Rechtsbericht | Kanada | Aufenthaltsrecht
Kanada fördert die innerbetriebliche Entsendung von Mitarbeitern
Kanada erleichtert die innerbetriebliche Entsendung von Führungskräften und Spezialisten. Die ICT work permit ermöglicht Personaltransfers ohne vorherige Arbeitsmarktprüfung.
24.07.2026
Strategisches Instrument für Expansionen nach Kanada
Für international tätige Unternehmen gehört der grenzüberschreitende Einsatz von Führungskräften und spezialisierten Fachkräften zum täglichen Geschäft. Im Rahmen der Erschließung neuer Märkte oder dem Ausbau bestehender Standorte im Ausland ist die schnelle Verfügbarkeit von Führungskräften und spezialisierten Fachkräften ein entscheidender Erfolgsfaktor. Üblicherweise muss in Kanada, wenn ein kanadischer Arbeitgeber einen ausländischen Beschäftigten einstellen möchte, eine sogenannte Labour Market Impact Assesment (LMIA) durchgeführt werden beziehungsweise nachgewiesen werden, dass für die betreffende Stelle kein geeigneter kanadischer Staatsbürger oder eine Person mit dauerhaften Aufenthaltsrecht in Kanada zur Verfügung stehen.
Kanada bietet jedoch im Rahmen des International Mobility Program (IMP) mit der intra-company transferee (ICT) work permit eine attraktive Möglichkeit an, Führungskräfte und spezialisierte Fachkräfte ohne vorherige Arbeitsmarktprüfung nach Kanada zu entsenden.
Gerade für international tätige Unternehmen, die bereits über eine Niederlassung in Kanada verfügen oder den Markteintritt vorbreiten, kann das Programm einen wichtigen Faktor für die Personalstrategie darstellen.
Klare Voraussetzungen für Unternehmen und Mitarbeiter
Nicht jeder Mitarbeiter eines Unternehmens erfüllt automatisch die Voraussetzungen für eine ICT work permit. Das kanadische Einwanderungsrecht beschränkt die Regelungen auf drei Personengruppen.
Dazu zählen zunächst Führungskräfte (Executives), die für die strategische Leitung des Unternehmens oder wesentliche Geschäftsbereiche verantwortlich sind. Ebenfalls begünstigt werden leitende Manager, die Personalverantwortung tragen und über weitreichende Entscheidungsbefugnisse verfügen.
Die dritte Gruppe bilden Mitarbeiter mit spezialisiertem Fachwissen (Specialized knowledge workers). Dabei handelt es sich um Mitarbeiter, die über unternehmensspezifisches Know-how verfügen, zum Beispiel über Produkte, Technologien oder interne Geschäftsprozesse des Unternehmens.
Ob ein Antrag auf eine ICT work permit Aussicht auf Erfolg hat, hängt jedoch nicht allein von der Stellenbezeichnung ab, sondern von mehreren Faktoren. Die kanadischen Behörden prüfen insbesondere die tatsächlichen Aufgaben, die organisatorische Einbindung, die Entscheidungsbefugnisse sowie die Vergütung des Mitarbeiters. Vor allem bei Mitarbeitern mit spezialisiertem Fachwissen gelten hohe Anforderungen. Unternehmen müssen nachvollziehbar darlegen, weshalb das vorhandene Fachwissen außergewöhnlich ist und weshalb es gerade in Kanada benötigt wird.
Weiterhin ist in vielen Fällen auch erforderlich, dass der Mitarbeiter innerhalb der letzten drei Jahre mindestens zwölf Monate ununterbrochen in einer vergleichbaren Position für das ausländische Unternehmen tätig gewesen ist.
Entscheidend ist auch Unternehmensstruktur. Zwischen dem entsendenden Unternehmen und dem kanadischen Unternehmen muss eine anerkannte rechtliche Verbindung bestehen. Zulässig sind insbesondere Muttergesellschaften und Tochtergesellschaften.
Entsendung sorgfältig vorbereiten
Besondere Bedeutung hat die ICT work permit bei der Gründung eines neuen Unternehmens in Kanada. Viele Unternehmen entsenden zunächst erfahrene Führungskräfte oder Mitarbeiter mit Fachwissen, um den Aufbau des kanadischen Geschäfts zu begleiten und zu etablieren.
Vor der Einreichung des eigentlichen Arbeitsgenehmigungsantrags durch den entsprechenden Mitarbeiter muss das kanadische Unternehmen ein Stellenangebot (Offer of Employment) über das Employer Portal der kanadischen Einwanderungsbehörde einreichen. Dabei werden unter anderem Angaben zum Unternehmen, zur vorgesehenen Tätigkeit, zur Vergütung sowie zur Begründung der LMIA-Befreiung übermittelt. Nach erfolgreicher Übermittlung der Daten erhält das Unternehmen eine Referenznummer, die der Mitarbeiter seinem Antrag auf Arbeitserlaubnis beifügt.
Anträge scheitern oft an unzureichend formulierten Tätigkeitsbeschreibungen oder den fehlenden Nachweisen über die Führungsverantwortung beziehungsweise das spezialisierte Fachwissen des Mitarbeiters. Eine sorgfältige Vorbereitung der Unterlagen sowie eine nachvollziehbare Darstellung der Funktion des Mitarbeiters erhöhen die Erfolgsaussichten deutlich.
Grundsätzlich kann die ICT work permit einen erheblichen Beitrag bei der Expansion nach Kanada leisten, um Schüsselpersonal schnell und rechtssicher an einen neuen Standort in Kanada zu entsenden.
Zum Thema:
- GTAI-Publikation Recht kompakt Kanada