Special | Kenia | Wasser - Die knappe Ressource
Kenia setzt bei Wasserprojekten auf private Investoren
Wasser wird in Kenia knapp – und zum Investitionsthema. Geber und private Investoren gewinnen bei Projekten an Bedeutung.
20.03.2026
Von Carsten Ehlers | Nairobi
Investitionen in die kenianische Wasser- und Abwasserinfrastruktur werden zunehmen. Das Bevölkerungswachstum von rund 1,2 Millionen Menschen pro Jahr, Urbanisierung, Zersiedelung, Umweltprobleme und zunehmend unberechenbare Regenzeiten verschärfen den Handlungsdruck. Viele Landesteile sind trocken. Das regenreiche Hochland dient als zentrales Wasserreservoir.
Angesichts der hohen Staatsverschuldung kann die Regierung Investitionen nur begrenzt finanzieren. Internationale Geber stellen weiterhin Kredite für öffentliche Projekte bereit, auch wenn die Budgets der Entwicklungszusammenarbeit weltweit unter Druck stehen. Neben westlichen Gebern engagiert sich insbesondere China.
Parallel dazu wächst das Engagement privater Investoren. Das Umfeld hat sich zuletzt verbessert. Seit 2024 hat die Zentralbank den Leitzins schrittweise von 13 auf 8,75 Prozent gesenkt und damit Kredite verbilligt. Zudem hat sich der Kenianische Shilling gegenüber dem US-Dollar (US$) stabilisiert. Gegenüber dem Euro verlor er zwischen Februar 2025 und Februar 2026 jedoch rund 15 Prozent an Wert.
Deutsche Unternehmen sind als Berater gefragt
Auch wenn asiatische Billigkomponenten den Markt dominieren, bestehen Chancen für deutsche Unternehmen. Bei staatlichen Wasserprojekten sind sie vor allem als Berater oder Zulieferer aktiv. Deutsche Bauunternehmen sind – mit Ausnahme der österreichisch-deutschen Strabag – in Kenia nicht vertreten.
In den letzten zehn Jahren haben staatliche chinesische Bauunternehmen den kenianischen Bausektor weitgehend übernommen und sind heute lokal registriert. Geber vergeben Projekte daher häufig an chinesische Baukonzerne, sie sehr günstig anbieten und zugleich gute Qualität liefern. Die scharfe Kritik an dieser Praxis erhöht jedoch den Druck, Vergabestrukturen zu diversifizieren. Deutsche Ingenieurbüros übernehmen bereits regelmäßig die Bauaufsicht.
Beratende Ingenieure im Ausland
Bei großen Infrastrukturprojekten sind vielfältige Beratungsleistungen gefragt. Deutsche Ingenieurbüros führen weltweit unter anderem Machbarkeitsstudien durch, prüfen Designs und überwachen den Bau. Branchenvertreter berichteten GTAI von ihren Projekten in Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika. Dabei wird deutlich: Deutsche Ingenieure sind vor allem in aufstrebenden Märkten aktiv. Dort sind sie oft auf Partner angewiesen. Wir beleuchten, wie sich die Deutschen gegen die Konkurrenz durchsetzen und an Aufträge kommen. Außerdem geben wir rechtliche Tipps. Erfahren Sie im GTAI-Online-Special mehr über Erfolgsfaktoren, Hürden und Besonderheiten der Branche.
Für Komponentenlieferanten ist insbesondere Nairobi ein guter Standort: Von dort lassen sich neben dem lokalen Markt auch Uganda, Tansania und Ruanda bedienen. Der Pumpenhersteller Wilo montiert seit 2023 lokal in Kenia. Nähe zum Kunden, Beratungskompetenz und flexible Finanzierungsmodelle sind entscheidend für nachhaltigen Markterfolg.
Preisdeckelung wirkt als Investitionsbremse
In der Wasserversorgung erzielte Kenia in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte: Heute haben rund 50 bis 60 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Trinkwasser. Klimatische Veränderungen führten jedoch zu unregelmäßigeren Niederschlägen und zum teilweisen Austrocknen von Süßwasserreservoirs.
Parallel bauen die Versorger die Netze in Großstädten wie Nairobi, Mombasa, Nakuru und Kisumu aus. Allein Nairobi benötigt derzeit rund 935.000 Kubikmeter Wasser pro Tag. Der Bedarf wächst jährlich um etwa 20.000 Kubikmeter. Die vorhandene Versorgungskapazität von 658.000 Kubikmetern reicht nicht aus und führt regelmäßig zu Wasserknappheit.
Dem Wasserversorger Nairobi City Water & Sewerage Company (NWSC) fehlen jedoch die Mittel für eigene Netzinvestitionen. Zwar sollte die Kommerzialisierung den Wassernetzbetreibern (Water Service Provider/WSP) Investitionen aus eigener Kraft ermöglichen, doch politisch niedrig gehaltene Wasserpreise begrenzen die Einnahmen.
Der Staat öffnet sich verstärkt Public Private Partnerships (PPP). Aktuell laufen zwei Projekte, das Sabaki Water Carrier Project sowie der Bau der Meerwasserentsalzungsanlage in Lamu für rund 700 Millionen Euro,. Der private Partner des Wasserministeriums Rasli Bahari Kenya soll dafür eine 30-jährige Betreiberlizenz erhalten. Aktuelle Ausschreibungen finden Sie In unserer Projektdatenbank im Bereich Wasser und Umwelt.
Effizienzlösungen für kommunale Betreiber gefragt
Kommunale Betreiber suchen vor allem Lösungen, die Kosten senken oder Einnahmen erhöhen. Deutsche Anbieter haben Vorteile, wenn sie über die Lieferung einzelner Komponenten hinausgehen und integrierte, effiziente Lösungen anbieten – etwa die Installierung und Wartung solarbetriebener Pumpen oder Technologien zur Reduzierung der hohen Wasserverluste.
In den schnell wachsenden sogenannten Informal Settlements an den Stadträndern der Städte sind zudem dezentrale Versorgungskonzepte gefragt. Platzmangel und begrenzte Zahlungsfähigkeit erschweren den Netzausbau. Bewährt haben sich dort privat betriebene Wasserkioske, an denen Anwohner Trinkwasser gegen Bezahlung in Kanister beziehen.
Abwasserentsorgung bleibt eine zentrale Baustelle
Die Abwasserentsorgung gewinnt an Bedeutung, da Abwassermengen und Umweltbelastungen stark zunehmen. Mit einer Abdeckungsrate von etwa 15 Prozent ist sie bislang rudimentär. Die kleinen Abwassernetze in den Städten stammen oft noch aus der Kolonialzeit, werden nun aber – häufig mit Geberfinanzierung – ausgebaut.
Seen nahe den Großstädten Kisumu und Nakuru sind bereits stark verschmutzt, weil ungeklärte Abwässer eingeleitet werden. Zwar entstehen in den Städten neue Kläranlagen, doch mangels teurer Hausanschlüsse bleiben sie oft unterausgelastet. Dezentrale Anlagen sein oder Gemeinschaftssanitärsysteme mit regelmäßiger Entleerung gelten als praktikable Alternativen.
| Projektbezeichnung | Investitionssumme (Millionen Euro) | Projektstand | Anmerkung/Ansprechpartner |
| Ruiru II Damm | 58 *) | Im Bau seit 2021. Fertigstellung verzögert sich bereits um Jahre. | Wasserversorgung für Nairobi. PPP zwischen Sogea-Satom, Egis (beide Frankreich) und Athi Water Works Development Agency. Bau eines Damms bei Nairobi mit 7,5 Mio. cbm Kapazität. Auch soll eine Trinkwasseraufbereitungsanlage mit 40.000 cbm/Tag nahe der Stadt Kiambu gebaut werden. |
| Thwake Multipurpose-Damm | 647 | Im Bau. Zu ca. 94% fertig (Stand: März 2026); Fertigstellung verzögert sich bereits um Jahre. | Wasserversorgung für die Distrikte Makueni und Kitui, östlich von Nairobi. Investor: Tanathi Water Works Development Agency. Baudurchführung: CGGC. Finanzierung: Kenianische Regierung, AfDB. Zu dem Projekt gehört auch die teilweise Umleitung des Athi-Flusses in zwei 700-Meter-lange Tunnel. |
| Mwache Multipurpose-Damm | 160 | Im Bau. Zu etwa 70-80% fertig (Stand: März 2026). | Wasserversorgung für die Küstenregionen Kwale, Mombasa und Kilifi, vor allem für die Bewässerung von Agrarflächen. Die Kapazität des Dammes liegt bei 118 Mio. cbm. Investor: Ministry of Water, Sanitation & Irrigation. Finanzierung: Weltbank. |
| Mzima Springs II | 280 – 336 | Seit Jahren geplant. Baubeginn verzögert sich immer wieder. | Wasserversorgung der Küste. Investor: Coast Water Works Development Agency. Finanzierung: China Exim Bank. Bau eines Damms sowie einer 220-km-langen Pipeline von den Mzima-Springs im Tsavo-West Nationalpark über Taita und Voi bis an die Küste. |
| National Urban Water Supply and Sanitation Program (NUWSSP) | 157 | Programm läuft seit Ende 2024. | Ausbau der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in den größeren Städten Kenias. Finanzierung: AfDB, Investor: Ministry of Water, Sanitation & Irrigation. |
| Shirika Plan | 822 *) | Umsetzung läuft seit 2025. | Regierung will Flüchtlingscamps in Dadaab (Garissa) und Kakuma-Kalobeyei (Turkana) in Kommunen entwickeln, die sich selbst versorgen können. Dazu zählt auch der Ausbau der Wasserinfrastruktur. Die Weltbank ist einer der Finanzierer. |
Landwirtschaft und Industrie: Private Unternehmen sind attraktive Kunden
Landwirtschaft und Industrie zählen zu den wichtigsten privaten Wasserkunden. Große Verbraucher finden sich in der Nahrungsmittel- und Baustoffindustrie. Konzerne wie Coca-Cola haben ihre internen Umweltstandards und investieren entsprechend in moderne Abwasseraufbereitung.
Viele lokale Unternehmen unterliegen solchen Standards aber nicht und leiten Abwässer teils ungeklärt in Flüsse ein. Zwar verfügt Kenia über eine vergleichsweise gute Umweltgesetzgebung, jedoch bleibt ihre Durchsetzung lückenhaft.
In der Landwirtschaft sind vor allem exportorientierte Betriebe für Schnittblumen, Kaffee oder Avocados potenzielle Kunden. Sie stehen zunehmend unter Druck, Umweltauflagen der Abnehmerländer einzuhalten. Gerade Blumenfarmen belasten umliegende Gewässer durch Dünger und Agrochemikalien.
Gut zu wissen: Beteiligungschancen, Finanzierung und rechtliche Rahmenbedingungen
- Ausschreibungen: Die staatlichen Water Works Development Agencies (WWDA) sind für die Infrastrukturmaßnahmen zuständig und in insgesamt neun Regionen aktiv. Die größten sind Athi WWDA (Region Nairobi), Central Rift Valley WWDA (Naivasha und Nakuru) sowie Coast WWDA (Küste, Mombasa). Vereinzelt schreibt auch das Ministry of Water, Sanitation and Irrigation aus. Vorsicht: Die Zahlungsmoral einiger kenianischer Behörden ist schlecht, speziell wenn kein Geber involviert ist.
- Betrieb: Water Service Providers (WSP) sind die (in der Regel staatlichen) Betreiber der Wassernetze. Einer der größten WSP ist Nairobi City Water & Sewerage Company (kurz: Nairobi Water).
- Finanzierung: Im Wasser- und Abwasserbereich dominieren: Weltbank, Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB), EU, KfW und Agence Française de Développement (AFD) und Danida. Die KfW hat im Jahr 2013 entschieden, sich in Kenia aus dem Wassersektor herauszuziehen.
- Eine Reihe von Projekten werden von der chinesischen Regierung finanziert. Hier bestehen geringe Beteiligungschancen für deutsche Unternehmen.
- Informationen zu aktuellen Projekten bietet die GTAI-Länderseite Kenia, Rubrik "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".
- Gesetzlicher und politischer Rahmen: Das wichtigste Gesetz ist der Water Act aus dem Jahr 2016. In der Water Policy aus dem Jahr 2021.
Bezeichnung | Anmerkungen |
| Germany Trade & Invest (GTAI) | Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft |
| Delegation der Deutschen Wirtschaft in Kenia | Anlaufstelle für deutsche Unternehmen mit Kompetenzzentrum "Energie und Umwelt" |
| Ministry of Water, Sanitation and Irrigation | Zuständiges Ministerium für den Wassersektor |
| Water Services Regulatory Board (WASREB) | Regulierer der Wasserversorgung |
| National Water Harvesting & Storage Authority (NWHSA) | Zuständig für das Management der Wasserressourcen |
| Water Resources Authority (WRA) | Regulierer für die Wasserressourcen |
| Kenya Water Institute | Staatliche Fach- und Ausbildungsinstitution |