Wirtschaftsumfeld | Zentralasien | Konsumverhalten
84 Millionen Konsumenten: Absatzmarkt Zentralasien wächst
Die Region Zentralasien hat seit dem Jahr 2025 mehr Einwohner als Deutschland. Hochwertige Konsumgüter stoßen auf Nachfrage, vor allen in Kasachstan und Usbekistan
21.09.2026
Die Bevölkerung Zentralasiens könnte von derzeit rund 84 Millionen bis 2040 auf 96 Millionen Menschen steigen. Das schätzt die Eurasische Entwicklungsbank. Doch nicht nur die Bevölkerungsprognosen zeigen nach oben.
Auch wirtschaftlich wächst die Region seit Jahren um zwischen 5 und 11 Prozent. Internationale Beobachter rechnen damit, dass sich die Konjunktur mittelfristig etwas abkühlt. Ihren Wachstumskurs dürfte die Region jedoch fortsetzen.
Aus Unternehmenssicht sind insbesondere Kasachstan und Usbekistan interessant. Die beiden Länder sind die wirtschaftlichen Schwergewichte in Zentralasien. Kasachstan, das Land mit der höchsten Kaufkraft in Zentralasien, hat Russland und China nominal beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf inzwischen überholt. Usbekistan zählt dagegen mit 38 Millionen Menschen allein fast die Hälfte der Bevölkerung der Region. Vor allem in den Metropolen beider Länder bietet eine wachsende Mittelschicht Absatzpotenzial für Konsumgüter und Dienstleistungen, auch aus Deutschland.
Einzelhandelsumsätze steigen in allen Ländern Zentralasiens
Die Marktforscher von Infoline schätzen, dass die Einzelhandelsumsätze in Zentralasien 2025 erstmals die Marke von 100 Milliarden US-Dollar (US$) überschritten haben. Kasachstan steht für rund die Hälfte davon, Usbekistan für etwa ein Drittel. Der Rest entfällt auf die kleineren Republiken Kirgisistan, Tadschikistan und Turkmenistan.
Neben dem Bevölkerungswachstum treiben Urbanisierung, die Expansion von Handelsketten sowie der Boom des Onlinehandels die Entwicklung an. Besonders dynamisch wächst der Einzelhandel in Usbekistan. Das Statistikamt meldete im 1. Halbjahr 2026 einen Anstieg von rund 20 Prozent.
Das Land hat erheblichen Nachholbedarf. Erst 2016 startete die wirtschaftliche Öffnung. Ein Anteil des E-Commerce am Einzelhandel von zwischen 3 und 5 Prozent macht deutlich, dass sich Usbekistan weiterhin in einer Aufholphase befindet. Traditionelle Handelsformen, darunter Märkte und Basare, dominieren den Einzelhandel weiterhin.
In Kasachstan ist der Onlinehandel mit rund 14 Prozent im Jahr 2025 deutlich stärker. Bis 2030 prognostiziert die Regierung eine Zunahme auf 20 Prozent.
Im Premiumsegment bleiben stationäre Läden gefragt
Den E-Commerce-Boom beobachtet auch Daniel Braun, CEO von BSH Hausgeräte in Kasachstan. "Mittlerweile werden in Kasachstan mehr als 40 Prozent der Haushaltsgeräte online verkauft", sagt Braun im Gespräch mit Germany Trade & Invest. Gleichzeitig bleibt der stationäre Handel insbesondere im Premiumsegment wichtig.
betrug der Anteil von Lebensmitteln an den Einzelhandelsumsätzen in Kasachstan 2025.
So eröffnete das Unternehmen einen neuen Flagship-Store 2024 in Almaty. Die Kundschaft kann dort die Geräte live im Einsatz erleben. BSH betreibt gemeinsam mit Partnern inzwischen 13 Bosch-Geschäfte in Kasachstan und hält am Expansionskurs fest. "Die Markentreue ist sehr hoch", erläutert der BSH-CEO für Kasachstan und fügt hinzu, dass das größte Land Zentralasiens für sein Unternehmen ein wichtiger Wachstumsmarkt bleibe.
| Messe | Schwerpunkt | Standort | Nächste Termine |
|---|---|---|---|
| Retail Show Central Asia | Einzelhandel, E-Commerce, Ladeneinrichtung, Logistik | Taschkent | 27. bis 29. April 2027 |
| Foodexpo Qazaqstan | Lebensmittel, schnelllebige Konsumgüter (FMCG), Supermärkte | Almaty | 11. bis 13. November 2026 |
| UzFood | Lebensmittel, FMCG, Supermärkte | Taschkent | 13. bis 15. April 2027 |
| Central Asia Houseware | Haushaltswaren, Haushaltsgeräte | Almaty | 24. bis 26. Juni 2027 |
Mittelständler passen ihre Produkte an örtliche Bedürfnisse an
Mittelständische Unternehmen verkaufen ihre Produkte in Kasachstan überwiegend über Vertriebspartner. Dazu zählt auch Pufas, ein Hersteller von Renovierungsprodukten wie Tapetenkleister, Spachtelmassen und Reiniger. In Kasachstan verkauft Pufas seine Produkte unter anderem über größere Baumarktketten.
"Wir sind seit über 20 Jahren auf dem Markt und sind mit unseren Partnern gewachsen“, sagt Export Director Andreas Alexander am Stand des Unternehmens auf der Baumesse KazBuild im September 2026 in Almaty. Dies sei auch deshalb möglich gewesen, weil Pufas seine Produkte an die Bedürfnisse der Kundschaft angepasst habe.
Neue Kundschaft zu gewinnen, sei schwierig. "Zentralasien ist kein neuer Markt mehr. Viele Unternehmen haben die Region für sich entdeckt“, beschreibt Alexander die aktuelle Wettbewerbssituation. Die Konkurrenz komme neben China, der Türkei und Russland zunehmend auch aus Kasachstan selbst.
"Gegen China gewinnt man in Zentralasien nicht über den Preis. Entscheidend sind technologische Qualität, Verlässlichkeit, guter Service und langfristige Partnerschaften",
sagt Eduard Kinsbruner, Delegierter der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien.
Weiterführende Informationen zu Recht, Zoll und Einfuhr
Vor dem Markteintritt sollten Unternehmen die Anforderungen an Zulassungs-, Registrierungs- und Zertifizierungspflichten prüfen. Einen Überblick hierzu bieten die Publikationen Zoll und Einfuhr kompakt Kasachstan und Usbekistan.
Einen ersten Überblick über Verbraucherschutzvorschriften, Produkthaftung und Gewährleistungsansprüche vermitteln Recht kompakt Usbekistan und Recht kompakt Kasachstan.
Beim Online-Handel können zudem besondere Registrierungs- und Steuerpflichten gelten. Weitere Informationen dazu finden Sie in unseren Beiträgen zu E-Commerce in Kasachstan und zur Umsatzsteuer in Usbekistan.