Brasiliens Vorkommen wecken weltweit Interesse. Kann Brasilien den Sprung vom Rohstofflieferanten zum Verarbeitungsstandort schaffen?
Die Nachfrage nach seltenen Erden steigt. Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium – ohne sie gibt es keine leistungsfähigen Permanentmagnete für Elektromotoren, Windkraftanlagen, Robotik, Wehrtechnik und viele Präzisionsanwendungen der Industrie. Brasilien verfügt über die weltweit zweitgrößten Reserven seltener Erden und bedeutende Vorkommen weiterer kritischer Rohstoffe.
Neben dieser Rohstoffbasis bietet das fünftgrößte Land der Erde weitere Standortvorteile: politische und institutionelle Stabilität, eine breite Industriebasis, Bergbauerfahrung und eine vorbildlich saubere Energieversorgung. In dem aktuellen Global Critical Minerals Outlook 2026 beschreibt die Internationale Energieagentur (IEA) Brasilien daher als eines der wichtigsten Länder für den Aufbau resilienterer Lieferketten.
Brasilien will China Konkurrenz machen
China dominiert bislang die Technologien zur Auslaugung, Separation und Raffination seltener Erden sowie die Herstellung von Permanentmagneten. Mehrere Projekte in Brasilien wollen diese technologischen Kompetenzen nun außerhalb Chinas aufbauen.
Die brasilianische Regierung verfolgt dabei das Ziel, nicht nur Rohstoffe zu exportieren, sondern einen möglichst großen Teil der Wertschöpfung im eigenen Land zu halten. Entsprechend zählt der Bergbau zu den Prioritäten der industriepolitischen Agenda.
Beim Aufbau neuer Wertschöpfungsketten sieht Brasilien Europa als idealen Partner. Bereits heute liefert das Land mehr als 37 Prozent seiner kritischen Rohstoffe in die EU. Für deutsche Unternehmen eröffnen sich damit Chancen, sich frühzeitig in neue Liefer- und Wertschöpfungsketten für kritische Rohstoffe, Batteriematerialien und Magnetwerkstoffe einzubinden.
Zugleich baut Brasilien seine internationale Zusammenarbeit aus. Im Juli 2026 unterzeichnete das Ministerium für Bergbau und Energie (MME) eine Absichtserklärung mit Indien zur Kooperation bei seltenen Erden und kritischen Mineralien.
Von seltenen Erden bis zum PermanentmagnetenInitiativen zum Aufbau neuer Wertschöpfungsketten mit Brasilien| Unternehmen (Sitz) oder Projekt | Standort/Rohstoffquelle | Verarbeitung | Beginn/Ankündigung der Initiative |
|---|
| Solvay (Belgien) / Viridis (Australien) | Mine Colossus in Poços de Caldas (Minas Gerais) | Solvay trennt die Rohstoffe in La Rochelle (Frankreich) und bereitet sie zu hochreinen Oxiden auf. | MoU Liefervereinbarung (Juni 2026); Viridis beliefert Solvay ab 2028 mit Rohstoffen aus Brasilien. |
| USA Rare Earth (USA) / Serra Verde (USA/UK) | Mine Pela Ema in Minaçu (Goiás) | Aufbereitung von Dysprosium, Terbium und anderen Mineralien in Frankreich und im Vereinigten Königreich | M&A (April 2026); US-Regierung beteiligt sich und garantiert 15-jährige Abnahme; Pela Ema ist die erste Seltenerdmine Brasiliens in Betrieb; Serra Verde erweitert Kapazität auf 6.400 Tonnen SE-Mischkarbonat bis Ende 2027. |
| Carester (Frankreich) / Brazilian Rare Earths - BRE (Australien) | Mine Monte Alto in Rocha da Rocha (Bahia) | Carester verarbeitet die Rohstoffe in Frankreich und unterstützt Planung und Bau der Separationsanlage von BRE in Camaçari (Bahia). | Liefervereinbarung (Oktober 2025); Carester kauft über 10 Jahre 150 Tonnen Dysprosium und Terbium pro Jahr. |
| MAGBras | Technologiezentrum CIT SENAI in Lagoa Santa (Minas Gerais) sowie 28 Unternehmen und Institute, darunter der deutsche Maschinenbauer Steinert, Kfz-Konzern Stellantis und Stahlriese ArcelorMittal | Projekt zum Aufbau gesamter Wertschöpfungskette: Abbau, Trennung, Magnetfertigung und Recycling | 36-monatiges Projekt seit Juli 2025 |
| Vacuumschmelze - VAC (Deutschland/USA) / Aclara Resources (Kanada) | Mine Carina in Minacu (Goias) | Verarbeitung zu Magnetlegierungen voraussichtlich in den USA Magnetfertigung durch VAC in den USA und/oder Deutschland | MoU (Juli 2024); für ESG-konforme Lieferkette von der Mine bis zum Permanentmagneten |
| Ionic Rare Earths (Australien) / Viridis Mining (Australien) | Mine Colossus in Poços de Caldas (Minas Gerais) | Geplante Raffinerie zur Trennung seltener Erden und Recyclinganlage für Permanentmagnete in Brasilien | Joint Venture Viridion (April 2024); Joint-Venture; IonicRE bringt Separations- und Recyclingtechnologie ein. |
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest
Wo deutsche Unternehmen profitieren können
Brasilien rückt zunehmend in den Fokus europäischer Rohstoffstrategien. Dies zeigte sich auch bei den Besuchen von Bundesaußenminister Johann Wadephul und EU-Kommissar Jozef Síkela Mitte 2026. Teil der deutschen Wirtschaftsdelegation waren unter anderem die Technologiemetallunternehmen Vacuumschmelze, H.C. Starck, AMG und Deutsche E Metalle (DEM).
DEM entwickelt bereits ein Lithiumprojekt in Argentinien und plant noch 2026 den Einstieg in Brasilien. Laut Firmenchef Micha Zauner spielte dabei auch das vorläufig angewandte EU-Mercosur-Abkommen eine Rolle.
Das vorläufig in Kraft gesetzte EU-Mercosur-Abkommen hat die DEM dazu bewogen, Brasiliens immenses Potenzial von Seltenerdmineralien in einem eigenen Projekt im Bundesstaat Goias zu heben.
Micha Zauner
Vorstand von DEM – Deutsche E Metalle
Die größten Chancen für deutsche Unternehmen liegen im Midstream, der Stufe zwischen Erzförderung und Endprodukt. Genau dort weist Brasilien noch Lücken auf, die Regierung und Unternehmen schließen wollen.
Für den Aufbau einer eigenen Wertschöpfungskette für hochreine Seltenerdoxide benötigen brasilianische Projekte Aufbereitungstechnik, Trenn- und Raffinationsverfahren, Prozesschemie, Filtrationslösungen sowie Pumpen, Ventile, Sensorik, Automatisierungs- und Leittechnik. Hinzu kommen Laboranalytik, Qualitätskontrolle und Verfahren zur Prozessüberwachung.
Wer eine Pilotanlage ausrüstet, Prozessdaten liefert, Personal schult oder eine Demonstrationslinie mitentwickelt, kann später in die industrielle Skalierung hineinwachsen. Genau jetzt werden bei mehreren Projekten Verfahren, Lieferanten und technische Standards festgelegt. Wer erst einsteigt, wenn die Großanlage ausgeschrieben ist, kommt wahrscheinlich zu spät.
18
Aug. 2026
25
Aug. 2026
Delegationsreise für Unternehmen und Institutionen aus Niedersachsen zum Thema: Rohstoffe und Recycling
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Was bedeutet das für deutsche Zulieferer?
Trotz der hohen Dynamik sollten deutsche Unternehmen die Marktchancen realistisch einschätzen. Brasilianische Akteure verweisen auf langwierige Genehmigungsverfahren, Fachkräftemangel und Defizite bei der Infrastruktur. Außerdem steht das neue Rahmengesetz für kritische Rohstoffe noch nicht fest. Aufgrund der Präsidentschaftswahlen im Oktober 2026 ist das Gesetzgebungsverfahren ins Stocken geraten.
Auch der starke Einfluss Chinas auf die Preisbildung sowie geopolitische Risiken erschweren Investitionsentscheidungen. Neue Projekte außerhalb Chinas müssen daher nicht nur technologisch überzeugen, sondern sich auch langfristig im internationalen Wettbewerb behaupten.
Für deutsche KMU spricht deshalb vieles für eine Entwicklung in Etappen. Forschungsprojekte können den Einstieg in den brasilianischen Markt erleichtern. Bei den Regierungskonsultationen im April 2026 unterzeichneten Deutschland und Brasilien eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Forschung und Entwicklung.
Neue Anwendungen für Cer und Lanthan gesucht
Im brasilianischen Bergbau müssen die Wertschöpfungsketten für seltene Erden neu gedacht werden. Mit dem Ausbau der Förderung von Magnetrohstoffen wie Neodym und Praseodym fallen künftig größere Mengen der preiswerteren Begleitelemente Cer und Lanthan an. Da für diese bislang nur begrenzte Absatzmärkte existieren, entsteht ein wachsender Bedarf an neuen industriellen Anwendungen. Die gemeinsame Forschung und Entwicklung eröffnet dabei Chancen für deutsche Unternehmen.
Einblicke bietet Dr. André Carlos Silva im Gespräch mit dem Verein deutscher Ingenieure (VDI).
Entwicklungsbank BNDES finanziert Rohstoffprojekte
Zur Sicherung der Versorgung deutscher Unternehmen stellt die deutsche Bundesregierung einen Rohstofffonds bereit, der auch für Projekte in Lateinamerika genutzt werden kann.
Auch auf brasilianischer Seite stehen Mittel bereit. Die Entwicklungsbank BNDES und die Innovationsagentur Finep bieten zinsgünstige Kredite und Förderprogramme für Projekte im Bereich kritischer Rohstoffe an. In einer ersten Auswahlrunde ihres gemeinsamen Rohstoffprogramms wurden 56 von 124 eingereichten Projekten ausgewählt. Zehn Vorhaben betreffen seltene Erden, weitere acht Lithium. Für die ausgewählten Projekte mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 8,5 Milliarden US-Dollar (US$) werden derzeit die Finanzierungsstrukturen ausgearbeitet. Erste Förderverträge könnten noch 2026 unterzeichnet werden.
Zusätzliche Impulse für den Ausbau der Wertschöpfungsketten soll ein neuer Fonds für kritische Rohstoffe liefern, den BNDESPar, die Beteiligungsgesellschaft der BNDES, und der Bergbaukonzern Vale Ende Mai 2026 aufgelegt haben. Mit einem Volumen von 200 Millionen US$ sollen 18 bis 20 Projekte finanziert werden.
Für Großprojekte kann der Fundo Clima der BNDES eine wichtige Rolle spielen. Über das Programm können Projekte Finanzierungen von bis zu 200 Millionen US$ erhalten. Im Umfeld der Klimakonferenz COP30 kündigten die europäischen Entwicklungsbanken KfW, AFD Group und CDP eine Beteiligung von 1 Milliarde Euro am BNDES-Klimafonds an.
Von
Gloria Rose
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São Paulo