks- und Netzinfrastruktur zu begrenzen. Zugleich können höhere Finanzierungskosten, vorsichtigere Investoren und mögliche Lieferverzögerungen bei Klimatechnik, Steuerungssystemen oder Fassadenmaterialien einzelne Vorhaben verteuern oder verzögern.

Dubai will Verbrauch senken

Dubai verfolgt seine Effizienzziele im Rahmen der Dubai Demand Side Management Strategy 2050. Sie sieht vor, den Energie- und Wasserverbrauch sowie den Kraftstoffverbrauch im Verkehr bis 2030 um mindestens 30 Prozent und bis 2050 um 50 Prozent gegenüber einem Business-as-usual-Szenario zu senken. Ein zentraler Hebel ist das Gebäudesanierungsprogramm. Bis 2030 sollen bis zu 30.000 Gebäude energetisch modernisiert werden. Je nach Alter, Nutzung und technischer Ausstattung sind Effizienzsteigerungen von 10 bis 40 Prozent möglich.

Für die Umsetzung wurde 2013 die Etihad Energy Services Company gegründet. Bis 2025 wurden rund 10.000 Gebäude modernisiert. Damit entwickelt sich der Markt zunehmend zu einem strukturierten Segment der energetischen Sanierung. Auch internationale Standards gewinnen an Gewicht: Laut dem U.S. Green Building Council gehörten die VAE auch 2025 zu den zehn wichtigsten Märkten für LEED-zertifizierte Gebäude außerhalb der USA. Das Land belegte Rang 10 mit 174 zertifizierten Projekten und rund 2,25 Millionen Quadratmetern zertifizierter Gebäudefläche.

Abu Dhabi baut Retrofitprogramme aus

Auch Abu Dhabi treibt die Modernisierung von Bestandsgebäuden voran. Die Abu Dhabi Demand Side Management and Energy Rationalization Strategy 2030 zielt darauf ab, den Stromverbrauch bis 2030 um mehr als 22 Prozent und den Wasserverbrauch um mehr als 32 Prozent zu senken. Eine wichtige Rolle spielt dabei die frühere Abu Dhabi Energy Services Company, die inzwischen als TAQA Energy Services firmiert.

Bis Ende 2025 wurden rund 200 Gebäude modernisiert. Bis Ende 2026 sollen es 300 sein. Die erwartete jährliche Stromeinsparung liegt bei etwa 220 Gigawattstunden. Für Anbieter von Klimatechnik, Gebäudesteuerungen, Dämmstoffen, Messsystemen und Energiemanagementlösungen ergeben sich daraus konkrete Ansatzpunkte.

Ein weiteres Instrument ist Estidama, das Nachhaltigkeitsprogramm Abu Dhabis. Seit 2010 müssen Neubauten im Emirat ein Pearl Rating erfüllen. Private Neubauten benötigen mindestens eine Perle, öffentliche Gebäude zwei. In Masdar City gelten höhere Anforderungen.

Weitere Emirate ziehen nach

Auch die kleineren Emirate setzen zunehmend auf energieeffizientes Bauen. Ras Al Khaimah hat mit Barjeel eigene Green-Building-Vorschriften eingeführt. Seit Januar 2020 gelten sie verpflichtend für alle Neubauten. Gebäude, die nach Barjeel genehmigt werden, sollen rund 30 Prozent weniger Energie und Wasser verbrauchen als vergleichbare konventionelle Bauten.

Schardscha konzentriert sich vor allem auf große Energieverbraucher. Im Fokus stehen öffentliche und gewerbliche Gebäude mit hohem Strom- und Kühlbedarf. Die Projektzahlen sind kleiner als in Dubai oder Abu Dhabi, doch der Trend ist eindeutig: Energieeffizienz gewinnt in allen Emiraten an Relevanz.

Geschäftschancen für deutsche KMU

Besonders dynamisch entwickelt sich der Bereich Klima- und Kühltechnik. Kühlung verursacht in den VAE einen großen Teil des Stromverbrauchs. Effiziente HVAC (Heating, Ventilation and Air Conditioning)-Anlagen, intelligente Regelungstechnik, bessere Dämmung, hochwertige Fassadenlösungen und hitzebeständige Baumaterialien sind deshalb gefragt. Auch die Gebäudeautomation gewinnt an Bedeutung. Digitale Steuerungssysteme, Smart-Building-Technologien und Energiemanagementsoftware helfen, Verbrauchsdaten sichtbar zu machen und Einsparpotenziale im Betrieb zu erschließen.

Deutsche Unternehmen profitieren von ihrem Ruf für zuverlässige Technik, langlebige Komponenten und spezialisierte Lösungen. Chancen bestehen nicht nur bei der Lieferung einzelner Produkte, sondern auch in den Bereichen Planung, Beratung, Inbetriebnahme, Wartung und Betriebsoptimierung, betont Martin Henkelmann, CEO der AHK VAE. Mit steigenden technischen Anforderungen wächst zugleich der Bedarf an externer Expertise. Viele Entwickler und Gebäudeeigentümer müssen Standards wie LEED, Estidama oder Al Sa’fat in konkrete Maßnahmen übersetzen – etwa bei Energieaudits, Zertifizierungen, Wirtschaftlichkeitsrechnungen oder der Auswahl geeigneter Technologien.

Markt bleibt attraktiv

Der Sanierungsmarkt in den VAE dürfte weiter wachsen. Treiber sind steigender Strombedarf, hohe Kühlkosten, ambitionierte Effizienzziele und der Druck, bestehende Gebäude wirtschaftlicher zu betreiben. Die regionale Unsicherheit verstärkt diese Entwicklung, weil Energieeffizienz stärker mit Resilienz, Netzstabilität und Versorgungssicherheit verknüpft wird.

Für deutsche KMU sind vor allem spezialisierte, nachweisbar wirksame Lösungen gefragt. Gute Chancen haben Unternehmen, die Einsparungen belegen, Referenzen vorweisen und ihre Produkte an die klimatischen Bedingungen der Golfregion anpassen können. Entscheidend sind zudem lokale Partner und ein klares Verständnis der Vorgaben in den einzelnen Emiraten.

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