Logistik | Kolumbien
Kolumbien will Logistik modernisieren
Der Transport von Gütern erfolgt in dem Andenstaat größtenteils über die Straße. Umfassende Infrastrukturvorhaben sollen das ändern.
03.02.2023
Transportwege und -zeiten
Der Großteil des Transportvolumens wird in Kolumbien über Landwege abgewickelt. Die wichtigsten Strecken verbinden die Ballungszentren Bogotá, Medellín und Cali mit den Häfen an der Atlantik- und Pazifikküste. Der Transport über die Straße ist aufgrund des schlechten Zustands vieler Straßen und der bergigen Topografie langwierig. Im Schnitt benötigt ein Container von Cartagena nach Bogotá mindestens zwei bis drei Tage Transportzeit. Spritverbrauch, Fixkosten und Mautgebühren treiben zudem die Preise in die Höhe. Zusätzlich ist Kolumbiens Logistik anfällig für Blockaden durch Proteste und Erdrutsche.
Schienenwege sollen reaktiviert werden
Über die Schiene werden in Kolumbien fast ausschließlich Kohle und Zement transportiert. Aktuell sind nur vier Schienenverbindungen in Betrieb: Bogotá - Belencito (vor allem Zementtransport), La Dorada - Chiriguaná, Chiriguaná - Santa Marta sowie die private Zuglinie des Kohleunternehmens Cerrejón. Mittelfristig sollen alte Zugstrecken reaktiviert und stärker für den Gütertransport genutzt werden. Unter anderem sind ein 850 Kilometer langer Pazifikkorridor von Buenaventura nach La Felisa sowie Investitionen von rund 440 Millionen US-Dollar (US$) in die Modernisierung der Zugstrecke La Dorada - Chiriguaná vorgesehen. Letztere ist Teil des Infrastrukturprogramms der fünften Generation (Programa de Quinta Generación) mit einem Gesamtwert von über 10 Milliarden US$. Laut der nationalen Infrastrukturagentur ANI könnte das landesweite Portfolio im Schienenverkehr in den nächsten 20 Jahren auf über 30 Milliarden US$ anwachsen. Auch eine nationale Eisenbahnagentur sei geplant.
Der Großteil des Transportvolumens über die Flüsse entfällt auf den Río Magdalena, den wichtigsten Fluss Kolumbiens. Er schlängelt sich von Süden nach Norden und mündet bei Barranquilla in das Karibische Meer. Über den Río Magdalena erfolgt hauptsächlich der Transport von Treibstoffen, Schüttgut, Zement und Papier - meist durch veraltete Schiffe. Auch die Verbesserung der Befahrbarkeit des Río Madgalena ist Teil des Infrastrukturprogramms und soll in den kommenden Jahren forciert werden, ebenso die Verbindung zwischen dem Río Magdalena und der Stadt Cartagena (Canal del Dique).
Logistikdrehscheiben
Dank seiner geografischen Lage zwischen Europa und Asien, der Nähe zum Panamakanal sowie dem Zugang zum Atlantik und Pazifik fungiert Kolumbien immer mehr als internationales Logistikdrehkreuz. 9 von 10 Tonnen des internationalen Seetransports des Landes wird über die Karibikküste abgewickelt. Vor allem der Hafen Cartagena sticht heraus. Durch Modernisierung und Ausbau entwickelte er sich zum wichtigsten internationalen Warenumschlagplatz Kolumbiens und einem der wichtigsten Häfen Lateinamerikas. In Cartagena haben sich die meisten der insgesamt 115 ausländischen Seetransportunternehmen im Land niedergelassen. Die Reederei Hamburg Süd unterhält in Cartagena ihren weltweit größten Verbindungshub.
Auch die Häfen in Barranquilla und Santa Marta an der Karibikküste spielen eine bedeutende Rolle. In den Hafenzonen Ciénaga, Golfo de Morrosquillo und Guajira werden hauptsächlich Massengüter wie Kohle und Erdöl verladen. Buenaventura am Pazifik ist der Eingangshafen für Sendungen aus Asien. Im Gegensatz zu den Häfen an der Karibikküste ist der Hafen von Buenaventura allerdings wesentlich rückständiger. In der Luftfracht ist der Flughafen Bogotá mit 742.000 Tonnen jährlichem Warenumschlag der wichtigste Frachtflughafen Lateinamerikas.
Bezeichnung | Warenumschlag (2021, in Tonnen) | Anmerkung |
|---|---|---|
Hafen Cartagena | 45,4 Mio. | Wichtigster Hafen für internationale Umladungen (Transshipments); Importe aus Nordamerika und Europa; wurde für Postpanamax-Schiffe ausgebaut |
Hafen Buenaventura | 17,9 Mio. | Wichtigster Importhafen vor allem für Güter aus Asien |
Hafen Barranquilla | 11,8 Mio. | Importe aus Nordamerika und Europa; gewinnt durch bessere Befahrbarkeit des Magdalena-Flusses mittelfristig als Umschlagplatz an Bedeutung |
Hafen Santa Marta | 8,6 Mio. | Wichtiger Import- und Exporthafen; Kohleverladung |
Freizone La Candelaria (Cartagena) | 1,7 Mio. (Wareneingänge) | Liegt im Industriepark und Petrochemie-Komplex Mamonal |
1,1 Mio. (Wareneingänge) | Direkte Anbindung an Hafen Barranquilla | |
Flughafen Bogotá (El Dorado) | 742.000 | Umschlaghub für Handel mit Nord- und Südamerika sowie Europa; wichtig für Exporte von Blumen und Früchten |
Flughafen Medellín (Rionegro) | 107.000 | Wichtig für Exporte von Blumen und Früchten in die USA |
Flughafen Cali | 37.000 | Wichtig für Exporte nach Ecuador, Peru, Panama und in die USA |
Flughafen Barranquilla | 34.000 | Dient hauptsächlich dem Handel mit den USA |
Besonders die Freizonen (Zonas Francas) sind wichtige Logistikzentren, um Investitionen im Land anzukurbeln. Innerhalb dieser Zonen herrschen Zoll- und Steuervorteile. Die Zahl der Freizonen in Kolumbien ist in den letzten Jahren konstant gestiegen und lag Ende 2022 bei 115. Viele befinden sich in Bogotá und Umgebung sowie an der Karibikküste. Die Einfuhren kommen vor allem aus China, Ausfuhren gehen überwiegend in die USA und nach Europa.
Transportunternehmen
Neben international tätigen Transportfirmen arbeiten diverse Kurier- und Expressdienste wie Servientrega, Inter Rapidísimo, TCC und Deprisa im Land. Wichtigste deutsche Transportunternehmen in Kolumbien sind Kühne+Nagel, DHL, Hellmann und DB Schenker. Kühne+Nagel betreibt ein Distributionszentrum in Siberia bei Bogotá (15.000 Quadratmeter) und ein zweites im Hafen Cartagena (20.000 Quadratmeter). Das Unternehmen ist Marktführer im Bereich internationale Warenlieferungen und besonders kompetent bei verderblichen Waren wie etwa Schnittblumen oder Lebensmitteln.
Laut Branchenkennern hat Deutschland bei Technologielösungen wie Kontrolltürmen oder Sensortechnik Chancen, seine Marktanteile weiter auszubauen. Nachteile im kolumbianischen Markt seien die vielen und komplizierten Zoll- und Handelsvorschriften, sagt Henrik ter Huerne, Geschäftsführer bei Schryver in Kolumbien. So können Fehler in der Zollerklärung kaum korrigiert werden und bereits bei kleinen Versäumnissen fallen hohe Geldstrafen an.
Anbieter | Niederlassungen | Anmerkungen |
|---|---|---|
Kuehne+Nagel (Deutschland) | 6 Niederlassungen (Bogotá, Cartagena, Barranquilla, Medellín, Cali, Pereira) | Spezialisiert auf internationale Logistikdienstleistungen für Unternehmen |
DHL (Deutschland) | Niederlassungen in allen mittleren und großen Städten Kolumbiens | In Kolumbien vertretene Divisionen: DHL Express, DHL eCommerce, DHL Global Forwarding |
Blu Logistics (Kolumbien) | 6 Niederlassungen (Bogotá, Medellín, Cali, Barranquilla, Bucaramanga, Pereira) | 1995 gegründet |
DSV Air & Sea (Dänemark) | 13 Niederlassungen in den wichtigsten Städten | Lager in Bogotá und Medellín (30.000 m²) |
Hellmann Worldwide Logistics (Deutschland) | 7 Niederlassungen (Bogotá, Cali, Barranquilla, Cartagena, Santa Marta, Buenaventura, Ipiales) | Internationaler Logistikanbieter |
Sunrise Cargo (Kolumbien) | 7 Niederlassungen (Bogotá, Medellín, Cali, Pereira, Barranquilla, Cartagena, Buenaventura) | Vertretung von DB Schenker, über 200 Mitarbeiter, zwei Lager in Bogotá (17.000 m²) |
Schryver (Deutschland) | 3 Niederlassungen (Bogotá, Medellín, Cartagena) | Lateinamerikaspezialist, Spedition und Zollagent |
Lieferbedingungen, Transportversicherung
In den Kaufverträgen wird vereinbart, nach welchen Lieferbedingungen der Warenverkehr zwischen Verkäufer und Käufer abgewickelt werden soll. Wenn dies nicht individuell im Kaufvertrag geregelt werden soll, einigen sich die Vertragspartner auf handelsübliche Lieferklauseln wie die INCOTERMS. Die vollständige deutschsprachige Fassung der INCOTERMS wird von der International Chamber of Commerce (ICC) in Deutschland herausgegeben.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV bietet ein Transport-Informations-Serviceportal mit zahlreichen Informationen und Links zum Thema Transportversicherungen. Da etwa 80 bis 90 Prozent des Außenhandels von internationalen Logistikfirmen abgewickelt werden, arbeiten diese mit den Transportversicherungen zusammen, mit denen sie ohnehin weltweit kooperieren.
Bezeichnung | Anmerkung |
|---|---|
Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) | Dachorganisation der privaten Versicherer in Deutschland |
Gibt unter anderem ein kostenpflichtiges Handbuch für den internationalen Straßengüterverkehr in 64 Ländern heraus. | |
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