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Regierungswechsel bringt neuen Schwung in Kolumbiens Bergbau
Der kolumbianische Bergbau hat schwere Jahre hinter sich. Nun herrscht Aufbruchstimmung. Auch für deutsche Anbieter entstehen neue Chancen. Woher kommt der Optimismus?
30.10.2026
Kolumbiens Bergbau stand in den vergangenen Jahren unter erheblichem Druck. Regulatorische Eingriffe, Steuererhöhungen, der Stopp von Kohleausfuhren nach Israel und Sicherheitsprobleme in vielen Landesteilen belasteten die Branche. Inzwischen wächst jedoch die Hoffnung auf eine Trendwende. Laut dem Branchenverband ACM könnte der Sektor in den kommenden Jahren um bis zu 10 Prozent jährlich wachsen. Bergbauprojekte könnten innerhalb der nächsten vier Jahre Investitionen von knapp 5 Milliarden US-Dollar (US$) anziehen.
Wie tief die Branche zuvor in die Krise geraten war, zeigen die Zahlen des Verbands: Innerhalb von vier Jahren sank die Produktion um 18 Prozent, die ausländischen Direktinvestitionen brachen um 88 Prozent ein. Auch im internationalen Vergleich schneidet der Standort schlecht ab: In einer Umfrage des Fraser-Instituts von Ende 2025 belegte das Land bei der Bewertung seiner Bergbaupolitik Platz 57 von 68 Ländern.
Die schwache Entwicklung bekam auch der deutsche Antriebstechnikspezialist SEW Eurodrive Kolumbien zu spüren. Laut Geschäftsführer Marcelo Paraluppi hat sich der Anteil des Bergbaus am Unternehmensumsatz zwischen 2022 und 2025 halbiert. Für die kommenden Jahre ist er jedoch optimistischer: "Wir erwarten, dass sich die Branche in den nächsten Jahren erholt und auch der Anteil des Bergbaus an unserem Umsatz wieder merklich steigen wird."
Neue Regierung setzt auf Bergbau als Wachstumstreiber
Die kolumbianische Bergbaubranche setzt vor allem auf Impulse durch die neue Regierung unter dem seit August 2026 amtierenden Präsidenten Abelardo de la Espriella. Erste Maßnahmen sind bereits zu erkennen. Kurz nach Amtsantritt setzte sie zehn Dekrete und Resolutionen der Vorgängerregierung unter Gustavo Petro außer Kraft. Damit wurden Umweltauflagen und andere Restriktionen aufgehoben, die Bergbauprojekte eingeschränkt hatten. Daneben soll Bürokratie im Sektor abgebaut werden. Auch den Exportstopp für Kohle nach Israel nahm die Regierung zurück.
Unabhängig davon gibt es einige Vorhaben, um neue Segmente der Branche gezielter zu regulieren:
- Nachverfolgbarkeit von Mineralien: Eine neue Plattform zur Rückverfolgbarkeit von Mineralien der Nationalen Bergbauagentur ANM stärkt die Kontrolle und Nachverfolgung von Wertschöpfungsketten.
- Minenschließungen: Dekret 0742 von 2026 legt Richtlinien für umwelt- und sozialverträgliche Minenschließungen fest.
- Strategische Rohstoffe: Kolumbien und die USA unterzeichneten im September 2026 eine Absichtserklärung, um den Austausch geologischer Daten zu vertiefen und Investitionen in kritische Rohstoffe zu fördern. Zudem arbeitet die nationale Planungsbehörde DNP an einer nationalen Strategie für strategische Mineralien.
Neue Bergbauprojekte nehmen Fahrt auf
Für Schub im Sektor sorgen neue Ausschreibungsrunden für Kupfer, Gold und polymetallische Rohstoffe sowie Phosphat. Im Juli 2026 gab die ANM die Unterzeichnung der ersten fünf Verträge bekannt.
Daneben schreiten bereits laufende Projekte weiter voran:
- Das kanadische Unternehmen Aris Mining investiert in seine Projekte Soto Norte und Marmato. Letzteres soll Ende 2026 mit der Goldproduktion beginnen. Das Bergbauprojekt Soto Norte war durch ein inzwischen aufgehobenes Umweltschutzdekret der Regierung von Gustavo Petro für das Gebiet Santurbán blockiert worden.
- Derweil schreiten die Explorationsbohrungen bei den Projekten Yarumalito, Quinchía und Guayabales voran.
- Bei dem lange Zeit verzögerten Projekt Quebradona verlängerte die ANM im August 2026 die Explorationsphase, sodass der Betreiber 2027 eine neue Umweltstudie einreichen will.
- Das Kupferprojekt Alacrán zählt zu den am weitesten fortgeschrittenen Vorhaben des Landes. Im Mai 2026 erhielt es die Umweltgenehmigung; 2027 soll die Bauphase beginnen.
Projektname (Rohstoff) | Investitionsvolumen (in Millionen US$) | Projektstand | Projektträger |
|---|---|---|---|
La Colosa (Gold) | 5.500 | Projekt an Mineros verkauft, neue Absprachen mit lokalen Interessensgruppen zur möglichen Reaktivierung geplant | AngloGold Ashanti, Mineros |
Quebradona (Gold, Kupfer, Silber) | 1.400 | Exploration bis 2027 verlängert; neue Umweltstudie geplant | Minera de Cobre Quebradona (AngloGold Ashanti) |
Soto Norte (Gold) | 1.200 | Studienphase | Minesa, Aris Mining |
Gramalote (Gold) | 740 | Machbarkeitsstudie abgeschlossen | Gramalote Colombia Limited |
La Mina (Gold, Kupfer, Silber) | 523 | vorläufige Wirtschaftlichkeitsstudie aktualisiert | La Mina Fredonia (GoldMining) |
Berlin (Uran) | 450 | Prüfung auf seltene Erden | Jaguar Uranium |
Quinchía (Gold, Silber) | 442 | fortgeschrittene Explorationsbohrungen | Miraflores Compañía Minera, Tiger Gold |
Alacrán (Kupfer, Gold, Silber) | 420 | Umweltlizenz erteilt, Bau ab Frühjahr 2027
| CMH Colombia, Minerales Córdoba |
Marmato (Gold) | 280 | im Bau, Betrieb ab Ende 2026 | Aris Mining, Wood Colombia |
Batero-Quinchía (Gold, Silber) | 169 | Explorationsarbeiten, zusätzliche Finanzierung wird gesucht | Minera Quinchía |
Nechí (Gold) | 50 | Anfrage zur Projektgenehmigung eingereicht, Baubeginn für Mitte 2027 erwartet | Soma Gold |
Wie deutsche Firmen profitieren
Für deutsche Unternehmen bietet der erwartete Aufschwung im kolumbianischen Bergbau gute Absatzchancen. Besonders attraktiv ist der Markt für Wartung und Service. Um ungeplante Produktionsausfälle zu vermeiden, investieren Bergbauunternehmen zunehmend in Predictive Maintenance, also die vorausschauende Wartung von Maschinen und Anlagen mithilfe von Betriebsdaten. Vor allem im Goldbergbau wächst der Bedarf.
"Gold ist im kolumbianischen Markt kurzfristig relevanter als Kupfer und erzeugt bereits konkrete Nachfrage", sagt Marcelo Paraluppi von SEW Eurodrive Kolumbien.
Daher wolle SEW Eurodrive Kolumbien seine Servicepräsenz im Departamento Antioquia ausbauen, weil das Unternehmen dort ein Wachstum des Goldbergbaus erwartet.
SEW Eurodrive baut entsprechend seine lokalen Servicekapazitäten deutlich aus. Für ein neues Servicezentrum im Raum Medellín plant Paraluppi mit 2,2 Millionen bis 3,4 Millionen US$. Nachfrage entsteht dabei nicht nur durch neue Bergbauprojekte. Auch bestehende Goldminen investieren verstärkt in Wartung, Service und Predictive Maintenance. Zusätzlich plant das Unternehmen den Bau einer neuen Anlage in Tocancipá bei Bogotá mit Investitionen von rund 14,6 Millionen US$.
Ein weiteres Wachstumssegment ist die Digitalisierung des kolumbianischen Bergbaus, etwa durch Online-Monitoring. "Auch hier sehen wir eine konkrete Nachfrage", so Paraluppi. "Die Kunden interessieren sich für Sensorik, Echtzeitüberwachung, historische Betriebsdaten und KI-gestützte Fehlererkennung." Ein weiterer Treiber sind laut Paraluppi die hohen Energiekosten. Steigende Preise erhöhen den Druck auf die Bergbauunternehmen, ihre Energieeffizienz zu verbessern.